# Die Nation ohne Rücksicht

Ein „Worst-of“ der historischen Fehlleistungen der USA zeigt, warum wir dem Land auch unter Donald Trump nicht trauen können.

von 
   * Uwe Froschauer

Die illegalen Kriege der USA nach 1945 sind vielen Menschen mittlerweile ein Begriff. Hierzu hat besonders der Historiker Daniele Ganser mit seinem gleichnamigen Buch einiges beigetragen. Doch nicht erst, seit die Vereinigten Staaten sich im 20.&nbsp;Jahrhundert zum Imperium gemausert haben, findet sich die Spur der Rücksichtslosigkeit in ihrer Geschichte. Im Grunde ist die Tendenz zur militärischen Auseinandersetzung bereits seit ihrer Entstehung zu beobachten. Schon die Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents trägt diese Handschrift, die sich bis in die Gegenwart zieht und aktuell im Iran zu beobachten ist. Uwe Froschauer wendet sich in diesem Artikel direkt an Donald Trump und prangert dessen offensichtliche Bereitschaft zur Eskalation an. 

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Herr Trump,

Sie verlangen Vertrauen. Sie sprechen von Bedrohungen, von Notwendigkeiten, von militärischer Stärke. Aber sagen Sie mir eines: Warum sollte man Ihnen — oder den USA — noch glauben? Aus Sympathie? Sicher nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr. Am Anfang Ihrer zweiten Präsidentschaft dachte ich tatsächlich, mit Ihnen an der Spitze könnte sich etwas ändern. Ich hielt Sie für jemanden, der mit diesem kranken imperialistischen Denken bricht. Ich dachte, Sie könnten ein Friedenspräsident sein. Heute weiß ich: Das waren Illusionen. Iran, Gaza, Venezuela und selbst Ihre absurden Ideen hinsichtlich Grönlands — als Sie einem NATO-Partner drohten — zeigen: Sie stehen nicht für einen Bruch mit dem Imperialismus der USA, sondern für dessen Fortsetzung — mit dem Ziel der Aufrechterhaltung einer nicht mehr realisierbaren Unipolarität. Auch wenn es Ihnen und Ihrem Deep State nicht passt, die Multipolarität ist nicht mehr aufzuhalten! 

Das Muster, nach dem auch Sie verfahren, ist sehr alt. Auch bei der US-amerikanischen Bevölkerung sind die völkerrechtswidrigen Militäreinsätze ihrer Regierung scheinbar schon in Fleisch und Blut übergegangen. Die US-Amerikaner haben sich an die illegalen Kriege ihres Landes offenbar gewöhnt — warum sollte man sich darüber noch aufregen? Das könnte sich mit dem Irankonflikt ändern. 

>Wenn man sich die Geschichte militärischer Auseinandersetzungen der USA ansieht, erkennt man schnell: Die einzelnen Konflikte unterscheiden sich — aber das Muster dahinter ist praktisch immer dasselbe.

Bevor ich über konkrete Konflikte spreche, möchte ich kurz darstellen: Wie ist die USA zu ihrer heutigen Größe gekommen?

Den Osten der heutigen USA nahmen sich die Siedler, indem sie die indigene Bevölkerung systematisch zurückdrängten, bekämpften, dezimierten und den Rest in Reservate zwangen.

Die Mitte des Landes kam 1803 durch den „Louisiana Purchase“ zustande, bei dem die USA Frankreich unter Napoleon Bonaparte für läppische 15 Millionen Dollar ein riesiges Territorium — praktisch die Mitte der heutigen USA — abkauften — ein Jahrhundert-Deal. Vielleicht war dieses Immobiliengeschäft das Vorbild für den Dealmaker Donald Trump bei seinen „Bemühungen“ um Grönland, als er Überlegungen anstellte, das Land von Dänemark abzukaufen. 

Und den Westen holten sich die USA im Krieg gegen Mexiko — ausgelöst durch die fragwürdige Rio-Grande-Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts bewegten sich US-Truppen in ein umstrittenes Gebiet am Rio Grande. Dann fielen Schüsse. Und es hieß: Mexiko habe „amerikanisches Blut auf amerikanischem Boden vergossen“, was aller Wahrscheinlichkeit nach nicht stimmte beziehungsweise von den USA provoziert wurde — wie auch der aktuelle Ukrainekonflikt —, aber bei den emotional leicht bewegbaren Amerikanern Empörung auslöste. Der perfekte Vorwand für einen Krieg war geschaffen, und er wurde begonnen. 

