Die verschwundenen Corona-Intensivpatienten

Das Hauptargument, mit dem wir uns unsere Grundrechte nehmen ließen, spielt im öffentlichen Diskurs keine Rolle mehr — verhindern wir, dass es in Vergessenheit gerät.

Wo sind sie nur hin — die vielen COVID-19-Intensivpatienten, deren angeblich besorgniserregende Zahl im Jahre 2020 nach Aussage von Politik und Medien die Kapazitäten der Krankenhäuser zu sprengen drohte? Über sie wird in den Leitmedien kaum noch ein Wort verloren. Dabei waren es doch genau diese Belegungszahlen, die den zentralen Stützpfeiler des Narratives darstellten, mit dem unsere Grundrechte und unsere Freiheit geraubt wurden. Grund genug, nun einen Blick auf ebendiese Intensivbetten zu werfen.

Wissen Sie noch den Hauptgrund, auf dessen Basis, man Ihnen seit März 2020, Ausgangssperren, Ladenschließungen, Grundrechtseinschränkungen und völlig sinnlose „Hygieneregeln“ auferlegt hat? Man gab vor, eine Triage, eine Überlastung des Gesundheitssystems durch Covid-19 verhindern zu müssen (Quellen siehe Rückseite, 1). Erinnern Sie sich noch, wie Sie mit Nachrichten bombardiert wurden, dass Engpässe durch Covid-19 drohen (2)?

Der Beirat des Bundesministeriums für Gesundheit ließ kürzlich, am 30. April 2021 vermelden:

„Im Jahresdurchschnitt (2020) waren vier Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegt“ (3).

In diesen vier Prozent sind sämtliche Patienten einbezogen, welche per PCR positiv auf SARS-CoV-2 zugeschriebene Gene getestet wurden; auch solche die keine Symptome von Covid-19 aufwiesen. Gerade einmal vier Prozent, von diesen wiederum ein nicht bekannter Anteil, der bereits aus anderen gesundheitlichen Gründen in Intensivbetten lag.

Und was war vor der „Corona-Krise“?

„2004 wurde unter der Bundesregierung das neue Abrechnungssystem mit Fallpauschalen eingeführt. Gespart wurde seitdem vor allem bei der Pflege: Die Zahl der Kinderkrankenschwestern und -pfleger sank von etwa 40.200 auf rund 37.500 im Jahr 2017 — während die Zahl der Fälle im selben Zeitraum anstieg“ (4).

Wie groß war doch gleich noch die mediale und politische Betroffenheit über Probleme im sich zunehmend kaputt sparenden deutschen Kliniksystem? Wie laut schrie da der „Experte“ Karl Lauterbach?

„Vier von fünf Krankenhäusern haben Probleme, offene Pflegestellen zu besetzen – schreibt der ‚Tagesspiegel‘ unter Berufung auf das Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts. Bundesweit seien demnach rund 17.000 Pflegestellen unbesetzt. (...) Die Folgen des Fachkräftemangels: In jedem dritten Haus hätten zeitweise Intensivbetten gesperrt und Fachbereiche von der Notfallversorgung abgemeldet werden müssen“ (5).

Karl Lauterbach — langjähriges Mitglied des Aufsichtsrates im Rhön-Klinikum, einer privaten Krankenhausgesellschaft (6) und Antreiber der Ökonomisierung im Klinik- und angeschlossenen Forschungsbereich (7) — sagte dazu gar nichts. Aber mit Corona entdeckte der Mann sein Herz für die Intensivpatienten und sein wesentlicher Vorschlag lautet seitdem: nichtpharmazeutische Intervention, also „Lockdowns“, Grundrechteeinschränkungen, medizinisch sinnloser Maskenzwang und „Hygieneregeln“; Reglementierung und Gängelung um jeden Preis.

Diesem Mann vertrauen Sie? Er kommt Ihnen heute mit den gleichen hysterischen, Angst machenden Argumenten wie in den vergangenen Monaten (8, 9). Aber die nüchternen Zahlen sprechen eine andere Sprache, auch heute. Eben wegen solcher, eng mit der Wirtschaft verbundener „Experten“ wie Karl Lauterbach, muss heutzutage eine Klinik im Intensivbettenbereich mit Auslastungen von deutlich über 70 Prozent arbeiten, um „wettbewerbsfähig“ bleiben zu können. Am besten, Sie informieren sich selbst unter Nutzung der offiziellen, amtlichen Quellen (10).

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Bleiben Sie bitte achtsam und kommen Sie ins Handeln, liebe Leser.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Beitrag erschien zuerst unter dem Titel „Die verschwundenen Corona-Intensivpatienten“ bei Peds Ansichten.


Quellen und Anmerkungen:

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(1) bpb am 11. Mai 2020; Susanne Busch; Corona-Krise: Welche Folgen hat die Pandemie für unser Gesundheitssystem?; https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/coronavirus/309530/gesundheitsversorgung
(2) ARD-Tagesschau vom 8. Oktober 2020; Ärzte warnen vor Engpass in Kliniken; https://www.tagesschau.de/inland/engpass-kliniken-corona-101.html
(3) Bundesministerium für Gesundheit; Beirat diskutiert und verabschiedet Analyse von Prof. Augurzky und Prof. Busse zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichspauschale in der Corona-Krise; https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2021/2-quartal/corona-gutachten-beirat-bmg.html;
abgerufen am 6. Mai 2021
(4) ARD-Tagesschau vom 14. November 2019; Notfallpatient Kinderklinik;
Ursel Sieber, Lisa Wandt, Marcus Weller, rbb; https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/kindermedizin-101.html
(5) ARD-Tagesschau vom 27. Dezember 2019; Personalmangel in Kliniken immer größer;
https://www.tagesschau.de/inland/pflege-krankenhaus-101.html
(6) 22.02.2002; Ärzteblatt; Rhön-Klinikum AG: Strategische Kontakte; https://www.aerzteblatt.de/archiv/30524/Rhoen-Klinikum-AG-Strategische-Kontakte; Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-474 / B-381 / C-359
(7) DLF Kultur am 5. August 2014; Oda Tischewski; Experiment mit ungewissem Ausgang; https://www.deutschlandfunkkultur.de/gesundheitswesen-experiment-mit-ungewissem-ausgang.976.de.html?dram:article_id=293719
(8) 15.04.2021; BZ; Lauterbach auf Twitter: Die weiche Triage hat schon begonnen; https://www.berliner-zeitung.de/news/lauterbach-auf-twitter-die-weiche-triage-hat-schon-begonnen-li.152803
(9) 07.05.2021; RT deutsch; Lauterbach in Erklärungsnot wegen Falschaussage zur Belegung von Intensivstationen; https://de.rt.com/inland/117173-immer-wieder-karl-lauterbachluegt-trendet/
(9) DIVI-Intensivregister; Aktuelle Lage, Zeitreihen; https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen