# Krieg als Gangster-Politik

Adlous Huxeys Buch „Zeit der Oligarchen“ geriet zu Unrecht in Vergessenheit, denn es zeigte bereits 1946 mit erstaunlicher Klarheit wie wissenschaftlicher Fortschritt und oligarchische Machtstrukturen die Freiheit des Menschen bedrohen.

von 
   * Ullrich Mies

Das bekannteste Werk des britischen Schriftstellers Aldous Huxley (1884 bis 1963) ist sicher sein 1932 erschienener Roman „Schöne neue Welt“. Dass sein Essay „Science, Liberty and Peace“ weniger Aufmerksamkeit erhielt, wird dem Text nicht gerecht. Viele Passagen erscheinen dem Leser, als wären sie vor Kurzem geschrieben worden. Der Inhalt ist aktueller denn je. Nachdem der Essay Jahrzehnte verschollen war, wurde er erst letztes Jahr, also 2025, unter dem Titel „Zeit der Oligarchen“ in deutscher Sprache veröffentlicht (1). Das Original „Science, Liberty and Peace“ entstand 1946 im Schatten von Faschismus, Weltkrieg, Hiroshima und dem heraufziehenden Kalten Krieg. In seinem politisch-philosophischen Beitrag stellt Huxley Wissenschaft, Technik, Macht, Freiheit und Krieg in einen engen Zusammenhang und kritisiert fundamental die Fortschritte der Naturwissenschaften unter den Bedingungen von Nationalstaat, Kapitalismus und Machtpolitik. Abgesehen von wenigen veralteten Stellen erscheint der Text wie eine Analyse unserer heutigen Zeit, in der sich die polit-ökonomisch Mächtigen innerhalb der selbsternannten „westlichen Wertegemeinschaft“ zu einem kriminellen Syndikat gegen Frieden, Einigkeit und Recht und Freiheit zusammengeschweißt haben. Ihr Ziel ist es, eine allumfassende zentralistisch-tyrannische Herrschaftsarchitektur zum Schaden der Völker zu etablieren. In unserer Epoche der digitalen Durchdringung, planvoller gesellschaftlicher Zersetzung und geopolitischer Eskalation sowie technokratischer Heilsversprechen ist Huxleys Text absolut aktuell. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „[Wehrdienst und Militarisierung](https://www.manova.news/sonderausgaben/9)“.

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Im Folgenden fasse ich einige wichtige Schlüsselaussagen seines Textes in 10 Thesen zusammen.

## Die Wissenschaft
**1. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt hat — unter den gegebenen politischen und ökonomischen Machtverhältnissen — die menschlichen Freiheiten systematisch eingeschränkt. Die moderne Wissenschaft dient als Machtverstärker und stellt den Herrschenden hochwirksame Instrumente der physischen und psychologischen Kontrolle sowie der Gewaltanwendung zur Verfügung.**

Nach Huxley wird Wissenschaft dann hoch gefährlich, wenn ihre Ergebnisse zur Zentralisierung von Macht beitragen, der polizeilich-militärischen Gewalt dienen, wirtschaftliche Abhängigkeiten verstärken und noch zusätzlich durch nationalistische und dem Fortschrittsglauben verpflichtete staatliche Ideologien legitimiert werden. Damit grenzt sich Huxley klar sowohl von einem naiven Technikoptimismus als auch von antiwissenschaftlichen Haltungen ab, denn eines könnte aktuell selbst den naivsten Technikgläubigen klar sein: Nie lebten die Menschen weniger frei als heute, weil die technologischen Errungenschaften in erster Linie der Zentralisierung von Macht, der Konzentration von Reichtum, dem totalen Staat sowie dem totalen Krieg dienen. Auf militärischer Ebene seien es Panzer, Bomber, Raketen, später Atomwaffen, auf polizeilichem Sektor moderne Kommunikation, Überwachung, Mobilität und auf der Ebene der Propaganda die Massenmedien mit Presse und Radio, so Huxley. 

>Frühere Tyranneien scheiterten oft an technischer Ineffizienz, moderne Staaten verfügten hingegen über nahezu reibungslos funktionierende Unterdrückungsapparate und machten sich dadurch rechtlich und technisch unangreifbar.

*„Der Geist der Tyrannei war immer mehr als willig, doch ihre Organisation und materielle Ausstattung waren im Allgemeinen ungenügend“* (Seite 11).

