# Kartografische Gerechtigkeit

Die UN empfiehlt die Verwendung neuer Weltkarten, die die Größenverhältnisse zwischen den Ländern wahrheitsgetreuer widergeben.

von 
   * David Parsian

Wir kennen alle solche zweidimensionalen Weltkarten: Kanada, die USA und Russland erscheinen darauf wie riesenhafte Blöcke, die den Rest der Welt überschatten. Afrika und Südamerika wirken demgegenüber wie unbedeutende Wurmfortsätze jener Regionen, um die es eigentlich geht. Sind Weltkarten etwa gemäß der Bedeutung gestaltet, die reiche Länder sich selbst zugestehen? So war es zumindest nicht gemeint. Das Prinzip der Winkeltreue, das etwa die Navigation auf See erleichtert, führte dazu, dass die Landmassen nahe den Polen, wo sich die Erde quasi verengt, verzerrt dargestellt werden. Ein sinnvolleres Prinzip wäre Flächentreue. Große Länder erscheinen dann auf den Karten groß, kleine klein. Speziell wird die wahre Größe Afrikas auf diese Weise sichtbar. Dies hätte auch symbolische und politische Bedeutung. Die Vereinten Nationen empfehlen jetzt allen Ländern die Verwendung dieser neuen, realistischeren Karten.

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Die Verabschiedung der Resolution A/80/L.104 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) am 4. September 2026 markiert einen historischen Wendepunkt an der Schnittstelle von Kartographie, internationalem Recht und globaler Erinnerungskultur. Die UN empfiehlt darin Regierungen, Schulen, Medien und Technologieplattformen, künftig die Equal-Earth-Projektion oder andere flächentreue Weltkarten zu verwenden. Die 2018 entwickelte Equal-Earth-Projektion stellt Länder und Kontinente in ihren tatsächlichen Größenverhältnissen dar. Solche Karten sollen überall dort zum Einsatz kommen, wo es auf die realen Größenverhältnisse der Kontinente ankommt.

Unter dem Titel „Correct the Map: Rebalancing global cartographic representation and promoting equitable representation of the world's regions, particularly Africa“ (Die Karte korrigieren: Die globale kartografische Darstellung neu ausbalancieren und eine gerechte Repräsentation der Weltregionen, insbesondere Afrikas, fördern; Anmerkung der Lektorin: Übersetzung des englischen Titels) verabschiedete das Gremium mit einer überwältigenden Mehrheit von 164 Ja-Stimmen bei nur einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen einen Text, der die Abkehr von der traditionellen Mercator-Projektion empfiehlt (1). 

Die 1569 für die Seefahrt entwickelte Mercator-Projektion verzerrt die Größenverhältnisse drastisch, je näher eine Landmasse an den Polen liegt. Dadurch wirken der globale Norden, beispielsweise Grönland oder Europa, im Vergleich zum globalen Süden überproportional groß. So erscheint Grönland auf klassischen Karten fast so groß wie Afrika, obwohl Afrika in Wirklichkeit rund 14-mal größer ist (9).

Initiiert von der Republik Togo im Namen der afrikanischen Staatengruppe und unterstützt von der Afrikanischen Union, fördert die Resolution die Nutzung flächentreuer Weltkarten, explizit der sogenannten Equal-Earth-Projektion (4).

Karten sind nicht bloß neutrale geometrische Abbildungen, sondern machtvolle visuelle Instrumente, die das kollektive Bewusstsein, geopolitische Prioritäten und historische Narrative formen (6). Dieser tiefgreifende Beschluss der Vereinten Nationen ist nachdrücklich zu loben. Er demonstriert die Fähigkeit internationaler Institutionen, jahrhundertealte, durch den Kolonialismus geprägte Verzerrungen der Weltwahrnehmung zu erkennen und symbolisch zu korrigieren. Die vorliegende Untersuchung analysiert dieses Ereignis in seiner ganzen inhaltlichen Tiefe und beleuchtet die historischen, geographischen und politischen Dimensionen, die Vor- und Nachteile der neuen Kartendarstellung sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die internationalen Beziehungen.

