Die sanfte Macht

Soft Power zielt auf das Unbewusste des Menschen und sichert die Macht der Eliten, ohne dass die Menschen dies wahrnehmen.

Wer Rainer Mausfelds Kritik der repräsentativen Demokratie, Sheldon Wolins Kritik der kapitalistischen Demokratie und Jonas Tögels Forschungen zur kognitiven Kriegsführung zusammendenkt, zieht die Schlussfolgerung, dass die westliche Demokratie einer Elitenherrschaft entspricht, welche ihre Macht im Wesentlichen mittels Soft Power absichert. Die Macht- und Besitzeliten haben gelernt, dass weiche Formen des Regierens effizienter, nachhaltiger und weniger kostspielig für sie sind.

Soft Power ist, so der Politologe Joseph Nye, „die Fähigkeit, andere zu überzeugen, das zu tun, was du willst, ohne dass du Gewalt oder Zwang anwendest“ (2). Für die NATO ist Soft Power ein Synonym für „Einflussoperationen“ (3). In der Außenpolitik umfasst Soft Power fortgesetzte politische Einmischung bis hin zum organisierten Regimewechsel (4). Im Folgenden liegt der Fokus aber auf dem Inneren der Demokratie, nicht auf ihrem Umgang mit dem „Außen“.

Im westlichen Demokratiemodell geht es gerade darum, in Abgrenzung zur Hard Power der Diktatur die physische Gewalt der Exekutive nur im Einzelfall anzuwenden, legitimiert als „notwendige“ Ausnahme, etwa zur Abschreckung oder zur Aufstandsbekämpfung. Demokratie als Soft Power kaschiert die rohe Gewalt gegen die eigene Bevölkerung und versteckt sie hinter struktureller Gewalt, medialer Schönfärbung von Gewalt und dem Systemzwang der Maschine. Gewalt lauert eben auch in Soft Power-Regimen, bloß wird sie hier von einer Propagandamaschinerie übertüncht. Propaganda ist, mit dem Psychologen und Psychoanalytiker Klaus-Jürgen Bruder gesprochen, Überzeugung durch Einschüchterung (5). Das gleiche gilt für Gewalt, die exemplarisch an einzelnen ausgeübt wird. Sie dient als Warnung an alle und lehrt, was sie, also wir, zu unterlassen haben.

Soft Power-Regime und ihr Umgang mit Andersdenkenden

Demokratie als Soft Power geht nicht zimperlich gegen Personen vor, welche diese Art „Demokratie“ entblößen. Sicht- und spürbare Gewalt gegen Einzelne nimmt zu, weil Bürger in zunehmendem Maße das westliche Demokratiekonstrukt hinterfragen, sei es im Corona-Widerstand, in der Friedensbewegung, der Solidarität mit den Palästinensern oder in sozialen Kämpfen. Die Maßnahmen gegen Kritiker reichen von Anzeigen, Gerichtsurteilen, Hausdurchsuchungen, körperlicher Gewalt, Kündigungen, der Aufkündigung und dem Einfrieren des Bankkontos bis hin zum personenbezogenen Sanktionsmechanismus der EU. Kritiker sind von sozialer Ausgrenzung im beruflichen und persönlichen Umfeld bis hin zum Berufsverbot betroffen. Die Maßnahmen gegen Sanktionierte sind derart massiv, dass Betroffene, die innerhalb der EU leben, aus dem Berufs- und Geschäftsleben verbannt und, ohne Zugriffsmöglichkeit auf ihre Ersparnisse, um ihre schiere Existenz und die ihrer Angehörigen bangen müssen. Sie sind aus dem gesellschaftlichen, geschäftlichen und rechtsstaatlichen Leben in der EU ausgeschlossen: Reiseverbot in und durch die EU, das Einfrieren sämtlicher wirtschaftlicher Ressourcen und Gelder, die Verweigerung des Rechts auf Anhörung und einen Prozess.

Doch nicht nur das: Mit dem Verbot, eine sanktionierte Person zu unterstützen oder mit ihr eine geschäftliche Beziehung zu unterhalten, wurde jeder EU-Bürger mit-sanktioniert, denn die eigene Sanktionierung oder hohe Geld- und Haftstrafen hängen wie ein Damoklesschwert über allen Kritikern (6).