Das typische Strickmuster der USA: Sie provozieren einen Vorfall, der die Nation empört, und sie bekommen grünes Licht für ihren imperialistisch motivierten Krieg. Nachfolgend weitere Beispiele für diese perfide Vorgehensweise:

## Kuba 1898 — „Remember the Maine“

Ein US-Kriegsschiff, die USS Maine, explodiert im Hafen von Havanna. Über 250 Tote. Die amerikanische Presse lieferte sofort den Schuldigen: Spanien. Daraus entstand der Schlachtruf: „Remember the Maine! To hell with Spain!“ („Erinnert euch an die Maine! Nieder mit Spanien!“) Propaganda und Manipulation vom Feinsten! 

Es hat perfekt funktioniert, weil es aufgrund der vielen Toten ein emotionales Ereignis war, ein „klarer“ Schuldiger — Spanien — gefunden wurde und man sich den einfachen Slogan gut merken konnte. Der Spruch wurde überall verbreitet — in Zeitungen, auf Plakaten, in Reden — und hat die öffentliche Meinung massiv in Richtung Krieg gedrückt. Da die zerfetzte Schiffswand jedoch nach außen gedrückt war, ist es naheliegend, dass die Sprengladung von innen angebracht wurde — soweit es sich um eine Sprengladung handelte. Es wurde gemunkelt, es könnte auch ein internes technisches Unglück gewesen sein, beispielsweise ein Kohlebunkerbrand, was eher als unwahrscheinlich zu bezeichnen ist. Gleichgültig, was die Ursache war: Der Krieg war für das US-amerikanische Imperium der Lügen längst beschlossene Sache.

Nach dem Krieg mit Spanien (1898 bis 1899) wurde Kuba formal unabhängig, stand aber faktisch unter starkem Einfluss der USA — amerikanische Unternehmen sicherten sich große Teile der Wirtschaft, insbesondere Zuckerplantagen, und Washington behielt sich jederzeit militärisches Eingreifen vor. Ein Muster, das sich noch viele Male fortsetzen sollte.

## Philippinen 

Im Krieg gegen Spanien 1898 traten die USA als Befreier auf. Auf den Philippinen halfen sie zunächst, die spanische Kolonialmacht zu besiegen. Dann übernahmen sie selbst die Kontrolle. Die USA kämpften angeblich für die Freiheit der Philippinen. Am Ende traten sie jedoch selbst als neue Kolonialmacht in diesem Inselstaat auf. 

>Die Menschen, die gerade noch für ihre Unabhängigkeit gekämpft hatten, ließen sich nicht einfach die nächste Fremdherrschaft aufzwingen — sie kämpften weiter, nur diesmal gegen die USA.

Und so ging die imperialistische Geschichte der USA weiter. Es gab noch jede Menge anderer militärische Aktionen der USA, eigennützige Gründe, warum sie relativ spät in den Ersten und Zweiten Weltkrieg eingriffen, ihre Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, Iran 1953 und Guatemala 1954 — gewählte Regierungen wurden gestürzt, nicht wegen Tyrannei, sondern wegen konkreter Interessen der USA —, und so weiter. Wenn Sie diese Zusammenhänge interessieren, kann ich Ihnen das Buch „Illegale Kriege“ von Dr. Daniele Ganser empfehlen. 

Kommen wir nun zum Vietnamkrieg, der Millionen Menschen in Südostasien das Leben kostete, und mit einer Lüge von den USA begann.

## 1964, Golf von Tonkin

Ein angeblicher Angriff nordvietnamesischer Boote auf US-Schiffe. Die USA reagierten. Der Kongress verabschiedete die Tonkin-Resolution. Damit war der Weg frei für den Krieg. Später stellte sich heraus, dass der entscheidende Angriff nie stattgefunden hatte.

Diese Falschbehauptungen waren keine geringfügigen Ungenauigkeiten am Rande einer unseriösen Berichterstattung. Damit wurde ein Krieg ausgelöst, der mehr als drei Millionen Vietnamesen und rund 58.000 US-Soldaten — man betrachte die Relation der Opferzahlen — den Tod gebracht hat. Von den Verwundeten, Verstrahlten und Traumatisierten ganz zu schweigen.

