Die Welt von Morgen

Entwurf der Utopie für eine bessere Welt. Teil 3/7.

Dass wir nicht in der besten aller Welten leben, scheint immer mehr Menschen klar zu werden. Angesichts steigender Armut großer Bevölkerungsschichten, der Ausbeutung armer, aber rohstoffreicher Länder, sozialer Verwerfungen und der rasant fortschreitenden Umweltzerstörung offenbart das System immer offensichtlicher seine Unzulänglichkeiten. Viele sind sich einig: Der Kapitalismus ist eine Hauptursache für diese Entwicklungen, er hat sich überlebt und daher kämpfen immer mehr Menschen für eine bessere, eine gerechtere, eine andere Welt. Wie eine solche Welt konkret aussehen kann, ist dabei eine große Herausforderung. Wer allerdings keine Vorstellung davon hat, wohin die Reise gehen soll, tut sich schwer, sinnvoll für eine Veränderung einzutreten. In dieser Artikelreihe soll daher ein Vorschlag für eine alternative Gesellschaft skizziert werden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden die Notwendigkeiten eines neuen Systems dargelegt sowie Möglichkeiten präsentiert, wie ein solches aussehen könnte. Dabei wird auf alle wichtigen Bereiche gesellschaftlichen Zusammenlebens eingegangen.

In Teil 1 und Teil 2 der Serie haben wir die Notwendigkeiten einer neuen Gesellschaft sowie das Grundgerüst ihres politischen Systems und ihre Grundprinzipien thematisiert. Nun soll die zentrale Frage der Versorgung der Menschen behandelt werden.

Geld und die Fragen von Verteilung und Versorgung

Im Kapitalismus hat sich Geld als wesentlicher Machtfaktor erwiesen. Da das kapitalistische System am Tropf des Kapitals hängt, sind die Kapitaleigner dazu in der Lage, demokratisch nicht legitimierte Macht auszuüben. Ihr Einfluss wirkt sich subtil und von den Meisten unbemerkt über die gewählten Vertreter auf die Gesellschaft aus, denn diese geben die Entscheidungen als ihre eigenen aus. Dies war jedoch stets einer propagierten Abhängigkeit aller vom Erfolg der Wirtschaft geschuldet sowie dem ökonomischen Zwang nach Wachstum und der Abhängigkeit jedes Einzelnen von einem bezahlten Arbeitsplatz, wodurch die Kapitaleigner eine unvorstellbare Macht und Einfluss auf das Handeln der Politiker erlangen konnten. Regierende handeln somit „im Interesse aller“, wenn sie die Vertreter der Wirtschaft in ihren Entscheidungen bevorzugen.

Auch wird die Bereitschaft der Menschen, sich den Sachzwängen der Wirtschaft zu opfern, durch gezielte Einflussnahme gesteuert. So lassen sich Parlamentarier und Regierende durch die Verlockungen des Geldes zu Entscheidungen zugunsten der Kapitaleigner, aber entgegen der überwiegenden Mehrheit der Menschen hinreißen.

Das alleinige Ziel der Kapitaleigner ist jedoch, ihre Macht zu festigen und ihre Gewinne zu erhöhen, sei es durch direkte Korruption oder durch die Aussicht auf einen gut bezahlten Posten in der Privatwirtschaft. Gang und gäbe sind auch von der Privatwirtschaft in Auftrag gegebene und bezahlte Studien oder „Expertengruppen“; oft stehen voreingenommene Instrumente wie diese hinter den Think Tanks und Sachverständigen, auf die sich Politiker bei der Frage nach der Legitimität ihres Handelns berufen.

Handlungsmotor Geld

Geld ist zum zentralen Handlungsmotiv aller Menschen geworden. Dies gilt im Kleinen wie auch im Großen. Bei der Gestaltung seines Lebens macht sich der überwiegende Teil der Menschen von den Aussichten auf Geld abhängig. So geben sie Träume zugunsten einer sicheren Bezahlung auf, Eltern vernachlässigen der Arbeit wegen ihre Kinder, manche allerdings auch nur, um dem Kontostand noch einige Nullen hinzuzufügen, während andere Familien kaum die nötigen Mittel besitzen, sich und ihre Kinder angemessen zu versorgen und daher gezwungen sind, bei ihrer Lebensplanung das Geld in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit zu stellen. Dies führt zu Verdruss und Unglück auf allen Seiten.

Dabei hat Geld vor allem auch eine trennende Funktion. Durch die bereits erwähnten künstlich geschaffenen Gegensätze – beispielsweise von Verkäufer und Käufer, Vermieter und Mieter – sind die Menschen mit ihrem beständigen Kampf gegeneinander um den höheren Gewinn, den günstigeren Preis, die geringeren Ausgaben oder den höheren Lohn beschäftigt. Auf diese Weise richtet sich ihre Aufmerksamkeit statt auf die Machtverhältnisse, die ihr Leben ganz erheblich beeinflussen, auf Scheinkonkurrenzen, welche die Menschen untereinander spalten, sodass sie die Herrschaft der Kapitaleigner nicht gefährden, ja nicht einmal begreifen.

Mythos freier Markt

Die Verteilung von Gütern und Lebensmitteln wird im neoliberalen Kapitalismus einem fiktiven „Markt“ überlassen. Dieser, so die Annahme, sei demokratisch und reguliere sich selbst, biete allen Menschen den gleichen Zugang und dieselben Chancen. Diese Annahme war jedoch von Anfang an falsch. Der Kapitalismus hat die Eigentumsverhältnisse vorhergehender Epochen übernommen und fortgesetzt. Jene Familien, die vor vielen Jahrhunderten reich waren, sind es auch zu einem großen Prozentsatz im Kapitalismus auch heute noch.

