Die Ursache des Feuers

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ein Zusammenhang zwischen Waldbränden und dem Klimawandel nicht bewiesen werden. Ein Blick auf andere ökologische Parameter und Fehlentscheidungen lohnt sich.

Europa wird derzeit von Waldbränden erschüttert. Besonders betroffen sind Spanien und Frankreich, aber auch in Italien, Großbritannien und Deutschland wütete das Feuer. Zweifelsfrei festzustellen ist auch, dass es sich beim diesjährigen Sommer nicht gerade um einen der kühleren Sorte handelt. Der Elefant im Raum jedoch ist die Frage nach dem Warum. Für viele ist sie bereits beantwortet mit dem Terminus: Klimawandel. Ob dieser aber tatsächlich verantwortlich ist für die Waldbrände, ist fraglich. Die niederländische Journalistin Mayke Wijnen trug für die Wochenzeitung „De andere Krant“ verschiedene Expertenstimmen und Hintergründe zusammen.

von Mayke Wijnen

Die eindringlichen Bilder von schwelenden spanischen und französischen Waldgebieten, verängstigten Urlaubern und evakuierten Anwohnern werden von Klimaschützern eifrig herangezogen. Begleitet von dem NOS-Artikel (2) „Frankreich bittet die EU um Hilfe, Spanien ruft den Notstand aus“ bezeichnet der D66-Fraktionsvorsitzende (3) Jan Paternotte Europa auf X als „den sich am schnellsten erwärmenden Kontinent der Welt“ und sagt, dass „diese Jetten-Regierung das Ruder herumreißt. Dieser grüne Kurs ist dringend notwendig. Eine saubere, sichere und wohlhabende Niederlande gehen Hand in Hand.“ Der ehemalige NOS-Wettermoderator Gerrit Hiemstra sagte gegenüber EenVandaag, dass dies „wie ein Versuch sei, mit offenem Wasserhahn zu wischen“ und dass „völlig klar ist, was wir dagegen tun können. Wir müssen mit fossilen Brennstoffen aufhören. Daran gibt es nichts Unklares“.

Aber sind die Waldbrände wirklich auf eine mögliche globale Erwärmung zurückzuführen? Selbst die UN-Organisation IPCC (1) stellt diesen Zusammenhang nicht her, so das Fazit von Roger Pielke jr. in seinem Substack „The Honest Broker“ im Jahr 2023. Nach einer Reihe von Waldbränden in Kanada in jenem Sommer beleuchtete der Klimawissenschaftler das Kapitel 12 des umfangreichen sechsten Berichts (AR6) des IPCC aus dem Jahr 2021. Daraus geht hervor, dass die Klimagemeinschaft noch keine ausreichenden Beweise für die Behauptung sieht, dass CO2-Emissionen zu mehr „Fire Weather“ — also zu den idealen Wetterbedingungen für Waldbrände wie hohe Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit, trockener Boden und Wind — führen. Mehr noch: Das IPCC geht davon aus, dass es diese Wetterbedingungen bis zum Ende dieses Jahrhunderts, also bis 2100, nicht mit dem Klimawandel in Verbindung bringen kann. Eine bemerkenswerte Schlussfolgerung, die laut Pielke „im krassen Widerspruch zu fast der gesamten Medienberichterstattung steht“.

Marcel Crok von der Stiftung Climate Intelligence (Clintel) bezeichnet die jüngsten Medienberichte und die Reaktionen von Paternotte und Hiemstra daher als „reinen Populismus“. „Hiemstra ignoriert mit seiner Äußerung faktisch den jüngsten IPCC-Bericht, und man könnte ihn daher als Klimaleugner bezeichnen.“

Laut Crok wird „die Katastrophe für eine politische Agenda instrumentalisiert: Wir müssen auf null CO2 kommen. Das ist reine Irreführung. Es mag andere Gründe für eine CO₂-Reduzierung geben, aber die Bekämpfung von Waldbränden gehört nicht dazu.

Waldbrände werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst: dem Wetter, brennbarer Vegetation aufgrund von Nachlässigkeit bei der Waldbewirtschaftung, der Landschaftspflege, der Instandhaltung von Hochspannungsleitungen, Brandstiftung, Brandbekämpfung und so weiter.

Hitze und Trockenheit gibt es überall und zu jeder Zeit, daher besteht immer die Gefahr von Waldbränden. Selbst bei null CO₂-Emissionen werden wir solche Brände nicht verhindern können. Zudem werden 96 Prozent der Waldbrände — bewusst oder unbewusst — gelegt.“

Laut „Our World in Data“, das sich auf das Global Wildfire Information System (GWIS) stützt, ist die Zahl der Waldbrände und der verbrannten Flächen weltweit seit Ende des letzten Jahrhunderts deutlich zurückgegangen und seit 2010 relativ stabil. Diese Zahlen vermitteln jedoch ein verzerrtes Bild, behaupten sowohl Klimaschützer als auch Klimakritiker. So argumentieren Alarmisten unter anderem, dass die heutigen, fortschrittlichen Löschmöglichkeiten und Detektionsgeräte einen Anstieg verhindern und die durch CO₂-Emissionen verursachte zunehmende Trockenheit verschleiern. Kritiker verweisen wiederum auf fragwürdige Politik und Nachlässigkeit bei der Waldbewirtschaftung, wodurch die Auswirkungen von Waldbränden zudem noch viel extremer geworden sind.

