Ausgelöschte Geschichte

Das ständige Umschreiben der Vergangenheit führt zu geschichtslosen und somit manipulierbaren Menschen.

Seit Jahren erleben wir immer mehr den Versuch, die Geschichte umzuschreiben. Vermeintlich problematische Wörter werden aus Schriften getilgt, Denkmäler großer Persönlichkeiten gestürzt, weil sie dem heutigen Zeitgeist nicht entsprechen, und historische Tatsachen einfach ignoriert. Dies ermöglicht eine Stabilisierung der herrschenden Macht und nährt ihre Narrative, die auf gegenwärtige und zukünftige Interessen ausgerichtet sind — etwa einen großen Krieg gegen Russland.

„Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ So schrieb es George Orwell bereits 1948 in seinem berühmten Werk „1984“, das bis heute unübertroffen ist in der Darstellung eines totalitären Regimes und seiner feinen Mechanismen, mit denen es sich die absolute Herrschaft über den Menschen sichert. Durch die Kontrolle der historischen Erzählungen simuliert das von Orwell erdachte Ozeanien eine Kontinuität und einen Ewigkeitsanspruch und stellt ein alternativloses System dar, das sich vermeintlich auf einem immerwährenden Pfad des Fortschritts befindet und dabei stets im Krieg mit einem der anderen beiden Großreiche der Welt ist.

Wer dabei der entsprechende Feind ist, wechselt regelmäßig, wobei dann stets erklärt wird, Ozeanien habe sich schon immer im Krieg mit dem aktuellen Feind befunden. Um diese ewige Feindschaft zu untermauern, wird im Wahrheitsministerium die Geschichte konstant umgeschrieben, um alle Spuren des Gegenteils aus ihr zu tilgen. Dasselbe gilt für die Suggestion des ewigen Fortschritts. Hier werden historische Produktionszahlen immer wieder umgeschrieben, um die aktuellen als Fortschritt gegenüber der Vergangenheit darzustellen. Die Geschichtsschreibung ist also ein wesentlicher Bestandteil eines totalitären Systems. Denn durch sie kontrolliert es die Gegenwart und über diese die Zukunft.

Nun könnte man Orwells Werk für nette Science-Fiction halten, ein Werk, das in übersteigerter Form auf eine dystopische, aber doch unrealistische Gesellschaft verweist. Doch schaut man sich in der Gegenwart um, wird man feststellen, dass gewisse Vorgänge, die Orwell darstellt, bereits stattfinden. Dazu gehört sicherlich die Veränderung der Sprache. Hier werden Begriffe ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt und zu einer vollkommen beliebigen Worthülse für alles, das wahlweise als gut oder schlecht dargestellt werden soll. Begriffe wie „Demokratie“ und „Freiheit“ werden, obwohl sie längst nicht mehr zutreffend sind, für die Selbstbeschreibung westlicher Gesellschaften genutzt — während gleichzeitig Medien verboten, Oppositionelle verfolgt und Journalisten sanktioniert werden und es sich bei dem herrschenden System um einen oligarchischen Selbstbedienungsladen handelt. Jeder, der Kritik übt und auf die Missstände hinweist, wird wiederum als „Nazi“, „Rassist“, „Verschwörungstheoretiker“ oder dergleichen bezeichnet, wobei diese Begriffe inhaltlich vollkommen entkernt wurden und zu beliebigen Kampfbegriffen degeneriert sind.

Eng damit verbunden und ebenso dramatisch ist das konsequente Umschreiben der Geschichte. Das beginnt schon bei den verwendeten Schlagworten „Nazi“ oder „Rassist“. Denn ein Nazi ist eigentlich ein Mitglied der historischen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) oder einer, der deren Ideologie befürwortete und verbreiten half. Es handelt sich um einen Begriff, der eng mit der Geschichte Deutschlands verknüpft ist und dabei auf einen ganz bestimmten Abschnitt dieser Geschichte anwendbar ist.

Nazis kann es heute schon deswegen nicht mehr geben, weil es die NSDAP nicht mehr gibt. Allenfalls kann man von Neonazis sprechen, die zwar keine Parteimitglieder sind, weil es die Partei schlicht nicht mehr gibt, aber mit ihrer Ideologie sympathisieren.

Heute werden aber auch alle möglichen Oppositionellen als Nazis bezeichnet, die mit der Ideologie der NSDAP nichts am Hut haben und diese in den allermeisten Fällen sogar ablehnen. Denn diese Ideologie beinhaltete die Einteilung der Menschheit in Rassen, wobei die Deutschen und Skandinavier als anderen Rassen überlegen betrachtet wurden. Damit einher ging ein darwinistisches Konzept der Erschaffung einer Herrenrasse, die letztlich durch Auslöschung bestimmter anderer Volksgruppen — Juden und Slawen — in die Wirklichkeit überführt werden sollte. Es gibt so gut wie niemanden mehr, der diese Ideologie heute noch ernsthaft vertritt. Trotzdem werden Oppositionelle, etwa die Corona-Opposition oder aber die AfD, mit diesem Begriff bedacht. Auf diese Weise wird die Geschichte in der Weise verzerrt, dass immer unklarer wird, was ein „Nazi“ eigentlich genau sein soll. Der Begriff verliert seine Schärfe und mahnende Funktion und macht auf diese Weise echte Nazis wieder hoffähig.