Gewaltexzesse der Exekutive gegen Coronademonstranten, „Putinversteher“ und „Palästinaterroristen“ werden mit dem Slogan der „wehrhaften“ Demokratie gerechtfertigt. Groteskerweise droht gerade denjenigen Verfolgung, die sich als mündige Bürger erweisen, die von ihren demokratischen Grundrechten Gebrauch machen und dadurch dieser verbrämten Demokratie neues Leben einhauchen. Ausgrenzung und Ausschluss hängt in der „wehrhaften Demokratie“ vom Wohlverhalten der Bürger ab. Übertragen auf politische Parteien bedeutet das: Wer die Regierung kritisiert, kann des Extremismus bezichtigt werden und hat gemäß Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinen „Ausschluss doch selbst gewählt“ (7). Hierbei geht es auch um die Normalisierung des „frei gewählten“ Einschlusses oder — zunehmend allumfassenden — Ausschlusses, eine Wahl, die ein wesentliches Kennzeichen des neuen, Totalitarismus ist. Merkmale eines biodigitalen Totalitarismus sind digitale Impfpässe, digitale Identitäten, digitales Zentralbankgeld, Sozialkreditsysteme, biometrische Kameras für Smart Cities oder das Internet of Bodies. Diese Maßnahmen laufen in letzter Konsequenz auf eine Zustimmung oder Ablehnung einer Human Augmentation zur Mensch-Maschine hinaus. (8)

Soft Power in Demokratien steuert die Bevölkerung und lenkt diese unterhalb ihrer Wahrnehmungsschwelle. Gleiches gilt für das, was der britische Politikwissenschaftler David A. Hughes als einen Omniwar — einen Krieg gegen alle — bezeichnet. Es handelt sich um einen nicht deklarierten, auf allen erdenklichen Ebenen ausgetragenen Krieg der transnational herrschenden Klasse gegen die Bevölkerung, der strukturell, verschleiert oder verdeckt stattfindet, sodass die Öffentlichkeit nicht erkennt, dass sie sich in einem Kriegszustand befindet (9). James Corbett bietet eine treffende Beschreibung dafür. Es ist „ein allumfassender Krieg, der bereits jetzt gegen uns alle geführt wird, ein Kampf um die umfassende Herrschaft über jeden einzelnen Gesichtspunkt unseres Lebens: unsere Bewegungen, wechselseitigen Einflüsse und Beziehungen, sogar unsere innersten Gedanken, Gefühle und Wünsche. Regierungen auf der ganzen Welt arbeiten mit Unternehmen zusammen, um die Technologie dafür einzusetzen, sie bis auf die Ebene des Genoms hinab zu kontrollieren, und sie werden nicht aufhören, bis jede einzelne Person, die sich ihnen widersetzt, unterworfen oder ausgeschaltet ist.“ (10) Dies auszusprechen, gilt immer noch als Tabu. Wer es dennoch wagt, läuft Gefahr, ausgegrenzt und diffamiert zu werden.

Gerade das westliche Modell der Demokratien kann nur durch einen verdeckt geführten Krieg in ein technokratisch-totalitäres System umgewandelt werden. Die Wirksamkeit von Soft Power in Demokratien ebnet den Weg in den Omniwar zur Erreichung des Ziels einer globalen, totalitären, biodigitalen Technokratie. Die Politik gegen die Bevölkerung hat sich zu einem Krieg gegen die Bevölkerung ausgeweitet. Gerade in der vorgeblich freien Welt des Westens ist es aus Sicht der herrschenden Klasse wichtig, dass dieser ins Extreme gesteigerte Class War den Menschen nicht bewusst wird. Dort, wo sich Herrschaft auf Hard Power und Soft Power stützt, tun es auch Zwangsmaßnahmen oder ein offener Krieg. Wir sehen dies etwa am Beispiel Chinas, der Ukraine und in extremster Weise in Gaza.

