Die unkreative Intelligenz

Wir sollten um der Menschlichkeit willen die natürliche Intelligenz kultivieren, ehe sie von der künstlichen verdrängt wird.

Die künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit in aller Munde. In Vergessenheit gerät dabei unsere natürliche Intelligenz und ihre Gaben, zu denen ihr künstliches Pendant niemals fähig sein wird. Dazu zählen die Kreativität und die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzufühlen. Die KI ist Ausdruck einer Wissensgesellschaft, in welcher die entwurzelten Menschen nur nachprüfbares Wissen erlangen, jedoch keine Bildung, die dem Leben und der Charakterbildung dienlich ist. Zeit, dass wir Menschen uns ein Herz fassen und uns wieder auf unsere naturgegebene Intelligenz verlassen, anstatt sie an Algorithmen auszulagern.

Ihre natürliche Intelligenz befähigt Menschen, füreinander zu empfinden und miteinander zu handeln: Ohne Gemeinschaft verbrennt die Welt.

Die Erde bebt. Die Erde lebt. Sie ist stärker als eine Welt, die nicht zusammenhält. Erdbeben sind nicht das einzige Risiko, das die Sicherheit und das Wohlbefinden von Menschen bedrohen kann. Superreiche machen mit Korruption die Finanzmärkte kaputt. Großmächtige zerstören mit Konkurrenz und Wettbewerb unsere Lebensgrundlagen. So nimmt einerseits die Zahl der Menschen immer noch mehr zu, die leiden. Und anderseits die Menge der rücksichtslos Gewinn- und Herrschsüchtigen, die immer noch mehr wollen: Beziehungs- und herzlose Menschen sind weder gemeinschafts- noch zukunftsfähig.

Wenn Menschen gelernt haben, sich anlügen zu lassen, ohne es zu merken, sind sie auch ohne Gewalt beherrschbar. Zum Krieg hat Rosa Luxemburg bereits 1915 gesagt:

„Wir sind der Auffassung, dass Kriege nur dann und nur so lange geführt werden können, als die arbeitende Masse sie entweder begeistert mitmacht, weil sie Kriege für eine gerechte und notwendige Sache hält, oder sie wenigstens duldend erträgt. Wenn hingegen ... die Mehrheit des Volkes zu der Überzeugung gelangt, dass Kriege eine barbarische, tief unsittliche, reaktionäre und volksfeindliche Erscheinung sind, dann sind Kriege unmöglich geworden. Und mag auch zunächst der Soldat noch den Befehlen der Obrigkeit Gehorsam leisten!“

Die Welt verbrennt, wo die Kräfte des Friedens und der Würde fehlen.

Die Welt brennt. Die Welt stirbt. Kriege sind das Feuer von schwer kranken Herrschsüchtigen und ihren global vernetzt tätigen Clans. Sie verbrennen die Welt, wo die Kräfte des Friedens und der Würde fehlen.

Im Krieg zeigt sich die Herrsch-, Gewinn- und Zerstörungssucht brutal und tödlich für alle Menschen, in welchem Land sie auch immer davon direkt betroffen sind. So wie sich dazu in der freien Schweiz viele Menschen kriegerisch positionieren, ist es auch hier nicht einfach, unbeschwert auf einem friedvollen Kurs zu bleiben.

Dass die Mehrheit von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft großmächtige Herrschsucht nicht als Krankheit diagnostizieren, scheint mir ein Mangel, unter dem unsere Welt schwer zu leiden hat.

An sich vollkommen absurd, aber in dem mehrheitlich offensichtlich gängigen System total logisch, schien und scheint mir beispielsweise auch der Umgang mit Corona einer Welt zu entsprechen, die unter dem Zwang des Geldes zu immer noch mehr und zu einem für unsere Welt letztlich tödlichen Wachstum verdammt wäre: Es ist ein Naturgesetz, dass diese Entwicklung baldmöglichst zu einem Halt kommen muss!

Erst wenn wir mit dem Falschen aufhören, wird der Weg frei für grundlegend Neues.

Davon scheinen aber viele Medien sowie Politikerinnen und Politiker von Grün über Links und die Mitte bis Rechts ebenso wie die Wissenschaft offensichtlich mehrheitlich nichts wissen zu wollen. Zu ihrem Bild gehört auch die Vorstellung eines von der Natur getrennten Menschen, bei dem beispielsweise auch ein Virus mit einer enormen Aufrüstung wie in einem Krieg zu bekämpfen ist: medizinisch, ökonomisch, politisch, psychologisch und technologisch.

Nach wie vor finde ich es außerordentlich schwierig, dass Gesellschaft, Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mehrheitlich ganz und gar nicht wissen wollen, was sie eigentlich wissen sollten, um in der Situation des Wandels, in dem wir uns alle befinden, mit Blick nach vorn gemeinsam das Richtige zu tun. Somit drehen sich leider viele mit enormem Aufwand und einer Menge Frust immer noch schneller wie auf einem Karussell perspektivenlos im Stillstand im Kreis.

Ich freue mich über jeden und jede, der oder die diesen Leerlauf durchschaut und nicht mehr mitmacht: auch nicht passiv!

Damit immer mehr Menschen wahrhaftig und wirklich eine Veränderung bewirken können, brauchen wir den Mut, mit falschen Dingen aufzuhören. Erst dann wird Raum frei für grundlegend und für alle wertvolles Neues, das es sowohl individuell als auch lokal, national und global unabdingbar braucht.