Denn wenn jeder, der dem Herrschaftsnarrativ widerspricht, zum Nazi erklärt wird, dann wird dieser Begriff geradezu als Ausweis aufrechter Opposition geadelt und verliert seinen Schrecken. Damit verlieren wir Begriffe für echte Nazis, die in diesem Fahrwasser bei Oppositionellen Gehör und Anklang finden können — denn wir sind ja alle irgendwie Nazis — und damit wieder an Macht gewinnen. So unrealistisch diese Idee derzeit erscheinen mag, bleibt sie doch eine reale Gefahr.

Hinter dem Begriff des „Nazis“ — gerne wird auch fälschlicherweise der Begriff „Faschist“ verwendet — verschwindet eine klare Abgrenzung zulässiger, vormals als „rechts“ oder „konservativ“ bezeichneter Positionen von der menschenverachtenden Ideologie des Darwinismus und Antisemitismus — noch so ein Begriff, der heutzutage inflationär verwendet wird und dadurch seine Bedeutung verliert. Dadurch wird es schwerer, diese Ideologie zu erkennen, und führt sie auf diese Weise zurück in die Gesellschaft. Erkennbar ist dies an den sozialdarwinistischen Tönen, welche die Merz-Regierung anschlägt.

Unter dem Deckmantel des Antirassismus geschieht Ähnliches. So wurden in den USA Denkmäler von Gründervätern und bedeutenden historischen Persönlichkeiten gestürzt, weil diese auch Sklavenhalter waren.

Das historische Gedächtnis eines Landes wird von den Ambivalenzen der Geschichte und dem Zeitgeist der damaligen Menschen gereinigt und an den heutigen, moralistischen und hygienistischen Zeitgeist angepasst.

Dabei ist Geschichte immer ambivalent. Denn die Gründerväter mögen zwar Sklavenhalter gewesen sein, und doch haben sie die USA von der britischen Krone unabhängig gemacht und den Grundstein für einen Prozess der Befreiung auch der Sklaven gelegt sowie den Gedanken der Freiheit verbreitet.

Auch in Deutschland ist dieser Drang, die Geschichte umzuschreiben, bereits angekommen. So werden Bücher, insbesondere Kinderbücher, umgeschrieben, weil dort Worte wie „Neger“ oder „Mohr“ verwendet werden. Diese Worte werden grundsätzlich aus dem Wortschatz gestrichen. Immer wieder ist nur von dem „N-Wort“ die Rede, da sich niemand mehr traut, diese Worte noch auszusprechen. Auf diese Weise geht das Verständnis für diese Worte verloren, womit auch der Bedeutungszusammenhang verschwindet. Dass diese Worte für Schwarze verwendet wurden — und das nicht einmal mit abwertender Bedeutung — und dass Schwarze damals anders angesehen wurden, weil man einer rassistischen Idee verhaftet war, also tatsächlich diese Unterscheidungen existierten und auch dazu genutzt wurden, schwarze Menschen zu unterdrücken und zu versklaven, wird dabei aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt.

Hier spielt auch die „woke“-Ideologie, die in der Kunstszene um sich greift, eine tragische Rolle. Denn in dem übersteigerten Versuch, Schwarze, Asiaten und Hispanics zu integrieren, werden beispielsweise Filmrollen unrealistisch besetzt. So spielt plötzlich eine Schwarze in der Serie „Bridgerton“ die britische Königin Charlotte. Dies wird damit gerechtfertigt, dass die reale Königin schwarze Vorfahren gehabt haben soll — eine Theorie, die sich zumindest durch die offizielle Geschichtsschreibung kaum rechtfertigen lässt. Durch eine solche Darstellung wird die Geschichte vollkommen verzerrt und werden historische Fakten negiert. Es wird suggeriert, Schwarze seien schon immer in allen westlichen Gesellschaften zu finden gewesen und hätten jede beliebige Stellung einnehmen können.

Dies ist eine Geschichtsverzerrung, die auch der schwarzen Bevölkerung westlicher Länder keinen Gefallen erweist, weil sie deren Leid und den langen Kampf um Anerkennung ausblendet.