Die Transformation der Demokratie

Wir erleben eine Transformation von Allem, so die Soziologin Claudia von Werlhof (11). Erfahrbar ist dies auch am Wesen der Demokratie. Der Psychologe und Demokratietheoretiker Rainer Mausfeld dazu:

„Eine solche Bedeutungsverschiebung des Wortes ‚Demokratie‘ hin zu Formen von Elitenherrschaft kann umso besser gelingen, wenn das gesamte gedankliche Fundament der Demokratie zuvor in geeigneter Weise verdreht wurde.“ (12)

Transformiert wurde das Gesellschaftsbild, das Menschenbild, die Vorstellung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gesellschaft und nicht zuletzt die Idee der politischen Gleichheit als Fundamentalprinzip der Demokratie selbst.

Mausfeld stellt die von Protagoras in der Antike entworfene Demokratie jener von Alexander Hamilton Ende des 18. Jahrhunderts gegenüber. Gemäß Protagoras hat jeder Mensch von Geburt an ein Empfinden für Recht und Unrecht und ist daher befähigt, Angelegenheiten des Gemeinwesens zu beurteilen. Somit kann es auf dem Gebiet der Politik keine Spezialisten, keine Experten geben, die eher in der Lage sind, die Interessen eines anderen zu vertreten als der Betoffene selbst. Demgegenüber vertrat Hamilton, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und Erfinder der „repräsentativen Demokratie“, die Auffassung, „Mechaniker und Fabrikanten“ seien immer geneigt, „ihre Stimmen den Kaufleuten zu geben und nicht den Angehörigen ihres eigenen Berufs oder Gewerbes“ und Kaufleute seien daher die „natürlichen Vertreter all dieser Klassen der Gemeinschaft“ (13). Mit der Erfindung der repräsentativen Demokratie kam es somit zu einer grundlegenden Transformation der Demokratie. Die Problematik der Verknüpfung von Repräsentation und Demokratie zeigt sich auch an der englischen Idee einer „virtual“ beziehungsweise „vicarious representation“ im Wahlrecht des 19. Jahrhunderts, die zur Folge hatte, dass erwachsene Söhne — ohne einen eigenen Hausstand — sowie Frauen nicht wählen durften, denn ihre Interessen galten bereits als vom Vater beziehungsweise Ehemann vertreten (14). Die Gründerväter der „repräsentativen Demokratie“ meinten mit „Repräsentation“ nie die Teilhabe aller sozialen Schichten, sondern ein Modell, bei dem sich das Volk in der Frage des Regierens durch die besten Köpfe — und dazu zählten sie sich selbst — vertreten lässt (15).

Totalitäre Tendenzen in westlichen Demokratien haben sich insbesondere durch die Verflechtung von Konzernmacht und politischer Exekutive verfestigt. Nach Sheldon S. Wolin ist ein „umgekehrter Totalitarismus“ bereits im Modell liberaler, kapitalistischer Demokratien angelegt und ein Synonym für eine „gelenkte Demokratie“ (16). Charakteristisch ist hierfür eine durch Abbau sozialstaatlicher Strukturen und eine Politik der Angst erzeugte fragmentierte, politisch desinteressierte und ohnmächtige Gesellschaft. Wolin grenzt die gelenkte Demokratie vom klassischen Totalitarismus ab, in dem das Volk kollektiv mobilisiert wird. Allerdings sehen wir heute beide Phänomene: Politische Apathie und eine Mobilisierung der Bevölkerung im Sinne einer partizipativen Propaganda, etwa wenn die regierenden Parteien zu Demonstrationen „gegen rechts“ aufrufen und „Wir sind die Guten“ gegen den bösen Pöbel aufmarschieren lässt.

Demokratie als Propaganda

Heute erleben wir eine Erosion demokratischer Grundsätze, die alles Bisherige übertrifft. Zugleich arbeiten die Macht- und Besitzeliten daran, die extrem lebensfeindliche Agenda eines biodigitalen Totalitarismus umzusetzen. Das bedeutet, die den Eliten verpflichteten „Volksvertreter“ benötigen die Marke „Demokratie“ mehr denn je. Die Regierenden propagieren „unsere Demokratie“, um das Volk zu sedieren, und tun so, als ginge die Macht tatsächlich vom Volk aus. Sie bedienen sich der Demokratie wie eines Slogans, da die Verheißungen von Gleichheit, Teilhabe und Gerechtigkeit einer ungestillten Sehnsucht der Menschen entsprechen. Heute zeigt sich die weiche Macht, gemäß Klaus-Jürgen Bruder, als „Propaganda des Neuen“ und als Diskurs der Normalisierung, die in eine „Neue Normalität“ münden (17).