## Historische und geographische Grundlagen der Weltkartographie

Das fundamentale Paradoxon der Kartographie besteht darin, dass die annähernd kugelförmige, dreidimensionale Oberfläche der Erde mathematisch nicht ohne Verzerrungen auf eine zweidimensionale, flache Ebene projiziert werden kann. Jede Kartenprojektion erfordert unweigerlich Kompromisse und muss eine Priorisierung zwischen Flächentreue (Äquivalenz), Winkeltreue (Konformität) und Längentreue (Äquidistanz) vornehmen (10). Flächentreue Karten geben die tatsächlichen Größenverhältnisse von Ländern wieder, winkeltreue Karten — wichtig für die Seefahrt — geben die Himmelsrichtungen getreu wieder und längentreue Karten orientieren sich an maßstabsgetreuen Entfernungen.

Die bisher dominierende Mercator-Projektion wurde im Jahr 1569 von dem flämischen Kartographen Gerardus Mercator (Geert de Kremer) entwickelt und primär für die maritime Navigation konzipiert (2). Die herausragende technische Eigenschaft dieser zylindrischen Projektion ist ihre Konformität. Sie bildet sogenannte Loxodromen-Kurse (50) mit konstantem Kompasswinkel — als gerade Linien ab, was Seefahrern die Navigation über die Ozeane erheblich erleichterte (1). 

Dieser nautische Vorteil erforderte jedoch die Aufgabe der Flächentreue. Auf der Mercator-Karte werden Länder nicht gleichmäßig abgebildet, sondern vergrößern sich mit jedem Schritt in Richtung der Pole. Da diese Dehnung mathematisch gesehen sowohl von links nach rechts als auch von unten nach oben stattfindet, multipliziert sich der Vergrößerungseffekt im Norden und Süden extrem. Das führt dazu, dass Regionen nahe den Polen im Vergleich zu ihrer echten Fläche massiv überproportional dargestellt werden.

Diese mathematische Eigenschaft führt zu massiven sichtbaren Unterschieden, die das Weltbild von Generationen geprägt haben. Auf einer Mercator-Karte erscheint Grönland mit einer realen Fläche von etwa 2,2 Millionen Quadratkilometern annähernd so groß wie der afrikanische Kontinent, der rund 30,4 Millionen Quadratkilometer umfasst, obwohl Afrika in Wirklichkeit etwa 14-mal größer ist (2). Ebenso wirken Europa, Russland und Nordamerika im visuellen Zentrum der Weltkarte überproportional groß, während Südamerika, Südasien und Afrika an den Äquator gedrängt und kleiner dargestellt werden (15).

Als Lösung für dieses visuelle Ungleichgewicht entwickelten die Kartographen Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny im Jahr 2018 die Equal-Earth-Projektion (15). Hierbei handelt es sich um eine pseudozylindrische, flächentreue Projektion, die explizit für allgemeine Weltkarten entworfen wurde. Pseudozylindrisch bedeutet, dass eine Karte auf den ersten Blick wie eine klassische rechteckige Zylinderkarte aussieht, sich zu den Rändern hin aber harmonisch abrundet. Sie basiert auf mathematischen Polynomen — Formeln, mit denen sich die Abstände zwischen den Breitengraden berechnen lassen. Dadurch wird jede Fläche auf der Karte im richtigen Größenverhältnis zur tatsächlichen Fläche auf der Erde dargestellt (20). 

Anders als frühere Methoden verwendet Equal Earth nach außen gekrümmte Linien vom Nord- zum Südpol (Meridiane) und gerade, parallel verlaufende Breitengrade. So entsteht eine Weltkarte, auf der die Kontinente in ihren richtigen Größenverhältnissen dargestellt werden (15).


