Besatzungsmacht im eigenen Land
Die US-Einwanderungsbehörde ICE fällt immer wieder durch brutale Einsätze gegen Migranten und Demonstranten auf — Trumps Spezial-„Armee“ sprengt alle Grenzen demokratisch legitimierter Sicherheitspolitik. Teil 2 von 2.
Häufig wird in Deutschland geklagt, dass die Polizei gegen illegale Einwanderer und „Randalierer“ nicht härter durchgreift. Wie das konkret aussehen könnte, zeigen die derzeitigen Vorgänge in den USA. Was in der Theorie plausibel klingen mag, zeigt in der Praxis die Fratze abstoßender Brutalität. Menschen werden verschleppt, misshandelt, inhaftiert oder verprügelt. Sogar Tote gibt es. Im ersten Teil steht die Ermordung von Renee Nicole Good im Zentrum. Sie wurde am 7. Januar 2026 in der Stadt Minneapolis aus nichtigem Anlass von einem Agenten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) erschossen. Man hätte hoffen können, dass diese Hinrichtung und der massive Protest das ICE-Besatzungsregime zum Rückzug bewogen hätte. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Nur zwei Wochen später wurde Alex Pretti in Minneapolis von ICE-Paramilitärs auf offener Straße ermordet, weil er einer Frau half, die durch Tränengas attackiert worden war. Alex Pretti beteiligte sich am 24. Januar 2026 — wie zuvor Renee Nicole Good — an Protesten gegen die ICE-Razzien. Die größte Gefahr, die dabei von den Protestlern ausging, bestand aus Trillerpfeifen, mit denen sie vor den Razzien warnten.
Alex Pretti war Krankenpfleger und Gewerkschafter. Das einzige, was er die ganze Zeit in der Hand hielt, war sein Handy. Zahlreiche Videos aus verschiedenen Perspektiven zeigen eindeutig, wie Alex Pretti schützend die Hände hochhielt, bei dem Versuch, einer Frau zur Hilfe zu kommen. Dann wurde er von bis zu zehn ICE-Paramilitärs zu Boden gerissen, geschlagen, getreten und schließlich erschossen.
Nichts und gar nichts an diesem Vorgang hat mit angeblicher Notwehr zu tun.
Man sieht, wie sich die Schwerbewaffneten auf den Mann werfen. Er hatte nicht die geringste Chance. In jeder Hinsicht. Dann steht ein ICE-Agent schräg hinter ihm und schießt ihm in den Nacken, also von hinten.
Man sieht einen Mann am Boden liegen. Die ICE-Agenten treten zurück und mindestens zwei von ihnen schießen wenig später mit ausgestreckten Armen wieder mehrmals auf den regungslos am Boden liegenden Alex Pretti.
Danach gehen sie weg und lassen den Ermordeten liegen, wie eine Mafia-Bande. Sie tun es im Schutz aller anderen ICE-Paramilitärs.
Aber sie tun es auch, weil sie immer noch geschützt werden. Die lokale Polizei greift nicht ein. Sie lässt die ICE-Killer gewähren.
Parallel dazu erklären ICE-Pressesprecher, dass die Erde eine Scheibe ist. Die bis zu zehn Beamten hätten den unter ihnen begrabenen Mann ermorden müssen, um sich aus dieser Notwehrsituation zu befreien.
Und da die Erde wieder eine Scheibe ist, dient auch ein Bild aus dem Inneren eines Autos als Beweis. Dort sieht man eine „Waffe“ auf dem Beifahrersitz liegen. Sie soll Alex Pretti gehören. Gehen wir davon aus, dass das stimmt, dann sollte man zwei Dinge ebenfalls erwähnen:
Die US-Administration gehört zu den schusswütigsten Regierungen, die die Bewaffnung der US-Bürger begrüßt und dabei vor allem die Waffen-Lobby reich macht. Es ist also völlig legal und staatsbürgerlich, wenn sich US-Bürger zum Selbstschutz bewaffnen. Aber was hat dies mit der Ermordung von Alex Pretti zu tun? Nichts.
Alex Pretti hat auf allen Videos — und es gibt viele von diesem Mord — nur eines in der Hand: ein Handy.
Als er von mehreren ICE-Paramilitärs zu Boden gerissen wird, stützt er sich erst mit den Händen auf dem Boden ab. Wenig später liegt er mit dem Bauch auf dem Boden und zahlreiche ICE-Paramilitärs treten und schlagen auf ihn ein.
Selbst wenn er eine Waffe dabeigehabt hat, konnte er sie nicht benutzen. In manchen Videosequenzen sieht man unscharf, dass ein ICE-Agent eine Waffe in der rechten Hand hält, die er möglichweise Alex Pretti abgenommen hatte. Er geht mit der Waffe weg. In manchen Videosequenzen hört man „Gun, Gun“. Ob es derselbe ICE-Agent war, ist nicht klar. Erst danach fallen die gezielten Schüsse.