*„Wo es jedoch keine demokratischen Institutionen gibt oder wo sich eine bislang demokratische Regierung nicht mehr an die Spielregeln hält, kann sich eine unterdrückte Mehrheit zum Widerstand gezwungen sehen. Da Wissenschaft und Technik in ihrem Sieg über die Natur jedoch die militärische und polizeiliche Macht der wenigen massiv gestärkt haben, kann gewalttätiger Widerstand nicht auf Erfolg hoffen, denn im Falle eines bewaffneten Konflikts wird die Seite, die über Panzer, Flugzeuge und Flammenwerfer verfügt, unweigerlich den Sieg über die Seite davontragen, die bestenfalls mit Handfeuerwaffen und Granaten ausgestattet ist“* (Seite 13).

*„Gibt es eine Möglichkeit, die materiellen Vorteile der modernen Technik nicht nur mit Sicherheit, sondern auch mit Freiheit in Einklang zu bringen? Ich schließe mich den Dezentralisten an und bin der Ansicht, solange die Ergebnisse der Wissenschaft nur zu dem Zweck angewandt werden, unser System der Massenproduktion und -distribution immer raffinierter und spezialisierter zu gestalten, so lange kann es nichts anderes geben als eine immer größere Zentralisierung der Macht in immer weniger Händen. Und die Konsequenz dieser Zentralisierung der wirtschaftlichen und politischen Macht ist der fortschreitende Verlust der bürgerlichen Freiheiten, der persönlichen Autonomie und der Selbstbestimmung für die breite Bevölkerung“* (Seite 32).


## Gewaltfreier Widerstand 
**2. Der gewaltlose Widerstand und die Idee der gewaltfreien direkten Aktion — nach Gandhi „Satyagraha“ — ist die einzig realistische Gegenstrategie gegen technisch überlegene Machtapparate. Moderne Technik macht bewaffneten Widerstand der Bevölkerung gegen organisierte Machtapparate praktisch aussichtslos.**

Huxley betrachtet Gewaltlosigkeit nicht als Tugend, vielmehr — vor dem Hintergrund des Gewaltstaates — als eine Strategie der funktionalen Notwendigkeit. Angesichts einer zum Machterhalt entschlossenen Herrschaftskaste, die je nach Situation auch vor der offenen Tyrannei nicht zurückschreckt, hält Huxley den gewaltfreien Widerstand für die einzig mögliche Widerstandsform. 

>Die technologische Überlegenheit des Staates bedeute das Ende des klassischen Widerstands. Gewaltsamer Widerstand sei unter den modernen technologischen Bedingungen strukturell aussichtslos. Sein Argument ist, dass gewaltloser Widerstand selbst im Misserfolg moralisch und psychologisch weniger zerstörerisch sei als Gewalt. 

Er entwirft damit eine frühe Theorie asymmetrischer Machtverhältnisse, die später in der politischen Soziologie und der kritischen Friedensforschung systematisch aufgegriffen wurde. Bei realistischer Einschätzung der Lage ist der gewaltsame Aufstand der Bevölkerung heute um ein Vielfaches aussichtsloser als noch 1946, denn den Machtapparaten stehen inzwischen völlig neue Gewalt- und damit asymmetrische Herrschaftsmittel zur Verfügung, unter anderem:

* Drohnenkrieg (bewaffnete UAVs),
* Satellitenaufklärung in Echtzeit,
* KI-gestützte Zielerfassung,
* Cyberkrieg und elektronische Kriegsführung,
* präzise Langstreckenwaffen,
* digitale Überwachung,
* Gesichtserkennung,
* soziale Netzwerkanalyse,
* präventive Polizeimaßnahmen,
* „Extremismus“-Rahmung von Protest,
* kognitive Kriegsführung.

Im konkreten Konflikt entscheidet Sensorik, Logistik, industrielle Tiefe und tiefenpsychologische Durchdringung über dessen Ausgang. Protestbewegungen werden durch die Herrschaftskasten identifiziert, isoliert, innerlich zersetzt und delegitimiert, bevor sie massenwirksam werden können.

