Die Heuchelei der Täter
Unhinterfragt übernehmen die westlichen Leitmedien das Narrativ, die USA und Israel hätten den Iran präventiv angegriffen, also einen Krieg begonnen, um einen Krieg zu verhindern.
US-Präsident Donald Trump erklärte am 28. Februar 2026 den zweiten Angriffskrieg gegen den Iran erneut zum Akt der Selbstverteidigung. Auch Israel ist bei diesem staatsterroristischen Akt dabei. Diese Kriegsverbrechen werden von Israel als „Brüllender Löwe“ und von den USA als „Operation Epische Wut“ bezeichnet. Das israelische Kriegskabinett erklärt schon seit Langem, dass man sich in Gaza beziehungsweise Palästina selbst verteidige — auf besetztem Territorium. Gegen den Iran führe man einen „Präventivschlag“ durch — einen wirklichen Krieg gegen einen fabulierten Krieg.
Im deutschen Fernsehen (ARD) ist von einer „Operation“ die Rede. Und der BlackRock-Bundeskanzler Friedrich Merz, nebenbei auch CDU-Mitglied, nennt in seiner Regierungserklärung vom 1. März 2026 den Krieg gegen den Iran „Militärschläge“ und bedauert eigentlich nur eines: Dass Deutschland nicht direkt dabei ist, aber sofort zur Stelle wäre, wenn es um den Wiederaufbau des Irans geht. Darin hat man bekanntlich viel Übung.
Sprache als Kriegswaffe
Von den Laufstellmedien kommen keine Nachfragen, keine Infragestellungen. Und schon gar keine Einordnung, die sie ansonsten wahnsinnig schnell aus dem Ärmel schütteln.
Diese hat Mikro Lange/Democracy Intelligence auf sehr präzise und überprüfbare Weise in fünf Punkten vorgenommen:
„Der Angriff ist ein Verbrechen. Und dafür ist es egal, was man von dem Regime in Teheran hält. Es braucht eine Klarstellung, die leider weder von Leitmedien noch unserer Regierung kommt.“
Fakten
Artikel 51 der UN-Charta erlaubt Selbstverteidigung nach einem erfolgten bewaffneten Angriff. Es gab keinen. Die Caroline-Doktrin verlangt eine unmittelbare Bedrohung, die keinen Moment zur Überlegung lässt.
Parallel zu monatelangen Aufmärschen mit Flugzeugträgern und Kampfjets fanden noch Gespräche statt, zuletzt Donnerstag in Genf. Wer monatelang aufmarschiert und parallel verhandelt, handelt nicht in Notwehr.
Das ist ein geplanter Angriffskrieg. Punkt.
Klartext
Trump sagt den Iranern: „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.“ Netanyahu will „die Voraussetzungen schaffen, dass das iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt“. Das ist keine Selbstverteidigung. Das ist Regime Change. Wörtlich. Offen. Ohne völkerrechtliche Grundlage. Die gleiche Logik wie Irak 2003. Damals fand man keine Massenvernichtungswaffen. Aber 600.000 Tote.
Medien
Und die unseren Medien? t-online titelt: „Israel startet Präventivschlag gegen Iran.“ Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sogar ohne Anführungszeichen. „Präventivschlag“ ist kein neutraler Begriff. Er ist eine völkerrechtliche Kategorie mit klaren Voraussetzungen, die hier nicht erfüllt sind. Wer ihn ungeprüft in seine Headline setzt, betreibt kein Framing. Er lügt mit.
Deutschland
Die Bundesregierung wurde „vorab informiert“. Sie „beobachtet die Lage“. Im Juni 2025 nannte Kanzler Merz den israelischen Angriff auf den Iran „die Drecksarbeit, die Israel für uns alle macht“. Das ist kein Ausrutscher. Das ist eine Haltung. Man kann zum Völkerrecht stehen, wie man will. Wer es für überholt hält, soll das sagen. Soll sagen: „Wir halten uns nicht daran.“ Das wäre wenigstens ehrlich. Aber das Gegenteil tun und so tun, als sei es vom Völkerrecht gedeckt, das ist die eigentliche Zerstörung der internationalen Ordnung.
Doppelmoral
Russlands Angriff auf die Ukraine ist ein Verbrechen. Aber wenn die USA und Israel ohne UN-Mandat, ohne unmittelbare Bedrohung und mit dem erklärten Ziel des Regimesturzes ein souveränes Land bombardieren, ist das plötzlich „Verteidigung“? Diese Doppelmoral gibt jedem Autokraten der Welt das eine Argument, das er braucht: Ihr haltet euch selbst nicht daran.
