Kein Mensch ist digital

Die weltweit ausgerollte digitale Identität ist für die individuelle Freiheit die derzeit größte Bedrohung — ein kompakter Analyse-Report von Above Phone zeigt neben den Funktionen und Gefahren der eID auch Lösungswege auf.

Die digitale Identität, kurz: eID, fristet ein Schattendasein in den öffentlichen Diskursen. Dafür sind die Augen der Öffentlichkeit beispielsweise seit über einem Monat auf einen gestrandeten Wal gerichtet. Björn Höcke als Gast bei „Ben ungeskriptet“ lässt leitmediale Sicherungen durchknallen, und eine gezielt lancierte Medienkampagne sorgt dafür, dass die halbe Republik wochenlang über Deepfake und digitalen Identitätsraub diskutiert. Beim letztgenannten Thema, dem Ulmen-Fernandes-Skandal, wird immerhin die totgeschwiegene eID als implizite und unausgesprochene Lösung nahegelegt. Die groß aufgezogene Chose hat propagandistisch den Weg geebnet, um einer breiten Bevölkerungsmehrheit die vermeintliche Notwendigkeit der digitalen Erfassung aller Bürger zu vermitteln. Das Vorhaben ist zwar unlängst im Koalitionsvertrag festgehalten worden, doch was bislang fehlte, war der emotionale Trigger, um nachhaltige und starke Folgebereitschaft herzustellen. Die Vollendung dieses Vorhabens liegt nicht in einer fernen und damit abstrakten Zukunft, sondern wurde kürzlich auf das Ende des laufenden Kalenderjahres terminiert. 2027 soll bereits jeder Bürger über ein verpflichtendes Bürgerkonto und eine digitale Identität verfügen. Es besteht also für jeden Menschen, dem die individuelle Freiheit lieb und teuer ist, akuter Bedarf, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Im Herbst 2025 hat Above Phone, das Unternehmen des Aktivisten Hakeem Anwar, hierzu einen frei verfügbaren Report veröffentlicht: „Life Under Digital ID: A Global Analysis with Solutions“. Dieses 30 Seiten umfassende Paper ist keine Weltuntergangsbeschreibung, die den Leser zur Resignation verdammt. Zwar zeichnet die Analyse den bedrohlichen Istzustand der globalen eID-Einführung nach, sie zeigt dem Leser jedoch zugleich konkrete Handlungsmöglichkeiten auf, um rechtlich, technisch und sozial auf die totale Vergläserung vorbereitet zu sein.

eID ist das neue 1G. Oder auch das neue iPhone. Man erinnere sich an den Apple-Werbeslogan von 2011: „Wenn du kein iPhone hast, dann hast du kein iPhone!“ Ob iPhone, Impfung oder ID: Wer eines dieser „Dinger“ nicht hat, wird sich Nachteilen ausgesetzt sehen — in zunehmendem Maße. War der Verzicht auf das iPhone — oder generell auf Smartphones — noch irgendwie bewältigbar, so stellt die bewusste Verweigerung der digitalen Identität den freiheitsliebenden und integren Menschen vor erhebliche Herausforderungen. War das Smartphone lediglich normativ verpflichtend, indem es die gesellschaftliche Teilhabe erleichterte, so ist die digitale Identität bereits in vielen Ländern rechtlich verpflichtend. Eine Verweigerung kann mit einem erheblichen bis existenzbedrohenden Ausschluss verbunden sein. Die Corona-Zeit und das mit ihr einhergehende „Impf“-Regime hat einen vergleichsweise kleinen Vorgeschmack darauf gegeben.

Was also tun? Der Gründer von „Above Phone“, Hakeem Anwar, ist nicht nur Unternehmer, sondern auch — oder sogar in erster Linie — Aktivist. Neben dem Verkauf von Endgeräten, die frei von Google, Microsoft und Apple sind, liefert „Above Phone“ auch Lernmaterial als Hilfe zur Selbsthilfe respektive zur digitalen Selbstverteidigung. Der Report „Life Under Digital ID: A Global Analysis with Solutions“ wird von Anwar frei zur Verfügung gestellt, sodass die Informationen niemandem durch finanzielle Hürden vorenthalten bleiben.