*„Wenn heute die Exekutive repressiv vorgehen will, steht ihr ein wunderbar effizienter Zwangsapparat zur Verfügung, den sie nur in Bewegung setzen muss. Dank der Begabung und eifrigen Mitwirkung gut ausgebildeter Physiker, Chemiker, Ingenieure und Erfinder sind Tyrannen in der Lage, immer mehr Menschen immer effektiver zu unterdrücken und können Strategen immer willkürlicher und auf immer größere Entfernungen töten und vernichten. (…) Dieser überwältigenden wissenschaftlichen und technischen Überlegenheit lässt sich im direkten Konflikt nichts entgegensetzen. (…) Nach einem Jahrhundert des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts können Waffen, wie sie den Massen zur Verfügung stehen, nicht mehr mit den Arsenal in der herrschenden Minderheit mithalten. Wenn die vielen den wenigen Widerstand leisten wollen, müssen sie dies daher auf Gebieten tun, auf denen die technische Überlegenheit nicht greift“* (Seite 12).


## Propaganda und Massenmedien
**3. Massenmedien sind keine neutralen Informationskanäle, sondern ökonomisch abhängige Systeme, die auf Werbung basieren und/oder auf staatliche Finanzierung angewiesen sind. Propaganda und psychologisch erzeugte Abhängigkeit dienen als emotionale Verstärker und sind Instrumente der Meinungsstandardisierung.**

Entgegen kritischer Medientheorie, nach der die Massen „von oben“ manipuliert und indoktriniert werden, begreift Huxley die massenmediale Dauerberieselung als „Tauschgeschäft“: Die Massen wollen unterhalten werden — und akzeptieren dafür Manipulation. Die Sensationslust der Konsumenten verdrängt ihr Wahrheitsinteresse und ihre kognitive Bequemlichkeit macht ihre kritische Urteilskraft zunichte. Die Masse sehne sich nach Sensation und Ablenkung und der Herrschaftsapparat erhält für die Deutungshoheit freie Hand. Er erwarte Loyalität und Zustimmung und bekäme sie. 

>Nach Huxley ist der Konsument Opfer und Komplize zugleich. Denn er lese sogar die Presseerzeugnisse, die er für verlogen halte, weil sie für ihn unterhaltsam seien. Propaganda funktioniere wegen der freiwilligen Teilnahme der Massen.

Von der heutigen Transformation der Medien hin zu perversen Propaganda-, Lügen- und Soft-Power-Kriegskombattanten gegen die Öffentlichkeit mithilfe algorithmischer Steuerung konnte Huxley selbstverständlich noch nichts wissen. Ebenso wenig von narrativer Kriegsführung und „Cognitive Domain Operations“ (2), von Plattform-Zensur und Shadowbanning aus vorgeschobenen Sicherheitsvorwänden und von psychologischen Operationen (PsyOps, der offizielle NATO-Begriff). 

Heute definiert die NATO den Informationsraum explizit als Operationsgebiet und damit wird „Desinformation“ zunehmend politisch. Daher werden alternative Medien vom Herrschaftsbetrieb zensiert, shaddow-gebannt, als „Informationsterroristen“ diffamiert und zum Abschuss freigegeben. Insoweit war Huxleys Analyse zu „zahm“, denn heute wird sogar militärisch geplant, wie die Menschen die Welt wahrnehmen sollen. Somit richtet sich der wichtigste Krieg, den die Herrschenden führen, gegen die Wahrnehmung.

*„Noch nie waren so viele so wenigen so ausgeliefert. Die unerwünschte Propaganda geht so lange weiter, bis die Leute, die dafür bezahlen, ihre Meinung ändern und andere Leute für etwas anderes bezahlen. Gegen dieses Übel gibt es kein Mittel außer dem persönlichen Verzicht. Zeitunglesen und Radiohören erzeugen psychische Abhängigkeit, die sich wie die körperliche Sucht nach Drogen, Tabak und Alkohol nur durch die Willensanstrengung des Süchtigen besiegen lässt“* (Seite 18).

*„Die Reduzierung der menschlichen Vielfalt auf eine militärische und quasi mechanische Identität erreicht man durch Propaganda, Gesetze und wenn nötig rohe Gewalt — Inhaftierung, Vertreibung oder Liquidierung der Menschen oder Klassen, die an ihrem widerspenstigen Wunsch festhalten, sie selbst zu bleiben, und sich hartnäckig weigern, sich dem jeweiligen Muster unterzuordnen, das ihnen politische und wirtschaftliche Bosse überstülpen wollen“* (Seite 41).

