Die Normalisierung der Zerstörung

Wenn Holzdiebe nicht einmal mehr versuchen, ihr Tun zu verbergen, wird die Axt an die Wurzel des Gemeinwesens in einem Land gelegt.

Wenn Kettensägen im Wald aufheulen und Verantwortliche wegsehen, geht es um mehr als illegale Abholzung. Es geht um Korruption, Einschüchterung und eine Gesellschaft, in der sich das Unrecht normalisiert. Was passiert, wenn Korruption zur Normalität wird, die Verantwortlichen wegsehen und Unrecht kaum noch Konsequenzen hat? Wenn sich jeder nimmt, was er kriegen kann, und Schweigen zur Überlebensstrategie wird, gerät mehr ins Wanken als der Schutz der Wälder: die moralischen Grundlagen einer ganzen Gesellschaft.

Das Geräusch einer unsichtbaren Axt, die einen Baum fällt, gehört seit jeher zu den Klängen, die man beim Wandern auf dem Berg Mulanje hört. Vielleicht folgt man dem steilen Minunu Trail von Lujeri aus, entlang des tosenden Flusses Ruo, oder steigt auf dem ebenso malerischen Fort Lister Trail hinauf zum Sombani-Plateau und den beiden Gipfeln Matambale und Namisire. Unweigerlich dringt das Geräusch irgendwo jenseits des Pfades aus dem Wald, unter riesigen Bäumen, deren Äste das Licht hoch über einem festzuhalten scheinen.

Ein Schlag. Eine Pause. Ein weiterer Schlag.

Die Axt mag nahe genug sein, um gehört zu werden, und doch weit genug entfernt, dass derjenige, der sie schwingt, unsichtbar bleibt. Wenn unsere Stimmen durch den Wald hallen, verstummen die Hiebe manchmal. Wir gehen weiter, im Bewusstsein, dass sich jemand zwischen den Bäumen aufhält, außer Sichtweite, uns vielleicht beobachtet oder darauf wartet, dass wir vorbeigehen.

Im Laufe vieler Wanderungen begann ich, in diesem Rhythmus eine Art Grammatik zu erkennen — eine Sprache, die geradezu zu einer semantischen Analyse einzuladen schien. Die Pause nach einem Hieb wirkte wie ein Moment des Lauschens: Hatte der Wald den Holzfrevler durch eine Stimme, einen Schritt oder das Pfeifen eines herannahenden Forstbeamten verraten? Erst wenn die Stille sicher schien, folgte der nächste Hieb.

Eine stetige Abfolge von Schlägen vermittelte eine andere Botschaft. Für meine Ohren klang sie nach Selbstvertrauen, als würde der Wilderer zu sich selbst sagen: Niemand beobachtet mich. Oder selbst wenn mich jemand beobachtet, spielt das keine Rolle, denn mir wird nichts passieren.

Die Pause hatte eine Frage aufgeworfen; das fortgesetzte Hacken schien die Antwort gleich mitzuliefern. Die Axt lotete die Reichweite der Autorität aus und prüfte, ob die Gesellschaft bereit war, darauf zu reagieren. Die Holzfrevler hielten sich von den Wanderwegen fern.

Es war offensichtlich, dass sie die Forstbeamten fürchteten, die damals bisweilen von der Polizei begleitet wurden. Oder sie hatten Angst, von Wanderern, Führern oder Trägern erkannt zu werden. Vielleicht entsprang ihre Vorsicht aber auch einfach dem alten Instinkt von Menschen, die wissen, dass das, was sie tun, verboten ist.

Die Heimlichkeit machte die Zerstörung nicht weniger schwerwiegend. Eine heimlich gefällte Mulanje-Zeder ist genauso tot wie eine, die vor aller Augen gefällt wird. Doch die Geheimhaltung verriet etwas Wichtiges: Die Holzfrevler erkannten die Existenz einer Autorität noch an. Sie wussten, dass das Gesetz gegen sie stand, so schwach es auch durchgesetzt wurde. Sie versteckten sich, weil sie glaubten, dass ihnen Konsequenzen drohen könnten. In diesem Sinne zollte die Axt, die abseits des Pfades geschwungen wurde, dem Gesetz widerwillig Tribut.

