Die Lust am Untergang

Sind die Zuhälter der Globalisierung noch zu stoppen?

Ängstlich schauen wir auf die Zunahme vermeintlich schädlicher Tierarten, der Wölfe, Biber oder Rehe. Wenn aber jemand fachkundig darlegt, dass wir selbst die Schädlinge sind, im Begriff, unser Ökosystem zu ermorden, schauen wir beleidigt weg. Die heutigen Entscheidungsstrukturen scheinen völlig ungeignet, den kollektiven Selbstmord aufzuhalten. Politiker sind daran interessiert, vier Jahre an der Macht zu bleiben, Medien an Auflage und Einschaltquote, die mit Fußball und Dschungelcamp mitunter leichter zu erzielen sind als mit dem Hinweis auf sterbenden Tier- und Pflanzenarten. Was wir brauchen, ist eine globale Magna Charta für die Erde — und eine ganzheitliche Betrachtung von Ökologie.

Woran liegt es, dass sich die meisten Menschen empört abwenden, wenn man das Wüten unserer Spezies auf diesem Planeten dem Wirken eines Krebsgeschwürs gleichsetzt? Ist dieser Vergleich angesichts des ökologischen Desasters, das wir zu verantworten haben, so abwegig? Vielleicht würde das gigantische Heer der „Unschuldigen“ zur gleichen Einsicht kommen, wenn man ihnen eine Computersimulation zeigte, in der die letzten 130 Jahre, also die Zeit, in der das Industriezeitalter ökologisch voll zu Buche schlug, durch den Zeitraffer gejagt und auf eine Stunde verdichtet werden würde.

Angenommen wir starteten 1887 vor der amerikanischen Westküste in eine Umlaufbahn um die Erde. Pusteln hätten sich entlang der Pazifikküste gebildet, die an der Ostküste bereits zu bedenklichem Ausschlag herangewachsen wären. Nach der Atlantiküberquerung stellten wir fest, dass ganz Europa davon befallen wäre: Städte, die wie Metastasen ins Land greifen. Schmutzige Schlieren ergössen sich in Flüsse und Meere.

Unterdessen schrumpften die gigantischen Waldflächen in sich zusammen und machten braunen Wüsten Platz. Ein immer dichter werdendes Netz von Straßen und Schienen legte sich um den Globus, ganze Kontinente verschwänden unter einem diffusen Grauschleier. Endlich an den Ausgangspunkt zurückgekehrt, stellten wir fest, dass die Erde zu einer Geschwulst verfault wäre, die von den Rauchschwaden unserer Brandschatzungen vielerorts gnädig verdeckt werden würde.

Der Astronaut John Glenn zählte bereits 1962 allein im Amazonasgebiet 800 solcher Brandherde. In der Zeit in der Sie diesen Artikel lesen, verschwinden durch Brandrodung oder industrielles Clearcutting Urwälder von der Bildfläche, welche ein Gebiet so groß wie München bedeckt hielten. Und mit ihnen verschwinden unzählige Populationen für immer von dieser Erde, die eigentlich als unser aller Heimatplanet gedacht war. So geht es weiter, Tag für Tag, ad finitum.

Wie geht man nun mit einer Spezies um, die sich derart blind in den kollektiven Untergang wühlt und dabei alles andere Leben aus dem Gleichgewicht reißt?

Lässt man sie gewähren oder versucht man sie mit Gewalt daran zu hindern, ihren tödlichen Wahn auszuleben? Die Ökodiktatur wäre so ein Hinderungsversuch. Man möchte sie sich fast wünschen.

Wenn der Club of Rome davon spricht, die Demokratien seien in ihrer heutigen Form kaum geeignet, den anstehenden Herausforderungen gerecht zu werden, hat er sicher auch folgendes gemeint: Trotz des erreichten einzigartigen Wohlstands in den Industrieländern, ist das Heer der Besitzlosen auf diesem Planeten heute zahlenmäßig größer als die gesamte Weltbevölkerung vor hundert Jahren.

Alles, was wir angefangen haben, wurde in die Absurdität des Gegenteils verkehrt. Mit dem Versuch, unsere Äcker fruchtbarer zu machen, haben wir sie zu Tode gefoltert. Mit dem Versuch, uns vor Feinden zu schützen, sind wir so nahe wie möglich an den großen Weltbrand geraten. Selbst der Versuch zu heilen und zu helfen geriet immer mehr an die Grenzen der Unmenschlichkeit.