Crok: „Wenn zu viele Häuser in oder in der Nähe von Wäldern gebaut werden, müssen die Menschen evakuiert werden. Wenn altes Unterholz nicht aus den Wäldern entfernt wird, sammelt sich Brennstoff an. Wenn durch falsche Waldbewirtschaftung brennbare Bäume ohne Durchforstung dicht beieinander stehen, wird das gefährlich.“

Er verweist auf die Brände in Kalifornien im Jahr 2018, bei denen 86 Menschen ums Leben kamen. „Die Frage lautet nicht: Liegt das am Klima?, sondern: Sollen wir Menschen in solchen brandgefährdeten Gebieten wohnen lassen? All diese Entscheidungen, die oft schon vor langer Zeit getroffen wurden, bestimmen letztendlich das Ausmaß der Folgen.“

Auch der Forstwissenschaftler Leffert Oldenkamp sieht keinen Zusammenhang zwischen den Waldbränden und dem Klimawandel: „Das Klima hat noch nie ein Feuer entfacht. Es mag zwar trocken sein, aber ist dieses trockene Material die Folge des Wetters oder einer mangelhaften Waldbewirtschaftung?“, fragt der ehemalige Forstverwalter rhetorisch. „Natürlich nicht das Klima. Unsere Wälder werden nicht selektiv genug bewirtschaftet. Das bedeutet, dass man den Wald regelmäßig ausdünnt, wodurch die verbleibenden Bäume eine tiefe, lebendige Krone erhalten und Laubbäume sich entwickeln können.“ Dadurch werde die Brandgefahr stark verringert, sagt Oldenkamp, der von 1973 bis 1979 Förster bei der staatlichen Forstverwaltung Gelderland war. „Vor allem die schnelle Ausbreitung eines Brandes lässt sich dadurch verhindern. Naturgebiete verwildern stark, insbesondere nach Renaturierungsmaßnahmen. Weidewirtschaft könnte dem entgegenwirken, doch das gelingt derzeit nur selten.“

Oldenkamp hatte mit Waldbränden in den Niederlanden (Veluwe), Indonesien, British Columbia, Südfrankreich und Brasilien zu tun. Angesichts der aktuellen Trockenheit sind seiner Meinung nach sogar die Niederlande von Waldbränden bedroht. Er nennt als Beispiel den Loobos in Kootwijk. „Dieser wurde kürzlich in den Medien zu Unrecht als durch Stickstoff, sauren Boden und Brände aufgrund der Klimaerwärmung bedroht beschrieben, doch dort stehen alte Waldkiefern, bei denen die Durchforstung stark im Rückstand ist. Es wurden Brandschneisen angelegt, in denen die Amerikanische Vogelkirsche verwildert ist, und diese ist äußerst brandgefährlich. Also ja: Wir sind in den Niederlanden einem Waldbrandrisiko ausgesetzt, aber nicht durch CO₂.“

Der Verzicht auf selektive Bewirtschaftung sei durch die Förderpolitik bedingt, so Oldenkamp. „Der überwiegende Teil der Wälder wird von Staatsbosbeheer verwaltet — die Waldbewirtschaftung wird also durch Fördermittel bestimmt.

Selektive Bewirtschaftung ist teuer, dafür gibt es nicht genug Geld, weshalb es sich manchmal mehr lohnt, nichts zu tun. Dagegen gibt es reichlich Fördermittel für die Umgestaltung von Wäldern. Dabei wird jedoch der Boden aufgewühlt, wodurch sich Samen entwickeln können. So fördert man geradezu die Verwilderung.“ Anstelle selektiver Durchforstung werde oft nur noch mit großen Maschinen gefällt, sagt er. „Dabei sorgt die selektive Durchforstung in Kombination mit der Holznutzung für die Instandhaltung der Zufahrtswege für den An- und Abtransport von Material und Holz. Diese Erschließung ist für eine eventuelle Brandbekämpfung unerlässlich. Im Ausland ist das nicht anders. Diese für Waldbrände riskante Politik wird in Europa durch Natura 2000 vorangetrieben.“

Diese Natura-2000-Gebiete, ein europäisches Netzwerk geschützter Naturräume, sind laut Oldenkamp „die idealen Brandherde“. „Die linke, ökologische Agenda hat die Politik in den letzten Jahren bestimmt, mit ihrer Idee: ‚Nichts tun, die Natur rettet sich schon selbst.‘ Nun, das haben wir gesehen: Das tut sie nicht. Und jetzt werden die Landwirte für die Verwilderung infolge des erhöhten Stickstoffgehalts verantwortlich gemacht. Aber es liegt an den eigenen Maßnahmen. Mir kommen die Tränen bei so viel Unwissenheit und Unwillen.“

