# Angenehm abgestumpft

Roger Waters veröffentlichte zusammen mit der palästinensischen Künstlerin Mona Miari eine neue Version des Pink-Floyd-Klassikers „Comfortably Numb“ — eine musikalische Brücke, die den Schmerz Fremder spürbar macht.

von 
   * Wassim Younes

Mit der neu interpretierten Version von „Comfortably Numb“ — auf Deutsch „angenehm abgestumpft“ — versucht Waters nicht, einen Klassiker nachzubilden. Er zerlegt ihn still und leise und baut ihn zu etwas Neuem auf, das in ein anderes Jahrhundert gehört. Der neu integrierte Gesang der palästinensischen Künstlerin Mona Miari ist mehr als nur eine musikalische Zusammenarbeit — er verschiebt den emotionalen Schwerpunkt des Songs. Plötzlich hallt in dem, was einst wie ein intimes Porträt individueller Abgestumpftheit wirkte, die Stille ganzer Bevölkerungsgruppen wider, die gelernt haben, durch Taubheit zu überleben. Roger Waters hat einen der kultigsten Songs der Rockgeschichte in eine Verbindung zwischen Menschen aus einander fremden Kulturen verwandelt, die den Schmerz „der anderen“ auch für „uns“ spürbar macht und zeigt: Niemand ist frei, solange nicht alle Menschen frei sind. Eine Einladung, der Realität nicht mehr zu entfliehen, sondern sich ihr zu stellen.

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„Comfortably Numb Re-Imagined“ — dieses Mal unter der Last der Geschichte.

Das Original „Comfortably Numb“ wurde in den 1970er-Jahren komponiert und thematisierte die emotionale Isolation des Einzelnen. Die Neuinterpretation erweitert die ursprüngliche Aussage. Waters fragt danach, wie sich Taubheit nach Jahrzehnten des Krieges, der Vertreibung, der politischen Spaltung und der kollektiven Trauer anhört. Der arabische Gesang von Mona Miari wirkt nicht wie ein Gastauftritt, sondern wie Geschichte, die in einen musikalischen Kontext einfließt. Er trägt eine eigene Textur und Emotionen in sich, die mit Sehnsucht, Exil und Erinnerung verbunden sind.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass diese Komposition Raum schafft. Raum für unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Sprachen des Schmerzes und unterschiedliche Arten, mit Verlust umzugehen. Das Ergebnis lässt sich weder Ost noch West zuordnen. Es liegt irgendwo dazwischen, wo Musik zu einer Sprache wird, die keiner Übersetzung bedarf.

Es liegt auch etwas zutiefst Ironisches darin, „Comfortably Numb“ aktuell noch einmal neu herauszubringen. Wir leben in einer Zeit, in der uns Bilder von Krieg und Zerstörung in Echtzeit überfluten und Tragödien beim Scrollen zum Alltag geworden sind. Vielleicht ist Abstumpfung gar kein psychischer Zustand mehr, sondern ein politischer. 

> Wir konsumieren Bilder der Zerstörung, bis das Mitgefühl selbst erschöpft ist. Diese Version des Songs setzt sich behutsam mit dieser Realität auseinander.

Musikalisch gesehen trägt jede Gesangsphrase in diesem Lied eher das Gewicht einer Erfahrung als das einer Darbietung. Die arabische Sängerin Mona Miari tritt nicht in Konkurrenz zu Waters; gemeinsam schaffen sie einen Dialog über Generationen, Kulturen und Geschichtsverläufe hinweg. Ihre Stimmen vereinen sich in Harmonie und auch in gemeinsamer Verletzlichkeit.

Der Song ist eine Reflexion darüber, was „Comfortably Numb“ in einer zerrissenen Welt bedeutet. Er legt nahe, dass die vielleicht gefährlichste Form der Taubheit die Bereitschaft ist, den Schmerz anderer nicht mehr zu spüren, und nicht die Unfähigkeit, Schmerz zu empfinden.

Nur wenige Künstler sind bereit, ihre eigenen Meisterwerke mit solcher Ehrlichkeit neu zu interpretieren. Noch weniger schaffen dies auch. Roger Waters hat einen der kultigsten Songs der Rockgeschichte in etwas unerwartet Zeitgenössisches verwandelt: 

> Es geht weniger darum, der Realität zu entfliehen, als vielmehr darum, den Mut zu finden, sich ihr zu stellen.

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**Redaktionelle Anmerkung:** Dieser Text wurde exklusiv für *Manova* verfasst, von Elisa Gratias aus dem Englischen übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratsteam lektoriert.


