# Der Meister des Unheimlichen 

Die Märchen E.T.A Hoffmanns sind eine treffende Parabel auf die heutige politische Situation — umso bezeichnender, dass der Schriftsteller anlässlich seines 250. Geburtstags in Russland gebührender gefeiert wird als in seinem Heimatland.

von 
   * Iris Berndt

Er schrieb die ersten deutschen Gruselgeschichten und wurde zur Schlüsselfigur romantischer Schauerliteratur. Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde 1776 in Ostpreußen geboren und prägte seinen Namen in die Geschichte der Weltliteratur so nachhaltig ein, dass auch heute noch die meisten deutschen Schüler zumindest sein bekanntestes Werk „Der Sandmann“ im Deutschunterricht lesen und das, obwohl der Schriftsteller zu Lebzeiten durchaus gegen Widerstände kämpfte und auch nach seinem Tod eine gute Zeit in Vergessenheit geriet. Auf den zweiten Blick sind seine Erzählungen, Novellen und Kunstmärchen äußerst machtkritisch. Zwei seiner Märchen machen das exemplarisch deutlich und lassen noch dazu gewisse Parallelen zu aktuellen politischen Entwicklungen und Charakteren durchblicken. Im Grunde ist Hoffmann aufgrund seiner Geburtsstätte im heutigen Kaliningrad ein Stück deutsch-russische Kulturgeschichte. Trotz, dass er alle seine Werke auf Deutsch verfasste, wird er heute in Russland sogar stärker verehrt, auch weil er den großen russischen Literaten eine Inspiration war. 

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Wer erinnert sich noch an die Standing Ovations für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar 2022? Er erhielt sie für die Zusicherung, das Budapester Moratorium ab sofort für die Ukraine außer Kraft gesetzt zu haben. Das gab ihm die Möglichkeit, unbehelligt von der internationalen Konvention aus Uranabfall der Atomkraftwerke und den in der Ukraine noch lagernden sowjetischen Totschka-Raketen einen für die Russen unangenehmen Cocktail zusammenzustellen. 

Zur Erinnerung: Das war einige Tage vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine. Als derselbe Selenskyj vier Jahre später in Davos, am 22. Januar 2026 auf dem Weltwirtschaftsgipfel, eine wütende Rede hielt, äußerte er reichlich Verwünschungen gegen die Europäer, um diese zu mehr Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Russland aufzufordern. Das gefiel nicht mehr allen. Beginnt etwa hier ein Stern zu sinken? 

Am 24. Januar 2026, zwei Tage nach Selenskyjs Auftritt in Davos, hatte ein deutscher Autor seinen 250. Geburtstag, der in Deutschland von einer — zumindest verglichen mit Goethe — nur kleinen Fan-Gemeinde gelesen und gefeiert wird. Vielleicht auch, weil er den Aufstieg und den Fall von Typen wie Selenskyj so genau beschrieben hat. Zwar waren es damals, 1818/1819 in Berlin, andere höchst bestechliche Zeitgenossen, die den Juristen, Schriftsteller und Musiker E. T. A. Hoffmann ärgerten; eben weil diese die Regeln nur für andere geltend machten, für sich selbst aber nach ihrem Geschmack gerade diese Regeln außer Kraft setzten. Es war damals die Zeit der „Demagogenverfolgungen“, die alle trafen, die nicht am „Kometenschwanzleben“ mitwirkten.

Die hellseherische Fähigkeit des übrigens in Russland geliebten E. T. A. Hoffmann ist am Ende nur eine genaue Betrachtung der Wirklichkeit. Da es grundsätzlich besser ist, einen Autor zu lesen, anstatt ihn nur zu loben, und weil ja das 250. Jubiläumsjahr noch einige Monate währt, sei die Lektüre empfohlen. Tagesaktuell ist sein Märchen „Klein Zaches genannt Zinnober“, und Standig Ovations kommen darin auch vor. In diesem Märchen kommt ein verwachsenes übermütiges Kind als Minister zu Amt und Würden — natürlich durch eine Fee. Die hatte ihm die Gabe verliehen, dass er vor allen Menschen angenehm erscheint und sie fremde Werke immerzu für seine halten, ihn dafür loben und verehren. Im Märchen waren es drei ausgerissene Haare, die den Zauber der Fee bannten, und was dann geschah, sei hier einmal zitiert:

*„Indessen war, der Himmel weiß, auf welche Weise, ein Gemurmel im Volke entstanden, das kleine lächerliche Ungetüm dort oben sei wirklich Klein Zaches, der den stolzen Namen Zinnober angenommen und sich durch allerlei schändlichen Lug und Trug aufgeschwungen. Immer lauter und lauter erhoben sich die Stimmen. ‚Hinunter mit der kleinen Bestie — hinunter — klopft dem Klein Zaches die Ministerjacke aus — sperrt ihn in den Käficht — laß ihn für Geld sehen auf dem Jahrmarkt! — Beklebt ihn mit Goldschaum und beschert ihn den Kindern zum Spielzeug! — Hinauf — hinauf!‘ — Und damit stürmte das Volk so gegen das Haus.*

*Der Kammerdiener rang verzweiflungsvoll die Hände. ‚Rebellion — Tumult — Exzellenz — machen Sie auf — retten Sie sich!‘ — so schrie er; aber keine Antwort, nur ein leises Stöhnen ließ sich vernehmen.*
 
*Die Haustüre wurde eingeschlagen, das Volk polterte unter wildem Gelächter die Treppe herauf.*

*‚Nun gilt’s‘, sprach der Kammerdiener und rannte mit aller Macht an gegen die Türe des Kabinetts, daß sie klirrend und rasselnd aus den Angeln sprang. — Keine Exzellenz — kein Zinnober zu finden! —*

*‚Exzellenz — gnädigste Exzellenz — vernehmen Sie denn nicht die Rebellion? — Exzellenz — gnädigste Exzellenz, wo hat Sie denn der — Gott verzeih‘ mir die Sünde, wo geruhen Sie sich denn zu befinden!‘*

*So schrie der Kammerdiener in heller Verzweiflung durch die Zimmer rennend. Aber keine Antwort, kein Laut, nur der spottende Widerhall tönte von den Marmorwänden. Zinnober schien spurlos, tonlos verschwunden. Draußen war es ruhiger geworden (…).*

*‚Die Rebellion scheint vorüber‘, sprach der Kammerdiener, ‚nun wird die gnädige Exzellenz wohl hervorkommen aus ihrem Schlupfwinkel.‘*

*Er ging nach dem Schlafkabinett zurück, vermutend, dort werde der Minister sich doch wohl am Ende befinden. Er warf spähende Blicke ringsumher, da wurde er gewahr, wie aus einem schönen silbernen Henkelgefäß, das immer dicht neben der Toilette zu stehen pflegte, weil es der Minister als ein teures Geschenk des Fürsten sehr werthielt, ganz kleine dünne Beinchen hervorstarrten.“*

Müssen wie im Märchen erst drei Haare gefunden werden, um dem Spuk eines Diktators ein Ende zu machen? 

>Märchen wollen uns ermuntern, an das gute Ende zu glauben. Das hören wir gern, und das wusste auch E. T. A. Hoffmann und schuf aus der Wirklichkeit und seiner Fantasie einen einzigartigen Mix. Im wirklichen Leben geht es leider nicht, ohne dass wir uns selbst mühen. 

Auch hier ging E. T. A. Hoffmann die Sache geradewegs an. Es gelang ihm 1819 als Jurist am Berliner Kammergericht und dort zuständig für besondere Fälle, den wegen geplantem Königsmord verdächtigten Turner Friedrich Ludwig Jahn von allen Punkten der Anklage freizusprechen. Das gefiel nicht allen. Trotzdem wurde E. T. A. Hoffmann befördert, doch hatte er daran nur noch wenig Freude. 