### Ein Symbol für das Ende des Kolonialismus und die Förderung kognitiver Gerechtigkeit, die verschiedene Formen des Wissens, Denkens und Erkennens weltweit gleichwertig anerkennt

Die uneingeschränkte Würdigung der UN-Resolution ergibt sich aus ihrer immensen symbolischen Bedeutung für die Überwindung des Kolonialismus. Historisch betrachtet etablierte sich die Mercator-Projektion genau in jener Epoche als globaler Standard, in der die europäischen Seemächte begannen, den Rest der Welt zu kolonisieren (6). Obwohl Gerardus Mercator seine Karte nicht mit einer rassistischen oder imperialistischen Absicht entwarf, legitimierte und naturalisierte ihre spätere universelle Verwendung in Schulen, Medien und Behörden ein eurozentrisches Weltbild (6).

Die visuelle Aufwertung Europas und Nordamerikas korrelierte mit der politischen und administrativen Dominanz des globalen Nordens. Afrika wurde kartographisch geschrumpft, was sich in die Narrative der kolonialen Ausbeutung und der Marginalisierung auf der Berliner Konferenz 1884/85 einfügte (51). Der US-amerikanische Geograph Mark Monmonier hat in seinem Standardwerk „How to Lie with Maps“ aus dem Jahr 1991 ausführlich dargelegt, wie Karten unbewusste Verzerrungen und politische Propaganda transportieren können (8). Wenn Generationen von Schülern eine Karte betrachten, auf der der afrikanische Kontinent als periphere, kleine Landmasse erscheint, verfestigen sich unbewusste Vorurteile über dessen geopolitische und ökonomische Relevanz (4).

Die UN-Resolution ist daher ein fundamentaler Akt der „kognitiven Gerechtigkeit“. Dieser vom indischen Soziologen Shiv Visvanathan geprägte Begriff fordert das Recht auf die Koexistenz und Anerkennung unterschiedlicher Wissenssysteme und Perspektiven jenseits westlicher Hegemonie (29). Die Initiative der Afrikanischen Union und die anschließende Entscheidung der Vereinten Nationen heben die Debatte von einem rein technischen auf ein ethisches Niveau. 

Wie Togos Außenminister Robert Dussey betonte, beginnt eine gerechte Welt mit einer gerechten Karte (52). Ein faires kartographisches Abbild ist somit nicht nur ein Werkzeug der Geographie, sondern ein Instrument zur Wiederherstellung von Würde und historischer Wahrheit (4). Der Mut der UN, diese kognitive Gerechtigkeit institutionell zu verankern, ist ein herausragendes Beispiel für multilaterale Diplomatie, die sich der Aufarbeitung historischer Asymmetrien widmet.

Die Vorteile der Equal-Earth-Projektion liegen unbestreitbar in ihrer mathematischen Integrität in Bezug auf die Flächendarstellung. Jedes Land wird in seiner tatsächlichen physischen Proportion relativ zu allen anderen Ländern abgebildet. Dies ist von essenzieller Bedeutung für die visuelle Kommunikation von thematischen Daten (20). Wenn beispielsweise Epidemiologen die globale Verteilung von Krankheiten visualisieren oder Klimaforscher die Auswirkungen der globalen Erwärmung darstellen — wie es das Goddard Institute for Space Studies der NASA tut — führt eine flächentreue Darstellung zu einer korrekten Wahrnehmung der betroffenen Gebiete (20). Darüber hinaus bietet Equal Earth im Gegensatz zu Gall-Peters ein optisch ansprechendes Bild, das die sphärische Natur der Erde durch gekrümmte Meridiane andeutet (15).

Dennoch birgt die Equal-Earth-Projektion spezifische Nachteile, die ihre universelle Anwendbarkeit limitieren. Die strikte Einhaltung der Flächentreue erzwingt eine Verzerrung von Formen und lokalen Winkeln. Während die Verzerrung in der Nähe des Äquators minimal ist und ein kleines Areal bei 40,4° Nord oder Süd seine exakte Form behält, werden Landmassen in polaren Regionen zunehmend horizontal in die Länge gezogen und vertikal komprimiert (20). Infolgedessen ist die Equal-Earth-Projektion für navigatorische Zwecke in der See- und Luftfahrt vollkommen unbrauchbar, da Kompasskurse hier nicht als konstante Linien dargestellt werden können (9).