Einmal trieb mich meine Neugier vom Wanderweg weg, dem Geräusch entgegen. Nachdem ich ein Stück durch den Wald gegangen war, stieß ich auf eine Lichtung, die sämtliche Anzeichen der Holzkohleproduktion aufwies: eine Grube, aufgeschichtete und mit Erde bedeckte Baumstämme, Rauch, der aus dem Hügel aufstieg, Kochtöpfe und Spuren, die darauf hindeuteten, dass jemand dort campiert hatte.

Ein Mann sah mich und huschte hinter einige Felsbrocken. Ich folgte ihm nicht. Holzfrevler festzunehmen, gehörte weder zu meiner Aufgabe noch lag es in meiner Zuständigkeit. Nach einer Weile kam er langsam hinter den Felsen hervor. Offenbar war er zu dem Schluss gekommen, dass ich weder ein Forstbeamter noch ein Polizist war. In der Hand hielt er eine Machete, und zwar so, dass seine Absicht, mich einzuschüchtern, unmissverständlich war.

Zur Selbstverteidigung hatte ich immer eine Pistole in meiner Tasche. Ich holte sie heraus und hielt sie so, dass er sie sehen konnte. Ihr Lauf glänzte in der Sonne des Berges. Er erstarrte.

Ich sagte ihm, dass ich ihm nichts tun wolle, er aber die Machete niederlegen müsse. Dann erklärte ich ihm, vielleicht von der Dringlichkeit des Augenblicks mitgerissen, meine Waffe sei etwas ganz Besonderes: Selbst wenn er um die Felsen herumlaufen würde, würde die Kugel ihm folgen; und wenn sie ihn träfe, würde sie explodieren und seinen Angehörigen nichts zum Aufsammeln übriglassen.

Diese Behauptung entsprang meiner Neigung zum Geschichtenerzählen und war natürlich absurd. Doch dies schien nicht der richtige Zeitpunkt für eine wissenschaftliche Debatte zu sein. Die erfundenen, aber beunruhigenden Worte zeigten Wirkung: Er ließ die Machete fallen. Auf meine Anweisung hin näherte er sich langsam, zitternd und murmelte Entschuldigungen.

Die Begegnung endete friedlich. Ich erklärte dem Wilderer, dass ich nicht nach ihm gesucht habe und ihn nicht verfolgen würde, aber dass ich sehr unglücklich darüber sei, was er und andere mit dem Berg anstellten.

Rückblickend finde ich vor allem die Abfolge bemerkenswert. Zunächst war der Mann geflohen, weil er glaubte, die Behörden seien eingetroffen. Dann kehrte er drohend zurück, als er zu dem Schluss kam, dass ich lediglich ein weiterer Bürger sei, einer jener harmlosen Wanderer, die mit schicken Rucksäcken auf dem Rücken den Berg besuchten. Die Angst hatte ihn bereits gelehrt, zwischen dem Beamten, der ihn verhaften könnte, und dem gewöhnlichen Bürger, den er einschüchtern konnte, zu unterscheiden.

Ich muss leider sagen, dass sich die Dinge inzwischen verändert haben.

Heute sieht man Bäume in unmittelbarer Nähe der öffentlichen Wanderwege fallen. Zur Axt ist die Kettensäge hinzugekommen. Ihr mechanisches Dröhnen trägt viel weiter durch den Wald, und sie macht nicht einmal den Versuch, sich zu verbergen.

Einige derjenigen, die illegal Bäume fällen, bringen inzwischen Hunde mit. Die Tiere bellen Wanderer und Passanten an. Ob die Holzfrevler damit Schutz oder Einschüchterung bezwecken, ist schwer zu missverstehen: Gehen Sie weiter, stellen Sie keine Fragen, und vergessen Sie nicht, dass Sie hier die verletzliche Person sind.

