Die Propaganda-Matrix

Im Rubikon-Exklusivinterview erklärt Professor Michael Meyen, warum der Kampf für freie Medien über unsere Zukunft entscheidet.

Ende 2019 gründete das Online-Medium Rubikon gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Corona-Krise einen eigenen Buchverlag, um seine Inhalte auch offline nachhaltig einer breiten Öffentlichkeit anzubieten und eine demokratische Meinungsbildung zu fördern. Heute ermöglicht diese Entscheidung es dem Rubikon, unabhängig von großen Verlagshäusern eine umfassende Corona-Aufklärungsoffensive zu forcieren — mit bisher großem Erfolg. Die ersten vier Bücher zur aktuellen Situation sind bereits Bestseller. Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen widmet sich im fünften Buch dieser Kampagne, das am 20. Juli im Rubikon-Verlag erscheint, intensiv der Rolle der Leitmedien und erklärt im Gespräch mit Jens Lehrich, warum sein Buchtitel trotz anfänglicher Bedenken nicht ohne den Begriff „Propaganda“ auskommen kann.

Propaganda gibt es nur in der Diktatur. In den „demokratischen“ Gesellschaften der reichen Industrieländer brauchen wir uns somit überhaupt nicht mit diesem Thema auseinanderzusetzen, so der oft unhinterfragte Glaubenssatz. Michael Meyen ist Kommunikationswissenschaftler und besorgt um den Zustand der Leitmedien.

Gegen die Idee des Verlegers, den Begriff Propaganda zu verwenden, wehrte er sich zunächst. Der Autor wuchs in der DDR auf und hat somit ein vorgeprägtes Verhältnis zu diesem Wort. Im Gespräch mit Jens Lehrich erklärt er, warum er dank seiner Arbeit an diesem Buch, das er ursprünglich „Die Medien-Matrix“ nennen wollte, erkannte, dass er das, was die Leitmedien betreiben, tatsächlich Propaganda nennen muss.

Michael Meyen erläutert, wie ihn die Erkenntnisse des französischen Soziologen Jacques Ellul zum Thema Propaganda weiterbrachten. Ich werde neugierig und finde sogar in der Wikipedia die Beschreibung für das, was ich an mir selbst und meinen Mitmenschen beobachte:

„Elluls grundlegende Annahme ist, dass Propaganda ein soziologisches Phänomen ist und nicht ‚etwas, das bestimmte Leute zur Erreichung eines bestimmten Zwecks tun‘. Die technologische Gesellschaft sei Bedingung für die Existenz von Propaganda, und Propaganda stelle im Gegenzug das Überleben dieser Gesellschaftsform sicher. (…)

Ellul unterscheidet zwischen Agitationspropaganda und Integrationspropaganda. Das Bildungssystem erklärt er zu einer Grundbedingung von Propaganda. Intellektuelle seien außerdem jene gesellschaftliche Gruppe, die am empfänglichsten für Propaganda sei, weil sie sich zu allen ‚wichtigen Fragen der Zeit‘ eine definitive Meinung bilden wolle.“

Meyen führt weiter aus, warum die Leitmedien trotz des Internets noch eine so große Bedeutung haben. Auch wenn im Netz eine Gegenansicht veröffentlicht werden kann, müssen wir, wenn in der Tagesschau etwas berichtet wird, davon ausgehen, dass alle es gesehen oder davon gehört haben — mal ganz davon abgesehen, dass Zensur betrieben wird, ohne dass ein staatliches Zensurorgan existiert. Bei alternativen Medien aus dem Internet ist ein so großer Einfluss (bisher) nicht gegeben. Selbst wenn wir nicht mit dem einverstanden sind, was die Tagesschau sagt, gehen wir davon aus, dass die Mehrheit der Bevölkerung von diesen Informationen beeinflusst ist und auf deren Grundlage ihre Meinung bildet.

Die Situation scheint aussichtslos. Unsere aktuelle Gesellschaft entspricht genau dem, was Ellul zu Propaganda erkannte. Unser Weltbild wird in der Schule geformt und so merken die meisten Journalisten wohl gar nicht, dass sie an der Propaganda mitwirken. Ebenso wenig merken Akademiker und Intellektuelle, dass sie dieser auf den Leim gehen. Genau hier liegt die Gefahr: Wenn Propaganda nicht nur trotz aller Bildung und Aufklärung, sondern anscheinend gerade wegen ihr von der Mehrheit nicht als solche erkannt wird, sieht unsere Zukunft düster aus.

