Gefährliche Selbstbestimmung

In einem neuen Gespräch für Manova und Transition TV berichtet die Ärztin und zehnfache Mutter Sarah Schmid von ihren Alleingeburten und räumt mit Mythen der modernen Geburtsmedizin auf.

Unter welchen Umständen kommen wir auf diese Welt? Oft in einem Umfeld normalisierter Gewalt. Was auch für Männer als Beschützer ihrer Partnerinnen, Töchter und Schwestern wichtig ist zu wissen: Viele Frauen erleben ihre Geburten heutzutage als erniedrigend, traumatisch und verletzend. Das muss nicht so sein, sagt die Ärztin und Mutter von zehn Kindern, Sarah Schmid. Nach der Hausgeburt ihres ersten Kindes mit Hebamme brachte sie weitere neun Kinder allein zur Welt. Die Autorin des Buchs „Alleingeburten“ sagt: „Die Fähigkeit zu gebären ist uns angeboren und zeigt auf, was möglich ist, wenn man dem Geburtsprozess vertraut und sich bewusst optimale Bedingungen schafft.“

Der Umgang mit Frauen im Gesundheitssystem, vor allem bei der Entbindung im Krankenhaus, ist nicht selten respektlos und übergriffig. Interventionen werden schnell entschieden und einfach ausgeführt, ohne echtes Mitspracherecht der Gebärenden.

Die Ärztin und zehnfache Mutter Sarah Schmid wirft der heutigen Geburtsmedizin vor, sich von „Angst und Aberglauben“ statt von wissenschaftlichen Fakten leiten zu lassen. Medizinische Mythen halten ihrer Meinung nach die hohen Kaiserschnittraten und traumatischen Erlebnisse aufrecht. Sie schreibt:

„Mein Glück war, dass ich durch das Medizinstudium bereits vor meiner ersten eigenen Geburt die Möglichkeit hatte, bei einigen Geburten im Krankenhaus dabei zu sein. Nicht, dass ich dabei die besten Techniken und Griffe gelernt hätte, aber ich konnte beobachten, wie Babys heutzutage auf die Welt gebracht werden.

Dabei erlebte ich auch, wie Frauen zu Einleitungen und Kaiserschnitten gedrängt wurden und wie man ihnen, ohne sie darüber zu informieren, während der Geburt Medikamente verabreichte. Ich begegnete Hebammen vom alten Schlag, die auch nicht davor zurückschreckten, die Frau mit physischer Gewalt zum Liegen zu zwingen (Hauptsache, das CTG schreibt fehlerlos), sie zu beleidigen (‚Reingekommen ist es doch auch!‘) oder gegen ihren im gleichen Moment geäußerten Willen einen Dammschnitt zu verpassen. Es kam nicht selten vor, dass man einer Gebärenden in der Pressphase die Ellenbogen schmerzhaft und mit aller Kraft in den Bauch drückte.“

Im Gespräch mit Elisa Gratias berichtet sie über ihre eigenen Erfahrungen und führt aus, wie Frauen das Vertrauen in ihre natürlichen Fähigkeiten in einem solchen Umfeld zurückgewinnen können.

„Im Namen der Sicherheit und der Verantwortung für unser Kind gewährt man Frauen vielfach kein Recht mehr auf ein schönes, selbstbestimmtes Geburtserlebnis. (…) Je mehr Frauen gut informiert ihre Rechte einfordern, desto eher wird die Geburtshilfe eines Tages den Platz einnehmen, der ihr zusteht: als demütige Dienerin an Frau und Kind, und nicht als besserwissender Vormund“, so Sarah Schmid.


Elisa Gratias im Gespräch mit Sarah Schmid

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