Kreislauf des Krieges
Der militärisch-industrielle Kongress-Komplex in den USA bildet eine sich selbsterhaltende Profitmaschine, die Rüstung als Selbstzweck produziert und langfristig die gesamte Menschheit in den Abgrund zieht. Auszug aus „Gegendruck 2“.
Knapp 48.000 US-Dollar verschlingt der militärisch-industrielle Komplex der USA — pro Sekunde. Auf das gesamte Jahr gerechnet sind das 1,5 Billionen Dollar. Wofür diese astronomischen Ausgaben? Welche äußere Gefahr rechtfertigt es, dass für militärische Zwecke doppelt so viel ausgegeben wird, wie für nicht militärische? Was ließe sich mit diesen Summen im Sinne des zweitgenannten alles verwirklichen? Etwa für Bildung, Soziales, Infrastruktur und vieles mehr. Stattdessen verschwinden Geldmengen, die in keinen Tresor passen, in einem Schlund, ohne dass schlussendlich etwas dabei herauskommt, das dem Leben zugewandt ist. Vielmehr wird eine Maschinerie gefüttert, für die Vernichtung scheinbar einen wirtschaftlichen Selbstzweck darstellt. Und in der Tat bilden der Kongress, das Pentagon und die Rüstungsfirmen ein unheilvolles Trio infernale, welches mit gigantischen Steuermitteln einen Kreislauf des Tötens am Leben erhält, der — wenn er nicht gestoppt wird — das Potenzial hat, die gesamte Menschheit auszulöschen. Insofern sind Überlegungen, wie statt Sand riesige Geröllbrocken in diese tödlichen Zahnräder geworfen werden können, von existenzieller Bedeutung für den Fortbestand der menschlichen Spezies. Exklusivauszug aus „Gegendruck 2: Staat gegen Bürger“.
Vorbemerkung
von Tom Engelhardt/TomDispatch (1) zum nachfolgenden Text von David Vine und Theresa Arriola über die notwendige Demontage des militärisch-industriellen Kongress-Komplexes (MIK) (2):
Krieg, wozu ist er gut? Zu absolut gar nichts. So heißt es jedenfalls in den Songtexten (3). Aber im Falle dieses Landes (der USA) hat sich herausgestellt, dass der Krieg für viele einflussreiche Amerikaner gut war, insbesondere für unsere Waffenhersteller.
Wie die TomDispatch-Reporter David Vine und Theresa Arriola heute berichten (4), hat sich der militärisch-industrielle Kongress-Komplex als eine Melkkuh ersten Ranges erwiesen — obwohl ich Kühe nicht so gerne beleidige. In diesem Jahrhundert ist das Geld in Strömen geflossen, und doch scheint es irgendwie nie genug zu sein. Erst kürzlich hat der Führer der Senatsminderheit, Mitch McConnell, Präsident Bidens Antrag auf 850 Milliarden Dollar für den Pentagon-Haushalt 2025 als „unzureichend“ (5) bezeichnet und noch mehr Geld (6) dafür gefordert.
So geht es — so ist es in der Tat schon lange gegangen. Und in einem Land, in dem der Pentagon-Etat und der weitaus umfangreichere Haushalt für die nationale Sicherheit (7) immer weiter steigen, ist das Merkwürdigste von allem, wie mir scheint, Folgendes: Seit die USA aus dem Zweiten Weltkrieg siegreich hervorgegangen sind, hat dieses Land niemals einen echten Sieg errungen, egal wie viel Geld es in den MIK gesteckt oder wie viele Militärbasen (8) es weltweit errichtet hat (9), in keinem bedeutenden Krieg — von Korea in den frühen 1950er-Jahren über Vietnam in den 1960er-Jahren bis hin zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak in diesem Jahrhundert und dem damit einhergehenden „Globalen Krieg gegen den Terror“.