Die USA führten den Krieg mit voller Wucht, mit Flächenbombardements, Napalm, Entlaubungsmitteln wie Agent Orange — und zerstörten Dörfer sowie Lebensgrundlagen. Trotzdem gewannen die USA diesen Krieg nicht, und sie werden wahrscheinlich auch den aktuellen Irankrieg nicht gewinnen, weil die Vietnamesen wussten und die Iraner wissen, wofür sie kämpfen — für ihr Überleben, für ihre Souveränität. Die Soldaten der USA wissen das mittlerweile nicht mehr, sie wissen nur, sie kämpfen für den todbringenden Imperialismus der USA. Und das befriedigt nicht unbedingt jedes Soldatenherz.

Selbst wenn Sie eine Atombombe werfen lassen sollten, oder diese „Drecksarbeit“ von den Israelis erledigen lassen würden, Herr Trump, haben Sie den Krieg verloren, weil die ganze Welt Sie und Ihr Land sowie Ihre israelischen terroristischen Verbündeten dafür hassen würde.

Das Muster im Vietnamkrieg ist wieder unübersehbar: ein Vorfall — eine klare (in Wirklichkeit verlogene) Erzählung — politische Legitimation — militärische Eskalation. 

Der Vietnamkrieg — begonnen mit einer Lüge — war kein Ausrutscher. Man könnte meinen, nach Vietnam hätten die USA gelernt — nach Millionen Toten, nach einem Krieg, der auf einer verlogenen Grundlage begann. Man könnte meinen, solche Fehler würden sich nicht wiederholen. Weit gefehlt!

## Der Irakkrieg — Kuwait 1990

Es stand wieder eine emotionale, scheinbar eindeutige Geschichte im Raum: die Brutkastenlüge.

Eine erfundene Geschichte, emotional perfekt inszeniert: 

Eine junge Frau — Nayirah — trat vor einen Ausschuss im US-Kongress. Sie sprach unter Tränen. Sie berichtete, irakische Soldaten hätten Babys aus Brutkästen gerissen und auf den Boden geworfen. Eine Szene, die saß, schockierte und wirkte. Die Medien griffen sie auf und die Politik nutzte sie. Die Öffentlichkeit reagierte wie erhofft — mit Empörung, Wut, und der Zustimmung zum Eingreifen.

Später stellte sich heraus, dass auch diese Geschichte erstunken und erlogen war. Die Zeugin war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Sie war zum Zeitpunkt der angeblichen Ereignisse gar nicht vor Ort in Kuwait. Die gesamte Aussage war Teil einer professionell organisierten PR-Kampagne — umgesetzt von der Agentur Hill & Knowlton im Auftrag kuwaitischer Interessen, die nicht nur in diesem Zusammenhang negativ aufgefallen ist. Schande über solche Agenturen, über solche Instrumente des Bösen!

Das war kein Zufall mehr, das war Inszenierung, dahinter steckte System! 

>Diese Geschichte der jungen Frau erfüllte ihren Zweck: Sie legitimierte den Krieg emotional, streute Zweifel und machte aus einer diabolischen politischen Strategie — der Kontrolle über das Öl — eine moralische Notwendigkeit im Namen des Guten. 

Wieder das gleiche Strickmuster: ein schockierendes Ereignis — eine emotionale Erzählung — eine klare Schuldzuweisung — politische Zustimmung — militärisches Handeln. 

Erst danach kam die Wahrheit leise, verspätet, und für die meisten ohne Konsequenzen ans Licht. Die Lüge hatte ihren Zweck erfüllt. Hier wurde nicht nur Politik gemacht, hier wurde Realität inszeniert. 

Die Frage war nicht mehr, ob Fehler passieren und gelogen wurde, sondern wie oft man dieselbe Geschichte erzählen kann, bevor niemand mehr zuhört.

Man könnte meinen, spätestens jetzt hätten die USA dazugelernt. Spätestens jetzt wäre man vorsichtiger geworden mit großen Behauptungen, mit dramatischen Geschichten, mit angeblich sicheren Erkenntnissen. Doch dann kam 2003, und die nächste Begründung für einen Krieg stand bereit — diesmal nicht unter Tränen vor einem Ausschuss, sondern mit ernster Miene vor der Weltöffentlichkeit. Und sie erfüllte ihren Zweck: Es kam zum Irakkrieg II.