## Macht durch Fortschritt 
**4. Die technologische Entwicklung hat eine politische und ökonomische Situation geschaffen, in der Massenproduktion und -distribution, die Zentralisierung von Kapital sowie staatliche und private Monopole breite Bevölkerungsschichten eigentumslos und erpressbar machen.**

Nach Huxley führen Kapitalismus und Staatssozialismus durch Konzentration von Macht zu gleichermaßen verheerenden Entwicklungen im Sinne der Entdemokratisierung und Versklavung der Menschen. Der Austausch des Kapitalismus durch Staatssozialismus sei ein bloßer Wechsel der Herren und habe mit Befreiung nichts zu tun. Huxleys Ideal ist eine dezentralisierte, kleinteilige, kooperative Wirtschaftsordnung, die technisches Wissen nutzt, ohne soziale Autonomie zu zerstören.

*„In Klammern sei angemerkt, dass die Konzentration der Finanzmacht der wissenschaftlichen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts voranging und weitgehend dafür verantwortlich ist, dass die industrielle Zivilisation zu dem verabscheuenswürdigen Gebilde wurde, das sie war und überwiegend bis heute ist. (…) Vielmehr war der größte Teil des Bodens und der Ressourcen das Monopol einer kleinen Klasse von Grundbesitzern, die den sozialen Wert dessen, was eigentlich Gemeingut hätte sein sollen, zu ihrem persönlichen Nutzen vereinnahmten“* (Seite 22).

*„Das zentralisierte Bankwesen brachte die zentralisierte Industrie hervor, und die Erträge der zentralisierten Industrie wiederum vergrößerten die Macht des zentralisierten Bankwesens, mit der es die vollständige Zentralisierung von Produktion und Distribution weiter vorantrieb“* (Seite 23).

*„Selbstbestimmung, der eigentliche Kern der demokratischen Freiheit, ist in ihrem beruflichen Leben [dem Leben der Arbeiter, U.M.] weitgehend unbekannt. Der Grund ist (…) ihre Besitzlosigkeit und die daraus folgende Abhängigkeit von privaten oder staatlichen Eigentümern und Direktoren der Mittel der Massenproduktion und -distribution. Diese Besitzlosigkeit ist wiederum unter anderem eine Folge des Fortschritts der angewandten Wissenschaften — ein Fortschritt, der unter der Ägide des zentralisierten Bankwesens die Massenproduktion begünstigt, auf Kosten der Kleinproduktion für den Eigenbedarf von Selbstständigen oder Genossenschaften oder zur Versorgung lokaler Märkte“*(Seite 24f).

## Zerstörung durch Fortschritt
**5. Der moderne Fortschrittsmythos ist eine säkularisierte Eschatologie (3). Er ist nichts anderes als ein Rechtfertigungsnarrativ für gegenwärtige Grausamkeiten und gleichzeitig Ersatzreligion der Moderne.**

Die Idee, heutiges Leid durch eine imaginierte bessere Zukunft zu legitimieren, hält Huxley für eine der gefährlichsten Denkfiguren überhaupt. Sie ermögliche Totalitarismus, Krieg und systematische Entmenschlichung unter dem Deckmantel rationaler Planung. Die Wissenschaft sei dienende Instanz nationalistischer Machtpolitik. Besonders eindringlich warnt Huxley davor, totale Zerstörung aufgrund technischer Distanz als normale und unabänderliche Entwicklung anzusehen — ein Argument, das angesichts moderner Drohnen- und Raketenkriege absolut aktuell ist. Selbstverständlich geht es in der heutigen Zeit maßgeblich um zentralisierte Machtpolitik unter dem Dach von UN, NATO und EU und längst nicht mehr allein um „nationalistische“.

*„Der Mensch als moralisches, soziales und politisches Wesen wird dem Homo faber geopfert, dem Ingenieur, Erfinder und Gerätebauer“* (Seite 27).