Der Ruf „Gun, Gun“ steht in der Polizeischule für eine Situation, in der jemand zur Waffe greifen will oder gar eine Waffe in der Hand hält. Die Waffe, um die es gehen könnte, hält jedoch ein ICE-Agent in der Hand und dieser entfernt sich damit aus der Gruppe.
Als die ersten von etwa zehn Schüssen auf Alex Pretti abgegeben wurden, war eindeutig klar, dass man auf einen wehrlosen Mann feuert und dass der Ruf „Gun, Gun“ eine Notwehrsituation vortäuschen sollte, um jemanden zu ermorden. Dass dies koordiniert geschah, belegt die Situation kurz danach. Anstatt Alex Pretti weiterhin zu fixieren, lassen sie ihn los und schaffen Platz — für die Schützen.
Wenn von irgendjemandem keine Gefahr ausging, dann war es Alex Pretti, der ausschließlich zum Vergnügen verprügelt und misshandelt wurde, bevor man ihn ermordete.
Die ICE-Paramilitärs haben ihn hingerichtet — auf offener Straße.
Inzwischen ist der Mörder, der von hinten in den Nacken von Alex Pretti geschossen hat, bekannt: Er wurde vom Investigativ-Portal „ProPublica“ identifiziert. Der Mann („A4“), ist der Grenzschutzbeamte Jesus Ochoa:
„Die beiden Bundeseinwanderungsbeamten, die auf den Demonstranten Alex Pretti aus Minneapolis geschossen haben, werden in Regierungsunterlagen als Grenzschutzbeamter Jesus Ochoa und Zoll- und Grenzschutzbeamter Raymundo Gutierrez identifiziert“ (ProPublica vom 1. Februar 2026).

Nachladungen
Alle in der US-Administration sind zur Stelle, um die Hinrichtung zu verteidigen:
„Das Heimatschutzministerium erklärte, auf Pretti sei geschossen worden, nachdem er sich den ICE-Kräften mit einer halbautomatischen Pistole genähert habe. Die Behörden machten keine Angaben dazu, ob Pretti die Pistole offen trug oder unter seiner Kleidung versteckt hatte. Das Ministerium sprach von einer Situation, ‚wo jemand maximalen Schaden anrichten und ein Massaker an Polizisten verüben wollte‘. (...) ‚Er war dort, um Gewalt zu verbreiten‘, erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem vor Journalisten mit Blick auf den Getöteten. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, bezeichnete Pretti im Onlinedienst X als ‚Attentäter‘. Vizepräsident JD Vance teilte den Beitrag. (...)
US-Präsident Trump warf dem demokratischen Gouverneur und dem Bürgermeister vor, sie würden ‚mit ihrer aufgeblasenen, gefährlichen und arroganten Rhetorik zum Aufruhr anstiften‘. Der US-Grenzschutzverantwortliche Gregory Bovino nahm die Beamten mit provokanten Äußerungen in Schutz. ‚Die Opfer sind die Grenzschutzpolizisten (Anm. d. Redaktion: gemeint sind die ICE-Einsatzkräfte)‘, sagte er dem US-Nachrichtensender CNN. Der Verdächtige habe sich selbst in diese Situation gebracht“ (tagesschau24 vom 26. Januar 2026).
Wenn ein externer Faktenprüfer für Facebook viel zu gut ist
Ich hatte auf meinem Blog einen Beitrag zu diesem Mord an Alex Pretti veröffentlicht. Neben einer Videosequenz habe ich ein Standbild gepostet, das einer Handysequenz entnommen wurde. Als ich das auf Facebook gepostet hatte, bekam ich die Nachricht, dass es einen externen Faktencheck gegeben habe, der belegt, dass dieses Standbild manipuliert wurde, und bereits vielfach im Umlauf ist. Man habe daher meinen Content im Feed herabgestuft.
Zuerst war ich nur sauer, denn es ist mir schon öfters passiert. Der sicherlich verrückteste Anlass war ein Foto von dem Fotografen Nick Ut zu US-Kriegsverbrechen in Vietnam. Es zeigt mehrere Kinder, wie sie weinend auf den Fotografen zurennen. Im Hintergrund sieht man Brände, die durch den Napalmeinsatz der US-Army ausgelöst wurden. Dieses Foto gehört zu den berühmtesten Fotos, die den Wahnsinn dieses Krieges dokumentieren, bei dem über eine Million Menschen ermordet wurden:
„Am 8. Juni 1972 flüchteten die Bewohner des vietnamesischen Dorfs Trang Bang nach einem Napalm-Angriff. Das Mädchen Kim Phuc in der Bildmitte hatte sich die brennenden Kleider vom Leib gerissen. Die Aufnahme von Nick Ut wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und zum Pressefoto des Jahres 1972 gewählt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. September 2016).