Früher wich der Holzfrevler dem Bürger aus. Heute muss der Bürger dem Holzfrevler weichen. Diese Veränderung verrät möglicherweise ebenso viel über den Zustand der Autorität in einem Land wie über die Zerstörung der Wälder von Mulanje.

Der Unterschied zwischen der versteckten Axt und der Kettensäge am Wegesrand ist der Unterschied zwischen einem Vergehen, das das Gesetz noch fürchtet, und einem Vergehen, das das Gesetz auf die Probe gestellt und für harmlos befunden hat.

Eine Kettensäge ist lauter als eine Axt, weil sie einen Motor hat. Auf Mulanje ist sie aber auch deshalb lauter geworden, weil die Straflosigkeit ihr Selbstvertrauen verliehen hat. Dieses Selbstvertrauen entsteht selten über Nacht. Es entwickelt sich in mehreren Stufen.

Zunächst wird das Fehlverhalten verborgen. Der Täter sucht abgelegene Orte auf, arbeitet unauffällig und schaut sich ständig über die Schulter. Dann stellt er fest, dass die Gesetze nur unregelmäßig durchgesetzt werden. Vielleicht sind die Beamten schlecht ausgerüstet oder schlecht bezahlt, oder sie haben schlicht die Lust verloren. Manche wurden möglicherweise bestochen, oder einflussreiche Personen profitieren von derselben Tätigkeit. Berichte werden vielleicht geschrieben, doch es folgen keine Maßnahmen.

Ist es da überraschend, wenn der Täter immer weniger Vorsicht walten lässt?

Die versteckte Axt rückt näher an den Wanderweg. Die Arbeit dauert immer länger bis in den Vormittag hinein. Das Holz wird immer offener abtransportiert. Der wunderschöne Nanyole- oder Mlombwa-Baum am Wegesrand ist nicht länger unantastbar. Eine Kettensäge taucht auf. Hunde kommen hinzu. Schließlich verhält sich der Gesetzesbrecher, als müsse er sein Revier vor der Öffentlichkeit schützen.

Dabei existieren die Behörden weiterhin. Ihre Büros sind geöffnet. Ihre Uniformen werden nach wie vor getragen. Ihre Fahrzeuge sind noch immer mit amtlichen Kennzeichnungen versehen. In Berichten ist weiterhin von Naturschutz, der Durchsetzung von Vorschriften und nachhaltiger Bewirtschaftung die Rede.

Doch der Wald hat sich bereits sein eigenes Urteil gebildet. Er weiß, wer sich verstecken muss und wer bei Tageslicht ungehindert seiner Tätigkeit nachgehen darf. Dies ist der Moment im Niedergang von Institutionen, in dem sich die Angst neu ausrichtet.

Der korrupte Beamte fürchtet den Ermittler nicht mehr; stattdessen fürchtet der Ermittler eine Versetzung, Entlassung oder Isolierung. Der Schmuggler fürchtet die Straßensperre nicht mehr; stattdessen hat der junge Beamte Angst, das falsche Fahrzeug anzuhalten.

Der illegale Händler meidet die Aufsichtsbehörde nicht mehr; vielmehr nähert sich der Kontrolleur ihm vorsichtig, unsicher, wessen Schutz der Händler genießt. Der Bürger, der ein Fehlverhalten meldet, beginnt seinen Namen zu verschweigen, weil die Personen, über die er sich beschwert, möglicherweise von der Beschwerde erfahren, bevor irgendjemand etwas dagegen unternimmt. An diesem Punkt besteht das Gesetz zwar auf dem Papier weiter, doch seine psychologische Autorität ist zusammengebrochen.

Das ist einer der Gründe, weshalb sich Korruption nicht allein an den gestohlenen Geldbeträgen messen lässt. Der Gesellschaft wird noch etwas anderes genommen: die Erwartung, dass Fehlverhalten verborgen werden muss.