## Lüge über Massenvernichtungswaffen im Irak

Im Weißen Haus saß Präsident George W. Bush. Vor der Welt sagte Außenminister Colin Powell:

*„Every statement I make today is backed up by sources …“*
*„Jede Aussage, die ich heute mache, ist durch Quellen gestützt ...“*

Er sprach von Massenvernichtungswaffen, von akuter Gefahr. Das Ergebnis: Krieg. Das Problem: Diese Waffen wurden nie gefunden. Powell selbst nannte seine eigene Rede später einen „Schandfleck“ seiner Karriere. 

Das werden Sie sich, Herr Trump, in Ihrer maßlosen, narzisstischen Selbstüberschätzung wohl nicht eingestehen. Dazu haben Sie nicht das Format! Haben Sie sich als angeblicher Christ eigentlich schon einmal mit dem Gebot „Du sollst nicht töten“ auseinandergesetzt? 

Und wie sieht es heute aus, Herr Trump? Jetzt reden wir über die Gegenwart. Das ist kein Geschichtsunterricht mehr. Das passiert jetzt.

## Iran — Eskalation ohne klares Ende

Ein von Ihnen, Herr Trump, und Benjamin Netanjahu begonnener illegaler, völkerrechtswidriger Krieg, für den Sie sogar die Unterstützung der NATO und anderer Nationen einfordern. Sie wollen demnach, dass sich andere an diesem Verbrechen, an diesem Morden beteiligen. Wie abgehoben ist das bitte? Sie bezeichnen Länder, die sich an diesem Morden nicht beteiligen, als Feiglinge. Sind dann Nicht-Mörder Feiglinge? Da stimmt doch etwas nicht mehr im Oberstübchen!

Die US-Luftangriffe auf iranisches Gebiet dauern an — Tote, Verwundete, eine Region am Rand eines Flächenbrands —, und gleichzeitig erklären Sie: alles unter Kontrolle, alles notwendig, alles gerechtfertigt. Das entspricht keinesfalls der Wahrheit. 

Am 1. April 2026 stellten Sie sich, Herr Trump, in einer Fernsehansprache an die Nation hin und redeten, als hätten Sie den Sieg gegen Iran praktisch schon in der Tasche. Sie taten so, als sei der Krieg fast gewonnen, während der Krieg, objektiv betrachtet, alles andere als gewonnen ist. 

Reuters meldete am 3. April, dass Sie gleichzeitig weiter drohten, noch mehr iranische Infrastruktur zu zerstören, während unklar blieb, wie dieser Krieg überhaupt sauber beendet werden soll. Am selben Tag sagten Sie Reuters, die USA würden Iran zwar „ziemlich schnell“ wieder verlassen, könnten aber jederzeit zurückkehren — auch das ist kein Zeichen strategischer Klarheit, sondern ein weiteres Beispiel für Ihre sprunghafte Kriegsrhetorik und Ihren fehlenden Plan. Und wenn selbst Reuters von wachsendem politischem Druck, fallenden Zustimmungswerten für Sie und Ihren Krieg sowie von einer misslungenen Fernsehansprache berichtet, dann lässt sich daraus unschwer erkennen: Sie verkauften dem Publikum Sicherheit, wo in Wirklichkeit Unsicherheit, Widerspruch und Chaos regierten. Ihre Rede war zur einen Hälfte Lüge und zur anderen Hälfte Unsinn! Ihr „Bäumchen wechsle dich-Spiel“ ist offensichtlich.

Bemerkenswert war auch, dass Sie, Herr Trump, wie Netanjahus Papagei sprachen. An vielen Stellen wiederholten Sie die Litanei des israelischen Premierministers. Es war fast schon peinlich, dieses dumme Geschwätz von „Iran als Terrorstaat, als Sponsor des Terrors, als größte Bedrohung der Welt, als Atombombenbauer.“ Israel wird in diesem Kontext von Ihnen als Partner dargestellt, während Kritiker es als Terror- und Schurkenstaat bezeichnen, der in Gaza zahlreiche Zivilisten — darunter mehr als 20.000 Kinder — getötet hat. Die größte Bedrohung der Welt sind die USA, die auch Atombomben werfen, wenn der Gegner sich nicht gefügig verhält. 

Man kann nur auf eine multipolare Welt hoffen, damit der von den USA und Israel ausgehende Terror endlich eingehegt wird.