Dies sorgt für eine bessere Ausgangslage der Angehörigen dieser Familien, während sich gleichzeitig Armut perpetuiert und Abhängigkeitsverhältnisse reproduziert werden. Statt auf den Feldern der Feudalherren wird die arme Bevölkerung heute in den Fabriken ausgebeutet, wo sie zu Hungerlöhnen ihre Arbeitskraft einsetzen oder später als Selbstständige im Dienstleistungsbereich – als Ich-AG – auch mangels eines funktionierenden sozialstaatlichen Rettungsschirms um ihre Existenz bangen müssen.

Die Freiheit, seinen Wohnort und seine Arbeit wählen zu können, wurde durch den Zwang, sich einer Lohnarbeit unterzuordnen, vollkommen belanglos. Freiheit bedeutet nur die Freiheit zu wählen, auf welche Weise man sich dem kapitalistischen Verwertungszwang unterwirft. Dieses Verhältnis setzt sich bis heute fort und wird nur langsam abgelöst durch den Einsatz von Robotern in der Produktion, was jedoch zu einer Verringerung des Arbeitsplatzangebotes führt und bei der fortbestehenden Abhängigkeit von Lohnarbeit zu einer verschärften Konkurrenz unter den Lohnabhängigen.

Dies nutzen die Kapitaleigner durch Verlängerung der Arbeitszeiten und Senkung der Löhne aus, um ihre eigenen Profite zu erhöhen. Transferleistungen federn den Effekt kaum ab, da diejenigen, die vom System aussortiert worden sind, durch repressive Zwangsmaßnahmen genötigt werden, sich in ein System einzugliedern, das für sie keine Verwendung mehr findet.

Zunehmende Armut trotz Wachstums ist somit eine Folge, und den Menschen wird der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern und Leistungen zunehmend erschwert. Der Markt war also nie demokratisch, sondern nutzte stets nur denjenigen, die Geld besaßen, während er jene ausbeutete, die von einer Geldquelle abhängig waren.

Der Markt ist folglich ein totalitäres System der Herrschaftsausübung mit dem Gewaltmittel des Geldes.

Dies führt auch dazu, dass die Geldbeschaffung das zentrale Ziel eines jeden wurde. Zwar will sich niemand freiwillig in ein solch ausbeuterisches Abhängigkeitsverhältnis begeben, und doch fügt sich jeder bedingungslos der Gewalt dieses Systems – das Negativbeispiel des Obdachlosen oder Empfängers von Arbeitslosengeld stets vor Augen.

Zudem brach sich die steigende Gier der ohnehin schon Reichen nach Geld in einem immer absurderen Finanzspekulationssektor Bahn, in dem Spekulationen mit Lebensmitteln die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel so in die Höhe schnellen ließen, dass sie für die ärmsten Menschen der Welt kaum noch bezahlbar waren. Darüber hinaus wurden künstliche Finanzprodukte geschaffen, die in der Realität keinerlei Deckung hatten.

Diese werden in immer höherer Geschwindigkeit um den Globus gehandelt und schon der kleinste Fehler, die kleinste Fehlspekulation kann die gesamte Weltwirtschaft in tiefe Krisen stürzen. Das alles dient allein dem Zweck, einer kleinen Gruppe von Menschen weiteren Reichtum zu garantieren und ihrem Geld Anlagemöglichkeiten für weitere Profite zu bieten.

Die Abhängigkeit der Gesellschaft vom Geld ist somit zentral für das fortschreitende Unglück der Menschen. Dabei ist Geld an sich wertlos. Der überwiegende Teil existierte zuerst als gedruckte Zahlen auf Papier, später nur als Bits und Bytes, die in einem Computer eine fiktive Zahl auf einem Bildschirm anzeigten. Dieses real nicht existierende Geld wird erst real, wenn der Besitzer eines Bankkontos an einem Bankautomaten Scheine abhebt.

Geld war ursprünglich aus den Schuldscheinen der Banken hervorgegangen, die stets mit Gold gedeckt waren. Jeder konnte sich also gegen seine Geldscheine von jeder Bank eine entsprechende Menge Gold auszahlen lassen. Diese Golddeckung wurde jedoch im 20. Jahrhundert aufgehoben. Seitdem ist das einzige, das dem Geld noch seinen „Wert“ verleiht, der Glaube der Menschen an diesen Wert. Es entstand also ein Zirkelschluss, da die Menschen dem Geld einen Wert zuschreiben, den dieses aber nur besaß, gerade weil die Menschen ihm diesen Wert zuschreiben.

Hinzu kam und kommt, dass Banken mithilfe von Krediten und Zinsen Geld aus dem Nichts schöpfen, also inflationär neues erzeugen. Die Menschheit ist somit einer Illusion zum Opfer gefallen, die sich jedoch, da sie Antrieb für menschliches Handeln geworden ist, zerstörerisch auf Mensch und Umwelt auswirkt.

Geld und Glück

Obwohl das Gegenteil schon vielfach behauptet und auch in Studien nachgewiesen worden ist, glauben die meisten Menschen, dass Glück käuflich wäre und somit gleichbedeutend mit dem Kontostand. Glück und Geld setzen die Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft gleich. Dass dies jedoch eine Lüge ist, finden nur jene heraus, die tatsächlich solcherlei fiktiven „Reichtum“ anhäufen.

Der Mensch verharrt also in einem Zustand permanenten Unglücks, sei es, weil er erlebt, dass Geld und Glück keinerlei Bezug zueinander haben, sei es, weil er sein Leben lang dem Geld hinterherjagte und dabei all das vernachlässigte, was ihn wirklich glücklich hätte machen können – und bei alledem sein über alles gestelltes Ziel des Reichtums nicht zu erreichen vermochte.