Das erste Bestechungsgeld wird unter dem Tisch übergeben. Später wird der Tisch selbst mit öffentlichen Geldern gekauft und im Haus des Täters aufgestellt. Zunächst werden Verwandte heimlich eingestellt. Später verteidigt man diese Einstellungen, als wäre ein öffentliches Amt ein Familienerbe. Anfangs werden Verträge durch verschlüsselte Anweisungen manipuliert. Später verkünden Beamte den bevorzugten Bieter, noch bevor das Ausschreibungsverfahren überhaupt begonnen hat. Zunächst sorgt unerklärlicher Reichtum für Verlegenheit. Später gilt das Herrenhaus als Beweis für Cleverness, Einfluss oder göttliche Gunst.

Die Grenze hat sich verschoben.

Öffentliche Schamlosigkeit ist nicht bloß eine Frage des schlechten Charakters. Sie ist eine politische Information. Sie zeigt uns, dass der Täter nicht länger damit rechnet, von den Institutionen der Gesellschaft bestraft zu werden. Vielleicht erwartet er sogar, dass diese Institutionen ihn schützen.

Diese Erwartungshaltung kann auf Bestechung, Parteiverbindungen, familiären Beziehungen, ethnischer Solidarität oder der Nähe zu einflussreichen Personen beruhen. In manchen Fällen blufft der Täter möglicherweise nur. Doch wenn verängstigte Institutionen immer wieder auf einen solchen Bluff eingehen, wird daraus eine Form der Machtausübung.

Manche Menschen fragen sich, warum Korruption immer dreister aufzutreten scheint, obwohl Regierungen neue Kampagnen gegen sie ankündigen. Eine mögliche Erklärung liegt in den Erfahrungen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Bürger und Beamte beobachten, was mit früheren Fällen geschieht. Sie erinnern sich an Ermittlungen, die im Sande verliefen, an verschwundene Akten, eingeschüchterte Zeugen und Verdächtige, die nach einer Befragung mächtiger zurückkehrten als zuvor.

Jede unbestrafte Verfehlung ermutigt den nächsten Täter.

Diese Lektion wird selten schriftlich festgehalten, doch jeder versteht sie: Die Gefahr liegt weniger darin, das Gesetz zu brechen, als darin, es ohne Schutz zu brechen. Sobald man sich den Schutz gesichert hat, wird Geheimhaltung überflüssig. Deshalb sind die Hunde auf dem Berg von Bedeutung. Sie bringen Einschüchterung in eine Handlung der Umweltzerstörung ein. Ihr Bellen signalisiert den Vorübergehenden, dass bereits die Beobachtung als Einmischung ausgelegt werden könnte. Der Bürger ist nicht mehr bloß Zeuge einer Straftat. Ihm wird vielmehr eingeschärft, dass er sich nicht wie ein Bürger verhalten soll.

Malawi ist damit nicht allein. In ganz Afrika und weit über den Kontinent hinaus entwickeln politische Systeme ihre eigenen bellenden Hunde. Manche sind Beamte, die jeden angreifen, der eine unerwünschte Frage stellt. Andere sind fanatische Parteianhänger, die sich in organisierten Gruppen auf Kritiker stürzen. Einige agieren über anonyme Social-Media-Konten. Wieder andere drohen mit rechtlichen Schritten, ziehen Verträge zurück, ordnen Steuerprüfungen an oder flüstern, dass die Sicherheit des Kritikers nicht gewährleistet werden könne.

Oft geht es ihnen weniger darum, den Vorwurf zu widerlegen, als allen anderen vor Augen zu führen, welchen Preis es hat, ihn überhaupt zu erheben. Ein Mensch wird bedroht; tausend andere lernen zu schweigen. Der Hund muss also gar nicht beißen. Sein politischer Nutzen besteht darin, den Reisenden darüber nachdenken zu lassen, ob es sich lohnt, den Weg fortzusetzen.

