# Getriggert

Das Abweichende legt Schattenseiten offen.

von 
   * Tamàs Török

In einem kurzen Gedankengeflecht zeigt Tamas Török den ewig eilenden Menschen, der seine Schattenseite nicht erträgt. Es ist der getriggerte Mensch, der sich abhandenkommt beim Versuch, das einzuholen, was ihn triggert. Ruhe kann da nicht einkehren. Oder doch?  

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Etwas ist immer. Nie herrscht Ruhe, Stille, Frieden, Harmonie. Nein, es muss immer etwas sein. Krisen, Kriege, Unfälle, kleine Missgeschicke. Die Freundin, die zu spät kommt. Der Kollege, der zu viel spricht. Oder zu wenig, egal, denn etwas ist immer. Selbst am schönsten Sommertag sterben irgendwo Kinder.

Wenn man die Augen schließt, rasen die Gedanken und sobald man sie öffnet, ist man überfordert von der Welt. Andauernd will jeder irgendetwas und natürlich hat auch jeder eine Meinung zu allem, sodass man, wie ein erschöpfter Hund mit heraushängender Zunge, dem Fahrrad der täglichen Ereignisse hinterhereilt. Und man läuft und läuft und läuft und die Beine sind schwer, der Kopf viel zu voll, doch der Weg vor einem ist endlos und die Fahrradkette klickt und klickt.

Gelegentlich huscht etwas vorbei, am Rande des Blickfelds oder eilt über die Straße, huscht mit flatternden Flügeln über einen hinweg, bindet die Aufmerksamkeit und man ist getriggert. Regt sich auf, beginnt zu kläffen.

Was will der Vogel, das Eichhörnchen, dieser andere Hund? Was soll diese Aussage, dieser Kommentar, dieses verhaltene Lächeln? Weiß die Person am anderen Ende des Bildschirms etwa etwas, das man selber nicht weiß? Oder sollte sie unbedingt wissen, was für mich selbstverständlich ist? Und wieso ist es überhaupt so wichtig, die gleiche Meinung zu haben? Kommt es vielleicht von der Unsicherheit, die das Abweichende in mir selbst auslöst?

Die Ungewissheit, die in mir schlummert und vom anderen getriggert wird, die geladene Waffe, deren Abzug ich den anderen betätigen lasse? Denn schlussendlich haben wir doch alle andere Trigger und wenn mein Gegenüber meinen Abzug betätigt, wird er dadurch zum Spiegel für mich und zeigt mir die Schattenseiten und verborgenen Abgründe in mir und keinem anderen, Schattenseiten, die ich ohne ihn nie entdeckt hätte.

Oder ohne „sie“.

Ich will schließlich keinen triggern.

Oder „keine“.

Oder doch?