Auch die Jagd nach dem Glück erklärt das Phänomen der Geldgier und der machtbesessenen Kapitaleigner, die mit zerstörerischem Verlangen nur nach Erhöhung ihrer Profite streben und dabei auf Mensch und Umwelt keine Rücksicht nehmen. Diese Menschen sind unter den Unglücklichen die Unglücklichsten: Entweder haben sie noch nicht begriffen, dass Geld und Glück nichts miteinander zu tun haben, oder sie versuchen, das Ausbleiben des Glücks mit einem Surrogat auszugleichen, was vom Ansatz her erfolglos bleiben muss.

Der Mangel an Geld führt überdies jährlich zum frühzeitige Tod tausender Menschen. Da die Kapitaleigner mehr und mehr der Vermögen auf sich vereinen, versinken immer mehr Menschen in Armut und können sich nichts zu essen, keine Gesundheitsversorgung oder eine würdige Unterkunft leisten. Geld ist somit direkter Auslöser für millionenfaches Elend und der Reichtum der Kapitaleigner lässt Menschen millionenfach verhungern und verelenden.

Gesellschaft ohne Geld

In einer neuen Gesellschaft müssen daher das Geld und alle mit ihm verbundenen Dienstleistungen und Institute aufgrund ihrer zerstörerischen Auswirkungen abgeschafft werden. Erst wenn Geld nicht mehr der Antrieb menschlichen Handelns ist, kann der Mensch zu sich selbst finden und eine vernünftige Wirtschaft im Einklang mit Mensch und Natur beginnen. Auch den entfesselten Finanzmärkten wird somit ein Riegel vorgeschoben, versuchen diese doch, mithilfe von Geld noch mehr Geld zu schöpfen, agieren dabei entkoppelt von der Realwirtschaft, stürzen diese aber regelmäßig in tiefe Krisen, die das Elend vieler Menschen noch verschlimmert.

Die sich immer beschleunigter drehende Spirale aus Krediten, Schulden und Zinsen wird ebenfalls gestoppt, und die Wirtschaft auf ein erträgliches Tempo gedrosselt. Wachstum zum Selbstzweck findet nicht länger statt. Produziert wird nicht mehr des Geldes wegen, sondern einzig und allein zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung. Damit geht auch ein massiver Rückbau der Produktion einher.

Wenn aber das Geld als Verteilungsfaktor wegfällt, müssen die Verteilung von Gütern und die Versorgung mit Dienstleistungen auf andere Weise erfolgen. Zunächst ist festzustellen, dass Verteilung und Versorgung schon im Kapitalismus nicht funktionieren. Da beides unweigerlich mit dem Geld verbunden ist und es zu einer extrem ungleichen Verteilung kam, gibt es auf der einen Seite jene, die in materiellem Überfluss schwimmen und sich alles leisten können, während auf der anderen Seite der überwiegende Teil der Menschheit stets darum bemüht ist, überhaupt nur ein Minimum seiner Bedürfnisse zu erfüllen.

Viele sind von jeglicher Gesundheitsversorgung vollkommen abgeschnitten. Dort, wo ein System aus Krankenversicherungen existiert, wird dieses nur dazu benutzt, aus dem Geld der Versicherten höhere Renditen für die Anteilseigner zu schöpfen, während die Versorgung der Versicherten immer nur das absolut notwendige Minimum abdeckt.

Verteilung in Selbstverwaltung

In einer neuen Welt übernimmt daher der Staat die Versorgung, genauer gesagt: die Menschen selbst, da der Staat aus den sich in Räten organisierten Menschen besteht. Im System wirkt somit jeder Einzelne mit. Die Räte stellen den Menschen die in der Landwirtschaft erzeugte Nahrung zur Verfügung, ebenso wie Kleidung, Wohnraum und die Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme. Die Erzeugung jedoch ist nicht staatlich gelenkt oder geleitet. Planwirtschaft hat sich in der Vergangenheit als wenig effektiv erwiesen, eine solche findet daher nicht statt.

Die Erzeugung bleibt den berufsspezifischen Kollektiven und Räten in Selbstverwaltung überlassen. Der Staat in Form von Kommunal- und Regionalräten übernimmt lediglich die Verteilung. Mit allen lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen versorgt zu werden, ist ein unabdingbares Grundrecht eines jeden Menschen. Dieses Recht muss daher als solches Grundrecht bindend kodifiziert werden. Es gibt keinen Grund, der den Ausschluss Einzelner von der Versorgung rechtfertigt. Sollten die Räte ihrer Aufgabe nicht ausreichend nachkommen, können entweder der gesamte Rat oder einzelne Mitglieder abgewählt werden.

Die Verteilung findet grundsätzlich auf kommunaler Ebene statt. Güter, die auf kommunaler Ebene erzeugt werden, werden auch dort weiterverarbeitet und verteilt. Insofern ist für enge Versorgungskreisläufe zu sorgen, welche die Natur nicht durch überflüssigen Transport und Verpackungsmüll belasten. Insbesondere spezielle, lebensnotwendige Nahrungsmittel finden sich jedoch nicht in jeder Kommune, deren Verteilung wird daher von den Regionalräten oder dem Globalrat organisiert, wenn auch diese nicht die volle Versorgung gewährleisten.

Kommunale Überschüsse werden bei Bedarf regional oder gegebenenfalls global gleichmäßig verteilt. So findet eine Rückkehr zu der natürlichen, jahreszeitlich abhängigen Ernährung statt. Bei der Verteilung ist es denkbar, im Kapitalismus etablierte Strukturen beizubehalten. So wird der Bäcker weiterhin das kommunal produzierte Mehl verarbeiten und seine Waren in seinem Laden ausstellen, wo ein jeder sie kostenlos abholen kann, da es kein Geld mehr gibt.