Doch die beunruhigendste Figur in diesem Szenario ist womöglich weder der Holzfrevler noch der Hund. Es könnte vielmehr der abwesende oder kompromittierte Verantwortliche sein, der eigentlich für die Kontrolle zuständig wäre. Mulanje ist keine herrenlose Wildnis. Es gibt dort staatliche Behörden, Naturschutzorganisationen, traditionelle Autoritäten, Gesetze, Bewirtschaftungspläne und Gemeinschaften, deren Lebensgrundlage vom Berg abhängt. Wenn Bäume offen neben ausgewiesenen Wanderwegen gefällt werden, lautet die Frage nicht mehr nur, wer sie fällt. Wir müssen auch fragen, was mit dem Netz aus Zuständigkeiten und Autoritäten geschehen ist, das den Berg schützen soll.

Ist es überfordert worden? Wurden ihm die nötigen Mittel entzogen? Ist die Verantwortung so aufgeteilt worden, dass jede Institution auf eine andere verweisen kann? Sind einige Verantwortliche zu Teilnehmern an der Zerstörung geworden?
Oder ist der Holzfrevler einfach zu dem Schluss gekommen, dass niemand mit entsprechender Autorität bereit ist, ihn zur Rede zu stellen?

Diese Fragen gelten gleichermaßen für den Staat. Eine Republik kann über eine Verfassung, Gerichte, Parlamente, Antikorruptionsbehörden, Rechnungskontrollstellen, Polizeidienststellen, Untersuchungskommissionen und zivilgesellschaftliche Organisationen verfügen. Allein ihre Existenz kann den Eindruck vermitteln, dass überall Autorität vorhanden ist.

Doch eine Institution entfaltet ihre volle Wirkung erst dann, wenn diejenigen, die ihrer Zuständigkeit unterliegen, glauben, dass sie tatsächlich handeln kann.

Der Holzfrevler, der auf die Schritte von Forstbeamten lauscht, fällt ein solches Urteil. Dasselbe gilt für den korrupten Beamten, der eine Untersuchung beobachtet. Beide sind Schüler institutioneller Ernsthaftigkeit. Sie lernen aus Verzögerungen, Widersprüchen, politischer Einmischung und selektiver Rechtsdurchsetzung.

Wenn Beamte gegen Schwache entschlossen vorgehen, bei einflussreichen Personen jedoch Vorsicht walten lassen, lernt die Gesellschaft eine weitere Lektion. Das Gesetz mag für alle gleich formuliert sein, doch seine Stimme verändert sich je nachdem, wer ihm gegenübersteht.

So entstehen die beiden Welten, die unser nationales Leben zunehmend prägen.

In der einen Welt wird dem Bürger gesagt, er müsse Vorschriften befolgen, Genehmigungen einholen, Steuern zahlen und öffentliches Eigentum respektieren. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen rechnen. In der anderen Welt verhandelt Einfluss mit dem Gesetz. Beziehungen verwandeln Anordnungen in Diskussionen. Schwerwiegende Anschuldigungen werden zu Missverständnissen. Akten kommen nur langsam voran. Die Durchsetzung des Gesetzes wartet auf die Genehmigung von weiter oben.

In der ersten Welt hört man die Axt und erwartet, dass die Behörden eingreifen. In der zweiten weiß man bereits, warum sie nicht kommen werden.

Wir sollten der Versuchung widerstehen, die frühere Zeit zu romantisieren. Auch der heimliche Holzfrevler zerstörte den Wald. Vielleicht versagten die Behörden schon damals. Möglicherweise waren auch die Gemeinden bereits am Holzhandel beteiligt oder profitierten davon. Dennoch markierte die Geheimhaltung eine Grenze. Der Täter erkannte einen öffentlichen Maßstab an, von dem er abwich.

Verschwindet diese Grenze, tritt die Gesellschaft in eine gefährlichere Phase ein. Das Vergehen wird normalisiert, dann zur Schau gestellt und schließlich verteidigt. Diejenigen, die dagegen Einwände erheben, erscheinen zunehmend als Störenfriede, Naivlinge oder Gegner der Interessen jener Menschen, die doch nur versuchen, sich ihren Anteil zu sichern.

Manchmal wird sogar der letzte Schleier fallen gelassen. Die nigerianische Literatur beispielsweise ist seit Langem bevölkert von Politikern, die die Übernahme eines öffentlichen Amtes als den Beginn ihrer eigenen Zeit des Abkassierens betrachten. Die Metapher ist in weiten Teilen Afrikas vertraut: Macht bringt einen an den nationalen Tisch, und ein Wahlsieg gilt als Erlaubnis, sich zu bedienen.