Beide Mittel greifen ineinander: Die Rede vom Neuen überrumpelt und überwältigt, wie in Naomi Kleins’ Schock-Strategie beschrieben (18), und die Normalisierung lässt das Neue, das eigentlich Unerhörte, zur Gewohnheit werden, die nicht mehr hinterfragt werden darf, wie etwa die Aussetzung von Grund- und Freiheitsrechten während „Corona“ oder den aktuellen Rüstungswahn.

Die altbekannte Meinungsmache und die Verhaltenssteuerung haben heute viele Gesichter. Ihnen gemein ist: Es handelt sich um „Herrschaft, die das Subjekt nicht spürt“, um Machtverfahren mittels Ausschaltung des Bewusstseins, sodass Reflexion, Kritik und Widerstand ausbleiben. Mit dem Mittel der Verstärkung oder Belohnung als Erfolg des eigenen Tuns wirkt eine Konditionierung besonders gut, daher wird vermehrt gewünschtes Verhalten belohnt anstatt unerwünschtes bestraft (19). Gemäß Bruder reichen bloße Anweisungen nicht aus, um das Bewusstsein der Menschen auszuschalten — es braucht passende „Narrative“, um das eigentlich Unerhörte zu normalisieren. Ist die Überprüfung eines Narrativs durch Zensur von Informationen nicht möglich, entsteht durch immer weitere Narrative ein umfassendes Propagandakonstrukt, das kaum noch jemand in Frage stellt (20).

Eine weitere Propagandaschiene, mit der die Elite ihre Herrschaft in „Demokratien“ absichert, kann unter dem Begriff „Komplizenschaft“ zusammengefasst werden. Der Glaube an die guten Eltern nährt den Gehorsam und die Unterordnung. Der Glaube an gute Eliten führt zu folgsamen Untertanen, die Leithammeln und Experten blind vertrauen. „Die Mitwirkung an eigener Unterwerfung und die daraus entstehende (Selbst-)Verachtung auf andere Böse zu lenken, ist das Macht- und Kontrollmittel par excellence von Herrschenden“ (21), so Jürgen Mietz. Komplizenschaft als Mittel der Propaganda war bereits im und für den Neoliberalismus zentral, der sich einer ausgefeilten Herrschaftsrhetorik bediente, ausgedrückt in Begriffen wie „Reformstau“ oder der Aufforderung: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“ (22)„Unsere Demokratie“ wirbt mit „Wir sind die Guten“ und „Wir gegen rechts“ und allzu viele machen bereitwillig mit — Paradebeispiele für das Propagandamittel der Komplizenschaft. Propaganda ist nicht, wie in den USA und Europa nach den beiden Weltkriegen gelehrt, ein Spezifikum von diktatorischen Regimen, sondern geradezu ein typisches Kennzeichen von Demokratien westlicher Prägung.

In der kapitalistischen Demokratie, so Mausfeld, hänge sich die tatsächliche Ablehnung der Demokratie das Mäntelchen der Demokratie um. In Wahrheit regieren Eliten, die ihre Herrschaft mittels ideologischer Macht absichern. (23) Das bedeutet, die Elite propagiert bestimmte Sichtweisen, die der Rechtfertigung und Verschleierung ihrer Macht dienen. Der Begriff ideologische Macht erinnert an den Begriff der Kognitiven Kriegsführung, in der das Bewusstsein zu Ziel und Waffe im Kampf um geistige Überlegenheit erklärt wird. (24) Dieser unterstreicht die Bedeutung des neuerdings von der NATO als Human Domain definierten Krieges um die Köpfe und Herzen der Menschen und zielt auf die Kontrolle der Narrative ab, insbesondere zur Vorbereitung, Durchsetzung und Aufrechterhaltung eines Krieges. Regimewechsel und Kriege der USA und NATO werden regelmäßig mit den angeblich westlichen Werten Demokratie und Freiheit legitimiert. Sowohl im Inneren als auch im Äußeren ist die Demokratie transformiert und von ihrer ursprünglichen Bedeutung in ihr Gegenteil verkehrt. Anstatt einer Einhegung der Macht der Eliten, der Konzerne sowie des militärisch-industriellen Komplexes wurde sie im Neoliberalismus entgrenzt. Wie von Daron Acemoglu und James A. Robinson dargelegt, war der Aufstieg der repräsentativen Demokratie im 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Industriekapitalismus verknüpft. Die Abhängigkeit des Kapitals von einer Masse an Lohnarbeitern und Konsumenten führte dazu, dass ihnen im Rahmen des westlichen Demokratiemodells politische Repräsentanz zugestanden wurde, diese jedoch bloß dem Schein nach. (25) Mit dem Übergang vom Marktkapitalismus zum Überwachungskapitalismus, so Shoshana Zuboff, ist das Kapital gegenwärtig immer weniger auf menschliche Arbeit angewiesen. Anstelle der Reziprozität tritt die radikale Indifferenz. Der Überwachungskapitalismus beruht auf der Enteignung menschlicher Erfahrung. „Unser Leben wird ausgewrungen und das Produkt daraus zur Finanzierung unserer Unterjochung verkauft.“ (26)