Auf die etablierten Medien brauchen wir nicht zu bauen

Was kann, was muss geschehen, damit der selbstmörderische Mechanismus der Gier gestoppt wird, mit dem eine kleine Kaste selbsternannter Weltenlenker den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen betreibt? Ist er überhaupt zu stoppen?

Die italienische Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleonie nannte diese skrupellosen Eliten aus Wirtschaft und Politik die Zuhälter der Globalisierung, die mit ihren begrenzten Interessen gar nicht in der Lage seien, eine nachhaltige Zukunft zu garantieren.

Inzwischen wächst die Empörung über die Machenschaften der Machteliten sprunghaft an. So echauffierte sich der Physiker und Terra-X-Moderator Harald Lesch vor kurzem in einem auf Facebook veröffentlichen Video über große Teile der internationalen Finanzwelt, denen er attestierte, in den letzten Jahrzehnten die Realisierung des perfekten Verbrechens geschafft zu haben. Lesch sprach von diesen Menschen als Kapitalverbrecher. „Vielleicht“, so fügte er bitter-ironisch hinzu, „könnte das für Außerirdische mal ein Anlass sein, bei uns vorbeizuschauen. Aber sie kommen wahrscheinlich erst dann, wenn genügend Menschen das Verfahren durchschaut haben, nach dem die Allgemeinheit maximal beschissen wird.“

Auf die etablierten Medien braucht man in Sachen Aufklärung nicht zu bauen. Wen wundert es? Sie befinden sich ja größtenteils im Besitz der „Kapitalverbrecher“. Das Mediengeschäft ist in erster Linie ein Geschäft. Es hat wie jedes andere mit Marktgesetzen zu tun. Und der Markt braucht nichts dringlicher als die Illusion, dass sich alles schon irgendwie richten wird. Es ist ja nicht so, dass die Medien die ökologischen Probleme nicht zur Kenntnis nehmen würden. Da die Umstände aber nach Konsequenzen verlangen, die wir nicht bereit sind zu leisten, gerät die Horrormeldung zur Marginalie. So wird dem Leiden der Erde weniger Beachtung geschenkt als überzogenen Ministergehältern oder der Familienangelegenheit eines Tennisspielers.

Neulich fand sich im Hamburger Abendblatt ein halbseitiges Foto von einem Wal, von dessen gigantischer Schwanzflosse das Wasser perlte. Aber es handelte sich hier nicht um einen Artikel über die Ausrottung der Meeressäuger, was zu vermuten gewesen wäre. Unter dem Bild stand die Überschrift: „Wal griff Urlauber an!“ So läuft der Hase im Medienparcours.

Noch immer werden weit mehr Druckerzeugnisse auf der Welt hergestellt, als unsere Wälder verkraften. Die entscheidenden Informationen dringen trotzdem nicht durch. Wohin die Auswüchse unserer Mediengesellschaft führen, haben Aldous Huxley in „Schöne neue Welt“ und Raymond Bradbury in „Fahrenheit 451“ trefflich beschrieben.

Schon heute gleichen viele Menschen entkernten, amöbenhaften Wesen. Dabei stehen wir erst am Anfang der Medienrevolution. Im Cyberspace der nächsten zwanzig Jahre werden wir endgültig vergessen haben, welche Kriege der Unterhaltung dienen und welche nicht.

Die Medien haben sich wie ein Filter vor die Außenwelt geschoben. Wir lernen nicht mehr aus persönlicher Erfahrung, sondern aus den von der Wirklichkeit abgezogenen Bildern. Unsere Realität ist eine einzige Truman-Show. Wir sind die perfekten Staatsbürger – in jede Richtung manipulierbar. Als Demokraten verstehen wir uns nur so lange, wie man uns so nennt. Dabei haben wir nicht einmal bemerkt, dass unsere Demokratien längst zu Organismen verkommen sind, die allein durch wirtschaftliches Wachstum überleben.