*Der Glaube an den universellen Fortschritt basiert auf dem Wunschdenken, dass etwas umsonst zu haben ist. Dahinter steht die Annahme, dass Gewinne auf einem Gebiet nicht mit Verlusten auf einem anderen bezahlt werden müssen. Für die antiken Griechen wurde Hybris, der anmaßende Übermut, ob gegenüber den Göttern, den Mitmenschen oder der Natur, früher oder später von der Rachegöttin Nemesis bestraft. Im Gegensatz zu den antiken Griechen glauben wir Menschen des 20.&nbsp;Jahrhunderts, dass unser Hochmut keine Folgen hat. Unsere Fortschrittsgläubigkeit ist derart ausgeprägt, dass sie zwei Weltkriege überdauert hat und selbst im Angesicht des Totalitarismus, der Rückkehr der Sklaverei, der Konzentrationslager und der Flächenbombardements weiter blüht“* (Seite 38f).

*„Um ihren Urenkeln ein Leben in Frieden und Glück zu sichern, müssen die Massen bereit sein, in der Gegenwart jedes Maß an Krieg und Sklaverei, Leid und moralischem Übel zu erdulden, so wie ihre Herrscher keine Skrupel haben dürfen, sie zu verhängen. Nicht umsonst sprechen moderne Diktaturen, ob der Linken oder der Rechten, unentwegt von der goldenen Zukunft und rechtfertigen die schlimmsten Gräueltaten im Hier und Jetzt damit, es handele sich um Mittel zu einem ruhmreichen Zweck“* (Seite 39f).

## Die Nationalstaatsreligion
**6. Die Kombination aus gewaltbasiertem Nationalstaat und wissenschaftlich-technischem Wettrüsten führt zu permanenter Kriegsbereitschaft nach innen und nach außen. Der Nationalismus ist eine moderne Götzenreligion. Moralische Universalität, individuelle Würde und der Frieden sind deren Opfer.**

Der von den Machtzentren heute (angeblich) verteufelte Nationalismus ist nach Huxley lediglich reloaded, daher nicht verschwunden, er wurde nur modernisiert, semantisch veredelt. Huxley begriff Nationalismus als säkulare Religion. Heute tritt Nationalismus technokratisch auf als „wertebasierte Ordnung“, „regelbasierte internationale Ordnung“, „strategische Autonomie“. 

Der westliche Staatenverbund beansprucht in seiner Hybris moralische Universalität. Die penetrante Lügenhaftigkeit dieser „Moralität“ steht in direktem Zusammenhang zur Anwendung von Gewalt, siehe den Gaza-Völkermord, an dem die westliche Wertegemeinschaft direkt oder indirekt beteiligt ist. Der Nationalstaat tritt als Gewaltmaschine auf, wenn Bürger Demokratie einfordern oder wenn verbrecherische Politelemente neue Kriege anzetteln. Die Nationalstaatsreligion gelangt zur vollen Blüte, wenn Herrschaftskasten von „Staatsräson“ und „Staatswohl“ schwadronieren. Dann ist das Ende der Demokratie eingeläutet. 

>Staatsräson bedeutet, dass die Erhaltung des Staates über allen moralischen, rechtlichen und individuellen Ansprüchen steht. Nach dieser Ausnahmeethik darf der Staat tun, was moralisch unzulässig und Individuen verboten ist. 

Solange der Staat in seiner bisherigen Konzeption besteht, dürfen Staatsvertreter und angeschlossene Staatsapparate lügen, täuschen, betrügen, foltern, morden, Spannungen erzeugen und Kriege anzetteln, wenn sie es für „notwendig“ halten. Das Konzept ist von Anfang an eine Legitimation von Geheimhaltung und Gewalt. Der Staat als Gewaltmaschine in Verbindung mit wissenschaftlich technischem Denken, das Menschen und Tiere als Maschinen und/oder zu manipulierende Materie betrachtet, führe nach Huxley in die totale Sklaverei. Genau an diesem Punkt steht die Menschheit seit Längerem, da automatisierte, autonome Tötungsmaschinen und der Transhumanismus der Totalversklavung den Weg bereiten.

*„So werden wir Zeugen der Wiederkehr der Sklaverei in ihrer schlimmsten und unmenschlichsten Form — die Versklavung politischer Gegner in verschiedenen Diktaturen, die Versklavung ganzer Gruppen in eroberten Nationen, die Versklavung von Kriegsgefangenen. Wir werden Zeugen der zunehmenden Wahllosigkeit des Blutvergießens im Krieg: Flächenbombardements, Raketenbeschuss, Atombombenabwurf — im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde die Willkür immer größer, und heute macht sich kein Land mehr die Mühe, die traditionelle Unterscheidung zwischen Zivilisten und Soldaten, zwischen unbeteiligten Beteiligten zu respektieren, sondern widmet sich systematisch und wissenschaftlich dem allgemeinen Gemetzel und der vollständigen Zerstörung“* (Seite 44).

