Die Praxis der Befreiung

Wir können aus der Duldungsstarre erwachen, eine freiheitliche Gesellschaftsordnung entwickeln und diese in konkreten Schritten umsetzen.

Im Jahr 1970 veröffentlichte Paulo Freire ein Buch mit dem Titel „Pädagogik der Unterdrückten“ (1). Freire war als Pädagoge in Brasilien tätig und gab den unterprivilegierten Menschen in seinem Land eine Stimme. Das Interessante für uns ist der Umstand, dass wir uns gerade in einer ähnlichen Situation befinden wie die Landarbeiter damals in Brasilien: Wir werden unterdrückt. Deshalb lohnt sich der Blick in die Geschichte. Welche Lösungswege wurden damals schon beschritten? Wir alle fragen uns doch gerade: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Grundrechte plötzlich keine Gültigkeit mehr haben und dass wir das alles mit uns machen lassen? Vor allem aber: Wie können wir die Unterdrückung abschütteln?

Die Kultur des Schweigens

Das ist die Situation, die Paulo Freire vorgefunden hat, als er die Bauern auf ihren Feldern besuchte und sie nach ihren Lebensumständen befragte. Viele lebten unter sehr ärmlichen Bedingungen, waren Analphabeten, und vor allem waren sie sich nicht darüber bewusst, dass sie von einer kleinen, elitären Kaste unterdrückt und manipuliert wurden. Sie hatten keine Stimme, sie hatten keine Idee, wie ihr Leben anders hätte sein können. Bestenfalls wiederholten sie die Phrasen der Großgrundbesitzer oder der politischen Machthaber des Landes.

Im Gegensatz zu diesen Menschen sind wir in der privilegierten Situation, lesen und schreiben zu können, und mit dem Internet steht uns ein immenses Wissen zur Verfügung. Und trotzdem sind es vergleichsweise nur wenige, die sich kritisch zu Wort melden.

Warum gehen nicht mehr Menschen auf die Straße? Warum lässt sich die breite Masse impfen, obwohl sich das angebliche Killervirus in der Realität bei weitem als nicht so virulent erwiesen hat, wie dies Politiker und Massenmedien propagierten? Und warum gibt es so viele Ärzte, Juristen, Politiker und Intellektuelle — also die eigentliche Elite unserer Gesellschaft —, die sich gerade wegducken und den ganzen Wahnsinn einfach so mitmachen, ohne ihre Stimme im Protest zu erheben?

Ich möchte auf diese Frage drei mögliche Antworten geben:

Wir sind zum Gehorsam erzogen worden.

Zu gehorchen wurde uns praktisch schon in die Wiege gelegt. Das Schulsystem und die universitäre Ausbildung sind nicht darauf ausgelegt, kritische Geister, Selbstdenker und kreative Künstler zu fördern und hervorzubringen. Das Gegenteil ist der Fall: Wer brav auswendig lernt, an den entscheidenden Stellen seine Kritik herunterschluckt und überwiegend opportunistisch anstatt solidarisch denkt, hat wesentlich größere Chancen, die — ihm infolgedessen angebotene — Karriereleiter emporzuklettern.

Wir finden keinen Ausdruck dafür, was uns an unserem Leben und Gesellschaftssystem missfällt.

Weil die Beschäftigung mit dieser Frage unser Bild von der „heilen Welt“ ins Wanken bringen könnte? Deshalb lassen die meisten es vermutlich lieber gleich ganz sein. Im Übrigen leben wir laut den Meinungsmachern unserer Gesellschaft in einem besonders freiheitlichen, wohlhabenden und demokratischen System. Trotz allem, was wir in den letzten zwei Jahren „freiwillig“ und „solidarisch“ an Opfern gebracht haben, können wir uns angeblich glücklich schätzen. Die Menschen sind Rudel bildende Säugetiere, und wenn die Familie und die Nachbarn das Corona-Narrativ gebetsmühlenhaft verteidigen, fällt es uns besonders schwer, das schwarze Schaf zu sein.

Seit Jahrzehnten werden unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden gezielt geschwächt.