Auch andere Läden werden beibehalten, ihre Zulieferung findet jedoch kommunal oder, falls kommunale Versorgung nicht möglich ist, regional sowie subsidiär global statt. Wo eine kommunale Versorgungslücke besteht, ist diese zu schließen. Sollte es auf kommunaler Ebene also keine Mühle geben, damit der Bäcker Getreide weiterverarbeiten kann, ist eine solche Mühle einzurichten.

Weiterhin ist eine Eigenversorgung der Menschen möglich und erwünscht. Der Staat stellt dafür alle benötigten Materialien sowie durch Bildung auch das nötige Wissen zur Verfügung, sodass jeder Einzelne durch eigenen Anbau ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit von der staatlichen Verteilung erlangen kann. Unabhängigkeit jedes Einzelnen ist der gewünschte Effekt. Dasselbe gilt auch für die Versorgung mit Wasser, Wärme und Energie. Nur Unabhängigkeit führt zu Freiheit.

Die Verteilung der Güter wird von dem kommunalen Rat organisiert, der aus der Mitte seiner Mitglieder eine Behörde einrichtet, welche die Sammlung der erzeugten Güter übernimmt und diese unter den Anwohnern der Kommune beziehungsweise den vorhandenen Läden verteilt. So kommen alle lebensnotwendigen Güter zu den Menschen, ein stundenlanges Anstehen wie in vergangenen sozialistischen Projekten wird es somit nicht geben. Die Zeit, die den Menschen dabei erspart bleibt, können diese entweder in ihre Arbeit investieren, oder sie gehen ihren Neigungen nach, widmen sich Kunst und Kultur sowie dem Aufbau eines gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Lebens.

Alternativ ist es auch denkbar, dass die Angestellten der Läden die erzeugten Güter bei den Erzeugern abholen oder die Erzeuger sie umgekehrt in die Läden transportieren.

Auch die Versorgung mit Dienstleistungen muss in einer Gesellschaft ohne Geld jedem Menschen frei zugänglich sein. Da auch die Dienstleister vom Staat versorgt werden, müssen diese nicht um ihre Existenz bangen, sondern können sich ganz ohne künstlichen Stress und Finanzierungsdruck ihren Aufgaben widmen. Dies führt zu einer umfassenden und sichereren Versorgung, insbesondere im Bereich der Gesundheit und der Pflege. Arbeit von Geld zu entkoppeln, führt außerdem dazu, dass die Karrieristen Berufe meiden, die sie nur des Verdienstes wegen gewählt hätten, und sich stattdessen auf ihre tatsächlichen Stärken und Interessen besinnen.

Wenn der Mensch einer Arbeit nicht mehr des Geldes wegen, sondern aufgrund echter Leidenschaft nachgeht, verbessern sich nicht nur das Arbeitsklima und die Qualität der Arbeit, sondern auch das Klima und die Zufriedenheit einer Gesellschaft insgesamt. Dieses System leistet jedoch nicht der Faulheit Vorschub, sondern verhindert, dass der Mensch in Berufe hineingedrängt wird, für die ihm das Talent fehlt und für die er keinerlei Interesse aufbringt. Niemand wird sich einfach für den Rest seines Lebens auf die faule Haut legen.

Jeder Mensch braucht einen Sinn in seinem Leben, um sich bedeutsam und wichtig zu fühlen, und da auch die mediale Ablenkungsindustrie – wie in einem späteren Artikel beschrieben – dramatisch abgebaut wird, muss er Beschäftigung in dem Bereich finden, in dem er seine Stärken sieht. Diese herauszufinden, wird auch eine zentrale Aufgabe der Bildung sein.

In einer neuen Gesellschaft muss somit niemand mehr um seine Existenz fürchten, sondern jeder kann sich ganz auf sein Leben konzentrieren, wodurch eine freie, lebenswerte Gesellschaft entsteht.

Produktion

Nun, da das System der Verteilung und der Versorgung skizziert wurde, bleibt die Frage offen, wie die zu verteilenden Güter produziert werden. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion.

Vorab ein Blick auf die aktuelle Situation: Die kapitalistische Produktion richtet sich nie an den Bedürfnissen der Menschen aus. Ganz im Gegenteil, immer wieder werden Produkte erschaffen, die objektiv kein Bedürfnis erfüllen. Der Wunsch, ein solches Produkt zu besitzen, wird erst durch geschicktes Marketing in die Köpfe der Menschen gepflanzt, um dann die Befriedigung dieses angeblichen Bedürfnisses anbieten zu können. Dies erfüllt alleine den Zweck, über das Vehikel der Produktion und des Marketings Profite zu generieren.

So wurde vor allem in den letzten Jahrzehnten die globale Produktion durch eine Vielzahl an objektiv nutzlosen Dingen künstlich aufgebläht und das Bedürfnis, diese zu kaufen, musste kreiert werden, sodass die ursprünglichen Bedürfnisse des Menschen unter einer Vielzahl von künstlichen verborgen wurden. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind katastrophal. Sehenden Auges zerstörte der Mensch, was ihn am Leben erhält, um die erbeuteten Ressourcen in Produkte umzuwandeln.

Dies geschieht jedoch nicht ohne Grund. Es ist der Notwendigkeit geschuldet, den Fluss des Kapitals aufrechtzuerhalten, den fortwährenden Lauf aus Schulden und Zinsen zu ermöglichen, damit das System nicht ins Stocken gerät. Produktion diente also nie den Menschen, sondern einzig dem Kapital. Durch immer weiter steigende Zinsen und Schulden musste auch der Produktionsprozess beschleunigt werden, wodurch der Markt mit einer Vielzahl nutzloser Dinge überflutet wurde.