Ja, die Nation, deren „Verteidigungs“-Budget so hoch ist wie das der nächsten neun Länder zusammen (10), kann keinen Krieg gewinnen oder aufhören, Geld in ihr Militär und die damit verbundenen riesigen Industriekonzerne zu stecken. Heute bieten Vine und Arriola, unterstützt durch eine außergewöhnliche Reihe von Originalbildern zum MIK, die noch nie zuvor veröffentlicht wurden (siehe hierzu unten im Text) (11), einen Blick darauf, was für ein Desaster sich für dieses Land daraus ergeben hat.
Der militärisch-industrielle Komplex bringt uns alle um
von David Vine, Theresa (Isa) Arriola
Wir müssen darüber sprechen, was Bomben im Krieg anrichten. Bomben zerfetzen Fleisch. Bomben zertrümmern Knochen. Bomben zerstückeln. Bomben lassen Gehirn, Lunge und andere Organe so heftig erschüttern, dass sie bluten, platzen und nicht mehr funktionieren. Bomben verletzen. Bomben töten. Bomben zerstören.
Bomben machen auch Menschen reich
Von jeder Bombenexplosion profitiert jemand. Und wenn jemand profitiert, fordern Bomben weitere unsichtbare Opfer. Jeder Dollar, der für eine Bombe ausgegeben wird, ist ein Dollar, der nicht ausgegeben wird, um ein Leben vor einem vermeidbaren Tod zu retten, ein Dollar, der nicht für die Heilung von Krebs ausgegeben wird, ein Dollar, der nicht für die Ausbildung von Kindern ausgegeben wird. Deshalb hat der pensionierte Fünf-Sterne-General und Präsident Dwight D. Eisenhower vor so langer Zeit die Ausgaben für Bomben und alles Militärische zu Recht als „Diebstahl“ (12) bezeichnet.
Der Verursacher dieses Diebstahls ist die vielleicht am meisten übersehene zerstörerische Kraft der Welt. Sie steht unbemerkt hinter so vielen großen Problemen in den Vereinigten Staaten und der Welt von heute. Eisenhower warnte die Amerikaner bekanntlich in seiner Abschiedsrede von 1961 davor und nannte ihn zum ersten Mal „den militärisch-industriellen Komplex“ oder MIK (13).
Beginnen wir mit der Tatsache, dass die jährlichen Militärausgaben dank der Fähigkeit des MIK, den Bundeshaushalt an sich zu reißen, viel höher sind (14), als die meisten Menschen wissen: rund (15) 1.500.000.000.000 US-Dollar (1,5 Billionen US-Dollar) (16).
Im Gegensatz zu dem, was uns der MIK glauben machen will, steht diese unfassbar hohe Zahl in keinem Verhältnis zu den wenigen militärischen Bedrohungen, denen die Vereinigten Staaten ausgesetzt sind. Anderthalb Billionen Dollar sind etwa das Doppelte dessen, was der Kongress jährlich (17) für alle nichtmilitärischen Zwecke zusammen ausgibt.
Diesen massiven Vermögenstransfer als „Diebstahl“ zu bezeichnen, ist keine Übertreibung, da er dringenden Bedürfnissen wie der Beendigung von Hunger und Obdachlosigkeit, dem Angebot kostenloser Hochschulbildung und Vorschulbildung, der Bereitstellung einer universellen Gesundheitsversorgung und dem Aufbau einer grünen Energieinfrastruktur, die uns vor dem Klimawandel schützt, entzogen wird. Praktisch jedes größere Problem, das von den Bundesmitteln berührt wird, könnte mit einem Bruchteil der vom MIK beanspruchten Mittel gelindert oder gelöst werden. Das Geld ist da.
Der Großteil unserer Steuergelder wird von einer relativ kleinen Gruppe von Kriegsgewinnlern beansprucht (18), angeführt von den fünf größten Unternehmen (19), die von der Kriegsindustrie profitieren: Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon (RTX), Boeing und General Dynamics (20). Während diese Unternehmen profitiert haben, hat der MIK weltweit unfassbare Zerstörung angerichtet und die Vereinigten Staaten in endlosen Kriegen gefangen gehalten, die seit 2001 schätzungsweise 4,5 Millionen Menschen getötet (21), weitere zehn Millionen verletzt und mindestens 38 Millionen vertrieben haben (22), so das Costs of War Project der Brown University (23).
