Der Preis der Freiheit
Nicht Protest und Forderungen führen in die Freiheit, sondern der Mut zu mehr Authentizität.
Wenn wir etwas wollen, fordern wir es ein. Doch zunehmend bekommen wir nicht mehr, was wir wollen. Um daran etwas zu ändern, ist es der falsche Weg, lauter zu protestieren und eindringlicher zu fordern. Damit machen wir uns selber klein und die groß, von denen wir etwas wollen. Freiheit kommt zu denjenigen, die sich auf sich selbst besinnen und aufhören, sich mit anderen zu vergleichen, den Menschen, die echt und wahrhaftig sind.
Freiheit: Gemeinhin wird darunter die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang unter verschiedenen gegebenen Möglichkeiten auszuwählen und zu entscheiden. Zur Freiheit gehört es also, die Wahl zu haben. Hierfür braucht es Alternativen. Eine Gesellschaft, die diese nicht bietet, ist keine freie Gesellschaft. Wo die Menschen nicht wählen können zwischen dem einen und dem anderen, sind sie nicht frei. Bestenfalls können sie Privilegien genießen, die ihnen als eine gewisse Freiheit verkauft werden.
Vielen scheint das zu genügen. Man soll sie möglichst nicht damit behelligen, Entscheidungen zu fällen, selbst dann nicht, wenn sie das eigene Leben betreffen. „Es gibt keine Alternativen.“ Wenn „die“ Wissenschaft oder „Experten“ sprechen, reicht das, um viele Menschen gefügig zu machen. Da wird nicht diskutiert. Wer es dennoch tut, der ist extrem rechts.
Besonders folgsam sind die Menschen im Bereich der Medizin. Wenn eine als Autorität akzeptierte Person oder Institution vorgibt, diese Pille schlucken zu müssen, dann wird sie geschluckt. Das Resultat ist eine kranke und zunehmend kinderlose Gesellschaft, in der viele Menschen früh und unerwartet sterben. Mancher geht eher in den Tod, als seine Meinung zu ändern. Damit wird auch die Freiheit zu Grabe getragen, die einmal zu den höchsten Werten westlicher Demokratien zählte.
Konformitätsdruck
Es muss uns schon etwas wert sein, unsere Freiheit wiederzuerlangen. Viele Schichten müssen abgetragen werden, viele Geschichten, in denen wir Lügen und Verdrehungen verinnerlicht haben. Wir müssen erkennen und akzeptieren, dass wir uns vielleicht in einigen Dingen geirrt haben. Das ist unbequem. Deshalb lassen die meisten Menschen es nicht zu. Selbst einfachste Fragen werden abgeblockt: Woher hast du diese Information? Wie kannst du wissen, dass das stimmt?
Gemeinhin wird das als richtig betrachtet, was die Mehrheit sagt. Der Konformitätsdruck zerstört schnell die eigene Wahrnehmung. Durch Wiederholungen werden Informationen als Wahrheit behandelt, egal, ob sie objektiv stimmen oder nicht.
Aussagen, die bereits zuvor gehört oder gelesen wurden, wird ein größerer Wahrheitsgehalt zugesprochen als solchen, die erstmals gehört werden.
Ohne die Pest und die Spanische Grippe als Vorläufer hätte das Corona-Narrativ sicher weniger gegriffen. „Der Russe“ war schon immer eine Bedrohung. Es hat schon immer Kriege gegeben. „Das weiß doch jeder.“ Bestimmte Informationen laufen wie auf Schienen in die Köpfe der Menschen. Man muss gar nicht mehr nachdenken. Manche Dinge sind eben so.
Man weiß doch, dass das Mittelalter eine düstere Zeit war und es erst in der Renaissance gelang, Licht ins Dunkel zu bringen (1). Es ist doch bewiesen, dass wir heute länger und besser leben und auf dem Mond waren. An bestimmten Informationen wird nicht gerührt. Wenn alle sagen, dass etwas grün ist, dann wird es als grün angenommen, selbst wenn einer es als braun sieht. Wer will schon allein dastehen? Bei der eigenen Wahrnehmung zu bleiben, erfordert den Mut, Einsamkeit zu riskieren und seine Freiheit mit Authentizität aufzuwiegen.