Doch Produktion ohne Konsum erfüllt diesen Zweck nicht, wie auch Konsum ohne Produktion nicht möglich ist. So bedingen sich diese beiden Faktoren gegenseitig. Welchen Zweck erfüllt Produktion, wenn am Ende des Herstellungsprozesses das fertige Produkt nicht konsumiert wird? Dies ist nicht allein eine Frage des Produzenten am Ende der Herstellungskette. Denn wenn die Nachfrage nach einem Produkt schlicht die Produktionskosten nicht wieder einbringt, wird dies entlang der ganzen Herstellungskette zu Rückkopplungen führen, die schließlich den gesamten Herstellungsprozess zum Erliegen bringt.

Um dies zu verhindern, ist es also notwendig, mithilfe medialer Propaganda den Konsum anzupreisen. Dies geschieht mithilfe der Psychologie durch die Schaffung künstlicher Bedürfnisse – durch mediales Bombardement und Dauerwerbung, der zu entkommen unmöglich ist. Fast jeder Mensch steht dieser psychologischen Manipulation zumeist ahnungs- und hilflos gegenüber, lässt sich dadurch beeinflussen und folgt seinen neu erweckten Bedürfnissen.

Sachgegenstände werden so zu Statussymbolen erhoben, um den Absatz zu steigern. Statussymbole kaufen Menschen als Surrogat für nicht erfüllte, tiefer liegende, vollkommen unbekannte Bedürfnisse, um sich als den anderen überlegen darzustellen. Dies funktioniert natürlich nur so lange, wie nur eine Minderheit das entsprechende Produkt besitzt. Sobald das nicht mehr der Fall ist, entsteht ein neues Bedürfnis nach einem weiteren Surrogat, das für die Zurschaustellung des eigenen, behaupteten Status geeignet ist. Auf diese Weise hält sich die einmal in Gang gesetzte Maschinerie aus Produktion und Konsum selbst in Bewegung.

Produktionssenkung in einer neuen Gesellschaft

In einer neuen Gesellschaft wird die Produktion auf das Lebensnotwendige beschränkt werden. Im Prozess der Transformation wird sie von allem Überfluss und Verschwendung durch den Prozess der Deindustrialisierung befreit. Denn eine Gesellschaft, in der kein Geld, keine Kapitalflüsse mehr das Schicksal der Menschen bestimmen, wird die Notwendigkeit wegfallen, Schulden aufzunehmen und Zinsen zu bedienen – damit wird der größte Teil der Produktion schlicht überflüssig. Auf diese Weise kann ein großer Teil der weltweiten Produktionsstätten im Rahmen einer globalen Deindustrialisierung geschlossen werden.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die freiwerdenden Arbeitskräfte nutzlos werden. Im Gegenteil: Sie werden in die restliche Produktion eingegliedert, um die dort beschäftigten Arbeiter zu entlasten und die Arbeitszeit für alle zu verkürzen. Ferner können durch gezielte Fort- und Weiterbildung diese Arbeitskräfte in andere Bereiche eingegliedert werden. So wird eine steigende Zahl von Landwirten und Handwerkern notwendig werden.

Befreiung von überflüssiger Produktion bedeutet auch, dass alles, was problemlos von Hand hergestellt werden kann, beispielsweise Werkzeuge, auch wieder auf diese Weise produziert wird. Dies ist notwendig, um verschwenderischer Überproduktion vorzubeugen sowie Umwelt und Ressourcen zu schonen und überflüssige Transporte zu vermeiden. Da jede Maschine mit Energie versorgt werden muss und bei vielen Herstellungsprozessen giftige Abgase oder Abwässer entstehen, ist es notwendig, solche Belastungen so weit wie möglich zu verringern.

Bei der Herstellung spielt folglich auch Qualität eine größere Rolle als Quantität. Nur Produkte, die lange benutzbar bleiben und reparierbar sind, also eine hohe Qualität aufweisen, sind mit dem Ziel, den Planeten als Versorger zu schonen, in Einklang zu bringen. Der Fokus wird daher von der Produktion neuer Waren auf die Reparatur und Wartung bereits hergestellter Waren verlagert, wozu eine gesteigerte Anzahl an Handwerkern vonnöten sein wird. Jedoch gilt der Grundsatz, dass es jedem Menschen freisteht, worauf er seine Zeit und Kraft verwenden möchte. Jeder Mensch hat ganz individuelle Fähigkeiten, die er zum Nutzen aller in die Gesellschaft einbringen kann.

Auch die Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln wird auf ein Minimum reduziert. Die aktuelle, industrialisierte Nahrung verliert im Laufe des Produktionsprozesses deutlich an Qualität und Nährstoffen. Im Gegenzug wird sie in der Regel angereichert mit Geschmacksverstärkern und Farbstoffen, die wiederum eigens produziert werden müssen. Dies führt dazu, dass die Menschen mehr Nahrungsmittel benötigen, um ihren Nährstoffbedarf zu decken, was dann wieder zu erhöhter Produktion und damit einem höheren Ressourcenverbrauch zu größerer Belastung der Umwelt führt. Eine Weiterverarbeitung der Lebensmittel wird daher auf das allein notwendige Maß beschränkt und, soweit möglich, ohne elektrische Maschinen durchgeführt.

Produktionsstätten werden weiterhin nicht verstaatlicht. In einer Rätedemokratie ist jeder Einzelne Teil des Staates und mitbestimmendes Organ. Produktionsstätten werden, wie alles andere auch, durch Räte geführt, die jeweils aus dem Kreise der Arbeitenden bestehen. An diesen Rat ist der jeweilige Bedarf an entsprechenden Waren zu adressieren; dieser leitet die Notwendigkeiten daraufhin an die Produktion weiter. Produktion wird somit nicht zentral in Form einer Planwirtschaft organisiert, sondern richtet sich am jeweils vorhandenen Bedürfnis aus.