Bleibt dieses aus, und die Anzeichen dafür sind inzwischen unübersehbar, macht sich sofort ein rechtes Protestpotential bemerkbar, das direkt in den verschleierten Faschismus führt. Ungarn ist das jüngste Beispiel, Frankreich, Österreich, die Niederlande stehen auf der Kippe, in den USA, England, Spanien, Russland und deutlich auch bei uns ist das Phänomen ebenfalls zu spüren. Ist es das, was wir zur Problemlösung brauchen?

Was, so werden einige fragen, ist mit dem Internet? Was mit den alternativen Medien, die den Etablierten allmählich das Wasser abgraben? Träumt weiter, Leute.

Das freie Internet ist demnächst Vergangenheit, sie nehmen es uns gerade aus der Hand. Und das ist keine Fake-News.

Aber zurück zur Demokratie und ihren Möglichkeiten. Das World Watch Institute, das gewiss nicht in Verdacht steht, ein Haufen alternativer Spinner oder Revoluzzer zu sein, drückt es so aus: „Unsere demokratischen Muster werden nicht ausreichen, um mit der ökologischen Herausforderung fertig zu werden.“ Und UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali fand in einem kaum beachteten Dossier bereits im August 1993 zu der Erkenntnis, dass globale Umweltaspekte sogar wichtiger werden könnten als die Souveränität eines Landes.

Grünhelme statt Blauhelme? Durchaus möglich, weil von oberster Stelle längst angedacht. Ein Notstandsprogramm, weil unsere auf Wachstum programmierte Gesellschaft das Blatt nicht wenden, sondern ausreizen wird.

Wer vom drohenden Ökozid redet, gilt vielen ja noch immer als Schwarzmagier. Die Atombombe schien einer ganz anderen Kategorie anzugehören – hier war das Reich des Bösen ja ausgemacht, und so konnte man sich leichter über den eigenen Anteil am Wettrüsten hinwegtäuschen. Beim Ökozid tun wir so, als handele es sich um eine Art ideologischer Epidemie. Die Indizien, welche auf die totale Katastrophe hinweisen, werden keines Blickes gewürdigt, wenn es gilt der angeblichen „Panikmache“ entgegenzutreten.

Sprechen wir detaillierter über das ökologische Diktat. Im Überblick über die zahllosen Bücher zum Thema Ökologie kann der Leser den Eindruck bekommen, es handele sich hier um eine Art Geheimwissenschaft für Erleuchtete.

Sobald der enge Rahmen der klassisch naturwissenschaftlichen Ökologie verlassen wird und Begriffe wie ganzheitlich, evolutiv oder gar spirituell ins Spiel kommen, wird die Sache den meisten Menschen suspekt. Diese Begriffe sind unserem naturwissenschaftlich geschulten Geist fremd.

Nachvollziehbar wird Ökologie nur, wenn sie in den konkreten Zusammenhang von Wissenschaft und Politik gestellt wird. Die ethischen Fragen bleiben bei dieser Betrachtungsweise jedoch außen vor.

Es geht aber im Leben nicht nur um Sachwerte. Die Forderung, der natürlichen Mitwelt Respekt zu bezeugen, ihren Eigenwert anzuerkennen, ist das Kernstück einer Ethik, die zur Leitlinie gesellschaftlichen Handelns werden muss. Ansätze einer solchen Entwicklung sind vorhanden. In verschiedenen Ländern und auf übernationaler Ebene gibt es inzwischen viele Initiativen, die den Paradigmenwechsel für sich vollzogen haben und in der Lage sind, den Charakter staatlicher Politik zu verändern.

Allerdings glaube ich nicht, dass uns genügend Zeit bleibt, dieser Entwicklung in ihrem jetzigen Tempo zu vertrauen. Dennoch erwähne ich dies, um nicht als Berufspessimist zu gelten, der in seinem Eifer die positiven Triebe in unserer Gesellschaft völlig negiert.

Was wir im Grunde bräuchten, wäre eine Magna Charta [1] der Ökologie, die sich grundsätzlich von dem unterschiede, was wir bisher unter Umweltschutz verstehen. Im Moment reden wir ausschließlich von Beständen, wenn wir von der Natur sprechen. Wir machen in allem unsere Rechnung auf. Dieses Denken ist nicht dem Leben verpflichtet, sondern einer Haushaltsphilosophie.

