# Ein schockierender Vor-Ort-Bericht

Mit „Eine angekündigte Katastrophe“ legt Chris Hedges ein Buch vor, dass nicht über, sondern mit den Menschen in Palästina spricht — leichte Kost ist das nicht. 

von 
   * Viktoria Waltz

Chris Hedges ist Journalist und Pulitzerpreisträger. Lange Jahre arbeitete er als Auslandskorrespondent für die New York Times im Nahen Osten, sieben davon im besetzen Palästina. Man könnte auch sagen: Der Mann weiß, wovon er spricht. Wie einige andere Journalisten der alten Schule veröffentlicht er seine heutigen Beiträge allerdings nur noch auf seiner eigenen Website. Für sein neues Buch „Eine angekündigte Katastrophe. Überleben und Widerstand. Reportagen aus dem besetzten Palästina“, das im Februar 2026 im Promedia-Verlag erschien, reiste er zurück an jenen Ort, der immer wieder zu leiden hat unter den militärischen Entwicklungen in der Region. Neben Hintergründen und Analysen liefert das Buch vor allem eines: Perspektiven der Menschen vor Ort, Einblicke in ihre Lebenswelt und das Grauen, dass zu ihrem Alltag gehört. Eine Rezension.

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## Zu diesem Buch

Es ist nicht einfach, über dieses Buch zu schreiben — in einem Land in Europa,

* in dem die Kuffiye verboten ist,
* in dem der Spruch „vom Meer bis zum Fluss“ geahndet wird,
* in dem jedes kritische Wort über einen Staat, der vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag des versuchten Völkermords beschuldigt wird, als antisemitisch und staatsgefährdend eingestuft wird und die Person, die es wagt, Kritik zu üben, gerichtlich verfolgt und verurteilt werden kann. 

Chris Hedges wagt es.

Nach 20 Jahren kommt er in das Land zurück, in dem er lange als Nahost-Korrespondent und Kriegsberichterstatter tätig gewesen war, und ist erschrocken: Die Siedlungen haben sich unübersehbar vermehrt, thronen hoch oben über den Städten und Dörfern, mehrere Checkpoints und Kontrollen durchschneiden den Weg und stoppen die Durchreise vom Jordantal nach Jerusalem. Die Einkreisung und Umzingelung der Dörfer und Städte ist spürbarer und droht Mobilität und Zusammenhalt der Palästinenser in der Westbank zu ersticken; sie macht das Land zu einem Gefängnis. 

Er ist gekommen, um seine Freunde wiederzusehen und von ihnen zu hören, was in der Zwischenzeit mit ihnen geschehen ist. Er weiß, dass mancher während der Bombardierung und Vertreibung seit dem 7. Oktober 2023 in Gaza war — als Journalist, Berichterstatter, Arzt — oder einfach nur, weil man endlich mal wieder die Verwandten besuchen wollte und von den Angriffen der Armee überrascht wurde.

>In jeder seiner 12 Episoden erzählt jemand von Angst, Schutzlossein und Flucht. Sie berichten von ständiger Todesgefahr, vom Dröhnen der Drohnen über den Köpfen, vom Tod von Freunden, Familienmitgliedern und Persönlichkeiten, von Leichen unter den Trümmern und von vermissten Verwandten. 

Sie schildern die unerbittliche Grausamkeit, der mehr als eine Million Menschen ausgesetzt ist, und berichten von Armut, Hunger und traumatischen Erfahrungen. Es sind Kinder darunter, die nicht mehr schlafen können und vor jedem Geräusch erschrecken.

Jede Geschichte, jeder Bericht ist erschütternd und gibt Anlass zu Reflexionen, Rückblicken und Vergleichen; er lenkt den Blick auf Hintergründe, Zusammenhänge und die Geschichte.

So erhält die Leserschaft ein komplexes Bild, das Erklärungen anbietet und Antworten vorschlägt — zum Zionismus, zur Frage der Schuld, zu wiederholter Täterschaft und zu Opfern, die selbst zu Tätern wurden — unter Einbeziehung von Vergleichen zu anderen Konflikten in der Geschichte der Kontinente, auf denen er als Kriegsberichterstatter tätig war. Jede Episode ergibt auf Basis erschütternder authentischer Berichte und Bilder ein vielschichtiges Bild der Katastrophe, die sich vor den Augen der Welt abspielt, Menschenrechte und internationale Konventionen verhöhnt und von der er zeigt, dass sie längst hätte erkannt werden können.

Chris Hedges spricht aus, was ist. Dazu gehört auch in den USA Mut.

>Bericht und Analyse sind getragen von Humanismus, Empathie und Trauer über diesen fast unumkehrbar scheinenden Prozess der entfesselten Unmenschlichkeit, der sich vor unser aller Augen vollzieht. 

Es ist ein atemberaubender, schockierender Bericht. Empörung erfasst einen auch über die unerbittlich feindlichen Reaktionen von privaten Sicherheitsdiensten, Verwaltung und Armee gegenüber gemeinsam protestierenden christlichen, jüdischen und muslimischen Studierenden an den amerikanischen Hochschulen, die oft Stipendium, Wohnung und Studienplatz verlieren.

Hedges gibt uns einen Bericht, der jeden von uns herausfordert, jedem von uns die Frage stellt „hast du genug getan, alles in deiner Kraft Stehende unternommen, um das Unmögliche zu verhindern? Um den Mördern, den „Rache“-Schreienden und Hassenden in den Arm zu fallen? Und den Opfern zur Seite gestanden? Wenn bisher nicht, dann ändere es! Jetzt!“ 

Der Bericht über 188 Seiten mit vielen Literatur- und Quellenangaben endet mit einem „Brief an die Kinder von Gaza.“ Darin liegt auch Hoffnung.

Es ist dem Verlag für den Mut zu danken, dieses Buch in deutscher Übersetzung herauszugeben. Es sollte auf dem Tisch jeder Redaktion, jedes Journalisten und jedes Politikers liegen und gelesen werden. Es ist ein Aufschrei nach Gerechtigkeit, gerechter Berichterstattung, und eine Forderung nach einem Ende der Waffenlieferungen an einen Staat, der sich eines gigantischen Verbrechens schuldig gemacht hat und immer noch tut!

Chris Hedges kennt sich aus, war jahrelang mit dem Nahen und Mittleren Osten vertraut, lebte dort, berichtete von dort, fand Freunde, sah hinter die Kulissen. Ein authentischer Bericht über geschehenes Unrecht, seine Ursachen, seine Begleitumstände und seine Folgen — für die Beteiligten und für jeden von uns, der, dies „nur“ zulässt.

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