Krieg ist ansteckend

Im Manova-Exklusivgespräch spricht Paul Soldan über bisher weniger beachtete Mechanismen, die zum Krieg führen, und sein neues Buch „Sheikhi — Ein afrikanisches Märchen“, das er darüber schrieb.

In Medien und Politik eskaliert die Kriegsrhetorik. In der Bevölkerung wird die Angst vor einem heißen Krieg bei vielen Menschen immer stärker. Unzählige Analysen beschreiben die Macht- und Geldinteressen hinter bewaffneten Konflikten. Paul Soldan schrieb nun ein afrikanisches Märchen, in dem er andere Mechanismen aufzeigt, die Kriege möglich machen. Warum greift ein Autor zu dieser doppelten oder sogar dreifachen Verfremdung — Afrika, Märchen, Fiktion? Können wir die Frage von Krieg und Frieden nur noch in exotischen Settings verhandeln? Darüber spricht Elisa Gratias mit dem jungen Autor.

„In ‚fünf bis acht Jahren‘ könnte es möglich sein, dass Russland ein Nato-Land angreift — das sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zuletzt. Angesichts dieser Bedrohung hält der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, es für erforderlich, dass die Bundeswehr binnen fünf Jahren ‚kriegstüchtig‘ wird“, schreibt der Spiegel (1).

So geht es los. Eine Vermutung ist Anlass für Aufrüstung und rechtfertigt in Redaktionen die Eskalation der Kriegsrhetorik.

Der sechsunddreißigjährige Autor Paul Soldan untersuchte in seinem ersten Roman „Sheikhi — Ein afrikanisches Märchen“ die Gründe, weswegen junge Menschen in Kriege ziehen oder sich schicken lassen. Der Teufelskreis beginnt mit der Vorstellung, dass es möglich sei, für den Frieden Krieg zu führen. Oft spielen auch mangelnde Perspektiven eine Rolle.

Da beruhigt es, dass sich — zumindest bisher — trotz all der Kriegsrhetorik und Angstmache in den Medien im „Falle eines militärischen Angriffs auf Deutschland (…) laut einer Umfrage nur rund fünf Prozent der Bundesbürger zum Kriegsdienst melden“ würden (2). Obwohl Medien sich alle Mühe geben, sinken seit Kriegsbeginn in der Ukraine die Bewerberzahlen bei der Bundeswehr, während immer mehr Soldaten einen Antrag auf Wehrdienstverweigerung stellen (3). Und selbst 5 Prozent der Bundesbürger sind noch immer zu viele.

Die Menschen scheinen zu unterschätzen, was das für sie bedeuten würde. Selbst, wenn Soldaten im Krieg nicht fallen, kehren viele verstümmelt oder psychisch traumatisiert von der Front zurück. Paul Soldan verschont die Leser nicht und entführt sie durch seine gelungene Erzählkunst in realistische Szenen mitten im Kriegsgeschehen, die wir uns nur selten vorstellen, wenn wir in der Theorie von einem möglichen Krieg sprechen.

Die Medien arbeiten daran, die Bevölkerung auf einen „Mentalitätswechsel“ (1) einzustellen. Der Roman von Paul Soldan könnte helfen, diesem entgegenzuwirken, und führt klar vor Augen, was Krieg für Soldaten bedeutet und, dass bereits aus reiner Logik heraus Krieg niemals Frieden schaffen kann.

Die Geschichte in Afrika. Die Distanz und die Nichtidentifizierung mit den Kriegsparteien der Geschichte helfen Leserinnen und Lesern, die Argumente auf sich wirken zu lassen, egal welche Meinung sie zur deutschen Tagespolitik haben.

Im Gespräch mit Elisa Gratias erzählt der junge Autor Paul Soldan über die Entstehung des Buches, über seine Reise nach Afrika und über die Dynamiken des Krieges.


Elisa Gratias im Gespräch mit Paul Soldan

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Hier können Sie das Buch bestellen:Sheikhi - Ein afrikanisches Märchen