Zusätzlich ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten bei der Integration in moderne digitale Informationssysteme. Web-GIS (Geografische Informationssysteme)-Anwendungen wie Google Maps oder OpenStreetMap basieren auf dem Web-Mercator-Standard (12). Dieser ermöglicht es, die Karte effizient in ein System von quadratischen Datenkacheln zu unterteilen, was ein flüssiges, stufenloses Zoomen ohne Verzerrung lokaler Straßenzüge erlaubt (17). Eine pseudozylindrische Projektion wie Equal Earth, bei der die Ränder gekrümmt sind und die Pole Linien bilden, lässt sich mathematisch weitaus komplexer in solche interaktiven Web-Kachelstrukturen überführen (17).

## Politische Konsequenzen in den internationalen Beziehungen

Die Resolution A/80/L.104 ist rechtlich betrachtet eine Empfehlung unter Artikel 10 der UN-Charta und entfaltet keine völkerrechtliche Bindungswirkung bezüglich territorialer Grenzen oder Souveränitätsansprüche (1). Dennoch löste sie tiefgreifende geopolitische Debatten aus, da die Repräsentation von Raum unweigerlich mit Souveränität, Legitimität und internationalem Einfluss verknüpft ist.

Die Vereinigten Staaten von Amerika positionierten sich als einziger Staat gegen die Resolution. Die US-Delegation unterstrich ihre Ablehnung mit dem Argument, dass die UN sich in ideologischen Debatten über „kognitive Gerechtigkeit“ und Reparationen verstricke, anstatt reale sicherheitspolitische und wirtschaftliche Krisen zu adressieren (4). Die USA bezeichneten das Vorhaben als ein „radikales ideologisches Projekt“, das die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen unterminiere (10). Diese Haltung reflektiert eine ausgeprägte Skepsis gegenüber dekolonialen Diskursen, welche die historische Verantwortung des globalen Nordens thematisieren, und verkennt dabei den tiefen diplomatischen Wert symbolischer Anerkennung.

Die sechs Enthaltungen — Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine — spiegeln spezifische territoriale und geopolitische Sensibilitäten wider (2). Im Falle der Ukraine basierte die Enthaltung primär auf Bedenken hinsichtlich der konkreten kartographischen Umsetzung. 

Auf einigen Websites, die Equal-Earth-Karten zur Verfügung stellen, wurde die Halbinsel Krim in einer anderen Farbe als das ukrainische Kernland dargestellt (4). Dies demonstriert prägnant, dass die Mathematik einer Projektion niemals losgelöst von der politischen Geographie betrachtet werden kann. Die Russische Föderation begrüßte die Resolution ausdrücklich (11).

Auch Indien stimmte der Resolution zu, betonte jedoch über seinen Außenamtssprecher Randhir Jaiswal nachdrücklich die nationalen Vorbehalte. Indien machte im Rahmen einer Stimmerklärung klar, dass die Unterstützung für eine flächentreue Projektion keinesfalls als Billigung spezifischer Grenzverläufe auf online publizierten Karten zu verstehen sei. Die Gebiete Jammu, Kashmir und Ladakh müssten zwingend gemäß den offiziellen indischen Staatsgrenzen abgebildet werden, um diplomatische Zwischenfälle zu vermeiden (39).

Die Europäische Union trug die Resolution mehrheitlich mit, grenzte deren juristische Reichweite jedoch präzise ein. In einer von Irland im Namen der EU vorgetragenen Erklärung wurde betont, dass die Empfehlung ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken diene und internationale Seerechtsgrenzen, etwa nach UNCLOS, der United Nations Convention on the Law of the Sea, dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, oder laufende territoriale Streitigkeiten vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in keiner Weise präjudiziere (1). 