Denkbar ist es auch, dass Produktionsstätten keine feste Belegschaft aufweisen. Durch das für alle zugängliche Bildungssystem kann jeder Mensch alle wichtigen Fertigkeiten erlernen. Das führt dazu, dass niemand sein Leben lang einen einzigen Beruf ausüben muss. Auch die Interessen eines Menschen wandeln sich über die Zeit, und so soll es möglich sein, dass sich die Arbeit, der ein Individuum nachgeht, im Laufe seines Lebens ändern kann.

Ferner müssen Produktionsstätten wie Fabriken niemals rund um die Uhr laufen. Da der Fokus auf langlebige und reparierbare Produkte gelegt wird, müssen die Fabriken nur nach Bedarf in Betrieb genommen werden, um gerade gebrauchte Produkte zu produzieren. Sind diese hergestellt, können sich die Arbeiter anderen Tätigkeiten widmen.

Wandel im Menschen

Vielen Menschen wird solche eine tiefgreifende Veränderung der Produktion, insbesondere die Abschaffung so vieler überflüssiger Waren, zunächst als Mangel erscheinen. Ihnen wurden über viele Jahrzehnte so viele verschiedene Bedürfnisse eingeredet, die zu befriedigen nun unmöglich wird. Wenn sie jedoch begreifen, dass diese Bedürfnisse keine echten, sondern künstlich erschaffene Bedürfnisse waren, werden sie sich damit auseinandersetzen, was sie wirklich zum Leben brauchen, und sich so von überflüssigem Konsum befreien.

Auch wird in einer neuen Gesellschaft Konsum als Surrogat für gesunde Beziehungen und ein lebenswertes Leben nicht weiter vonnöten sein, da das Leben der Menschen, ihre Liebe und ihre Mitmenschlichkeit im Vordergrund der neuen Gesellschaft stehen, wodurch ein wahres gesellschaftliches Zusammenleben ermöglicht wird. Flankiert wird dieser Prozess auch durch umfangreiche Bildung und die Mittel und Erkenntnisse der Psychologie.

So wird in einer neuen Gesellschaft die Produktion auf das notwendige Mindestmaß zurückgefahren, um auf diese Art und Weise ein Zusammenleben mit der Natur wiederherzustellen und den Menschen mit sich selbst zu versöhnen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist der zentrale Versorgungssektor einer jeden Gesellschaft. Hier wird der größte Teil der Nahrungsmittel produziert, die für das Überleben der Menschen unabdingbar sind. Im Kapitalismus ist sie jedoch zu einer reinen Renditemaschine verkommen. Nahrungsmittelspekulation und industrialisierte Betriebe haben die Landwirtschaft weit von ihrem ursprünglichen Aufgabenbereich, der adäquaten Versorgung der Menschen, entfernt.

Unter der Herrschaft des Kapitals lautet das alleinige Ziel der Landwirtschaft, Erträge ins Absurde zu steigern, um Renditen zu erzielen, welche die Aktionäre befriedigen sollen. Dies führt immer wieder dazu, dass ein großer Teil der produzierten Lebensmittel nach der Ernte wieder vernichtet werden muss, um die Preise zu stabilisieren. Weiterhin werden zur Ertragssteigerung Saatgüter genetisch so verändert, dass sie schneller und auch unter verschärften Bedingungen wachsen. Was sich zunächst nach einem Segen anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als ein Fluch.

Denn mit der genetischen Manipulation verlieren die Pflanzen auch ihre natürlichen Abwehrmechanismen gegen Schädlinge. Dies muss folglich durch den erhöhten Einsatz von Pestiziden ausgeglichen werden, mit der Folge, dass auf diese Weise nützliche Insekten wie Bienen und Hummeln massenweise sterben und ihre Populationen drastisch reduziert werden, was sich negativ auf die gesamte Nahrungskette auswirkt und so beispielsweise auch zum Verschwinden zahlreicher Vogelarten führt.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die anhaltenden Monokulturen, welche die Artenvielfalt der Pflanzen gefährden und die Böden auslaugen. Viele Insekten verlieren auf diese Weise wichtige Nahrungsquellen und die übriggebliebenen Pflanzen sind bereits mit Pestiziden verseucht. Weiterhin verlieren die verwendeten Hybridsamen ihre Fortpflanzungsfähigkeit, was dazu führte, dass die Landwirte für jede Aussaat bei den entsprechenden Konzernen neue Samen einkaufen müssen und so dauerhaft von ihnen abhängig sind.

Der wachsende (Zeit-)Druck durch das Kapital erlaubt es den Landwirten weiterhin nicht mehr, einzelne Felder in regelmäßigen Abständen brachliegen zu lassen. Dies ist aber notwendig, damit sich die Böden erholen und neue Nährstoffe aufnehmen können, um somit ihre Tragfähigkeit zu erhalten. Ein brachliegendes Feld bedeutet im Kapitalismus jedoch ein Jahr ausfallenden Ertrages, was sich kein Landwirt leisten kann. Daher versucht er, den Nährstoffmangel durch Überdüngung der Felder auszugleichen, sei es durch Kunstdünger oder Gülle, was jedoch schwerwiegende Folgen für die Umwelt hat.

So steigt permanent der Anteil an Giftstoffen wie Nitrat im Boden weit über das zulässige Höchstmaß hinaus, gelangt weiterhin ins Grundwasser und wird somit zur Gefahr für die Gesundheit von Tier und Mensch. Auch sinkt der Anteil wichtiger Nährstoffe in den Früchten, sodass derjenige mehr essen muss, der seinen Nährstoffbedarf decken möchte.