>Der Krieg dauert an, die strategischen Ziele der USA bleiben unklar, und Experten sprechen von einem möglichen strategischen Scheitern. Herr Trump, das klingt nicht nach Kontrolle, das klingt nach Eskalation ohne Plan.

Sie können sich selbst belügen — ich glaube, das können Sie als Paradebeispiel eines Narzissten ziemlich gut —, aber erwarten Sie nicht von Klardenkern, Ihnen zu glauben. Für die sind Sie lesbar wie ein offenes Buch.

Und noch etwas: Ihr Auftreten ist widersprüchlich. Einerseits Drohungen, Eskalation, maximale Härte.

Andererseits Gesprächsangebote, Verhandlungen, plötzlich wieder Deeskalation. Heute Druck, morgen Dialog und übermorgen wieder Drohung. Ein politisches Pendeln zwischen Konfrontation und Beschwichtigung. Man kann das als Strategie verkaufen. Man kann es „Druck aufbauen und gleichzeitig verhandeln“ nennen. Für mich sieht das anders aus: Es ist kein Plan, es ist Unsicherheit.

Sie bekommen Panik. Insgeheim wissen Sie, dass Sie sich mit dem erneuten Irankrieg ein Eigentor geschossen haben, egal wie dieser Krieg auch ausgehen mag. Wer wirklich die Kontrolle hat, muss nicht ständig zwischen maximaler Eskalation und plötzlicher Gesprächsbereitschaft wechseln. Wer das tut, ist inkonsistent und in seiner Unsicherheit berechenbar. 

Der Iran hat Ihre Unsicherheit längst bemerkt und weiß, dass er vorerst am längeren Hebel sitzt. Je mehr Sie drohen, desto sicherer kann sich der Iran hinsichtlich der Richtigkeit seines Verhaltens sein. Ihre Drohungen sind die Reaktion eines in die Enge getriebenen Menschleins. Ein Verbündeter des Irans ist die Zeit, die Sie nicht haben.

Nicht nur die Lage eskaliert, auch das Vertrauen in Ihre Führung und in die USA — innen- wie außenpolitisch — zerfällt.

Sehen wir uns einmal an, welche Ereignisse Ihren Bestrebungen — die Kontrolle über Öl und Rohstoffe betreffend — vorausgegangen sind.

## Venezuela und die Präsidentenentführung

Venezuela, Januar 2026: US-Spezialeinheiten drangen in Venezuela ein — und nahmen den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro fest. Donald Trump fühlte sich dabei wahrscheinlich wie ein Westernheld, der cool, aus der Hüfte heraus, ganz nebenbei unbequeme Menschen ausschaltet. Das ist nicht cool, Herr Trump, sondern krank.

Maduro wurde samt seiner Frau in die USA verschleppt und später mit fragwürdigen Vorwürfen vor Gericht gestellt. Diese Vorwürfe waren selbstverständlich nur vorgeschoben, um das weltweit ölreichste Land kontrollieren zu können. 

Diese militärische Aktion stellt eine Verletzung der Souveränität Venezuelas dar, einen Völkerrechtsbruch, egal wie Sie es nennen, Herr Trump. Solche Aktionen haben nichts mehr mit einem Rechtsstaat in der internationalen Gemeinschaft zu tun. Das ist widerliche Machtpolitik, eine Politik des Stärkeren. Armselig. Arm an Seele.

Vom Nahen Osten bis Lateinamerika — eine Linie. Iran, Venezuela, die zusammen — natürlich rein zufällig — über ein Drittel der weltweiten Ölreserven verfügen — und dazwischen ein ganzer Krisenbogen: Konflikte rund um Gaza und den Nahen Osten, militärische Verstrickungen hier und da, und zunehmende internationale Spannungen. Nicht Stabilität in der Region ist Ihr Ziel — damit können Sie andere täuschen, Herr Trump —, sondern Kontrolle: Kontrolle über das Öl, Kontrolle über Eurasien, dessen Erstarken die USA spätestens seit Eintritt in den Ersten Weltkrieg mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Das Problematische am Vorgehen der USA — historisch gesehen und heute — sind nicht nur die einzelnen Konflikte, sondern ihre Begründung dafür. Imperialisten wie Sie bringen Begriffe wie „notwendig“, „alternativlos“, „zur Sicherheit“ und dergleichen ins Spiel. Alles dummes Gequatsche von macht- und besitzgierigen Psychopathen, die der Psychose des Mehrhabenwollens erliegen! Wie oft haben wir dieses Friede-Freude-Eierkuchen-Gelaber schon gehört? Vor Vietnam, vor dem Irak und so weiter. Und wie oft hat sich später gezeigt: Die Geschichte dazu war erlogen.