Kognitive Kriegsführung im Dritten Weltkrieg

Soft Power, Kriegspropaganda, psychologische Kriegsführung und Informationskrieg stehen in einem Sinnzusammenhang mit der von der NATO begründeten Kognitiven Kriegsführung. Die NATO hat dafür einen neuen Kriegsschauplatz definiert: die menschliche Domäne. (27) Die Eigendefinition der „Erfinder“ des Cognitive Warfare fasst mit diesem Begriff alle Möglichkeiten zusammen, mit denen ein Feind oder ein Bürger manipuliert werden kann, „mit dem Ziel, ihn zu schwächen, zu durchdringen, zu beeinflussen oder sogar zu unterwerfen oder zu zerstören“ (28). Gemäß dem Amerikanisten Jonas Tögel bildeten ausbleibende militärische Erfolge im Kampf gegen den Terror um 2020 den Hintergrund für die Entwicklung des Konzepts einer kognitiven Kriegsführung (29). Der Zeitpunkt fällt mit „Covid-19“ zusammen. David A. Hughes versteht die Plandemie als erste weltweit ausgerollte Psy-Op des militärisch-industriellen Komplexes und als Beginn des Dritten Weltkriegs, der mit den neuesten Techniken und Technologien der psychologischen Kriegsführung ausgetragen wird. (30) Die Menschen wurden mit Angstpropaganda, mantraartig wiederholten Narrativen und ihrer Mitwirkung an der eigenen Schädigung, kurz: mit Mitteln der Kognitiven Kriegsführung gefügig gemacht und unterworfen. Jonas Tögel führt aus, wie der „Confirmation Bias“ — Menschen neigen dazu, nur jene Informationen aufzunehmen, die ihre bisherige Weltsicht bestätigen — auf deutsch: Bestätigungsfehler — als Schwachstelle des menschlichen Wahrnehmungsprozesses genutzt wurde, um Menschen davor zu bewahren, Narrative, die sie glauben sollten, in Frage zu stellen. Diese Manipulationstechnik wird von offizieller Seite als eine „Impfung“ vor Desinformation bezeichnet. Dieser Strategie folgend haben PR-Strategen all das als „Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt, was die Menschen nicht in Zweifel ziehen durften. (31) Dass die Mehrheit der massenmedial veröffentlichten Meinung folgt, hat mit den propagierten Deutungsrahmen zu tun, die bestimmte Moralvorstellungen verfestigen und andere verkümmern lassen. Der Linguist George Lakoff hat aufgezeigt, dass unser Denken größtenteils unbewusst passiert, dass es sich auf Frames und Metaphern stützt und es — analog zur Unmöglichkeit, in einem Vexierbild beide Perspektiven gleichzeitig einzunehmen — niemals möglich ist, zwei unterschiedliche Frames gleichzeitig zu aktivieren. Diesen Umstand hat sich die Kognitive Kriegsführung zunutze gemacht. Sie zielt darauf ab, bestimmte Deutungsrahmen in den Köpfen der Menschen zu verfestigen und andere Perspektiven unsichtbar zu machen. Der Perspektivenwechsel oder auch nur das Nachvollziehen der Sichtweise von Andersdenkenden gelingt nicht mehr. Passen Fakten nicht in die verfestigten Frames, prallen sie ab. (32) Warum die Anderen diffamiert und ausgegrenzt werden, hat vielleicht damit zu tun, dass ihre „Sticheleien“ im Unterbewusstsein etwas in Bewegung setzen, das einmal da war, aber vernachlässigt wurde. Die Unterdrückung dieser Regungen im Inneren findet ihren Ausdruck in der Unterdrückung von Andersdenkenden, die es wagen an den eigenen Tabus und Traumata zu rühren.