## Wissenschaftler als Komplizen

**7. Wissenschaftler und Techniker können sich ihrer Verantwortung nicht dadurch entziehen, dass sie sich auf „reine Forschung“ berufen. Die Anwendung von Wissenschaft und Technik ist immer politisch und die Behauptung wissenschaftlicher Neutralität ist oft nichts anderes als Komplizenschaft. Wissenschaft unter Machtbedingungen produziert Sicherheit für wenige, Kontrolle für viele und Krieg als unabdingbar für das System.**

Die totale Verschmelzung der Wissenschaftler und Techniker mit der Macht ist im digitalen Zeitalter des Überwachungskapitalismus, des Transhumanismus und der automatisierten Kriegsführung längst Realität. Technofaschismus und politischer Totalitarismus sind eine Symbiose eingegangen, damit ist die Demokratie auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Die meisten Menschen belügen sich und glauben immer noch an ein Demokratiemodell, das mit Demokratie nicht das Geringste zu tun hat. 

Huxley hat die verbrecherische Verkommenheit des Zusammenspiels von technologischem Fortschritt und Politik exakt gesehen, folglich richtet er einen normativen Appell an Wissenschaftler und Techniker: Er fordert ein „ethisches Gelöbnis für Wissenschaftler“ — vergleichbar dem hippokratischen Eid.

## Freiheit gegen Sicherheit 
**8. In Phasen hoher Unsicherheit sind Menschen bereit, Freiheit gegen vermeintliche Sicherheit einzutauschen. Das sind ein politisches Grundmuster und eine historische Tendenz.**

Werfen wir einen Blick auf die heutigen kranken „Zustände“, so ist deutlich: Die Herrschenden führen einen allumfassenden Krieg (OMIWAR) sowohl gegen die eigenen als auch gegen auswärtige Völker. 

Das gezielt geschürte Chaos durch staatsinduzierten Terror, Pandemie-Narrative, Cyberbedrohungen, Klimaangst, geopolitische Eskalationen nutzen die Zentren der Macht, indem sie Ausnahmezustände ausrufen, das Zivile militarisieren sowie Militär, Polizei und Geheimdienste (Gestapoisierung) verschmelzen. Zensur, Aufstandsbekämpfung und blanke Gewalt ergänzen ihre Repression sowie permanent gültige „Sicherheitsgesetze“ und militarisierte Innenpolitik. Penetrante, nicht hinterfragte Phrasen wie „Resilienz“, „Zeitenwende“ und „hybride Bedrohungen“ dienen der strategischen Rahmenerzählung. All diese Entwicklungen bestätigen Huxley: Das „Sicherheitsnarrativ“ ist der effektivste Hebel zur Machtausweitung einerseits und Freiheitsberaubung andererseits.

## Boy Gangster 
**9. Politiker benehmen sich in internationalen Krisen wie „Boy Gangster“, nicht wie vernünftige Erwachsene. Sie legen ein Verhalten an den Tag wie 14-jährige straffällige Jungs. „Boy-Gangster“ sind manisch egoistisch, überheblich, rivalisierend, prestigeorientiert, empfindlich und machtbesessen. Der Einsatz von Atomwaffen ist für die herrschenden „Boy Gangster“ eine permanente Versuchung.**

Huxley nimmt hier keine Politikerbeschimpfung vor, vielmehr beschreibt er ein psychologisches Grundmuster im Verhalten politischer „Boy Gangster“, ein Verhalten, das nach seiner Aussage in jedem von uns — zumal in Machtpositionen — angelegt sei. Das heißt: In Fragen nationaler Macht fallen auch Erwachsene auf archaische Gruppeninstinkte zurück, die in internationalen Konflikten dominieren, wie Stammesdenken, Rivalität, Angst vor Gesichtsverlust, Überkompensation. Damit sagt Huxley, dass der gewaltbasierte Nationalstaat (beziehungsweise kapital- und/oder gewaltbasierter Systemzusammenschlüsse wie UN, NATO, EU, OECD, die es 1946 noch gar nicht gab) psychologisch den „Jugendbandenmodus“ aktiviert. 