Es wird eng
Immer dringlicher scheinen die Ereignisse die Frage zu stellen: Mensch, wo stehst du? Was glaubst du wirklich? Wie weit bist du bereit zu gehen? Militarisierung, Wehrdienst und eID spitzen aktuell die Lage weiter zu. Immer weniger können wir dem entfliehen, was uns aufgezwungen wird. Es wird immer enger. Es ist, als sei immer weniger Platz in dem Kokon, in dem wir bisher gelebt haben. So lange werden wir zusammengepresst, bis die alte Haut aufbricht und wir den Kokon verlassen.
Es gleicht einer Häutung, einem Geburtsprozess. Jedes Ereignis, das die Welt erschüttert, ist wie eine Frage an das eigene Gewissen: Wie verhalte ich mich jetzt? Wie geht es mir dabei? Was fühle ich? Nur dem, der wirklich ehrlich zu sich selbst ist, wird der Weg in die Freiheit gelingen.
Welche Gedanken kommen von mir und was wiederhole ich nur von anderen? Was sagt mir mein Herz in dieser Situation? Die Antwort liegt bei uns allein. Niemand anderes kann sie uns geben. Diesen Preis muss jeder zahlen, dem seine Freiheit etwas wert ist. Sie wird uns nicht gesetzlich verordnet oder von oben genehmigt. Wir bekommen sie nicht, wenn wir nur lange genug protestieren oder sie laut genug einfordern.
Freiheit müssen wir uns nehmen. Nicht im Kampf, sondern indem wir uns darauf besinnen, wer wir sind. Hierfür braucht es Offenheit und Weite, einen Raum, in dem sich die Dinge zeigen und entwickeln können. Enge behindert die Freiheit, Angst macht sie zunichte: angustia, lateinisch für Enge, Engherzigkeit, Mangel. Wer in der Überzeugung des Mangels lebt, für den bleibt die Freiheit ein unerreichtes Gut. Sie gedeiht nur dort, wo Fülle möglich ist.
Keine Freiheit ohne Größe
Dort, wo wir glauben, dass nichts ist, da ist auch nichts. Wer nur den Mangel sieht, geht leer aus. Wer sich beklagt und bettelt, bekommt bestenfalls Almosen. Freiheit ist für die unerreichbar, die sie von anderen fordern, weil sie sich selbst zu klein fühlen. Ohnmacht macht Freiheit unmöglich. Daher wird alles darangesetzt, dass wir uns machtlos fühlen. Geschichten werden erfunden, in denen wir keine Chance haben.
Wer von seiner eigenen Belanglosigkeit überzeugt ist, gibt den perfekten Untertanen. Ohne zu zögern gibt er denen seine Stimme, die er als Autoritäten anerkennt. Bedenkenlos überträgt er die Verantwortung für das eigene Leben auf andere, die vorgeben, es besser zu wissen als er, und die ihre Macht entsprechend der allgemeinen Bewusstlosigkeit immer weiter ausbauen.
Nur wer sich selber gut kennt, mit seinen Stärken und Schwächen, hat dem etwas entgegenzusetzen. Freiheit braucht Selbsterkenntnis. Sie braucht eine Antwort auf die Frage, wer man ist. Wer hier stumm bleibt, der wird nicht frei. Er erfüllt nicht das, wozu wir geboren sind: uns weiter zu entfalten — und nicht, uns weiter zu bücken.
Fataler Vergleich
Ein Schmetterling, der aus dem Kokon schlüpft, braucht seine ganze Kraft. Der Halm, der den Asphalt durchbricht, macht keine halben Sachen. Es braucht die vollständige Besinnung auf uns selbst, wenn wir uns weiterentwickeln und nicht nur älter werden wollen. Wer bin ich? Nicht „wie erscheine ich“, „wie finden mich andere“ oder „bin ich besser oder schlechter als sie, größer oder kleiner, schneller oder langsamer, schöner oder hässlicher, klüger oder dümmer “? Wer bin ich, ohne mich mit anderen zu vergleichen, mich an ihnen zu messen oder etwas von ihnen zu wollen?
Der Vergleich mit anderen schafft auf der einen Seite Hochmut und auf der anderen Neid und mit ihnen die Eigenschaften, die uns und anderen das Leben schwer machen: Eifersucht, Stolz, Gier, Faulheit, Niedertracht. Wir machen entweder uns selbst oder andere klein. Jedes Übel der Welt bezieht hieraus seine Substanz. Selbst der Tod soll einmal aus Neid heraus entstanden sein.