Die verdeckte Beherrschung unseres Lebens durch den MIK muss ein Ende haben, das heißt, wir müssen ihn abschaffen. Das mag völlig unrealistisch, ja sogar fantastisch klingen. Ist es aber nicht. Übrigens geht es hier um die Demontage des MIK, nicht um das Militär selbst. Die meisten Militärangehörigen gehören in der Tat zu den Opfern des MIK.
Während der Profit seit Langem Teil des Krieges ist, ist der MIK ein relativ neues Phänomen, das nach dem Zweiten Weltkrieg dank einer Reihe von Entscheidungen entstanden ist, die im Laufe der Zeit getroffen wurden. Wie andere Prozesse, wie andere Entscheidungen, können auch diese rückgängig gemacht und der MIK abgebaut werden. Die Frage ist natürlich, wie?
Das Entstehen eines Monsters
Um sich vor Augen zu führen, was nötig wäre, um den MIK zu zerschlagen, muss man zunächst verstehen, wie er entstanden ist und wie er heute aussieht. Angesichts seiner erschreckenden Größe und Komplexität haben wir zusammen mit einem Team von Kollegen eine Reihe von Grafiken erstellt (24), die den MIK und den von ihm verursachten Schaden veranschaulichen und die wir zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Der MIK entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus der, wie Eisenhower (25) erklärte, „Verbindung eines immensen militärischen Establishments“ — dem Pentagon, den Streitkräften, den Geheimdiensten und anderen — „und einer großen Rüstungsindustrie“. Diese beiden Kräfte, das Militär und die Industrie, schlossen sich mit dem Kongress zu einem unheiligen „Eisernen Dreieck“ (26) zusammen, das Eisenhower nach Ansicht einiger Wissenschaftler (27) ursprünglich und genauer als militärisch-industriellen-Kongress-Komplex (28) bezeichnete. Bis heute bilden diese drei das Herzstück des MIK, der in einem sich selbst aufrechterhaltenden Kreislauf legalisierter Korruption gefangen ist, der zudem allzu viele Illegalitäten umfasst.
Das grundlegende System funktioniert folgendermaßen: Erstens nimmt der Kongress jedes Jahr exorbitante Summen von uns Steuerzahlern ein und gibt sie an das Pentagon weiter. Zweitens gibt das Pentagon auf Anweisung des Kongresses riesige Teile dieses Geldes an Waffenhersteller und andere Unternehmen in Form sehr lukrativer Verträge weiter und beschert ihnen damit Gewinne in Höhe von zig Milliarden Dollar. Drittens verwenden diese Unternehmen dann einen Teil der Gewinne, um beim Kongress Lobbyarbeit für weitere Pentagon-Verträge zu betreiben, die der Kongress im Allgemeinen gerne vergibt, wodurch ein scheinbar endloser Kreislauf in Gang gehalten wird (29).

Aber der MIK ist noch komplizierter und heimtückischer als das. In einem System legalisierter Bestechung tragen Wahlkampfspenden (30) regelmäßig dazu bei, den Haushalt des Pentagons aufzublähen (31) und die Vergabe noch lukrativerer Aufträge zu gewährleisten, wovon häufig eine kleine Zahl an Auftragnehmern in einem Kongressbezirk oder Staat profitiert (32).
Diese Auftragnehmer machen ihre Argumente mithilfe einer virtuellen Armee von mehr als 900 (33) Lobbyisten (34) in Washington geltend. Viele von ihnen sind ehemalige Pentagon-Beamte (35) oder ehemalige Mitglieder des Kongresses oder Mitarbeiter des Kongresses, die über einen „Drehtüreffekt“ (36) angeworben werden (37), der sich ihre Fähigkeit zunutze macht, ehemalige Kollegen zu beeinflussen. Solche Auftragnehmer (38) spenden auch an Denkfabriken (39) und Universitätszentren, die bereit sind, höhere Ausgaben für das Pentagon, Waffenprogramme und eine hochmilitarisierte Außenpolitik zu unterstützen. Werbeanzeigen (40) sind eine weitere Möglichkeit, gewählten Vertretern Waffenprogramme (41) aufzudrängen.
