# Der Sarkophag der US-Weltherrschaft

Ein China-Besuch Donald Trumps bewies: Global-Leadership-Gehabe ist gegenüber dem „Reich der Mitte“ nicht mehr angemessen — eher kann der Westen froh sein, wenn er als Wirtschaftspartner akzeptiert wird. 

von 
   * Wolf Wetzel

Abschlusskonzert auf der Titanic mit großem Trara. Die „Führer der freien Welt“ sind so gewohnt daran, sich für die Größten zu halten, dass sie ihr Dominanzverhalten selbst dann noch aufrechterhalten, wenn dem keine tatsächliche Überlegenheit mehr gegenüber steht. Donald Trump wurde bei seinem jüngsten Besuch in China jedenfalls ein bisschen zurechtgestutzt — natürlich subtil, wie es die Art chinesischer Politiker ist. Die Vertreter des Landes traten betonte selbstbewusst auf, wissend, dass sie weltweit begehrte Kooperationspartner sind. Die USA nicht mehr unbedingt. Autor Wolf Wetzel wagt in seinem Artikel auch ein Experiment und entwirft eine ungehaltene Rede Xi Jinpings. Was würde der chinesische Staatschef Donald Trump wohl ins Stammbuch schreiben, wäre er eine weniger höflicher Mensch?

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US-Präsident Donald Trump ist nach China geflogen. Nicht dabei hatte er das Erpresserduo Steve Witkoff und Jared Kushner. Sie werden zwar als Verhandler bezeichnet,  treten im Kontext des Krieges gegen den Iran jedoch faktisch als Druckakteure auf. Denn es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, über ein Ende eines Angriffskrieges mit „Verhandlern“ über ein iranisches Mittelstreckenprogramm zu sprechen oder über die Aufgabe des iranischen Atomprogramms, dessen zivile Nutzung die USA vertragsrechtlich einseitig aufgekündigt haben, nicht der Iran. 

Bei einem Angriffskrieg, der ausnahmsweise in vielen westlichen Staaten auch als Angriffskrieg bezeichnet wird, geht es um eine sofortige Beendigung der Kriegsverbrechen und um Reparationszahlungen, wie dies die iranische Regierung auch tatsächlich gefordert hatte. 

Vor diesem Hintergrund agieren Steve Witkoff und Jared Kushner als Erpresser, ein Vorgehen, das sich auch in den wiederkehrenden Drohungen ihres Chefs widerspiegelt, wenn US-Präsident Donald Trump etwa mit der Auslöschung der iranischen Zivilisation droht, sollte der Iran die Bedingungen der US-Unterhändler nicht akzeptieren.

## Warum verfährt die US-Regierung nicht im Fall China ähnlich?

Sie droht doch sonst vorzugsweise mit (Wirtschafts-)Krieg, mit Annexion oder äußert sich in einem kindischen Ton, der vor Ultimaten nur so strotzt. All das müsste doch bei einem kommunistischen Land an oberster Stelle stehen?

Doch Trump kam nicht mit besagtem Erpresserduo, sondern mit einem Sack voller US-Milliardäre:

* Elon Musk von Tesla
* Tim Cook von Apple
* Larry Fink von BlackRock
* Stephen Schwarzman von Blackstone
* Kelly Ortberg von Boeing
* Brian Sikes von Cargill
* Jane Fraser von Citi
* Jim Anderson von Coherent
* Larry Culp von GE Aerospace
* David Solomon von Goldman Sachs
* Jacob Thaysen von Illumina
* Michael Miebach von Mastercard
* Dina Powell McCormick von Meta
* Sanjay Mehrotra von Micron
* Cristiano Amon von Qualcomm
* Ryan McInerney von Visa

Die Delegation umfasste 17 führende US-Unternehmen, die einen gemeinsamen Börsenwert von 16,4 Billionen US-Dollar repräsentieren.

Das entspricht in etwa dem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Deutschland und Österreich — zusammen rund 15 Billionen US-Dollar.

> Sie wollen vor allem eines: Geschäfte mit der Volksrepublik China machen. Plötzlich sind es nicht mehr Kommunisten und Diktatoren, die dort herrschen, sondern geschätzte Geschäftspartner, die vieles von dem haben, was die US-Oligarchen nicht haben.

Selbstverständlich wissen sogar auch Donald Trump und seine Epstein-Freunde, dass die VR China weder mit Kapitalismus noch mit Krieg zu schlagen ist.

Mehr noch: Man braucht die VR China, also das, was sie unschlagbar macht. Billige und hochwertige Produkte, um die Kriegskosten im eigenen Land gegen den Iran abzumildern. Und wie immer Rohstoffe wie die Seltenen Erden, die heute wichtiger sind als klassische militärische Machtmittel wie Flugzeugträger, die wie Dinosaurier durch eine untergehende Epoche treiben.