Früher oder später erschafft der Vergleich ein Zuviel auf der einen und ein Zuwenig auf der anderen Seite. So konnte das entstehen, was wir „die Eliten“ nennen. Wer die Zügel der Strukturen und Institutionen in der Hand hält, in denen Menschen aneinander gemessen und auf- oder abgewertet werden, der hat die Kontrolle. Die gibt er nicht freiwillig wieder her. Man kann sie ihm nicht nehmen. Was bleibt, ist, sich seine Freiheit zu nehmen, ohne zu fragen.
Revolution der Gesinnung
Kein Kampf ist hierfür notwendig. Die meisten Revolutionen haben nicht in die Freiheit geführt, sondern zu Terror, Bürgerkriegen, Diktaturen und wirtschaftlichem Chaos. Auf die Französische Revolution folgte die Schreckensherrschaft, die Russische Revolution führte zu Bürgerkrieg und Hungersnöten, die Iranische Revolution in eine religiöse Diktatur, die Chinesische Kulturrevolution zu Chaos, Folter, Tod und Millionen Verfolgten und der Arabische Frühling zu Bürgerkrieg, Staatszerfall und Militärherrschaft.
Damit sich wirklich etwas ändert, braucht es das, was der algerisch-französische Philosoph und Landwirt Pierre Rhabi eine Revolution der Gesinnungen nannte. Er meinte damit keine gewaltsame politische Revolution, sondern einen tiefgreifenden Wandel der Denk- und Lebensweise, der jeden einzelnen Menschen betrifft. Erst wenn sich unser Menschenbild ändert, kann auch die Welt eine andere werden.
Hierfür müssen wir das wiedererkennen, was in der Natur für alle Lebewesen gilt: ihre Einzigartigkeit. Keine Schneeflocke ist wie die andere. Jeder Grashalm ist verschieden. Jeden Menschen gibt es nur ein einziges Mal. Niemals standen die Sterne so wie am Tag unserer Geburt. Wir müssen nicht unsere Nasen oder unsere Muskeln miteinander vergleichen. Alles, was wir zu tun haben, ist, die zu sein, die wir schon sind. Ich bin, der ich bin. Nicht anders, nicht divers, sondern einfach einzigartig.
Ich bin so frei!
Was für eine Erleichterung! Anstatt mich ständig an anderen zu messen, mich um ihre Anerkennung zu bemühen und zwischen Frust und Stolz, Depression und Überheblichkeit zu schwanken, kann ich erforschen, was in mir steckt. Was mache ich hier? Wofür bin ich auf der Welt? Was möchte ich verwirklichen? Anstatt auf allen möglichen Kanälen unterwegs zu sein, kann ich mich meinem eigenen Leben widmen.
Das ist Freiheit. Freiheit vom Vergleich, Freiheit vom Urteil anderer, Freiheit von Selbsterhöhung und -erniedrigung, Freiheit von dem Gedanken des Mangels, der daraus resultiert. Wir treten in eine Fülle, aus der wir mit beiden Händen schöpfen können. Niemand muss mehr den Dingen hinterherlaufen, sondern lernt es, das anzuziehen, was er sich wünscht oder braucht.
Wer das Unechte von sich abstreift, das, was er nicht ist, der erlebt jeden Tag als ein Wunder. Fremde Menschen lächeln ihn an, unerwartete Gelegenheiten präsentieren sich, Probleme lösen sich wie von selbst.
Die Sinne schärfen sich, Synchronizitäten werden häufiger, Ereignisse, in denen sich die Verbundenheit manifestiert. Wir schaffen eine Art Resonanzfeld, von dem das angezogen wird, was wir in unserem Raum haben wollen.
Das kann nur der, der echt und unverstellt ist, frei, gewissermaßen transparent genug, damit das kommen kann, was er sich wünscht. Nur aus Fremdbestimmung entstehen Massenüberwachung, Pseudodemokratie, dogmatisierte Wissenschaft, profitorientierte Medizin, Massenproduktion, Umweltzerstörung, ein auf Gehorsam ausgerichtetes Bildungssystem und zunehmende Entmenschlichung und Denaturierung. Wer frei und selbstbestimmt lebt, hat eine andere Ernte.