# Dünne Luft für das Bargeld

Auf EU-Ebene schreiten die Vorbereitungen für den digitalen Euro voran, und auch in der Bundesrepublik wird der Schutz des Bargelds immer weiter ausgehöhlt. 

von 
   * Hansjörg Stützle

Allzeit verfügbar und nahezu überall akzeptiert: Die EU plant, den digitalen Euro besser abzusichern als das Bargeld. Die Schutzregeln für Bargeld gehen der Bundesregierung jedoch immer noch zu weit. Einem Bericht der Berliner Zeitung vom 9. September 2026 zufolge will sie die Akzeptanz von Bargeld im öffentlichen Verkehr und bei anderen staatlichen Stellen durch Ausnahmeregeln aushöhlen. Zwölf Wissenschaftler sprechen über die Folgen einer gesetzlichen Ungleichbehandlung von Bargeld und digitalem Euro und nennen Lösungen.

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Regelmäßig versichert die Bundesregierung, das Bargeld erhalten zu wollen. Hinter verschlossenen Türen läuft der Hase anders: Bestimmte EU-Länder begehren die „Beibehaltung bestehender Zahlungspraktiken“ bei „öffentlichen Dienstleistungen“. Dies geht aus einem internen Verhandlungsdokument des EU-Ministerrats vom 31. August 2026 hervor, aus dem die *Berliner Zeitung* [zitiert](https://www.berliner-zeitung.de/article/der-digitale-euro-kommt-wie-die-eu-dem-bargeld-den-stecker-zieht-10375383). Der Vorstoß komme insbesondere von der deutschen und der niederländischen Regierung. 

>Ob Berlin, Hamburg oder Dortmund: Überall schaffen staatliche Verkehrsbetriebe Bargeld ab. 

Auch acht von 30 Kommunal- und Landratsämtern lehnen inzwischen das einzige staatliche Zahlungsmittel ab, wie die Deutsches Bundesbank ermittelte. Geht es nach der Bundesregierung, sollen Barzahler weiterhin ausgeschlossen bleiben. 

Schon jetzt steht die geplante EU-Bargeld-Verordnung weiter hinter dem Gesetzesvorschlag für den digitalen Euro zurück. Bargeldlose Verkaufsautomaten wären ausdrücklich legal, der digitale Euro müsste an diesen Geräten jedoch angenommen werden. Dem Juristen Professor Franz-Christoph Zeitler zufolge ist ein „großer Teil des modernen Lebens“ betroffen: vom Fahrscheindrucker in Bus und Bahn über Parkuhren, Selbstbedienungskassen, Ausleihterminals in Bibliotheken, Kassenautomaten in Schwimmbädern bis zur öffentlichen Toilette. 

Professor Zeitler, ehemaliger Vizepräsident der Deutschen Bundesbank, sagte der *Berliner Zeitung*, großflächige Ausnahmen würden das Ziel der Verordnung „konterkarieren und könnten dazu führen, dass der Kipppunkt für ein schrittweises Verschwinden des Bargelds bald erreicht wird“. Die Wirtschaftspsychologin Professor Julia Pitters glaubt, dass bargeldlose Parkuhren und Fahrscheindrucker Menschen daran gewöhnen, in Läden mit Karte zu bezahlen. 

>In der Kostenfrage wird die Ungleichbehandlung von Bargeld und digitalem Euro besonders deutlich: Der digitale Euro wäre für Verbraucher rundum kostenlos. Am Geldautomaten jedoch dürften Banken weiterhin Gebühren einbehalten. 

Wenn es dabei bleibe, warnt der Ökonom Professor Dirk Löhr, entscheide „nicht der Bürger über das Zahlungsmittel, sondern die staatlich beeinflusste Kostenstruktur“. 

Der Ökonom Professor Gunther Schnabl, früherer EZB-Berater, bezweifelt, dass dem Staat wirklich am Schutz des Bargelds liegt: „Die EU behandelt den digitalen Euro und den Schutz des Bargelds bewusst als gemeinsames Gesetzgebungspaket, möglicherweise um politische Widerstände gegen den digitalen Euro zu überwinden. Doch das kann sich in Zukunft ändern. Ist der digitale Euro erst einmal etabliert, dann ist die Abschaffung des Bargelds leichter, weil es eine digitale Alternative zum Bargeld gibt.“ 

Der bekannte Bargeldbefürworter Hansjörg Stützle warnt in einer Videobotschaft, die Bevölkerung werde „von großen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen“. „Ein Staat muss Vorbild sein und sein eigenes Geld annehmen. Ansonsten zeigt er damit unmissverständlich, dass er Bargeld nicht mehr haben will.“ Stützles Initiative hat inzwischen annähernd 400.000 Unterschriften gesammelt. Ziel ist die gesetzliche Gleichbehandlung von Bargeld und digitalem Euro und ein wirksamer Schutz der Akzeptanz und Verfügbarkeit von Bargeld. 

Bereits 240.000 Menschen sahen die Videobotschaft auf dem Kanal des Ökonomen Professor Christian Rieck. Eine englische Übersetzung erreicht in diesen Tagen in 27 EU-Ländern Journalisten, nationale Politiker und Verbände. Stützles Botschaft ist eindeutig: „Sollte die Bargeldverordnung nicht massiv nachgebessert werden, lässt die Politik das Verschwinden des Bargelds gewähren.“

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Eine Petition zum Erhalt des Bargeld finden Sie [hier](https://bargeldverbot.info/petition/).