Die USA wären längst ein „failing state“, wenn die kapitalistische Logik überall gleichermaßen gelten würde:

Im März 2026 betrug die nationale, von der Öffentlichkeit gehaltene Staatsverschuldung 31,27 Billionen Dollar und überstieg damit zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg das jährliche US-Bruttoinlandsprodukt von 31,22 Billionen Dollar.

Bei dem Festakt zu Ehren des US-Präsidenten stand die Frage im Raum:

*„Können China und die USA ein neues Paradigma der Beziehungen zwischen Großmächten schaffen?“* 

Der chinesische Ministerpräsident Xi Jinping war in seiner Begrüßungsrede sehr sachlich und andeutungsvoll. Die folgende „Rede“ von Xi Jinping ist kein authentisches Originalzitat. Sie soll die Quintessenz „übersetzen“:

*„Ein kurzer Blick zurück hilft immer, auch die Gegenwart zu verstehen. Manchmal sogar auch die Zukunft. Vor nicht allzu langer Zeit verhängten Sie, Herr Präsident, 34 bis 125 Prozent Zölle gegen unser Land. Sie erwähnten dabei, dass wir Ihre Arbeiter ausbeuten würden. Vielleicht hat Ihnen in der Zwischenzeit ein Berater gesagt, auf welche Weise Ihre mitgereisten Konzern-Chefs Milliardäre geworden sind. Heute sind Sie überaus freundlich und loben mich als hervorragenden Führer. Ein bekanntes chinesisches Sprichwort besagt:*
 
*Es gibt drei Wahrheiten: Meine Wahrheit, deine Wahrheit und die Wahrheit.*

*Bevor ich Ihnen unseren Rosengarten zeige, möchte ich Ihnen eines mit auf den Weg geben: Taiwan gehört zu China. Ich weiß, dass Sie wenig vom Völkerrecht halten. Es existiert dennoch und ist in dieser Frage eindeutig: Völkerrechtlich gilt Taiwan aufgrund der Ein-China-Politik und der UN-Resolution 2758 nicht als eigenständiger Staat.*

*Verwechseln Sie das also bitte nicht mit Ihren Annexionsfanasien von Grönland oder Kanada. Wenn Sie Taiwan mit Waffen beliefern, die unmittelbar unser Land treffen können, denken Sie an die „Kuba-Krise“ 1962. Damals drohte Ihre US-Regierung mit einem Atomkrieg, wenn die Sowjetunion Raketen auf Kuba, vor Ihrer Haustür, stationieren wird.*

*Lassen Sie sich Zeit, Dinge im Zusammenhang zu denken. Das geht sehr gut bei unserem jetzigen Spaziergang durch den Rosengarten. Und nehmen Sie als Geschenk und Inspiration diese Rosensamen mit nach Hause.“*

Donald Trump saß bei der tatsächlichen Rede von Xi Jinping nicht  — wie sonst üblich — breitbeinig, sondern mit zusammengekniffenen Beinen da und hörte aufmerksam zu.. Kein Zwischenruf, kein höhnischer Blick zu seiner Boygroup.

Donald Trump versteht nicht viel, aber er weiß worauf es ankommt. Die VR China lässt sich weder von „America First“ noch von amerikanischer Machtpolitik vereinnahmen. Sie wird nicht zum Uncle Sam für Trumps „America First“ werden.

Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum Donald Trump ausnahmsweise so ruhig und geduldig wirkte — als würde er sorgfältig die Schale einer Erdnuss öffnen, ohne die Nuss zu beschädigen.

Ich finde bei all dem Lächeln, das zur Schau gestellt wurde, übertrifft diese versteckte Botschaft alles, was die Wirtschaftsexperten im Westen zu bieten haben.

## Auf der Titanic

Es gibt im Wesentlichen zwei Optionen, diesen mörderischen Kreislauf zu stoppen oder gar zu beenden.

> Die naheliegende Option ist weniger eine visionäre als vielmehr eine nüchtern machtpolitische Perspektive: Nicht der „Kommunismus“, der eher in der chinesischen Verfassung als in der Wirklichkeit verankert ist, erschreckt den Trumpismus zu Tode. Es ist die militärische und ökonomische Macht, die den Kapitalismus „Made in USA“ überholen könnte — oder dies in strategischen Sektoren bereits tut. 

Dann hätten wir immer noch Kapitalismus, aber eben chinesischer Bauart. Es gibt wenig Grund, ihn herbeizusehnen.

Die zweite Option verlangt mehr als eine kluge Analyse: In den USA und den westlichen Staaten müsste sich eine außerparlamentarische Opposition herausbilden, die nicht nur keine verlustreichen Kriege will, sondern eine Vision aufscheinen lässt, die über den Kapitalismus hinausweist.

Dass weder die Clintons, Obamas, Bidens und Trumps eine Alternative darstellen, sondern verschiedene Varianten derselben Strategie, den US-Imperialismus, also „America First“ zu retten, sollte auf der Hand liegen. Daran ändern kein freundliches Auftreten, keine Hautfarbe und keine Parteizugehörigkeit etwas.

Wolf Wetzel | 26. Mai 2026