Frankreich ging in seiner diplomatischen Unterstützung am weitesten: Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte proaktiv an, dass die französischen Behörden künftig die Mercator-Projektion zugunsten flächentreuer Entwürfe wie der verwandten Eckert-IV-Projektion, ausmustern würden. Dies wurde als ein „Akt der Wahrheit“ deklariert, um einer überproportionalen visuellen Dominanz von Mächten wie den USA, Russland und China entgegenzuwirken (2).

## Zukunftsperspektiven und Integration der neuen Weltkarte

Die Verabschiedung dieser Resolution wird nachhaltige, langfristige Auswirkungen auf globale Informationsinfrastrukturen und das Bildungswesen haben. Die Afrikanische Union, die die Projektion bereits formell unterstützt, hat angekündigt, die Equal-Earth-Darstellung verstärkt in den nationalen Lehrplänen ihrer Mitgliedsstaaten zu verankern (1). Togo plant, als erstes Land seine Geographie-Schulbücher vollständig umzustellen, um eine Vorreiterrolle einzunehmen (41).

In Europa sind vergleichbare Entwicklungen zu beobachten. Große Schulbuchverlage integrieren vermehrt flächentreue Darstellungen. Ein Beispiel ist der in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitete Diercke Weltatlas, der zunehmend Karten zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen in äquivalenten Projektionen, also flächentreuen Karten präsentiert (42). Auch staatliche Institutionen wie das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nutzen die Equal-Earth-Projektion bereits aktiv, um die Bedeutung des afrikanischen Kontinents und des globalen Südens visuell angemessen zu kommunizieren (43).

Die Fachwelt der Kartographie begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich als Chance zur Aufklärung. Der Präsident der International Cartographic Association (ICA), der Österreicher Georg Gartner, hob in einer offiziellen Stellungnahme hervor, dass diese Debatte genutzt werden müsse, um die „Map Literacy“ — die Kompetenz, Karten kritisch zu lesen und ihre jeweiligen Verzerrungen zu verstehen — weltweit zu stärken (34). 

Auch innerhalb der UN-Strukturen, etwa beim Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) und dem UN-SPIDER-Programm für satellitengestützte Notfallinformationen, wird die Diskussion über standardisierte Geodaten (Minimum Common Operational Datasets) und die ethische Verwendung von Projektionen bei der Katastrophenhilfe an Bedeutung gewinnen (46).

Die größte technologische Herausforderung wird die Transformation kommerzieller digitaler Geoinformationssysteme (GIS) bleiben. Während Desktop-GIS-Programme wie ArcGIS oder QGIS die Equal-Earth-Projektion (EPSG:8857) bereits nahtlos unterstützen (20), verlangen die von Milliarden Menschen täglich genutzten Smartphone-Navigationskarten weiterhin die lokale Winkeltreue des Web-Mercator-Standards (12). Die Zukunft der digitalen Kartographie wird voraussichtlich in hybriden Systemen liegen: Echte 3D-Globen für die globale und kontinentale Übersicht sowie Web-Mercator ausschließlich für hochauflösende, lokale Navigationsaufgaben (15).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entscheidung der Vereinten Nationen zur Förderung der Equal-Earth-Projektion ein Meilenstein in der Geschichte der Wissensvermittlung ist. Die UN hat eine bemerkenswerte Weitsicht bewiesen, indem sie anerkennt, dass Karten niemals bloße Geographie sind, sondern stets Ausdruck von Macht, Identität und Weltanschauung. Die Abkehr von der Mercator-Projektion in der allgemeinen Repräsentation dekonstruiert ein koloniales Relikt, würdigt die tatsächliche geopolitische und geographische Statur Afrikas und bereitet den Weg für eine Zukunft, in der kognitive Gerechtigkeit und kartographische Wahrheit Hand in Hand gehen.