Diese Waffenhersteller verteilen ihre Produktion (42) auch auf so viele Kongressbezirke wie möglich, sodass Senatoren und Abgeordnete die Schaffung von Arbeitsplätzen für sich reklamieren können. MIK-Arbeitsplätze wiederum schaffen oft Abhängigkeitsverhältnisse in einkommensschwachen Gemeinden, die nur über wenige andere wirtschaftliche Antriebskräfte verfügen, und erkaufen sich so effektiv die Unterstützung der Einwohner.
Die Auftragnehmer ihrerseits betreiben regelmäßig legalisierte Preistreiberei (43), indem sie den Steuerzahlern für alle möglichen Waffen und Ausrüstungen zu viel Geld abverlangen. In anderen Fällen werden durch Betrug der Auftragnehmer (44) die Gelder der Steuerzahler buchstäblich gestohlen (45). Das Pentagon ist die einzige Regierungsbehörde (46), die noch nie eine Rechnungsprüfung bestanden hat (47) — was bedeutet, dass sie faktisch keinen Überblick über ihr Geld und ihr Vermögen hat —, und dennoch erhält sie mehr Geld vom Kongress als alle anderen Regierungsbehörden zusammen.

Als System sorgt der MIK dafür, dass die Ausgaben des Pentagons und die Militärpolitik von der Suche der Auftragnehmer nach immer höheren Profiten und den Wünschen der Kongressmitglieder nach Wiederwahl bestimmt werden und nicht von einer Einschätzung, wie das Land am besten zu verteidigen ist.
Daraus resultiert eine wenig überraschend minderwertige Militärausstattung (48), vor allem wenn man bedenkt, wie viel Geld dafür ausgegeben wird. Die Amerikaner sollten beten, dass sie die Vereinigten Staaten niemals verteidigen müssen.
Kein anderer Industriezweig, nicht einmal Big Pharma oder Big Oil, kann es mit der Macht des MIK in Bezug auf die Gestaltung der nationalen Politik und die Beherrschung der Ausgaben aufnehmen.
Die Militärausgaben sind heute inflationsbereinigt höher als auf dem Höhepunkt der Kriege in Vietnam, Afghanistan oder im Irak oder eigentlich zu jedem Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg, obwohl keine Bedrohung solche Ausgaben auch nur im Entferntesten rechtfertigt.
Viele erkennen jetzt, dass der Hauptnutznießer von mehr als 22 Jahren endloser US-Kriege in diesem Jahrhundert der industrielle Teil des MIK war, der seit 2001 Hunderte von Milliarden Dollar verdient hat. „Wer hat in Afghanistan gewonnen? Private Contractors“ lautete die allzu treffende Schlagzeile des Wall Street Journal im Jahr 2021.
Endlose Kriege, endloser Tod, endlose Zerstörung
Afghanistan (…) hätte durch Korea, Vietnam oder Irak ersetzt werden können, neben anderen scheinbar endlosen Kriegen der USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Dass der MIK von ihnen profitiert hat, ist kein Zufall. Er hat dazu beigetragen, das Land in Konflikte in Ländern wie Korea, Vietnam, Kambodscha und Laos, El Salvador, Guatemala, Panama und Grenada bis hin zu Afghanistan, Libyen, Somalia und vielen anderen zu stürzen.

Die Zahl der Toten und Verletzten in solchen Kriegen geht in die zweistellige Millionenhöhe. Die Zahl der geschätzten Todesopfer der Kriege nach dem 11. September (49) in Afghanistan, Irak, Pakistan, Syrien und Jemen ähnelt auf unheimliche Weise der der Kriege in Vietnam, Laos und Kambodscha: 4,5 Millionen.
Die Zahlen sind so hoch, dass sie betäubend wirken können. Der irische Dichter Pádraig Ó Tuama (50) hilft uns dabei, uns zu erinnern und uns zu konzentrieren:
„ein Leben
ein Leben
ein Leben
ein Leben
ein Leben
denn jedes Mal
ist es das erste Mal
dass dieses Leben
genommen wurde“.