Dabei sind die wichtigsten Faktoren (2):

  • Ernährung durch Lebensmittel, die diesen Namen nicht mehr verdienen: Junk Food, pestizidverseuchtes Obst und Gemüse, Nahrungsmittel, die auf verarmten Böden gewachsen sind, und die zunehmende Anreicherung von Mikroplastik in der Umwelt und damit auch in unserem täglichen Essen
  • Chronische Zivilisationskrankheiten und die Abhängigkeit von schulmedizinischen Medikamenten mit ihren Nebenwirkungen: Psychopharmaka, Schmerzmittel, Antibiotika, und so weiter
  • Anreicherung von Schwermetallen im Organismus, vor allem durch die Atemluft, Impfungen und Amalgamfüllungen
  • Elektromagnetische Felder: Handystrahlung, WLAN, DECT-Telefonie, Smart-Home
  • Die Einführung der 5G-Technologie, die in der breiten Bevölkerung kaum Kritik findet. Sie ist ein gewaltiger Angriff auf die Gesundheit der Menschen, Tiere, Bäume und Pflanzen.
  • Und neuerdings die gentechnischen Medikamente, die Corona-Impfungen.

Das ist der Ist-Zustand.

Bewusstseinsbildung als Praxis der Freiheit

Das war die Antwort von Paulo Freire auf die Kultur des Schweigens. In seiner Vorgehensweise orientierte er sich dabei — mehr oder weniger bewusst oder unbewusst — an der Ethik des Sokrates. Der berühmte Philosoph begründete aus einer Haltung des Nichtwissens heraus die Mäeutik, die Hebammenkunst des Dialogs.

Es geht dabei nicht darum, sich im Streitgespräch mit den besseren Argumenten im Kreis zu drehen, sondern durch gezielte, mitunter auch provokative Fragestellungen der Wahrheit näher zu kommen, ohne gleich eine Lösung anzustreben. Freire nannte das, „über generative Themen sprechen, die die Wirklichkeit der Unterdrückten möglichst genau abbilden“. Die Grundhaltung, die er dabei einnahm, war eine, die auf Liebe basiert:

„Wenn ich nicht die Welt liebe, wenn ich nicht das Leben liebe, wenn ich nicht die Menschen liebe, kann ich nicht in den Dialog eintreten“ (3).

und

„Nur der Dialog, der kritisches Denken erfordert, ist auch in der Lage, kritisches Denken zu erzeugen“ (4).

Um dieses kritische Denken zu erzeugen, suchte er so viele Menschen wie möglich auf und stellte seine Fragen. Der Begriff Kommunikation leitet sich ab vom Lateinischen „communico“ und drückt aus, dass es um Gemeinschaftsbildung geht, wenn man richtig miteinander kommuniziert. Dadurch wird das Bewusstsein der Menschen peu à peu gebildet und sie finden zueinander, weil sie feststellen, dass es Themen gibt, die sie verbinden.

Bewusstseinsbildung setzt sich laut Freire aus Aktion und Reflexion zusammen. Das heißt, dass der echte Dialog nicht bei der Reflexion stehenbleibt, sondern die Wirklichkeit der Beteiligten aktiv verändert.

Die Welt durch Aktion und Reflexion zu verwandeln ist nicht Privileg einer Minderheit, sondern das Recht aller Menschen. Dort, wo Herrschaft den Menschen ihr Recht nimmt, handelnd in die Wirklichkeit einzugreifen, müssen die Menschen ihr Recht erst wiedergewinnen. Echter Dialog ist dann eine existentielle Notwendigkeit. Solange der Mensch für seine Befreiung kämpft, ist er von Hoffnung erfüllt. Hoffnungslosigkeit dagegen ist die Flucht vor der Wirklichkeit und ein Verstummen, das die oben beschriebene Kultur des Schweigens hervorbringt.

Damals wie heute brauchen wir den Anstoß, unser Leben radikal in Frage zu stellen:

  • Wer oder was bin ich jenseits meiner Komfortzone?
  • Wie möchte ich leben?
  • Was bin ich bereit, dafür zu tun?
  • Wofür lohnt es sich zu leben?
  • Wofür lohnt es sich zu sterben?