In Malawi lässt sich diese Philosophie in vier unverblümte Worte fassen: ndale ndi kudya — Politik bedeutet, sich zu bereichern.

Wenn diese vier Worte von einer öffentlichen Bühne aus ausgesprochen werden, sind Schock und Empörung meist die Folge. Wir glauben, auf sicherem moralischem Boden zu stehen, und blicken auf denjenigen herab, der so offen gesprochen hat. Vielleicht sollten wir aber auch unsere Empörung genauer betrachten. Nigeria hat dafür eine eigene, unverblümte Formulierung: ‚Du bedienst dich, ich bediene mich.‘ Die Worte mögen unser Anstandsgefühl verletzen, doch sie bringen ein politisches Verständnis zum Ausdruck, das viele Menschen wiedererkennen, selbst wenn sie es lieber unausgesprochen lassen.

Könnte der Mann, der sagt, „Politik bedeutet, sich zu bedienen“ oder „Du bedienst dich, ich bediene mich“, in gewisser Hinsicht ein Wahrheitsverkünder sein, dem auf dem Dorfplatz ein Sockel gebührt? Spricht er vielleicht nur offen aus, was unsere Gesellschaft stillschweigend zu akzeptieren gelernt hat? Sind wir wirklich aufrichtig, wenn wir den Mann verurteilen, der die Dinge beim Namen nennt? Vielleicht hat er den unausgesprochenen Handel offengelegt, der sich hinter der respektablen Sprache des öffentlichen Dienstes verbirgt: Ein Amt ist eine Gelegenheit, sich zu bereichern, und die anderen erwarten, dass irgendwann auch ihre Zeit kommt.

Die Frage lautet nicht nur, warum er das so offen ausgesprochen hat. Sie lautet auch, warum uns diese Worte so vertraut vorkommen und weshalb einige in der Menge vielleicht applaudieren. Ein möglicher Verdienst liegt darin, etwas offengelegt zu haben; das Verhalten, das er benennt, muss dennoch weiterhin beurteilt werden.

In dieser Szene steckt etwas vom Holzfrevler. Lange Zeit arbeiteten die Holzfäller unbemerkt, abseits des belebten Wanderwegs. Jetzt hat sich derjenige, der die Bäume fällt, umgesehen und ist mit einer Kettensäge in die Öffentlichkeit getreten. Er fällt Bäume, während jeder Vorübergehende ihn hören kann. Offenbar weiß er, dass Entdeckung nicht mehr automatisch Scham bedeutet. Manche werden den Lärm verurteilen; andere bewundern vielleicht das Selbstvertrauen oder warten auf ihre eigene Gelegenheit. Das Fällen der Bäume ist öffentlich geworden und hat ein Publikum gefunden.

Sobald die Gier zur Regierungstheorie wird, gilt Korruption als erwartete Belohnung für den Erwerb von Macht. Die Erklärung verleiht dieser Gier eine öffentliche Sprache. Sie sagt den Anhängern, die Regierung sei ein Kadaver, der unter den Glücklichen aufgeteilt werden müsse, die es bis dorthin geschafft hätten, während alle außerhalb dieses Kreises auf ihre Gelegenheit warten müssten, sich ebenfalls zu bedienen.

Ein Amtsträger kann nun den privaten Konsum zu einem politischen Prinzip erheben. Das Fehlverhalten hat die Grenzen der Heimlichkeit überschritten. Es hat eine Parole erhalten, und die Sprache verändert sich, bevor das Gesetz es tut.

In diesem neuen Vokabular wird Diebstahl als Unternehmergeist gelobt, Einfluss gilt als Networking, Einschüchterung wird als Disziplin verteidigt, und Schweigen wird im Namen des Patriotismus verlangt. Selbst Zerstörung erhält den respektablen Namen der Entwicklung.