Durch das Umschreiben literarischer Werke werden diese ihres historischen Kontextes beraubt und in eine Scheinwelt überführt, in der immer schon dieselben moralischen Werte gegolten haben sollen, wie sie heutzutage bei uns gelten. Der komplexe und langwierige Wandel von Moral und Zeitgeist wird auf diese Weise aus der Geschichte gelöscht, und die herrschenden, moralischen Grundsätze erhalten einen Ewigkeitsanspruch. Es gab sie immer und wird sie immer geben, genau so, wie Ozeanien „schon immer“ im Krieg mit Ostasien war. Auf diese Weise kann den Menschen alles Mögliche als ewige Wahrheit untergeschoben werden, die sie einfach zu glauben haben, weil sie zu einer Grundwahrheit der westlichen Gesellschaft geworden ist.

Etwa, dass ab 2020 weltweit eine Pandemie grassierte — obwohl das nachweislich nicht der Fall war.

Oder — um bei dem Thema Krankheiten zu bleiben — dass Polio durch einen Virus ausgelöst wurde, anstatt durch ein Pestizid, wie es mit einiger Sicherheit der Fall ist. Ebenso die spanische Grippe als Urbild des Pandemiepanik, die aber sehr wahrscheinlich nicht auf einen Virus zurückging, sondern auf eine Reihe von Faktoren, darunter Impfungen, Mangelernährung und Stress in den Wirren des Ersten Weltkrieges.

Auch die Geschichte der Impfungen wird in verfälschter Weise als Erfolg der Wissenschaft angepriesen, wobei eine genauere Betrachtung dieses Themas ein ganz anderes Bild von Betrug, Zwang und verheerenden Fehlschlägen zeichnet. Diese Erzählungen wurden ab 2020 genutzt, um Pandemiepanik zu schüren und die Impfung als Segnung der Wissenschaft zu vermarkten, die Millionen von Leben gerettet haben soll — wobei lediglich Millionen von Menschen an der Spritze gestorben sind. Und schon beherrscht die Vergangenheit die Gegenwart und durch politische Maßnahmen sowie pseudowissenschaftliche Rechtfertigung auch die Zukunft.

Doch auch auf ganz anderem Gebiet wird die Vergangenheit umgeschrieben. So wird ganz rigoros die Bedeutung der Sowjetunion für den Sieg über den Nationalsozialismus verschwiegen. Russische Vertreter werden nicht mehr zu Gedenkveranstaltungen eingeladen, und der Beitrag der Sowjetunion — 27 Millionen tote Sowjetbürger während des Krieges — wird konsequent ignoriert. Es war immerhin die Sowjetunion, die Nazi-Deutschland damals tatsächlich besiegt hat, während die USA erst in den Krieg eintraten, als er im Grunde schon entschieden war. Auch der Abwurf der Atombomben durch die USA auf Japan am Ende des Krieges wird heutzutage verzerrt. Nicht nur wird behauptet, die Bomben hätten „ungezählte Leben gerettet“, bei dem Gedenken an die Abwürfe im vergangenen Jahr wurde auch galant verschwiegen, wer der eigentliche Täter war.

Stattdessen setzen sich die Narrative durch, dass sich Europa „schon immer“ im Krieg mit Russland befunden habe und dass die USA immer „die Guten“ waren, die uns geholfen und gerettet haben — was historisch betrachtet absolut nicht stimmt.

„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ So lautet ein Zitat, das dem US-amerikanischen Philosophen und Schriftsteller George Santayana zugeschrieben wird. Und genau diese Gefahr besteht, wenn alle Erinnerungen an Rassismus und Sklaverei ausgelöscht werden, wenn die Erinnerung daran, was ein „Nazi“ oder ein „Antisemit“ historisch war, vergessen gemacht wird. Dann vergessen wir, dass wir schon einmal die Idee hatten, man könne ja die ein oder anderen Menschen als Sklaven verwenden oder zu Menschen zweiter Klasse degradieren — was unter dem Label der Antidiskriminierung in einer Form des umgekehrten Rassismus auch gegenüber Weißen gepredigt wird und geschieht, und während des Coronatotalitarismus gegenüber „Ungeimpften“ praktiziert wurde.

Wenn wir das historische Gedächtnis bearbeiten und überschreiben, alle mahnenden Denkmäler stürzen und Begriffe aus Schriften löschen, dann verlieren wir das Andenken an vergangene Fehler und Fehlschlüsse, die damit ihre warnende Kraft verlieren. Auf diese Weise wird es wieder möglich, dieselben Fehler erneut zu begehen — wir vergessen sie schlicht. Unter dem Motto des ewigen Fortschrittes wird dadurch ironischerweise jeder echte Fortschritt zunichte gemacht. Geschichte kann sich damit umso leichter wiederholen, je mehr wir sie verzerren und dem aktuellen Zeitgeist anpassen.

Das alles vor dem Hintergrund, dass das, was wir heute als Geschichte kennen, bereits nur eine Erzählung, ein Mythos ist — aber einer, der einen bestimmten Zweck erfüllt und als mahnende Geschichte durchaus dienen kann.