Jenseits des Weltuntergangs

Im Rubikon-Exklusivgespräch erläutert Thomas Eisinger, Autor des Klimadiktatur-Romans „Hinter der Zukunft“, dass CO2-Budgets wie in seinem Buch eine reale Gefahr darstellen — dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft.

Wenn die eigene Roman-Fiktion durch die Realität eingeholt wird, mag das durchaus ein Qualitätsmerkmal eines Science- beziehungsweise eines Near-Fiction-Autors sein. Es beweist, dass der Schriftsteller ein gutes, realitätsnahes Gespür für politische und gesellschaftliche Dynamiken hat und bestimmte Entwicklungen antizipieren kann. Wenn die Fiktion jedoch dystopischer Natur ist, hat dies natürlich ein gewisses „Geschmäckle“. Denn schließlich lässt sich die Düsternis dann nicht mehr durch das Zuschlagen des Buches verdrängen, wenn sie sich nach und nach vor dem eigenen Fenster, in der Gegenwart darbietet. Thomas Eisinger bewies eine solche Gabe mit seinem Klimadiktatur-Roman „Hinter der Zukunft“ von 2021. Insbesondere die sich nun entfachende Debatte über ein CO2-Budget offenbart den prophetischen Charakter des Buches, da ein solches Budget im Leben der Romanfiguren ein zentraler Bestandteil ist. Im Gespräch mit Tom-Oliver Regenauer erläutert Eisinger, was ihn schon vor Jahren dazu bewogen hatte, den Roman zu schreiben, wie er auf die sich langsam real manifestierenden Inhalte seines Buch reagiert und warum sein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft ungetrübt bleibt.

Eisinger skizziert in seinem Roman ein Deutschland in den Post-Covid-Jahren. Die Bundesrepublik wurde zu einer Art deindustrialisierter, klimaneutraler High-Tech-DDR. In den Jahren nach den Lockdowns kam es in diesem Deutschland zu einer Art „Great Reset“, und die Gesellschaft wurde darauf folgend in ihren Grundfesten aus den Angeln gehoben. Allen Bürgern wurde — analog zu regelmäßig verpflichtenden Spritz-Auffrischungen — eine unabnehmbare Smartwatch aufgezwungen. Auf Schritt und Tritt kontrolliert diese das klimafreundliche beziehungsweise klimafeindliche Betragen, Sprechen und Denken der Bürger. Sanktioniert wird Fehlverhalten oder auch nur das Aussprechen von „klima-ketzerischen“ Gedanken mit dem Abzug der sogenannten „Coints“.

Die Coints bilden das Elementarteil dieses Systems. Der Begriff „Coints“ ist entstanden aus den beiden Wörtern „CO2“ und „Coins“. Das ist die zentrale Währung, mit der die Bürger — nebst eines digitalen Zentralbanken-Euros — Waren und Dienstleistungen begleichen. Doch diese Währung ist bei weitem nicht allein monetärer Natur, sie bildet zugleich die zugestandene Lebenszeit der Bürger ab. Jeder Bürger erhält in diesem System vermittels der Coints ein Konto an Lebenszeit. Bei einem sparsamen, klimaneutralen, ökologisch folgsamen, jeder Freude entbehrenden Lebensstil liegt die Lebenserwartung bei etwa 60 Jahren. Nach Ablauf der Lebenszeit werden die Menschen in Lager verfrachtet und müssen dort bis an ihr Ende ihr klimaneutrales Dasein fristen.

Dieses System zwingt die Menschen dazu, jedwedes Tun, jeden ausgesprochenen Gedanken und jede Art von Konsum abzuwägen, da eine Bezahlung mit der eigenen Lebenszeit die unmittelbare Folge ist. Der uns bereits bekannte, sich aus unserem Handeln ergebende CO2-Fußabdruck ist in Eisingers Roman der Stiefel auf dem Gesicht, der nach George Orwell den Menschen immer tiefer in die Erde, in sein Grab drückt.


Tom-Oliver Regenauer im Gespräch mit Thomas Eisinger


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