Als Lebewesen sind wir autonom

In der Yoga-Philosophie gibt es den Ausdruck „Avidya“. Er bedeutet so viel wie „nicht gelebtes Leben“. Fremdbestimmung, Herrschaft und Unterdrückung sind der Garant dafür, dass wir unser Leben nicht so gestalten, wie wir wollen, und in Unfreiheit leben.

Das befreit uns jedoch nicht von unserer Selbstverantwortung, handelnd in die Wirklichkeit einzugreifen und unser Leben so zu organisieren, dass wir möglichst wenig fremdbestimmt werden können.

„Wir Lebewesen, wir Menschen, sind ‚von innen her bestimmt‘ und nicht von außen. Wir sind aber zumindest in unseren Handlungen meist tief davon überzeugt, daß wir andere Menschen (...) von außen bestimmen können. Wir meinen, daß wir nicht nur etwas ‚auslösen‘ können, den anderen ‚perturbieren‘, sondern wir handeln in der Gewißheit, daß wir von außen determinieren können, instruieren, kontrollieren; das heißt, wir üben Macht aus“ (5).

Deshalb glauben wir, wir könnten nur gehorchen und uns unterwerfen, denn wir sind ja von außen determiniert.

„Macht und Unterwerfung sind komplementär: keine Macht ohne Unterwerfung und keine Unterwerfung ohne Macht“ (6).

Der Autor dieser Zeilen, Gerhard Portele, vertritt in seinem Buch „Autonomie, Macht, Liebe“ die These, dass wir grundsätzlich autonom sind und dass diese Autonomie der Natur eines Lebewesens inhärent ist, also jedem innewohnt. Er stützt sich dabei auf die Forschung von Humberto Maturana und Francisco Varela, die Lebewesen als autopoietische Systeme definiert haben (7). Das heißt, dass die Individuen ihr Leben grundsätzlich und natürlicherweise selbst organisieren und selbst produzieren. Demnach können wir uns als autonome Lebewesen nur freiwillig unterwerfen.

Der Gegenentwurf zu einem totalitären System der Unterdrückung ist eine libertäre Gesellschaftsordnung. Wir sind, wie Paulo Freire formuliert, aufgefordert, einen radikalen, also einen an die Wurzel gehenden Entwurf zu entwickeln, wie wir leben wollen.

Dazu brauchen wir die Gemeinschaft, den friedlichen, kritischen Dialog und das kreative Potenzial von Menschen, die in der Lage sind, gesellschaftliche Utopien zu entwickeln. Alles auf der Basis von Liebe, denn Liebe ist — als die elementare Energie der Schöpfung — die Kraft, die Trennung überwindet.

Lieben ist das Aufgeben von Machtbeziehungen. Liebe und Macht beziehungsweise Unterdrückung sind nicht miteinander vereinbar. Je mehr wir uns als autonome Wesen verstehen, desto weniger werden wir die Geschichte des Machtmissbrauchs und der Unterdrückung wiederholen. Dann werden wir die Kultur des Schweigens zu Grabe tragen und darin unser wichtigstes Gut wiederfinden: die Freiheit.

„Kommunikation ist das Wesen der Freiheit. Zwang kann nicht überzeugen. Macht die Menschen weise und ihr macht sie frei“ (William Godwin).


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Quellen und Anmerkungen:

(1) Freire, Paulo, Pädagogik der Unterdrückten, Reinbek bei Hamburg 1996
(2) Wer sich mehr mit den umweltmedizinischen Auswirkungen auf unsere Gesundheit befassen möchte, dem kann ich vor allem die Bücher und Artikel von Dr. Joachim Mutter und Dr. Klinghardt empfehlen.
(2) Freire, Paulo, Pädagogik der Unterdrückten, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 73
(3) ebenda, S. 76
(4) Portele, Gerhard, Autonomie, Macht, Liebe, Frankfurt am Main 1989, S.193
(5) ebenda, S.193
(6) Maturana, Humberto / Varela, Francisco, Autopoiesis and Cognition, Springer Netherlands 2012