Der ökologische Tribut
Der Schaden, den der MIK anrichtet (51), erstreckt sich auf oft irreparable Umweltschäden, die Vergiftung von Ökosystemen, den verheerenden Verlust der Artenvielfalt und den Kohlenstoff-Fußabdruck (52) des US-Militärs, der größer ist als der jeder anderen Organisation auf der Erde. Im Krieg oder bei der täglichen Ausbildung hat der MIK die globale Erwärmung (53) und den Klimawandel durch Verbrennung von Brennstoffen für den Betrieb von Stützpunkten, Fahrzeugen und Waffen buchstäblich angeheizt.

Die Folgen des MIK für Mensch und Umwelt sind vor allem außerhalb des amerikanischen Kontinents nicht deutlich. In US-Territorien und anderen politischen „Grauzonen“ betreffen Investitionen in militärische Infrastrukturen und Technologien zum Teil die für zweitklassig erachteten indigenen Gemeinschaften (54), die zudem für ihren Lebensunterhalt oft vom Militär abhängig sind.
Endlose Kriege im eigenen Land
So wie der MIK die Kriege im Ausland angeheizt hat, so hat er auch die Militarisierung im Inland vorangetrieben. Warum sind zum Beispiel die Polizeikräfte im Inland so militarisiert worden? Zumindest ein Teil der Antwort: Seit 1990 hat der Kongress dem Pentagon erlaubt, seine „überschüssigen“ Waffen und Ausrüstungen — einschließlich Panzer und Drohnen — lokalen Strafverfolgungsbehörden zu übergeben. Diese Transfers ermöglichen es dem Pentagon und seinen Auftragnehmern, den Kongress um Ersatzbeschaffungen zu bitten, was den MIK weiter anheizt.
Auf der Suche nach zusätzlichen Gewinnen auf neuen Märkten haben Auftragnehmer ihre militärischen Produkte zunehmend auch direkt an SWAT-Teams und andere Polizeikräfte, Grenzschutzeinheiten und Gefängnissysteme verhökert. Politiker und Unternehmen haben Milliarden von Dollar in die Militarisierung der Grenzen (55) und in die Masseninhaftierung gesteckt und damit den Aufstieg des lukrativen „grenzindustriellen Komplexes“ (56) beziehungsweise des „gefängnisindustriellen Komplexes“ (57) gefördert. Die Militarisierung im Inland hat Schwarzen, Latino- (58) und indigenen Gemeinschaften (59) unverhältnismäßig großen Schaden zugefügt.

Eine existenzielle Bedrohung
Einige werden den militärisch-industriellen Komplex verteidigen, indem sie darauf bestehen, dass wir diese Arbeitsplätze brauchen (60); andere, indem sie behaupten, dass er die Ukrainer am Leben erhält und den Rest Europas vor Wladimir Putins Russland schützt; wieder andere, indem sie vor China warnen. Jedes dieser Argumente ist ein Beispiel dafür, wie sehr die Macht des MIK auf der systematischen Erzeugung von Angst, Bedrohungen und Krisen beruht, die dazu beitragen, Waffenhändler und andere innerhalb des MIK zu bereichern, indem sie immer mehr Militärausgaben und Kriege vorantreiben und dies trotz einer fast ungebrochenen Bilanz katastrophalen Scheiterns bei fast jedem US-Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das Argument, dass das derzeitige Niveau der Militärausgaben für „die Arbeitsplätze“ beibehalten werden muss, ist lächerlich. Kein Militär sollte ein Beschäftigungsprogramm sein.
Das Land braucht zwar Beschäftigungsprogramme, aber die Militärausgaben haben sich als wenig beschäftigungsfördernd noch als Motor für das Wirtschaftswachstum erwiesen. Untersuchungen zeigen (61), dass sie weit weniger Arbeitsplätze schaffen als vergleichbare Investitionen in das Gesundheitswesen, die Bildung oder die Infrastruktur.
