# Erloschenes Fußballfieber

Im Manova-Gespräch diskutiert Walter van Rossum mit dem Liedermacher Florian Kirner, dem Autor Roberto J. De Lapuente  und dem Kommunikationsforscher Michael Meyen anlässlich der WM darüber, wie Fußball so öde und politisch zugleich wurde. 

von 
   * Walter van Rossum

Roberto de Lapuente erklärte bereits vor einiger Zeit: „Nie spielte man so schnell, so ausgereift, so technisch versiert  wie in unserer Zeit. Aber auch nie zuvor war Fußball so öde.“ Diesen Befund prägte auch die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Man hatte oft den Eindruck, die Jungs auf dem Platz kicken von der Stange. Andererseits entstand eine gewisse Spannung durch die Außenseiter, die es den großen „gesetzten“ Mannschaften manchmal sehr schwer machten.

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Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft wurde umgehend als Abbild einer deutschen Abstiegsgeschichte interpretiert. Andererseits wird niemand ernsthaft glauben, dass nach einem Sieg der Deutschen die Bundesbahn pünktlicher führe und dass der Zweifel an den deutschen Zuständen gemildert würde. Immer wieder wird dem Fußball die Kraft einer nationalen Heilung zugesprochen. Das Motto der letzten Europameisterschaft lautete „United by Football“. Eine Reporterin formulierte es so: „Braucht unsere Gesellschaft nicht genau das, etwas, das sie eint?“ Kann Fußball das? Soll Fußball das?

Angeblich habe sich Deutschland 1954 wieder in die Arme der  Welt zurückgekickt. Und beim sogenannten Sommermärchen hätte sich ein ganzes Land neu erfunden. Das sind die Fußballmythen, mit denen man dem Fußball zu einer Art gesellschaftlichen Kraft macht. Fußball als Austragungsort der Gesellschaft? Fußball als Arbeit am Sozialen.

Es gab diesmal einige ziemlich direkte Einmischungen der Politik. Keine Einreise für einen somalischen Schiedsrichter. Mannschaften wurden auf dem Rollfeld durchsucht, stundenlange Verhöre. Empörend der Umgang mit der iranischen Equipe. Was für eine Lachnummer — der Friedenspreis für Donald Trump, überreicht von FIFA-Präsidenten Infantino.

Die Rücknahme einer Roten Karte nach einer Intervention des amerikanischen Präsidenten darf man tatsächlich als ein Sinnbild des allgemeinen Regelverfalls verstehen. 

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#### Walter van Rossum im Gespräch mit Florian Kirner, Roberto J. De Lapuente und Michael Meyen
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