Folglich dachte auch ich in diesem aktuellen Fall sofort daran, dass dieses Standbild von einer Hinrichtung in den USA die Facebook-Welt nicht stören, also verschwinden sollte. Es zeigt, wie Alex Pretti auf den Knien kauert, sich mit der linken Hand abstützt, umgeben von ICE-Paramilitärs. Einer von ihnen steht hinter ihm und hält ihm seine Waffe in den Nacken … und drückt ab. Dieses Bild nimmt einen sofort ein, denn es erinnert an viele andere Exekutionen, die in diesem Kontext auch SS-Methoden wachrufen.
Also ging ich der ausführlichen Erklärung des externen Faktenprüfers nach. Er ist auf Bildmanipulationen spezialisiert und hat mich mit seiner Analyse beeindruckt. Denn in dem Standbild, das ich verwendet habe, sieht man mehr als die Waffe, die von hinten auf Alex Pretti gerichtet war. Wenn man das ganze Bild anschaut, entdeckt man, dass Alex Pretti in seiner rechten Hand etwas hält.
Der Medienexperte erklärt im Folgenden, dass die rechte Hand und der Gegenstand, den er in der Hand hält, das Ergebnis einer „gekonnten“ Bildmanipulation sind.

Das kann man auch anhand der Videosequenzen überprüfen.
Und noch etwas — ganz und gar nicht unwichtiges — ist dem Medienexperten aufgefallen. Die Kennung, die den ICE-Killer auf der Uniform, im Brustbereich ausweist, ist unbrauchbar gemacht worden. Folglich kommt der Medienexperte zu dem Schluss, dass man mit diesem Bild beweisen wollte, dass Alex Pretti — wie behauptet — bewaffnet war und hat zur Sicherheit die Identifizierung des ICE-Killers erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht.
Der externe Bildexperte war so gut, dass Facebook inzwischen seine Analyse gelöscht hat. Glücklicherweise habe ich ein Foto mit den jeweiligen Markierungen heruntergeladen, das seine hervorragende Arbeit dokumentiert.
Weder ist der Mord, noch das Mordopfer reiner Zufall
Dass möglichst alle — also auch private — Daten von Menschen erfasst werden, ob bei staatlichen Stellen oder bei den vielen Internetanbietern wie Google, Meta, Facebook, TikTok et cetera ist mittlerweile Allgemeingut. Warum das tödlich enden kann, zeigt der Fall Alex Pretti:
Den Recherchen von CNN zufolge war der ICE-Besatzungsmacht Alex Pretti bekannt:
„Quellen berichteten CNN (...), dass er sich etwa eine Woche vor seinem Tod eine Rippe gebrochen hatte, als ihn eine Gruppe Bundesbeamter angriff, während er gegen ihren Versuch protestierte, andere Personen festzunehmen“ (CNN vom 27. Januar 2026).
Doch es existieren laut CNN auch generelle ICE-Anweisungen:
„In einem Memo, das Anfang des Monats (Januar 2026) an vorübergehend in der Stadt eingesetzte Agenten verschickt wurde, wurden diese aufgefordert, ‚alle Bilder, Nummernschilder, Identifikationen und allgemeinen Informationen zu Hotels, Agitatoren, Demonstranten und so weiter aufzunehmen, damit wir alles in einer konsolidierten Form erfassen können,‘ laut Korrespondenz, die von CNN überprüft wurde.“
Wenn man diese ersten Hinweise zusammenfügt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Alex Pretti auf dieser ICE-Liste stand. Dann braucht man nicht viel Fantasie, dass man auch die behördlichen Daten eingesammelt hatte und dabei auch auf die Registrierung einer Waffe gestoßen ist. Ist es völlig aus der Luft gegriffen, dass Alex Pretti am 24. Januar 2026 sehr gezielt angegriffen wurde und dass man das Wissen über den Besitz einer Waffe dazu nutzte, die Hinrichtung wie einen Notwehrakt aussehen zu lassen?
Was Gaza/Palästina mit Minneapolis/USA verbindet
„Ich glaube nicht länger, dass Demokratie und Freiheit kompatibel sind“ (Peter Thiel ist Gründer von Palantir und enger Vertrauter von Donald Trump).