Selbst die eigene Basis beginnt zu zweifeln. Das Misstrauen kommt nicht nur von außen. sondern auch von innen. Der Zweifel in der Bevölkerung wächst — nur etwa 7 Prozent der Amerikaner unterstützen laut Reuters einen großen Bodentruppeneinsatz im Iran, den Sie und anscheinend auch ein paar — militärisch und ethisch gesehen — mental Überforderte erwägen. 

>Die Kritik wächst selbst innerhalb des eigenen politischen Lagers und generell ist eine zunehmende Skepsis gegenüber neuen Kriegen in den USA zu verzeichnen. Auch innerhalb des Militärs wächst die Frage: Wofür soll dieser Krieg eigentlich gut sein? 

Immer mehr Soldaten merken, dass sie nicht etwa für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte kämpfen, sondern für die Macht- und Besitzeliten und ihre Hampelmänner, zu denen auch Sie zählen. 

Herr Trump, Sie verlieren nicht nur international an Glaubwürdigkeit, sondern auch im eigenen Land. Die Zahlen sind eindeutig: Eine klare Mehrheit der Amerikaner lehnt diesen Krieg ab. Zwei Drittel wollen ihn so schnell wie möglich beenden. Und nur ein Bruchteil — etwa jeder Zehnte — unterstützt eine weitere Eskalation. Mit anderen Worten: Ihr Krieg hat keine breite Basis mehr. 

Und selbst dort, wo Sie eigentlich Rückhalt erwarten müssten — in den eigenen Reihen — beginnt es zu bröckeln. Berichte zeigen, dass Soldaten zweifeln, hinterfragen und sich fragen, wofür sie eigentlich kämpfen. Das äußert sich nicht im offenen Widerstand — noch nicht —, aber es zeigt den Verlust an Überzeugung. Und den werden Sie in den Midterm-Wahlen im November spüren.

Ein Krieg kann politisch beschlossen werden, aber getragen wird er von Menschen. Und wenn diese Menschen den Sinn nicht mehr sehen — dann beginnt ein Krieg innerlich zu zerfallen. Und darauf hoffe ich.

Sie können Kriege beginnen, Herr Trump, aber Sie können nicht erzwingen, dass man an sie glaubt — an ihre Notwendigkeit, ihre Rechtfertigung und ihren Sinn. 

## Fazit

Die Gegenwart liest sich wie eine Wiederholung: Vietnam, Irak I, Irak II, und jetzt wieder das Gleiche. Sieerweisen sich als Dünnbrettbohrer, der eine schnelle Eskalation auf eine nicht existierende Bedrohungslage mit großen Worten dünn begründet. 

Wenn Sie heute sagen, Herr Trump, „das ist notwendig“, „das ist gerechtfertigt“, „das ist die Wahrheit,“ dann reicht das nicht mehr, denn die Welt erinnert sich an die Lügen der Machthaber aus der Historie der USA und Ihre offenkundigen aus der jüngeren Vergangenheit. Warum sollte man Ihnen und den USA nach der Tonkinlüge in Vietnam, nach der Brutkastenlüge in Kuwait sowie nach der Lüge über Massenvernichtungswaffen im Irak auch nur ein Wort glauben? Die neuen Konflikte folgen alten verlogenen Mustern.

Glaubwürdigkeit ist kein PR-Produkt. Man kann sie nicht behaupten und auch nicht erzwingen. Man kann sie nur verspielen. Und genau das war und ist in den USA der Fall. Die Lüge wurde nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer wieder erzählt — gleiches Strickmuster, unterschiedlicher Inhalt: Vietnam, Irak I, Irak II und jetzt der Iran. Und wer immer wieder dieselbe Geschichte erzählt, darf sich nicht wundern, wenn sie irgendwann niemand mehr glaubt.

Und ich dachte, Sie wären tatsächlich ein Friedenspräsident, Herr Trump. Entschuldigen Sie meine Leichtgläubigkeit.