Warum strahlt Michael Meyen dann beinahe in die Kamera, während er mit Jens Lehrich spricht? Den Gesichtsausdruck eines Menschen, der im tiefsten Dreck der modernen Medienlandschaft wühlt, stelle ich mir anders vor. Auf die Frage, ob er wütend sei, antwortet der Autor, dass er wohl nicht der Persönlichkeitstyp sei, der wütend wird oder Wut zum Ausdruck bringt.

Ihm ist wichtig, dass wir — die Leser seines Buchs und die Zuschauer des Videos — uns bewusst werden, was sich hier abspielt, und dass der „der Kampf für freie Medien“ noch nicht entschieden ist. Ich kann es kaum erwarten, sein Buch zu lesen, denn schon im Video-Interview reißt er kurz an, welche Kampftechniken wir zur Verteidigung und Stütze der freien Medien haben, um auch in Zukunft selbstbestimmt zu leben.



Michael Meyen im Gespräch mit Jens Lehrich


Pressestimmen zum Buch:

„Ist zu den Themen Medien und Medienkritik bereits alles Wichtige gesagt? Michael Meyen belehrt uns auf fulminante Weise eines Besseren. Der Autor führt in die verzweigte Debatte ein, verdichtet sie, spitzt sie zu und treibt sie voran, entwickelt Perspektiven — stilistisch brillant, mitreißend, erhellend. Medienkritische Aufklärung als Lesegenuss!“
Ulrich Teusch, Mitherausgeber Multipolar-Magazin

„Michael Meyens Buch ist trotz des knalligen Titels vor allem eines: solide Wissenschaft. Der Autor verbindet dabei zwei Qualitäten, die im akademischen Feld Seltenheitswert haben: Er schreibt prägnant, ohne Umschweife und vermeidet zugleich jede Selbstgerechtigkeit. Dieser Stil ist auch den politischen Debatten zu wünschen, die dieses Buch mit seinen brisanten, brandaktuellen Überlegungen hoffentlich anstößt.“
Paul Schreyer, Bestsellerautor

„Wer wie Goethes ‚Faust‘ wissen will, was ‚die Welt im Innersten zusammenhält‘, der muss Michael Meyens brillante Darstellung lesen, die tiefe Einblicke in die gegenwärtige Medien-Matrix liefert. Mit erzählerischer Leichtigkeit und analytischer Schärfe werden die Erkenntnisse von intellektuellen Größen wie Hannah Ahrendt, Ulrich Beck, Pierre Bourdieu, Noam Chomsky, Michel Foucault, Walter Lippmann oder Niklas Luhmann für die Beobachtung von Beobachtung fruchtbar gemacht. Sichtbar werden die ‚blinden Flecken‘, aber auch die neuen Chancen von demokratischer Beteiligung und selbstbestimmter Erkenntnis.“
Carsten Gansel, Literaturwissenschaftler

„Michael Meyen geht es um mehr als um Verständnis für sein Fach. Er bietet seine Expertise, klärt auf, macht verstehbar und veranschaulicht Mechanismen mit nichts weniger als der Freiheit im Blick. Ein Weißbuch für einen besseren Journalismus, wenn nicht für eine Revolution der Medien!“
Martin Sinzinger, Naturfotograf

„Michael Meyen, einer der wenigen Experten im deutschsprachigen Raum, der das Mediensystem des Ostens und Westens kennt, schreibt über die Propaganda-Matrix des 21. Jahrhunderts und die Geiselnahme ganzer Gesellschaften in ihrem totalitären Sog. Es geht um die Medienmaschine, die von Konzerninteressen finanziert und von Politikern legitimiert wird. Meyen verurteilt die Rolle der Leitmedien als Komplizen der Kriegsakteure. Der Journalismus ist tot! Es lebe der Journalismus der sich der Propaganda-Matrix widersetzt! Was hierbei aus den letzten Jahren der DDR zu lernen ist, wird in diesem Buch ebenfalls offen gelegt.“
Yana Milev, Soziologin