Es ist jedoch höchste Zeit, dass wir die Leitvorstellungen der politischen Ökonomie den Leitvorstellungen der Ökologie unterordnen. Es gilt, mit den Machtstrukturen zu brechen, die der ungezügelte Kapitalismus bis zur Selbstvernichtung aufrechterhalten wird.

Inzwischen glauben wir, dass die Lösung ökologischer Probleme in erster Linie ein Fall für die Wissenschaft geworden ist. Aber solange Wissenschaft und Ethik zwei getrennte Begriffe sind, wird sich an der Talfahrt des Lebens nichts ändern. Der Hochmut der Gentechnologie macht dies auf krasse Weise deutlich.

Früher gab es in Asien über 300 verschiedene Reissorten, heute teilen sich einige Großkonzerne den Markt mit wenigen genmanipulierten Pflanzen. Die Folge ist, dass die erzwungenen Monokulturen ganze Landstriche veröden lassen. Beim Geo-Engineering (wie Chemtrails, Haarp), das die Verantwortlichen immer noch in ein propagandistisches Lügengespinst wickeln, um uns nicht zu beunruhigen, wird der Zynismus einer selbstherrlichen Wissenschaft in Kombination mit den Interessen der Mächtigen besonders deutlich. Dabei treten die Auswirkungen dieser gefährlichen Herumbastelei in der Atmosphäre nachweislich immer deutlicher zutage.

Die versprühten Substanzen, welche die Sonneneinstrahlung mildern sollen, um die Erderwärmung auf einem erträglichen Niveau zu halten, lagern sich auf der Erde, in Flüssen und in Seen ab. Das Gemisch aus Aluminium, Barium, Strontium, Cadmium, Arsen und Chrom gelangt längst in unsere Atemluft und wird für den schleichenden Tod von Hunderttausenden verantwortlich sein. Wenn sich Wissenschaft und Ethik nicht in wechselseitiger Beziehung begreifen, werden wir statt Lösungen nur noch weitere Katastrophen produzieren.

Wir sind Teil einer einzigen und einzigartigen Welt.

Die Analyse der Umweltpolitik und des Umweltrechts eignet sich in ganz besonderer Weise, um den Misserfolg der herkömmlichen Denkweise zu belegen. Nirgendwo kommen gesellschaftlich verbindliche Normen und Werte so klar zum Ausdruck wie in den Programmen und Gesetzen staatlicher Umweltpolitik. Und nirgendwo spielen die wissenschaftlichen Erkenntnisse politisch eine so wichtige Rolle wie dort.

Unser gesamtes gesellschaftliches Verhalten wird durch Politik und Recht gesteuert. Wie dieses Steuerungssystem in Bezug auf den Umgang der Gesellschaft mit der Natur gestaltet ist, das heißt, wie es wissenschaftliche Daten und allgemeine Wertvorstellungen aufnimmt und verarbeitet, ist deshalb von schicksalhafter Bedeutung für uns alle.

Es sind die ideologischen Barrieren der bis zum heutigen Tage betriebenen Formen des Umweltschutzes, die erkannt und beiseite geräumt werden müssen.

Es geht darum, die Brille des alten Umweltschutzes, der eigentlich nur Menschenschutz bedeutet, abzunehmen und durch die Brille der ganzheitlichen Ökologie zu ersetzen.

Sie erst lässt uns erkennen, dass die Umwelt nichts ist, was außerhalb von uns existiert, sondern dass wir Teil einer einzigen und einzigartigen Welt sind.

Es ist schon ein erbärmliches Zeugnis, wenn man das den Menschen in Erinnerung bringen muss. Weit vor unserer angeblich so aufgeklärten Zeit haben ganze Kulturen in dem Bewusstsein gelebt, dass alles Seiende beseelt ist. Die Pueblo-Indianer hatten nicht einmal ein Wort für Religion. Das ganze Leben war Religion für sie. Sie glaubten, wer Tiere und Pflanzen nicht achtet, verliert auch die Achtung vor den Menschen. So ist es ja auch gekommen…


Quellen und Anmerkungen:

[1] Die Magna Charta – auf Deutsch etwa: „großer Freibrief“ – ist eine von König Johann Ohneland zu Runnymede in England am 15. Juni 1215 unterzeichnete Vereinbarung mit dem revoltierenden englischen Adel. Sie gilt als die wichtigste Quelle des englischen Verfassungsrechts.