Auch auf die Gewinnung von Fleisch und anderen tierischen Produkten wirkt sich der Kapitalismus verheerend aus. Schon allein der Anbau von Futtermitteln, zumeist eiweißreiche Sojabohnen, die das Vieh schneller wachsen lassen, verschlingt riesige Anbauflächen, für die wertvoller Regenwald gerodet wurde und noch immer wird. Durch den Wegfall des Waldes beschleunigt sich der durch Kohlenstoffdioxide ausgelöste Klimawandel, setzt die zumeist angewandte Brandrodung doch große Mengen davon frei, die in den Bäumen gespeichert waren. Das führt zur Reduktion wichtiger Kohlenstoffspeicher, die Bäume nun einmal darstellen. Weiterhin entstehen riesige Monokulturen auf Flächen, die besser zum Anbau von für Menschen notwendige Früchte verwendet werden können.

Diese „künstlichen“ Futtermittel werden dann zumeist über tausende Kilometer transportiert, was den Klimawandel weiterhin anfacht, und dann an in fabrikartigen Hallen versklavte Tiere verfüttert, in deren Mägen es zu einer hohen Methanproduktion beiträgt, die sich wiederum negativ auf das Klima auswirkt. Die Fleischproduktion ist somit der größte Emittent für klimarelevante Gase.

Entrechtete und versklavte Tiere werden in Massenkäfigen gehalten und haben keinen Platz, sich zu bewegen oder hinzulegen. Sie werden mit Wachstumshormonen gefüttert, um sie schneller schlachten zu können. Auf diese Weise fristen viele Tiere ihr gesamtes Leben unter Schmerzen und in dauerhafter Angst.

Weiterhin erhöht diese industrialisierte Tierhaltung, bei der tausende Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht werden, die Gefahr von Krankheiten, die der Betreiber durch die Gabe von Antibiotika zu unterdrücken versucht. Dies führt jedoch zur Entstehung multiresistenter Erreger, gegen die kein Antibiotikum mehr etwas auszurichten vermag, und ist somit zu einer Bedrohung für die Menschheit insgesamt geworden.

Die Fleischindustrie nimmt das Leid ungezählter Tiere willentlich in Kauf, setzt sie unwürdigen Bedingungen aus, nur um des Profits und der Rendite willen. Zudem verschlingen die industrialisierte Landwirtschaft und die Fleischindustrie absurde Mengen an Grundwasser – eine unverantwortliche Verschwendung dieses kostbaren Gutes.

Die Massentierhaltung hat im heutigen Kapitalismus ein Level an Entartung und Niederträchtigkeit erreicht, das jegliche Vorstellung von menschlicher Moral und Ethik geradezu offensiv angreift.

Kooperative Landwirtschaft

In einer neuen Gesellschaft wird es keine Profitinteressen und Renditeerwartungen mehr geben. Da es kein Geld mehr gibt, arbeiten die Landwirte ohne finanziellen Druck und in Kooperation statt Konkurrenz. Zu diesem Zweck werden landwirtschaftliche Betriebe auf kommunaler Ebene zu Kooperativen zusammengeschlossen, in denen die Landwirte sich gegenseitig unterstützen.

So werden Werkzeuge geteilt, Saatgut gemeinschaftlich eingelagert, um in Zeiten schlechter Ernten oder Ernteausfällen Verluste ausgleichen zu können. Saatgut wird aus dem Ertrag der Felder gewonnen. Dabei ist dafür zu sorgen, dass immer mehr Saatgut zurückbleibt als für eine Aussaat in der kommenden Saison erforderlich ist, um Rücklagen zu bilden. Benutzt werden weiterhin nicht genetisch veränderte, sondern, soweit dies noch möglich ist, die natürlichen Saatgüter, die ohne Pestizidgebrauch auskommen und an die regionalen Bedingungen angepasst sind, sowie in der Lage sind, sich selbstständig zu vermehren.

Durch den fehlenden kapitalistischen Druck ist es nun auch wieder möglich, Felder ihrer Brachzeit entsprechend ruhen zu lassen, sodass ein übermäßiger Einsatz von Düngern überflüssig wird. Stets ist weiterhin darauf zu achten, dass Felder mit wechselnden Feldfrüchten bestellt werden, um Monokulturen zu vermeiden. Auch der Anbau in Permakulturen und biodynamische Landwirtschaft sind denkbar und erwünscht.

Ziel der Landwirtschaft wird wieder die optimale Versorgung der Menschen auf kommunaler Ebene sein, nicht das große Geld. Dabei sind stets die natürlichen Räume und Gegebenheiten zu berücksichtigen und in die Planung miteinzubeziehen.

Organisiert werden die Landwirtschaftskooperativen in kommunalen Landwirtschaftsräten, in denen sich die Landwirte absprechen, was sie auf welchen Feldern anpflanzen und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um die optimale und umweltgerechte Versorgung der Menschen zu gewährleisten. Möglich ist es auch, regionale Landwirtschaftsräte zu gründen, in denen Vertreter aller Kommunen sitzen, um notwendige Absprachen zu treffen. Dieser Rat hat jedoch kein politisches Gewicht, da dieses allein auf den drei bereits benannten Ebenen verbleibt, sondern dient allein der Organisation einer optimalen Versorgung der Region.

Im Bereich der Landwirtschaft wird es weiterhin einen großen Zuwachs an Arbeitskräften geben, da – wie bereits erwähnt – überflüssige Produktionsstätten geschlossen und die dort beschäftigten Arbeiter auf andere Aufgabenbereiche verteilt werden. Dies führt zu einer Verringerung der Arbeitszeit für alle insgesamt, trotz des Wegfalls zusätzlicher industrieller Mittel.