Auf den übersichtlich gehaltenen, anschaulich illustrierten dreißig Seiten wird die eID in ihrer Gesamtheit beleuchtet:

  • Auf wen geht das Konzept zurück?
  • Auf welcher/n Technologie(n) basiert sie und wie lange gibt es sie schon?
  • Wo nutzen viele Menschen bereits unbewusst die zugrundeliegende Technologie?
  • Welche verschiedenen Varianten dieser Technologie gibt es und wie funktionieren sie?
  • In welchen Ländern sind digitale Identitäten — samt der dazugehörigen Infrastruktur — in welchem Umfang bereits ausgerollt, im Einsatz befindlich und für die Menschen gesetzlich oder faktisch (in)direkt verpflichtend?
  • Welche Konsequenzen hatte und hat die eingeführte eID für die Menschen in betroffenen Ländern, und welche Bedrohungsszenarien lassen sich daraus für das jeweils eigene Heimatland antizipieren?

Insbesondere die letzten beiden Fragen sind in mehrfacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Für jene, die mit Auswanderungsplänen liebäugeln, bietet der Report eine Übersicht, wohin es sich — nicht — lohnt, zu emigrieren, um von derlei technokratischen Vorhaben — vorläufig(!) — in Ruhe gelassen zu werden.

Generell — zu diesem Ergebnis kommt der Report — sind die Möglichkeiten der Flucht ins Ausland marginal, denn diese Infrastruktur wird weltweit ausgerollt. Dadurch scheint es vorrangig empfehlenswert, sich zu der Gefahr zu verhalten, statt die Begegnung mit ihr durch Auswandern hinauszuzögern.

Die Kartierung der globalen eID-Einführung und -Anwendung macht andererseits sichtbar, dass es abseits der vielen geopolitischen Rivalitäten eine auffällige Einigkeit gibt, wenn es um die flächendeckende, kryptografische Erfassung der Bürger jeder Nation geht. Das ist insbesondere bei den Ländern bemerkenswert, die in den Diskursen der kritischen Gegenöffentlichkeit überwiegend durch schöngefärbte Brillengläser betrachtet werden und auf die manch Schwärmer kein schlechtes Wort kommen lässt: China, Russland, aber auch Länder wie Brasilien.

Die dem BRICS-Bündnis zugeschriebene „Multipolarisierung“ der Welt verblasst angesichts des Gleichklangs, wenn es um die Einführung oder auch schon Anwendung der digitalen Identität geht. Innerhalb des Abschnittes über China lohnt es sich, den in der Analyse eingebauten Hyperlinks zu folgen, um eine grausige Vorstellung davon zu bekommen, was eine solche Überwachungsumwelt für die Menschen bedeutet, wenn sie einmal eingeführt wurde. Die konkreten Auswirkungen der eID werden im weiteren Verlauf des Reports ausführlich in den Bereichen Banking, Reisen, Social Media, Bürger-Behörden-Interaktion und potenziellen und expliziten Menschenrechtsverletzungen durchdekliniert.

Nach der Zeichnung der Drohkulisse endet der Report mit konkreten Lösungsansätzen, sowohl in genereller als auch in technischer Hinsicht. Dabei wird kein Hehl daraus gemacht, dass sich die Gesellschaft — nach derzeitiger Aussicht — wohl langfristig aufspalten wird: in diejenigen, die den bequemen Weg wählen, und in die anderen, die den beschwerlicheren, aber langfristig wohl erfüllenderen Pfad einschlagen. Wenngleich letztgenannter anfangs steiniger sein mag als die gut geteerte Fahrbahn Richtung Totalkontrolle, so zeichnet sich bei der Beschreibung des alternativen Pfades sehr deutlich ab, dass hier jemand im Mittelpunkt steht, der bei der eID auf einen Datensatz reduziert wird: der Mensch.


Hier können Sie das Buch bestellen:Life Under Digital ID: A Global Analysis with Solutions