Unter den heutigen Bedingungen ist es wichtig anzumerken, dass Frauen, sind sie erst einmal in den polit-ökonomischen Apparaten aufgestiegen, dieselben kranken psychologischen Verhaltensweisen an den Tag legen wie Männer, da Rahmenbedingungen, Narrative und Systemzwänge in den Apparaten auf beide Geschlechter in gleicher Weise einwirken. 

Auf die heutige Zeit angewendet könnte man sagen, dass sich das Denken der „Boy Gangster“ nur noch auf Sicherheitsdilemmata, Eskalationsspiralen, Abschreckungslogiken, Reputationskosten, Glaubwürdigkeitszwänge und Siegesfantasien beschränkt. Jugendbanden stehen sich gegenüber — jedoch mit Atomwaffen. Schlimmer noch: Heute ist die Menschheit diesen „Boy- und Girl-Gangstern“ in Regierungspositionen über autonome Kill-Chains, Entscheidungsbeschleunigung und die Entwicklung in Richtung Transhumanität in einem noch gefährlicheren Maße ausgesetzt als noch 1946, da Entscheidungsprozesse zunehmend automatisiert werden. 

Huxley macht die infantile Dynamik von Prestige und Drohung deutlich. Und so ist es auch kein Wunder, dass die Öffentlichkeit von „Boy- und Girl- Gangstern“ in Politik, Konzernen und Medien sowie den Technofaschisten des Kriegsestablishments und in KI-Firmen à la Palentir täglich mit deren geistig beschränktem Herrschafts- und Dominanzgehabe terrorisiert wird. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, die Bedrohungslagen zuerst zu schaffen, um sie anschließend zu bekämpfen. In ihrer unerträglichen Kriegstreiberei überschreiten sie permanent „Rote Linien“: „Wir müssen Stärke demonstrieren“, „Wenn wir jetzt keine Stärke zeigen, verlieren wir Respekt“, „Wir müssen durch Aufrüstung abschrecken“, „Wir müssen den Feind … besiegen“, „Nachgeben bedeutet Schwäche zeigen“, und so weiter und so fort. Bei all diesem geistigen Bullshit, stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich „WIR“? 

*„Die Mentalität sämtlicher Nationen — die Mentalität, die ansonsten vernünftige Erwachsene einnehmen, wenn sie in der internationalen Politik wichtige Entscheidungen treffen — ist die eines 14-jährigen Straftäters: hinterhältig und kindisch, bösartig und einfältig, manisch, egoistisch, überempfindlich und gierig — und gleichzeitig lächerlich angeberhaft und eitel“* (Seite 56).

*„Dieser jugendliche Kriminelle in unserer Mitte reagiert auf die Atombombe nicht spontan damit, allen Kriegen ein Ende zu setzen, in dem er seine Ursachen in Nationalismus, wirtschaftlicher Realität und Macht beseitigt. Stattdessen verspürt er den spontanen Impuls, diese neue, von der Wissenschaft bereitgestellte Macht zu nutzen, um seiner jeweiligen Bande zur Weltherrschaft zu verhelfen. Es ist bemerkenswert, dass Menschen gern von einem Krieg sprechen, der allen Kriegen ein Ende bereitet, oder von einem Krieg zum Erhalt der Demokratie; aber weniger gern sprechen sie von Frieden, der dem Krieg ein Ende bereitet, oder von demokratischer Selbstbestimmung (dem genauen Gegenteil des Militarismus) zum Erhalt der Demokratie. Der Boy Gangster hat genauso viel Angst vor der Atombombe und dem, was sie ihm und seiner Welt antun kann, wie der Erwachsene, in dem er sich verbirgt. Dennoch hat er nur Bandenrivalitäten und seine eigene Überlegenheit im Kopf“* (Seite 57).

*„Und weil der Boy Gangster in jedem Außenministerium, jedem Kriegsministerium und jeder Privatwohnung lebt, können wir davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren alle (technisch) fortschrittlichen Nationen gewaltige Summen in die Rüstungsforschung und Waffenproduktion stecken werden, um damit immer gewaltigere Zerstörung auf immer größere Entfernung anrichten zu können“* (Seite 57f).