Einordnung
Das iranische Regime ist kein Opfer. Es hat Zehntausende eigene Bürger getötet.
Aber Völkerrecht existiert nicht für sympathische Staaten. Es existiert, damit nicht jeder Staat zum Richter über andere wird. Wer diese Regel bricht, wenn es ihm passt, hat keine regelbasierte Ordnung. Sondern eine machtbasierte mit besserer PR.
Wir sind von einem epochalen Geschichtsrevisionismus nur noch ein paar Schritte entfernt.
Demnach hat sich Nazi-Deutschland 1939 in Polen selbst verteidigt, was Hitlers Aussage, man habe seit 5.45 Uhr „zurückgeschossen“ ins rechte Licht rückt.
Und nicht ganz neu, aber jetzt regierungstauglich ist die Tatsache, dass Nazideutschland mit einem „Präventivkrieg“ Russland (1941 bis 1945) zuvorgekommen war, also sich wie „Trump“ nur selbst verteidigt hatte.
Auch in Frankreich, Griechenland, Italien, Belgien, Holland und so weiter hatte sich die deutsche Wehrmacht verteidigt, da die unter Besatzung lebenden Menschen nicht bereit waren, sich wie Unterworfene zu benehmen.
Unbestätigt
Nach bisher noch unbestätigten Angaben hat die iranische Regierung das Weiße Haus, das Pentagon, den von Korruption getragenen „Trump Tower“ und seinen Golfplatz zerstört.
Außerdem habe die iranische Regierung versprochen, dass die Bevölkerung in den USA eine neue Regierung wählen könne, wenn die Gefahr, die vom „Weltpolizisten“ USA seit Jahrzehnten ausgeht, beseitigt worden ist.
Bestätigt
Die EU hat allen Ernstes erklärt, dass der Iran seine Angriffe auf US-Basen in der Region und gegen Israel sofort einstellen müsse.
Wir kann es sich ein Land wie Iran und andere nur erlauben, sich zu verteidigen. Da steht der Kolonialismus und Imperialismus an oberster Stelle des EU-Kleinhirnes.
Zwischen der „Operation Ajax“ und der „Operation Epische Wut“ liegen 73 Jahre ununterbrochener US-Kriegsherrschaft.
Die EU und die USA können doch erwarten, dass Länder wie der Iran einfach vergessen, dass man erst 1953 den gewählten iranischen Präsidenten Mohammad Mossadegh weggeputscht hatte („Operation Ajax“), und mit dem Folter-Schah Mohammad Reza Pahlavi ein Regime an die Macht brachte, das ganz im Sinne der USA und Westeuropas agierte. Dass dieses Schreckensregime 1979 in einem Volksaufstand beseitigt wurde, ist unverzeihlich.
Deshalb hat man jetzt — immer gerne auch in den deutschen Medien zu sehen — wieder einen Schah, seinen Sohn Reza Pahlavi, in Stellung gebracht, der zur Kollaboration mit der US-amerikanischen und israelischen Kriegsarmada aufruft und total gerne als glanzvolle Strohpuppe das Erbe seines Vaters weiterführen würde.
From the belly of the beast (aus dem Bauch des Tieres, Parole in New York City)
Die Kriege gegen den Iran, gegen Gaza/Palästina, gegen Venezuela, gegen Kuba müssen in den USA, in Israel und in Deutschland sowie Europa gestoppt werden.
Und wenn wir diese Kriege mit wachsender Repression, mit zunehmender Verarmung, mit inneren Ausnahmezuständen, mit der Außerkraftsetzung von Verfassungsrechten in Verbindung bringen. Wenn wir all dies zusammendenken, dann entsteht ein Weltbewusstsein, das nicht nur Kriege stoppen kann. Dann stoßen wir die Tür zu einer gesellschaftlichen Utopie auf, die nicht den Status quo verteidigt — gegen noch Schlimmeres —, sondern sich auf den Weg macht, das scheinbar Unmögliche zur Maxime für unser Leben zu machen.
Ich bin mir sicher, dass viele denken werden: Das ist ein schöner bunter Ballon, weit weg. Das stimmt, der Ballon ist weit weg, aber wir haben die Schnur in der Hand, um ihn Stück für Stück zu uns zu holen.