Jonas Tögel teilt die Kognitive Kriegsführung in vier Bereiche ein: Kriegspropaganda, digitale Manipulation, kulturelle Manipulation sowie Zukunftstechnologien. (33)

Kriegspropaganda beginnt bereits vor Beginn eines Krieges, um die Bevölkerung mit Lügen für den Krieg zu gewinnen, und wird durch den „Informationskrieg“ fortgesetzt. Die Methoden der Kriegspropaganda sind seit 120 Jahren bestens beforscht und ihre Techniken derart perfektioniert, dass sie unbewusst wirken. Die USA sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts und bis heute führend in der Erforschung und Anwendung von Propaganda, psychologischer und Kognitiver Kriegsführung (34). Tögel betont, dass Propagandaexperten wie Edward Bernays (1891-1995) insbesondere demokratische Gesellschaften im Blick hatten und Propaganda — die „öffentlichen Relationen“ — primär auf die Herstellung von Zustimmung in Demokratien ausgerichtet war. (35) Der Begriff Public Relations war selbst ein Propaganda-Schachzug, der dazu diente, die negativ besetzte Propaganda durch einen neuen Begriff zu ersetzen und von ihrer Bedeutung für die westliche Demokratie abzulenken (36).

Zu den digitalen Soft Power-Techniken zählt etwa, wenn Troll-Armeen oder Bots soziale Netzwerke fluten und manipulieren, der Ausgang von Wahlen mittels Mikro-Targeting beeinflusst wird. Dazu zählt das gezielte Ansteuern und Manipulieren einzelner Personen oder Gruppen sowie die automatisierte, auf Algorithmen basierende Manipulation und Zensur unliebsamer Informationen. Diese Propagandamethoden sind nur deshalb wirksam, weil Menschen sich im digitalen Raum aufhalten, informieren und dort Informationen über sich preisgeben. Aus dem dadurch gewonnenen „Schattentext“ wird ein „digitaler Zwilling“ erstellt und ein darauf zugeschnittenes „Nudging“, ein unbewusster psychologischer Schubser, angewandt. (37) Der „zivile“ Einsatz von digitaler Manipulation ist durch Whistleblower oder die Selbstdarstellung von Unternehmen sichtbar geworden, doch auch das Militär nutzt diese Möglichkeiten im großen Stil. Während „Corona“ wurden Informationskrieger nicht nur vom Pentagon, der britischen und anderen Armeen, sondern auch von der UN in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum (WEF) angeheuert. (38)

Kulturelle Manipulation meint, dass sich eine Großmacht oder ein Imperium nicht nur mit militärischer Absicherung, sondern auch durch die Propagierung von Werten sein Einflussgebiet sichert. So eint etwa die Kultivierung westlicher Werte das Imperium der USA und die von ihm abhängigen EU- und NATO-Staaten. Die Propagierung von „Demokratie“ und „Freiheit“ des Kapitalismus dient dazu, sich von anderen Staaten, wie China und Russland, abzugrenzen und ihnen gegenüber eine kulturelle Hegemonie zu behaupten. Kulturelle Manipulation begleitet Kriege, Regime Changes und die Unterwanderung von Ländern, in denen sich USA oder NATO ihren Einfluss sichern wollen. Kulturelle Propaganda vermittelt unbewusst eine Weltsicht, die nicht mehr hinterfragt wird.