Die US-Waffentechnik hat die Selbstverteidigung der Ukrainer unterstützt, obwohl die Waffenhersteller alles andere als Altruisten sind. Wenn es ihnen wirklich um die Ukrainer ginge, hätten sie auf jeden Gewinn verzichtet und mehr Geld für humanitäre Hilfe in diesem Land ausgegeben. Stattdessen haben sie diesen Krieg, ebenso wie Israels völkermörderischen Krieg im Gazastreifen und die wachsenden Spannungen im Pazifik, dazu benutzt, ihre Gewinne und Aktienkurse zynisch in die Höhe zu treiben.
Lässt man die Panikmache beiseite, sollte klar sein, dass das russische Militär seine Schwäche unter Beweis gestellt hat und nicht in der Lage ist, Gebiete in der Nähe seiner eigenen Grenzen entscheidend zu erobern, geschweige denn in Europa einzumarschieren. In der Tat stellen sowohl das russische als auch das chinesische Militär keine konventionelle militärische Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar (62). Der Jahreshaushalt des russischen Militärs ist ein Zehntel (63) oder weniger groß als der des amerikanischen. Das chinesische Militärbudget (64) ist ein Drittel bis die Hälfte so groß. Die Unterschiede sind noch viel größer, wenn man den Militärhaushalt der USA mit dem ihrer NATO- und asiatischen Verbündeten kombiniert (65).
Trotzdem setzen die Mitglieder des MIK zunehmend auf direkte Konfrontationen mit Russland und China, unterstützt durch Putins Krieg und Chinas eigene Provokationen. Im „indopazifischen Raum“, wie ihn das Militär nennt, macht der MIK weiter Kasse, indem das Pentagon Stützpunkte (66) und Streitkräfte in der Umgebung Chinas in Australien, Guam (67), den Föderierten Staaten von Mikronesien, Japan, den Marshallinseln, den Nördlichen Marianen, Palau, Papua-Neuguinea und auf den Philippinen (68) aufbaut.

Solche Schritte und eine ähnliche Aufrüstung in Europa (69) ermutigen China und Russland nur dazu, ihre eigenen Streitkräfte zu stärken.
Stellen Sie sich nur einmal vor, wie amerikanische Politiker reagieren würden, wenn China oder Russland auch nur einen einzigen Militärstützpunkt in der Nähe der Grenzen dieses Landes errichten würden.
Während all dies für den Mittleren Osten zunehmend profitabel ist, erhöht sich das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes zwischen den Vereinigten Staaten und China oder Russland oder beiden, der zu einem potenziellen atomaren Artentod führen könnte.
Die Dringlichkeit der Demontage
Die Dringlichkeit der Demontage des militärisch-industriellen Komplexes sollte klar sein. Die Zukunft unserer Spezies und unseres Planeten hängt davon ab.
Der offensichtlichste Weg, den MIK zu schwächen, wäre, ihm sein Lebenselixier, unsere Steuergelder, zu entziehen.
Nur wenige haben bemerkt, dass der ehemalige Pentagon-Chef der Trump-Ära, Christopher Miller (70), nach seinem Ausscheiden aus dem Amt eine Halbierung des Pentagon-Budgets forderte. Ja, um die Hälfte.
Selbst eine Kürzung um 30 Prozent, wie sie nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 nur allzu kurz erfolgte, würde jährlich Hunderte von Milliarden Dollar freisetzen. Stellen Sie sich vor, wie diese Summen das Leben in diesem Land sicherer und gesünder machen könnten, einschließlich eines gerechten wirtschaftlichen Übergangs für alle Militärangehörigen und Auftragnehmer, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Und wohlgemerkt, dieser Militärhaushalt wäre immer noch deutlich größer als der von China, Russland, dem Iran und Nordkorea zusammen.
Natürlich ist es schwierig, auch nur an eine Kürzung des Pentagon-Budgets zu denken, denn der MIK hat beide politischen Parteien in seine Gewalt gebracht, was praktisch eine Garantie für ständig steigende Militärausgaben ist. Womit wir wieder bei der Frage wären, wie man den MIK als System auflösen kann.
