Die gefällte Demokratie
Im Manova-Gespräch mit Elisa Gratias schildert die Aktivistin Cristina Calero die umstrittene Fällung von 17 alten Bäumen im Stadtzentrum Palmas und erläutert, inwiefern dieser Fall autoritärer Lokalpolitik überregional relevant ist.
Ende 2025 beschloss die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca trotz Bürgerprotesten auf wenig demokratische Weise, 17 etwa 80 Jahre alte Ombubäume auf der historischen Stadtmauer zu fällen. Damit sie nicht in Vergessenheit geraten und ihre Fällung zumindest als Weckruf dient, prangern Umweltaktivisten die unzähligen Verfehlungen an, die während des gesamten Prozesses seit seinem Beginn aufgetreten sind. Sie hoffen, so zumindest das Bewusstsein der Bürger und Besucher Palmas für die schwindende Demokratie in Europa zu sensibilisieren und die demokratischen Mechanismen der Beteiligung und institutionellen Transparenz zu verbessern. Cristina Calero ist eine dieser Umweltaktivistinnen und spricht mit Elisa Gratias im Manova-Interview darüber, wie die Bürger der westlichen Demokratien passiv gehalten werden und sich ihre Entscheidungsmacht zurückholen können.
Für viele Deutsche ist Mallorca ein Ort, den sie mit Sangria, Sonne und exzessivem Trinken verknüpfen. In Wirklichkeit ist die Mittelmeerinsel ein besonderer Ort mit atemberaubenden, vielseitigen Landschaften und einer pittoresken historischen Stadt am Meer.
Cristina Calero, Dozentin und Tutorin für Kunstgeschichte und Philosophie am Centro Asociado de Baleares der Universidad Nacional de Educación a Distancia (Nationale Fernuniversität Spaniens) lebt in Palma de Mallorca und sorgt sich um die Demokratie. Anlass ist die Fällung von 17 riesigen Ombubäumen, die bis Ende 2025 noch auf der historischen Stadtmauer am Meer für Schatten und Lebensqualität sorgten.
Im Gespräch mit Manova führt sie aus, warum Bürger mit dem Vorgehen ihrer Regierungen sehr viel kritischer umgehen sollten und wie die Politik umgekehrt bewirkt, dass sich immer weniger Menschen für politische Entscheidungen interessieren, sogar wenn diese sie direkt betreffen. Die Erklärung, die die Stadtverwaltung von Palma für den Beschluss, alle etwa 80 Jahre alten Bäume auf dem Plaza Villalonga zu fällen, klingt schlüssig. Es geht um Sicherheit. Die Bäume seien krank und somit eine Gefahr für die Passanten, da jederzeit Äste abbrechen könnten.
Cristina Calero führt jedoch aus, wie vereinfacht diese Erklärung ist und welche anderen Optionen es gegeben hätte. Die Situation auf Mallorca ist ein Paradebeispiel für die immer autoritärer agierenden Fassadendemokratien Europas, die im Namen der Sicherheit sämtliche Beschlüsse zu legitimieren versuchen. Aktivisten wie Calero zeigen, dass die Bürger selbst aktiv werden müssen, um daran etwas zu ändern.

Plaza Villalonga in Palma de Mallorca mit den 17 Ombubäumen vor ihrer Fällung, Foto: Cristina Calero