Raus aus den Ängsten und dem Chaos der Zuvielisation

Raus aus den Ängsten und dem Chaos einer Zivilisation, die sich mehr und mehr als Zuvielisation manifestiert. Und rein in die Wildnis der Natur: außer und in mir. Aufrecht und aufrichtig in der Welt sein. Aus meinem Kopf raus lassen, in und wozu Erziehung und Schule mich ab-, unter- und zurichten wollten. Wo ich als Schüler unter anderem lernen sollte, angelogen zu werden, ohne es zu merken. Und wo ich als Lehrer und als Wissenschaftler lernen sollte, dasselbe mit anderen zu tun. All das und noch viel mehr ist Teil eines gigantisch grandiosen Irr- und Wahnsinns, mit dem die Menschheit dabei ist, sich selbst und ihre Lebensgrundlagen insbesondere auch noch technologisch hochintelligent kaputt zu machen.

Meiner Vision „Von Unterrichtsschulen zur Bildung im Netzwerk“ entsprechen Lebens- und Lernorte, die sich speziell auch für Gemeinschaftsbildung eignen: „Niemand kann seine Potenziale alleine entfalten. Jeder Mensch braucht dazu immer die Beziehung zu andern.“ (Gerald Hüther, Neurobiologe). Es geht dabei grundlegend um Verhältnisse, in denen Menschen — im Grunde gut — nach Art der und ihrer Natur gedeihen und sich wohlfühlen können.

Natürliche Intelligenz befähigt Menschen, füreinander zu empfinden und miteinander zu handeln.

Mit ihrer Hilfe nehmen wir Chancen und Unberechenbarkeiten wahr und imaginieren damit diverse und divers mögliche Szenarien. Natürliche Intelligenz ermöglicht das mehr- und vielschichtige Fühlen, Denken und Handeln. Sie vermittelt zwischen den Polen der Begeisterung für das Leben und der Furcht vor Zerstörung. Natürliche Intelligenz beinhaltet die Kompetenz, erfahrungsbasiert und zukunftsorientiert gemeinsam kreativ neue Wege zu finden, die der Menschheit eine gute Entwicklung eröffnen: immer wieder — und immer wieder auch von Neuem.

„Eine lebendig lebenswerte Zukunft besteht ja nicht nur darin, dass man einfach immer neue Eindrücke bekommt, die später sind als die alten. Man muss etwas mit ihnen machen. Das heißt, dass man sie zu dem, was man erlebt hat, in Beziehung setzt. In Beziehung des Vergleichens und Verstehens. Und das ist lernen. Ausübung von Intelligenz.“, schrieb Peter Bieri, 2013 in „Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde“.

Künstliche Intelligenz scheint perfekt dem Know-how zu entsprechen, das in Schulen gelehrt und gelernt wird.

Künstliche Intelligenz verstehe ich als boden-, herz-, gefühls-, kopf- und würdelos. Sie entspricht dem, was der Intelligenztest misst, und beinhaltet perfekt beispielsweise das Know-how, das in traditionellen Schulen mit Rennbahnpädagogik gelernt wird. Um zu gewinnen und nicht für die Bildung. Mit Wissen, das reproduzier- und überprüfbar ist. Solcherart Schulen dürften deshalb dank künstlicher Intelligenz länger- oder schon mittelfristig überflüssig werden. Dazu folgende drei Texte:

Künstliche Intelligenz kann zur Technokratie werden, wenn sie mich beherrschen möchte. Das macht sie, indem sie zu bestimmen versucht, was ich wie zu tun habe. Oder andererseits auch, indem sie de facto nicht hält, was sie verspricht. Letzteres erlebe ich immer wieder nach dem Motto „perfekt ist defekt“: nämlich als eine Technik, die immer aufwendiger, komplizierter und teurer wird, aber zugleich immer weniger anwendungsfreundlich und/oder zuverlässig funktioniert.

Kreativität ist weder lern- noch programmierbar

Kreativität erachte ich weder als lern- noch als programmierbar. Wie ich mit diesem Beitrag aufzuzeigen versucht habe, lassen sich aber für ihre Entfaltung und Nutzung mehr oder weniger günstige Bedingungen des Gelingens gestalten.

Ein Mensch will sowohl sich selbst als auch Wahrheiten der Welt erkennen: was er alleine nicht gut schaffen kann. Es braucht dafür Beziehungen zu anderen. Das Internet oder Künstliche Intelligenz können dabei im Sinne eines Hilfsmittels alle unterstützen: es aber nicht für sie tun.

Alle sind mehr oder weniger unterschiedlich unterwegs. Mitunter auch uninteressiert gleichgültige, oder auch destruktiv intelligente Menschen — und sollten es davon immer noch mehr werden, schiene mir nicht Künstliche Intelligenz der ursächliche Grund dafür.

Souverän und würdevoll sich selbst und die Wahrheiten der Welt erkennen sowie entsprechend verantwortungsvoll und gemeinsam mit anderen handeln, ist und bleibt für alle Menschen auf dieser Welt abenteuerlich und anspruchsvoll: eine sozusagen ewige Reise. Und auch wenn es ganz und abschließend wohl kaum je gelingen wird, kann sich auf diesem Weg für jede und jeden jeder Schritt lohnen.



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