Die ganze Gesinnungsschnüffelei der preußischen Zensurbehörde, die er jahrelang erlebte, hat er in seinem letzten Märchen vom „Meister Floh“ verarbeitet. Und darin seinem Herzen Luft gemacht, indem der Berliner Polizeidirektor Karl Albert von Kamptz zur literarischen Figur des Geheimen Hofrats Knarrpanti wurde. Den lässt Hoffmann gegen einen in seiner Friedfertigkeit unübertroffenen Peregrinus Tyß vorgehen. In dessen Tagebuch hatte Knarrpanti die Worte „Entführung“ und „entführte“ mit rotem Stift dick angestrichen, und dies reichte ihm in seiner sublimen Schlauheit, den Peregrinus der Tat zu überführen, die er nicht getan hatte. 

Wieder eine kleine Leseprobe:

*„Knarrpanti blieb dabei, daß selbst der Zusammenhang die Sache nicht bessere, da es eben arglistige Schlauheit der Verbrecher sei, solche Äußerungen so zu verhüllen, daß sie auf den ersten Blick für ganz indifferent, für ganz unschuldig gelten könnten. Als besonderen Beweis solcher Schlauheit machte der tiefsinnige Knarrpanti den Abgeordneten auf einen Vers aufmerksam, der in Peregrinus‘ Papieren vorkam und worin von einer endlosen Führung des Schicksals die Rede war. (…)* 

*Der Rat wollte immer noch nicht auf ein weiteres Verfahren wider den Angeklagten Peregrinus Tyß eingehen, und die Rechtsverständigen bedienten sich eines Ausdrucks, der schon deshalb hier stehen darf, weil er sich in dem Märchen vom Meister Floh wunderlich ausnimmt, das Wunderliche aber, darf das Wunderbare, der eigentliche Schmuck des Märchens genannt werden, doch als ein angenehmer Schnörkel nicht zu verwerfen ist. Sie sagten (nämlich die Rechtsverständigen), es fehle gänzlich an einem Corpus delicti, der weise Rat Knarrpanti blieb aber fest dabei stehen, daß ihn das delictum den Henker was kümmere, wenn er nur ein Corpus in die Faust bekäme, und das Corpus sei der gefährliche Entführer und Mörder, Herr Peregrinus Tyß.“* 

Es kommt zur Vernehmung des Zeugen Tyß, und über diese schreibt E. T. A. Hoffmann das Folgende; dank eines besonderen Instruments gewinnt die Sache eine überraschende Wendung: 

*„Das Denken, meinte Knarrpanti, sei an und vor sich selbst schon eine gefährliche Operation und würde bei gefährlichen Menschen eben desto gefährlicher. — Ferner gab es solche verfänglichen Fragen wie zum Beispiel, wer der ältliche Mann im blauen Überrock (…) gewesen sei, mit dem er (sich) am vierundzwanzigsten März des vergangenen Jahres mittags an der Wirtstafel über die beste Art, den Rheinlachs zu bereiten, verständigt habe? Ferner: ob er nicht selbst einsehe, daß all die geheimnisvollen Stellen in seinen Papier mit Recht den Verdacht erweckten, daß das, was er niederzuschreiben unterlassen, noch viel Verdächtigeres, ja ein vollkommenes Zugeständnis der Tat hätte enthalten können?*

*Dieser Art der Untersuchung, ja der Geheime Hofrat Knarrpanti selbst kam dem Peregrinus so seltsam vor, daß er begierig war, die Gedanken des spitzfündigen Schlaukopfs zu erkennen.*

*Er schnippte mit dem Daumen, und schnell setzte ihm der gehorsame Meister Floh das mikroskopische Glas in die Pupille.*

*Knarrpantis Gedanken lauteten ungefähr: Ich glaube selbst gar nicht, daß der junge Mann unsre Prinzessin, die schon vor mehreren Jahren mit einem landstreicherischen Komödianten durchgegangen ist, entführt hat, ja entführt haben kann. Aber ich durfte die Gelegenheit nicht versäumen, zu meinem eignen Besten einen großen Rumor zu machen. Mein kleiner Herr fing an, gleichgültig gegen mich zu werden, und am Hofe nannte man mich einen langweiligen Träumer, ja man fand mich öfters albern und fade (…).“*