Die vierte und letzte Art der von Tögel analysierten Soft Power — Zukunftstechnologien — ist die bedrohlichste, nicht zuletzt, weil sie in Hard Power übergeht beziehungsweise Soft und Hard Power miteinander verbindet. Damit gibt es auch keine klare Trennung mehr zwischen Krieg und Frieden, wie Tögel richtig erkennt. (39) Genau davon — von der technologischen Seite der Kognitiven Kriegsführung und einem gegen uns alle gerichteten, nicht sichtbaren Krieg — handelt der Omniwar, ein von David A. Hughes und der Study Group on Technology & Power 2024 geprägter Begriff. (40) Er meint einen allumfassenden, aber verdeckt geführten Krieg der transnational herrschenden Klasse gegen den Rest der Menschheit. Er bezieht den finanziellen, den wirtschaftlichen, den Informationskrieg ebenso ein wie den physischen oder den kognitiven Krieg. Der von Tögel verwendete Begriff Zukunftstechnologien suggeriert, dass es diese Technologien noch nicht gäbe und sie sich erst in Planung befänden. Viele wurden jedoch bereits getestet und sind schon im Einsatz. (41) Teil des NBIC-Krieges — die von Tom-Oliver Regenauer verwendete Abkürzung für den Nano/Bio/Info/Cogno-Krieg — sind alle Smart-Technologien, digitale Identitäten, digitale und damit überwach- und programmierbare Finanzsysteme, die Tokenisierung von allem und jedem und eine mittels Systemzwang durchgesetzte, KI-gesteuerte Verwaltung anstelle einer von Menschen gestaltete „res publica“. Dazu gehört auch Bio- und Geoengineering bis hin zur Züchtung von Menschen außerhalb des Mutterleibes, die Entwicklung von Mensch-Maschinen und vieles mehr.

Viele Indizien sprechen dafür, dass die Covid-Impfungen ein Dual Use-Projekt mit militärischer und ziviler Stoßrichtung sind, ein Produkt der Biowaffenforschung und zugleich ein global ausgerollter Medizinversuch am Menschen (42). Dahinter steht eine technokratische und transhumanistische Agenda.

Bezweckt die Technokratie als Science of Social Engineering die Steuerbarkeit von Gesellschaft, so zielt der Transhumanismus als Bioengineering auf die Steuerbarkeit des Menschen. (43)

Thinktanks, die UNO und Unternehmen im Umfeld von Militär und Geheimdienst treiben diese Agenden unter schön gefärbten Decknamen wie Vierte Industrielle Revolution, Agenda 2030 oder Starlink voran. Zum Omniwar gehört auch die Verknappung von Energie für den Menschen, Energiekrise, massive Stromausfälle, eine labile Energieversorgung, die dem viel höheren Energiebedarf der Rechenzentren für KI und Ausweitung der Digitalisierung gegenübersteht. Der mit Landgrabbing, bürokratischer Drangsalierung und Hybridsaatgut- und Herbizid-Abhängigkeiten geführte Krieg gegen die Bauern und Nahrung aus der Natur gefährdet unsere Ernährungssouveränität und treibt uns in die Abhängigkeit jener, die in synthetisches Fleisch, Insektenprotein und Pharma Food investieren. (44)

Dieser mittels Hightech geführte, letzte Teil des kognitiven Krieges muss in seiner Bedeutung und in all seinen Dimensionen erkannt werden, wenn wir uns nicht von diesen „Zukunftstechnologien“ als Mensch-Maschinen versklaven lassen wollen. Die Propaganda-Demokratie sediert und verschleiert, worum es geht. Wir haben es mit einem Krieg von Oben gegen Unten zu tun, werden aber durch Links-Rechts-Debatten abgelenkt und sehen nicht mehr das Wesentliche.

„Denn wir sind heute mit einem Problem konfrontiert, das in seiner Art gänzlich neu ist […]. Wir müssen in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne Bedrohungen bewältigen, die in ihrem Ausmaß und ihrer Reichweite dergestalt sind, dass nach einer Zerstörung der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen, ein kollektives Lernen aus dem Erlittenen wohl kaum mehr möglich sein wird.“ (45)

Rainer Mausfelds Schlussfolgerung, die er aus der so weit fortgeschrittenen Entzivilisierung von Macht zieht, gilt ebenso für den drohenden Übergang in eine transhumanistische, totalitäre Technokratie: Wir müssen dieser Bedrohung entgegentreten, bevor sie umgesetzt ist.