## Krieg und Wehrpflicht
**10. Bis heute ist es nicht gelungen, Kriegsvorbereitungen und Kriege als Mittel staatlicher Gewaltanwendung abzuschaffen. Im Gegenteil: Die Menschen, die sich dem allgemeinen Trend zur Zentralisierung von Herrschaft und Entmenschlichung nicht unterwerfen wollen, werden drangsaliert, terrorisiert oder vernichtet.**

Im Zentrum des Staates steht seit jeher das Gewaltmonopol nach innen und außen. Innenpolitisch dient es vorgeblich dazu, innergesellschaftliche Konflikte zu entschärfen, außenpolitisch — unter dem Vorwand der Friedens- oder der Demokratiesicherung — stets dazu, Kriege zwecks Machterweiterung, Unterjochung anderer Völker und Ressourcensicherung zu führen. Die herrschenden Klassen werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Staat als Instrument unter ihrer Kontrolle zu behalten. Dafür begehen sie jedes Verbrechen. 

>Huxley äußert sich auch zur Wehrpflicht. Aus seiner Sicht dient sie zum einen der Kriegsvorbereitung und zum anderen der innergesellschaftlichen Disziplinierung.

*„Wenn wir über die Möglichkeit sprechen, den Krieg abzuschaffen, dürfen wir nicht vergessen, dass Kriegsvorbereitungen und manchmal auch Kriege selbst den hochzentralisierten Staaten bei ihren totalitären Zwecken sehr entgegenkommen. Die Einführung der Wehrpflicht in Friedenszeiten lässt sich immer damit rechtfertigen, dass sie einen Schutz gegen den Krieg darstellt, oder zumindest gegen eine Niederlage im Krieg. Tatsächlich haben Länder, die in Friedenszeiten die Wehrpflicht eingeführt haben, nachher genauso viele Kriege geführt wie vorher, und sie haben genauso viele Niederlagen erlitten.*

*Der wahre unausgesprochene Grund für die Einberufung in Friedenszeiten ist das allzu natürliche Bedürfnis eines mächtigen und zentralisierten Staats, seine Bürger zu reglementieren und zu kontrollieren, indem er sie dem realen und möglichen Kriegsrecht unterstellt und sich selbst das Recht zuspricht, sie wenn immer nötig (zum Beispiel zur Niederschlagung eines unerwünschten Streiks) einzusetzen. In Zeiten der Atombombe könnten Massenarmeen unzeitgemäß erscheinen. Trotzdem zeigt kein Land, das in der Vergangenheit zu Friedenszeiten die Wehrpflicht eingeführt hat, eine Neigung, die Kontrolle über die breite Masse der Bevölkerung aus der Hand zu geben. Und in Ländern, die früher keine Wehrpflicht in Friedenszeiten kannten, fordern hochrangige Militärs und Beamte die Einführung eines allgemeinen Militärdienstes.*

*Auch in anderer Hinsicht sind Kriegsvorbereitungen für die Inhaber zentralisierter politischer Macht nützlich. Wenn zu Hause die Probleme zunehmen und der öffentliche Protest unangenehm laut wird, ist es in einer Welt, in der Kriege noch eine fast heilige Angewohnheit sind, immer noch möglich, die Aufmerksamkeit der Menschen weg von den heimischen und hin zu den ausländischen und militärischen Angelegenheiten zu lenken.*

*Die staatlich kontrollierten Überzeugungsinstrumente entwickeln eine Flut fremdenfeindlicher oder imperialistischer Propaganda, man demonstriert eine ‚Politik der Stärke‘ gegen eine ausländische Macht, und sofort ist es unpatriotisch, selbst noch so gerechtfertigte Beschwerden über Misswirtschaft oder Unterdrückung zu äußern. Daher kann es sich ein hochgradig zentralisierter Staat kaum leisten, auf Militarismus oder Kriegsandrohungen zu verzichten. Das ist ein weiteres Argument für die Teilung und Dezentralisierung der Macht, die Deinstitutionalisierung von Politik und Wirtschaft und wo immer möglich die Beseitigung zentralisierter Massenproduktion und -distribution durch regionale genossenschaftliche Erzeugnisse und staatlicher Intervention und Kontrolle durch kooperative Selbstbestimmung“* (Seite 58f).

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