So ein Zauberglas hätte jeder gern. Eine Variation davon steht mit den vielfältigen alternativen Kanälen in unserem „zauberhaften“ Jahrhundert des Internets zur Verfügung. Tag für Tag mühen sich hier eifrige Menschen, die Wahrheit herauszufinden, wobei natürlich auch hier wieder ein paar Trittbrettfahrer unterwegs sind, denen es darum geht, „zum eignen Besten einen großen Rumor zu machen“. Der eigene Verstand ist also heute wie damals für die rechte Nutzung von allem Zauber von unbedingter Notwendigkeit. 

>E. T. A. Hoffmann wurde übrigens für seine Gedanken im „Meister Floh“, in dem sich von Kamptz erkannte, mit einem Prozess belegt. Ihm drohte die Abschiebung nach Insterburg ins nördliche Ostpreußen. Davor bewahrte ihn der Tod, nur 46 Jahre alt war er geworden. Seine Witwe stand wegen dieses Prozesses ohne eine Pension da und musste sich zu ihrer Familie zurückziehen.

Wir aber können durch Lektüre von E. T. A. Hoffmanns Schriften immun werden gegen die von Kamptz in der Gegenwart, wie auch immer sie heißen. 

Das verlangt nach einem kurzen Blick auf das Leben dieses vielseitigen Genies auch noch eine Antwort auf die oben geäußerte Meinung, dass E. T. A. Hoffman in Russland beliebter sei als in Deutschland: 

Geboren wurde er in Königsberg in Ostpreußen, wo er die ersten 22 Jahre seines Lebens verbrachte — Königsberg, das heutige Kaliningrad. Eigentlich wollte er Musiker werden, seine Begabung fiel auf, und er erhielt eine gute Ausbildung. Aber es wurde nichts daraus. Die Laufbahn des Juristen war familiär vorgezeichnet; an der Universität in Königsberg hörte er übrigens auch Immanuel Kant. Bald gestaltete er seine Ideen sogar zeichnend auf Aktendeckeln, früh begann er mit dem Schreiben. Den Beruf des Juristen hat er bis auf die Jahre als freier Künstler am Bamberger Theater immer wieder ausgeübt. Plock, Posen, Warschau Dresden, Bamberg und Berlin waren seine Lebensstationen, die nicht immer freiwillig gewählt wurden. Nur Berlin war der Ort, zu welchem es ihn seit seinem ersten Aufenthalt immer wieder hinzog. Seine wichtigen und seine letzten Jahre hat er dort verbracht. 

>Im wilhelminischen Deutschland war E. T. A. Hoffmann für die meisten zunächst einmal recht gründlich vergessen, erst im frühen 20. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt.

Waren zum 200. Todestag im Jahre 2022 doch einige größere Ausstellungen in wichtigen deutschen Museen und Bibliotheken zu sehen, schien das noch größere Fest zum 250. Geburtstag kleiner auszufallen. Nur die Staatsbibliotheken in Berlin und Bamberg stechen hier löblich hervor. Und die E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft mit ihren über 400 auch internationalen Mitgliedern versuchte mit Enthusiasmus, für E. T. A. Hoffmann zu wirken.

Aber in Russland hat eine umso lebhaftere Rezeption direkt nach seinem Tode eingesetzt. Sie begann zunächst über französische Adaptionen seiner Texte etwa von Alexandre Dumas dem Älteren, bald jedoch in Übersetzungen aus dem Deutschen. Er ist der deutsche Autor, der am stärksten auf die russische Literatur gewirkt hat, auf Alexander Puschkin, Fjodor Dostojewski oder Michail Bulgakow, um nur die wichtigsten zu nennen. Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“, das 1892 in St. Petersburg Premiere hatte, ist weltberühmt. Wenn auch der Komponist für sein Libretto die französische Fassung des Hoffmann'schen Märchens „Nussknacker und Mäusekönig“ nutzte, so ist dieses Märchen doch heute Schullektüre in Russland. So wundert es nicht, dass der 250. Geburtstag auch in Kaliningrad gebührend begangen wurde. 