Es ist leicht zu verstehen, dass diese Überwachung nicht per Hand gemacht wird, sondern mithilfe eines speziellen Überwachungsprogrammes. Diese Überwachungssoftware stammt vom US-amerikanischer Überwachungskonzern „Palantir“, der auch für die ICE Programme erarbeitet. Dazu schreibt das US-amerikanische Technologieportal 404 Media Details:
„Ein durchgesickertes Benutzerhandbuch beschreibt die Rolle des Unternehmens bei der Entwicklung der technologischen Infrastruktur, mit der ICE mutmaßlich illegale Einwanderer aufspüren und lokalisieren kann, um sie inhaftieren und abschieben zu lassen: ‚Enhanced Leads Identification & Targeting for Enforcement (ELITE) ist ein Targeting-Tool, das entwickelt wurde, um die Fähigkeiten zur Identifizierung und Priorisierung von hochrangigen Zielen durch fortschrittliche Analysen zu verbessern.‘
Die App zeigt auf einer Karte potenzielle Abschiebungsziele an, ruft zu jeder Person ein Dossier auf und vergibt eine Einschätzung der Glaubwürdigkeit der aktuellen Adresse. Dazu greift sie auf verschiedene Datensätze zu, darunter Adressdaten des US-Gesundheitsministeriums. Zuvor war bekannt geworden, dass die Medicaid-Daten von 79 Millionen US-Bürgern an die Einwanderungsbehörde ICE weitergegeben wurden.“
Dass dieses US-Spionageunternehmen in Israel Brüder im Geiste haben, ist naheliegend. Sowohl die skrupellosen Geschäftsmodelle als auch die geheimdienstlichen Verbindungen zwischen CIA und Mossad sind tragend.
Dort sorgt die Firma „NSO Group“ für Milliardengewinne und zahllose Ermordete. Es ist angepasst auf die Verhältnisse in den besetzten Gebieten, in Palästina, und zielt auf die umfassende Handyerfassung und -auswertung.
Diese Software mit dem Namen „Pegasus“ ermöglicht es, Mobiltelefone heimlich zu hacken, ohne dass die Nutzer etwas bemerken. Sie erlaubt den vollen Zugriff auf Nachrichten, Standortdaten, E-Mails, Kontakte, Mikrofon, Kamera und Anrufe.
Es wurde im Genozid-Unternehmen „Gaza“ massiv eingesetzt, indem man die Daten so auswertete, dass es nicht nur möglich war, die Person X, die man ermorden will, zu lokalisieren, sondern auch die Zahl der Unbeteiligten, die man bei diesem Mordsgeschäft in Kauf nimmt.
Israel ist in diesem Bereich ein global führender Exporteur von Überwachungstechnologie, deren Anwendung zwischen Aufrechterhaltung der Besatzung und massiven Menschenrechtsverletzungen — auch gegen die eigene Bevölkerung — rechtsfrei korrelieren.
Die Straßen von Minneapolis
Am 30. Januar 2026 fand eine große Demonstration in Minneapolis mit Zehntausenden von Menschen statt, die unter anderem den Abzug der ICE-Besatzungstruppen forderten. In den staatsdevoten Laufstallmedien wurde darüber nicht berichtet.
Ein Teilnehmer war Bruce Springsteen, der eine aktuelle Version von Streets of Philadelphia spielte. Darin kritisiert er US-Präsident Donald Trump und seine „Privatarmee“ vom Heimatschutzministerium (DHS), die „Besatzer-Stiefel“ tragen und „dreckige Lügen“ verbreiten. Bruce Springsteen widmete das Lied den Menschen von Minneapolis, „unseren unschuldigen zugewanderten Nachbarn“ und den Opfern. Der Refrain lautet:
„Oh, our Minneapolis, I hear your voice singing through the bloody mist.“
„Heimat“ ist fürs US-Empire dort, wo man gerade ist.
Die ICE-Paramilitärs des US-Heimatschutzministeriums sind jetzt auch in Italien während der Olympischen Winterspiele aktiv. Selbstverständlich heißt die Meloni-Regierung sie herzlich willkommen, denn Rassismus und eine Internierungspolitik für Unerwünschte teilen sich beide Regierungen und machen einmal mehr deutlich, wie nahe sich postfaschistische Parteien und imperiale Anmaßungen bereits gekommen sind.
Doch es gibt auch politischen Widerspruch: Giuseppe Sala, Bürgermeister von Mailand, qualifizierte den Einsatz von ICE-Beamten während der Olympischen Winterspiele 2026 als „eine Miliz, die tötet“, als „eine Polizei, die völlig illegal agiert und tötet“.
Worüber staatsdevote Medien nicht berichten, sind die Proteste gegen die Anwesenheit dieser US-Miliz in Italien. Darauf antwortete Meloni auf trumpistische Weise: Es handele sich dabei um „Feinde Italiens und der Italiener“.