Kurz gesagt, wir arbeiten an den Antworten. Gemeinsam mit den verschiedenen Experten (71), die bei der Erstellung der Grafiken zu diesem Artikel mitgeholfen haben, untersuchen wir neben anderen Ideen (72) Desinvestitionskampagnen und Gerichtsverfahren, das Verbot von Kriegsprofiteuren, die Regulierung oder Verstaatlichung von Waffenherstellern und die Umwandlung von Teilen des Militärs in eine unbewaffnete Katastrophenhilfe, öffentliche Gesundheit und Infrastruktur.
Auch wenn allzu viele von uns weiterhin glauben werden, dass die Demontage des MIK unrealistisch ist, ist es angesichts der Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, an der Zeit, so kühn wie möglich darüber nachzudenken, wie wir seine Macht zurückdrängen, uns der erfundenen Vorstellung widersetzen, dass Krieg unvermeidlich ist, und die Welt aufbauen können, in der wir leben wollen.
So wie frühere Bewegungen die Macht von Big Tobacco und den Eisenbahnbaronen beschnitten haben, so wie einige jetzt gegen Big Pharma, Big Tech und den Gefängnis-Industriekomplex vorgehen, so müssen wir es mit dem MIK aufnehmen, um eine Welt zu schaffen, die sich darauf konzentriert, das Leben der Menschen in jeder Hinsicht zu bereichern, anstatt sich auf Bomben und andere Waffen zu konzentrieren, die einigen wenigen, die vom Tod profitieren, Reichtum bringen.

Der militarisch-industrielle Komplex (73)
David Vine ist regelmäßiger Gast bei TomDispatch und Professor für Anthropologie an der American University. Er ist der jüngste Autor von „The United States of War: A Global History of America's Endless Conflicts, from Columbus to the Islamic State“. Er ist auch der Autor von „Base Nation: How U.S. Military Bases Abroad Harm America and the World“, Teil des American Empire Project.
Theresa (Isa) Arriola ist Assistenzprofessorin an der Fakultät für Soziologie und Anthropologie der Concordia University. Sie ist Vorsitzende von Our Common Wealth 670 (OCW 670) auf Saipan, einer Bürgerinitiative, die sich für Forschung, Bildung und Aufklärung über die militärische Planung auf den Marianen einsetzt. Sie ist auf Saipan geboren und aufgewachsen und ist eine indigene Chamorro-Frau. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf Militarismus, Indigenität, Souveränität und Ozeanien.
Möglich Zitate:
„Der Verursacher dieses Diebstahls ist die vielleicht am meisten übersehene zerstörerische Kraft der Welt. Sie steht unbemerkt hinter so vielen großen Problemen in den Vereinigten Staaten und der Welt von heute. Eisenhower warnte die Amerikaner bekanntlich in seiner Abschiedsrede von 1961 davor und nannte ihn zum ersten Mal den ‚militärisch-industriellen Komplex‘ oder MIK.“
„Diesen massiven Vermögenstransfer als ‚Diebstahl‘ zu bezeichnen, ist keine Übertreibung, da er dringenden Bedürfnissen wie der Beendigung von Hunger und Obdachlosigkeit, dem Angebot kostenloser Hochschulbildung und Vorschulbildung, der Bereitstellung einer universellen Gesundheitsversorgung und dem Aufbau einer grünen Energieinfrastruktur, die uns vor dem Klimawandel schützt, entzogen wird.“
„Der Großteil unserer Steuergelder wird von einer relativ kleinen Gruppe von Kriegsgewinnlern beansprucht, angeführt von den fünf größten Unternehmen, die von der Kriegsindustrie profitieren: Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon (RTX), Boeing und General Dynamics.“
Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „The Military-Industrial Complex Is Killing Us All“ auf TomDispatch, wurde von Ullrich Mies übersetzt und erschien zuerst in deutscher Fassung in Gegendruck 2 „Staat gegen Bürger“.
Hier können Sie das Buch bestellen: Gegendruck 2: Staat gegen Bürger