>Zwanzig Jahre lang fanden in Vorbereitung des Geburtstags im Kaliningrader Gebietsmuseum, das sich nur einige Gehminuten vom Gedenkstein für E. T. A. Hoffmann an der Stelle seines Geburtshauses befindet, Ausstellungen zeitgenössischer russischer Künstler statt, die sich mit E. T. A. Hoffmann beschäftigten. 

Da einige herausragende Werke vom Museum erworben wurden, war das Interesse groß, an diesem Wettbewerb guter künstlerischer Ideen teilzunehmen. Erstaunlich ist die Vielfalt der künstlerischen Techniken, die neben den klassischen Techniken auch die alte Ikonenmalerei, Szenografisches, Kunstgewerbe und Design umfasst. Diese inhaltliche Auseinandersetzung lädt zur vertieften Auseinandersetzung ein. 

Im Jubiläumsjahr 2026 war die Ausstellungsfläche unter dem geräumigen Dach des Museums mehr als doppelt so groß. Auch inhaltlich ist sie geradezu ein E. T. A.-Hoffmann-Garten, in welchem sich zu verirren ausdrücklich erwünscht ist, wie schon der Ausstellungstitel „Labyrinth“ andeutet. Der Besucher lässt sich anregen und kommt am Ende als anderer aus der Ausstellung. Neben den Fotografen sind diesmal auch Vertreter des russischen Verbands der Pastellmaler dabei, ein Fest von insgesamt mehr als 150 Künstlern. Mittendrin eine Ausstellung „Silhouetten Hoffmanns“ über die russische Rezeptionsgeschichte E. T. A. Hoffmanns in der Literatur. Zum 15. Mal wurde dieses Jahr auch der Schreibwettbewerb „Russischer Hoffmann“ ausgelobt, zum 14. Mal gab es den Kinder-Malwettbewerb, an dem sich viele Schulen des Kaliningrader Gebietes beteiligten. 

So war auch das Programm am 24. Januar 2026 entsprechend bunt, und an vielen Orten der Stadt gab es weitere Initiativen, Konzerte seiner Musik, Vorträge und Lesungen, szenisch-musikalische Inszenierungen und eine zentrale große Festveranstaltung. Staunend erfuhren darin die Zuhörer, dass E. T. A. Hoffmanns Wurzeln sich mütterlicherseits bis auf „Ännchen von Tharau“ zurückverfolgen lassen; dieses Lied kann in der Kaliningrader Oblast übrigens fast jeder Einwohner singen. Natürlich gab es Preisverleihungen auf dem Felde der Literatur und für die Schüler, die sich am Mal- und Zeichenwettbewerb beteiligt hatten. Für die E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft durfte die Autorin Grüße überbringen und, reich beschenkt von dem gemeinsamen deutsch-russischen Projekt, zweiseitig russisch-deutsch gestaltete Lesezeichen nach Deutschland bringen. 

Übrigens erinnerte man auch im Insterburger Schloss (heute Tschnerjachowsk/Kaliningrader Oblast) an E. T. A. Hoffmann. Einerseits an seinen Vater, der nach der Trennung von seiner Frau dort als Jurist arbeitete, andererseits an die bevorstehende Verbannung, von der ihn der Tod erlöste. Am 25. Juni 1822 starb er nach schwerem Leiden in Berlin am Gendarmenmarkt an dem Ort, wo heute in einem auch schon wieder 100 Jahre alten „Neubau“ das bekannte Restaurant und Weinlokal Lutter und Wegner seine Gäste bewirtet.

Wenn also wieder in den von E. T. A. Hoffmann karikierten Kreisen von der geplanten Eroberung der Kaliningrader Oblast durch die NATO oder wen auch immer gefaselt wird, so denke der Leser jetzt an den Dichter und suche die drei Haare auszuziehen.