Dass unsere Wälder in der Vergangenheit besser bewirtschaftet wurden, liegt laut Oldenkamp auch an einem Bottom-up-Ansatz. „Die Wälder hatten damals noch örtliche Aufseher, Förster und Jagdaufseher. Diese wohnten oft in den Wäldern und hatten daher ein großes Interesse daran, wachsam zu sein. Sie wussten genau, wo die brandgefährdeten Stellen waren und was zu tun war. Wir hatten sogar Feuertürme, von denen aus alles im Blick gehalten und eine Eskalation verhindert wurde.“ Heutzutage wird vor allem „von oben nach unten“ gearbeitet, „mit großen Erkennungs- und Alarmsystemen, Hubschraubern und Feuerwehrfahrzeugen. Die braucht man zwar auch, und sie funktionieren gut bei Großbränden, aber eigentlich ist das schwere Geschütz ein Ausgleich für die fehlende Präsenz vor Ort und dafür, dass man zu spät am Brandort eintrifft.“

96 Prozent werden absichtlich gelegt

Aus Zahlen des European Forest Fire Information System (EFFIS), dem offiziellen System zur Überwachung von Waldbränden in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika, geht hervor, dass 96 Prozent der Waldbrände gelegt werden, davon 25 bis 32 Prozent vorsätzlich. Vermutlich liegt diese letzte Zahl höher, da bei 30 bis 50 Prozent die Ursache offiziell nicht bekannt ist. Nach den jüngsten Waldbränden in Südeuropa kam es zu Hunderten von Festnahmen. „Vorsätzliche Brandstiftung wird von Verrückten oder von Menschen begangen, die ein Interesse daran haben“, so Oldenkamp. „Das Problem ist, dass Pyromanen die Gebiete viel besser kennen als die Feuerwehr.“ Bei 50 bis 70 Prozent soll Fahrlässigkeit eine Rolle spielen, wie beispielsweise Zigarettenkippen, Grillasche oder überfällige Wartungsarbeiten an Hochspannungskabeln oder landwirtschaftlichen Geräten.

„Waldbrände in Spanien zurückgegangen“

Fernando del Pino Calvo Sotelo hat in einem kürzlich erschienenen Artikel auf der klimakritischen Website Clintel.nl den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Waldbränden widerlegt. Der spanische Ökonom und Meinungsmacher beschreibt, dass die Behörden in Spanien in ihren öffentlichen Erklärungen „die Bürger dazu aufriefen, früher Warnungen zu melden“, jedoch mit keinem Wort „die Investitionen erwähnten, die in die Brandbekämpfungskapazitäten hätten getätigt werden müssen: Spanien verfügt beispielsweise nur über sieben alte, einsatzfähige Löschflugzeuge, verglichen mit den achtzehn, die Italien zur Verfügung stehen, obwohl Italien 50 Prozent weniger Waldfläche hat als Spanien.“

Der Spanier legt detailliert dar, warum die Umgebungstemperatur niemals für einen Waldbrand verantwortlich sein kann. Seiner Meinung nach ist „die Tatsache, dass die Region mit den meisten verbrannten Hektar im Verhältnis zur Waldfläche seit jeher der kühle und feuchte Nordwesten Galiciens ist, ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die Umgebungstemperatur kein wesentlicher Faktor ist. In Kanada — wo in diesem Jahr 3 Millionen Hektar verbrannt sind — wüten derzeit große Waldbrände in Teilen von British Columbia, wo die Höchsttemperatur bei etwa 20 Grad liegt und die Tiefsttemperatur nur 7 Grad beträgt. Und im südlichen Afrika fällt der Höhepunkt der Waldbrandsaison mit dem Winter auf der südlichen Hemisphäre zusammen, wenn die Mindesttemperaturen um die 8 Grad schwanken, da dann Trockenzeit ist.

Mit anderen Worten: Wälder brennen nicht, weil es warm ist, sondern weil das Unterholz trocken ist: In vielen Regionen der Welt — wie beispielsweise in Europa — fallen die warme Jahreszeit und die Trockenzeit zusammen, in anderen Teilen der Welt ist jedoch das Gegenteil der Fall.“

Darüber hinaus beschreibt er, wie Waldbrände weltweit zurückgegangen sind und wie der Anstieg „des wunderbaren CO₂“ (ein Wachstumsstoff für Pflanzen und Bäume — Anm. d. Red.) dazu geführt hat, dass die Entwaldung kein globales Problem mehr darstellt, da die Waldfläche zugenommen hat. Seiner Meinung nach ist die Verknüpfung eines Waldbrands mit der globalen Erwärmung „eine Beleidigung der Intelligenz“.


Mayke Wijnen ist Niederländerin, Schriftstellerin und schreibt als Journalistin sowohl für niederländische als auch für belgische Magazine.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Een inferno aan bangmaking” in der niederländischen Wochenzeitung De Andere Krant, Ausgabe 32 vom 8. August 2026. Er wurde von Annette van Gessel ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratteam lektortiert. Den vollständigen Artikel finden Sie unter: clintel.nl/bosbranden-spanje-afgenomen