Währenddessen dröhnt die Kettensäge weiter am Wanderweg.

Berge bewahren Beweise anders als Regierungen. Eine Regierung kann eine Akte verlieren. Ein Sprecher kann bestreiten, dass entsprechende Anweisungen erteilt wurden. Ein Ausschuss kann seinen Bericht aufschieben. Ein Berg hingegen hält die Wahrheit durch das fest, was fehlt. Licht fällt auf Stellen, an denen einst Bäume standen; Regen trägt Erde davon, die früher von Wurzeln gehalten wurde; Bäche, die einst stetig flossen, beginnen unzuverlässig zu werden. Der verschwundene Wald ist ein Bericht, der sich nicht zurückziehen lässt.

Vielleicht beunruhigt mich das Geräusch der Kettensäge deshalb mehr als nur wegen des unmittelbaren Verlusts eines weiteren Baumes. Es kündigt eine Veränderung im Verhältnis zwischen Fehlverhalten und Autorität an. Es sagt uns, dass sich der Täter nicht länger als Eindringling fühlt.

Er glaubt, der Berg gehöre demjenigen, der sich etwas davon nehmen kann. Vielleicht glaubt er dasselbe auch vom Staat.

Der Niedergang der Autorität beginnt nicht nur dann, wenn Institutionen verschwinden. Er beginnt auch, wenn sie zwar bestehen bleiben, aber niemand mehr an sie glaubt. Ihre Schilder sind noch sichtbar, ihre Beamten noch im Dienst, ihre Vorschriften weiterhin gedruckt. Doch die Menschen haben gelernt, dass die Durchsetzung des Gesetzes verhandelbar ist und Mut ohne Schutz gefährlich sein kann.

Dann ist die Frage „Wer wird sie aufhalten?“ längst mehr als ein Ausdruck der Frustration. Sie ist eine Diagnose. Sie zeigt, dass die Bürger nach einer übergeordneten Autorität suchen: einem ehrlichen Amtsträger, einem unabhängigen Gericht, einer furchtlosen Institution, der internationalen Gemeinschaft, den Geldgebern oder vielleicht sogar dem Herrn da oben, den man Gott nennt. Sie suchen, weil die Autoritäten, die ihnen unmittelbar gegenüberstehen, entweder nicht mehr wollen, nicht mehr können oder selbst in die Angelegenheit verstrickt sind. Eine Gesellschaft kann nicht gesund bleiben, wenn Verantwortlichkeit immer von einer höheren Stelle herbeigeschafft werden muss.

Der Schutz von Mulanje erfordert deshalb mehr als Patrouillen und beschlagnahmtes Holz. Das Gesetz muss seine psychologische Präsenz zurückgewinnen. Der Holzfrevler muss wieder glauben, dass herannahende Schritte Konsequenzen ankündigen könnten. Der Bürger muss den Wanderweg betreten können, ohne sich wie ein Eindringling zu fühlen.

Dieselbe Erneuerung ist auch im öffentlichen Leben nötig.

Institutionen müssen früh genug, gerecht genug und konsequent genug handeln, damit es wieder vernünftig erscheint, Fehlverhalten zu verbergen. Das mag wie ein bescheidenes Ziel klingen, wenn das eigentliche Ziel doch darin bestehen sollte, Fehlverhalten vollständig zu beseitigen. Aber keine Gesellschaft hat vollkommene Reinheit erreicht. Ein aussagekräftigerer Maßstab für die Gesundheit einer Institution ist, ob diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen, sich noch verpflichtet fühlen, ihr Tun zu verbergen.

Die versteckte Axt war bereits eine Wunde. Die Kettensäge am Wanderweg ist etwas Schlimmeres. Sie ist das Geräusch eines Unrechts, das nicht mehr daran glaubt, dass die Autorität eingreifen wird.


Redaktionelle Anmerkung: Der Artikel erschien zuerst am 24. Oktober 2026, unter dem Titel „When the Axes No Longer Hide“ auf dem Substack von Ken Lipenga und wurde von Silvia Lorenz ehrenamtlich für Manova übersetzt.