Ende der Massentierhaltung

Die überbordende Fleischproduktion, welche der Kapitalismus geschaffen hat, kann nicht aufrechterhalten werden; ihr muss Einhalt geboten werden. Auf diese Weise werden die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt eingedämmt und Tiere aus ihrem Sklavendasein erlöst. Flächen, auf denen bislang Tierfutter angebaut wurde, können nun umbestellt werden, sodass dort nun für den Menschen nützliche Nahrungsmittel angebaut werden. Insbesondere die Bewirtschaftung der in den Regenwäldern gelegenen Anbauflächen wird allerdings vollständig eingestellt.

Die Felder werden brachgelegt, sodass die Wälder sich diese zurückerobern können. Auf diese Weise wird der Kampf gegen die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels unterstützt, gleichzeitig jedoch auch den zahlreichen in diesen Regionen beheimateten Arten Lebensraum zurückgegeben. Durch eine Rückkehr der Regenwälder wird auf lange Sicht die Luftqualität, die durch Industrialisierung, Abgase und andere Nebenfolgen des Kapitalismus abgenommen hat, wieder steigen.

Regionale Ernährung bedeutet auch, dass auf die besonderen, regionalen Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen ist. So wird es Regionen geben, in denen eine Ernährung ohne Fleisch nicht denkbar ist, da die klimatischen Bedingungen oder die Böden für eine ausgiebige Landwirtschaft nicht geeignet sind. Doch wo möglich, soll der Fleischkonsum eingeschränkt werden.

Jedem, der nicht auf Fleisch als Nahrungsmittel verzichten will oder kann, steht es frei, selbst Vieh zu halten, jedoch unter Verhältnissen, die den Bedürfnissen der Tiere angepasst sind. Viehhaltung im Rahmen der Landwirtschaft ist weiterhin erlaubt, jedoch hauptsächlich zur Gewinnung von Milch, Wolle und anderen tierischen Produkten. Die Haltung der Tiere und Gewinnung der tierischen Produkte muss jedoch die Würde des Tieres berücksichtigen.

Industrielle Tierfabriken darf es nie wieder geben!

Auch Fisch wird als Nahrungsquelle nur Wenigen zur Verfügung stehen. Die Fischbestände mussten unter dem Kapitalismus erhebliche Einbußen hinnehmen, sodass viele Fischarten bereits am Rande des Aussterbens stehen. Zudem hat der Kapitalismus durch seine Abwässer und Abfälle die Meere mit Schwermetallen und Kunststoffen verseucht, sodass von einem Verzehr der Fische ohnehin nur abgeraten werden kann. Wer jedoch dennoch nicht darauf verzichten will, kann sich eine Lizenz zum Angeln beschaffen und sich selbst versorgen. Dies muss jedoch im Rahmen ökologischer Fangquoten geschehen, die ein Aussterben der Arten verhindern.

Zudem wird jedem einzelnen Haushalt nahegelegt, die Versorgung aus der kollektiven Landwirtschaft durch eigenen Anbau zu ergänzen. Dabei werden jedem die dazu benötigten Mittel bereitgestellt, und auch das dazugehörige Wissen kann er sich durch Bildung aneignen. Eine größtmögliche Unabhängigkeit von der kollektiven Versorgung ist ein wünschenswertes Ziel, denn nur, wenn die Menschen in Unabhängigkeit leben, können sie frei sein und erst dann kann wahre Demokratie entstehen. Weiterhin können auf diese Weise kommunale Anbauflächen verkleinert und somit der Natur mehr Raum zur Verfügung gestellt werden. Private Versorger können sich in Nachbarschaftskooperativen zusammenschließen und sich auf diese Weise gegenseitig unterstützen.

Weiterhin ist denkbar, besonders in großen Städten bestehende Grünflächen in Anbauflächen umzuwandeln, die gemeinschaftlich bestellt werden und jedem frei zugänglich sind. Die auf diese Weise erzeugten Früchte stehen jedem zur freien Nutzung zur Verfügung. Es ist jedoch auch hier ein kommunales Lager für Saatgut einzurichten, in dem Rücklagen gebildet werden.

Auch ist ein Tauschhandel mit erzielten Erträgen oder den von dem Kommunalrat verteilten Nahrungsmitteln möglich. Jeder hat bestimmte Vorlieben, und so steht es jedem frei, einzutauschen oder zu verschenken, was er nicht braucht oder haben möchte. Monopolstellungen oder der Ersatz bestimmter Güter durch Geld werden schon dadurch verhindert, dass alle notwendigen Güter in regelmäßigen Abständen an die Menschen verteilt werden, sodass jeder an alle Nahrungsmittel gelangen kann, die in der entsprechenden Kommune oder gegebenenfalls Region angebaut werden.

Somit wird die Landwirtschaft in der neuen Gesellschaft wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt: der Versorgung der Menschen. Dies geschieht auf eine umweltverträgliche und kooperative Weise, die jegliche Konkurrenz der Landwirte untereinander und der Landwirtschaft zur Natur ausschließt. Sie kann weiterhin durch Selbstversorgung ergänzt werden.

Ausblick

Ein solches System der Versorgung erscheint dem kapitalistisch sozialisierten Menschen zunächst vielleicht umständlich und mangelhaft. Dies ist jedoch nur eine Frage der Gewöhnung. Die künstlich geschaffenen Verlangen haben den meisten Menschen den Sinn für ihre biologischen Bedürfnisse verstellt. Zudem ist ein solch drastischer Wandel notwendig, wenn die Menschheit im Ganzen überleben und nicht den Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung zum Opfer fallen will.

Im nächsten Artikel werden wir uns der Gesellschaft an sich zuwenden. Hier gilt es, zahlreiche Aspekte zu behandeln.