# Landwirte am Limit

In den Niederlanden formiert sich Widerstand gegen die Stickstoffpläne der Regierung. Ob eine politische Kursänderung folgt, ist fraglich. 

von 
   * Manovas Weltredaktion

In den Niederlanden möchte die Regierung die Stickstoffemissionen deutlich reduzieren und plant aus diesem Grund umfangreiche Maßnahmen. Landwirtschaftliche Betriebe fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt. Die Proteste nehmen landesweit zu, doch Premierminister Rob Jetten ließ bei einer Pressekonferenz durchblicken, dass diese die Stickstoffpläne seiner Regierung nicht aufhalten werden. Tausende landwirtschaftliche Betriebe fürchten um ihre Existenz. Die Zeitung De Andere Krant hat mit mehreren niederländischen Landwirten gesprochen. Ein Beitrag zu unserem „[Nahrung](https://www.manova.news/sonderausgaben/7)“-Spezial.

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*von George Woodham*

*De Andere Krant* fragte Mark van den Oever, Willem Engel, Marcel Roerdink und Elze van Hamelen (Namen von d. Übers. ergänzt) nach Lösungen, mit denen der Sektor, der uns mit Lebensmitteln versorgt, gerettet werden kann. FDF-Vorsitzender (Farmers Defense Force) Mark van den Oever hofft auf eine breite gemeinsame Aktion aller Bauernverbände und Bürger. Das ehemalige BBB(BauernBürgerBewegung)-Mitglied Marcel Roerdink vertritt die Ansicht, dass Landwirte ihren Fokus stärker auf Entscheidungsträger in den Kommunal- und Provinzverwaltungen richten sollten. Elze van Hamelen (1) ist der Meinung, dass die Stickstoffnormen vom Tisch müssen, da sie sich aus einem Modell ergeben und nicht von der EU vorgeschrieben sind. „Wenn wir alle streiken und demonstrieren, muss das gelingen“, ergänzt *Andere Krant*-Leser Jansz aus Dronten.

![Bild](/media/images/b22c7f6256ef51d08a266d833c8aa98c.jpg )
##### Bauernprotest vor dem Provinzparlament in Den Bosch, 14. August 2026 | ©mkfotografie
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*„Die Bürger müssen die Landwirte viel stärker unterstützen. Boykottiert die Supermärkte. Kauft direkt bei den Landwirten ein.“*

Nun, da die Traktoren aus Protest gegen die geplante Stickstoffpolitik der Regierung wieder in voller Fahrt sind, stellt sich die Frage, ob Demonstrationen gegen die Regierungspolitik tatsächlich Sinn machen. Bei einer Pressekonferenz am 14. August 2026 reagierte Ministerpräsident Rob Jetten zustimmend auf die Aussage, „dass die Landwirte protestieren können, so viel sie wollen, aber diese Pläne werden umgesetzt“. *De Andere Krant* befragte einige Experten, ob die Proteste Sinn machen und was Landwirte und Bürger noch tun können, um das drohende Unheil abzuwenden. „Boykottiert den Supermarkt, kauft direkt bei den Bauern ein.“

## „Wir erleben gerade eine Wiederauferstehung der Landwirte.“

Der Vorsitzende der Bauerninteressenorganisation Farmers Defence Force (FDF) Mark van den Oever freut sich über die zunehmende Dynamik der Bauernproteste. „Ich glaube, die zweite Welle steht bevor. 

>Nach der ersten Welle im Jahr 2019 erleben wir nun eine Art Wiederaufleben der Bauern“, sagt Van den Oever. Damit spielt er auf die Bauernproteste an, die im Herbst jenes Jahres entstanden waren. 

Schon damals war Stickstoff der Hauptgrund, und einer der unmittelbaren Auslöser war der Vorschlag des D66-Abgeordneten (2) Tjeerd de Groot, den Viehbestand in unserem Land wegen der Stickstoffemissionen drastisch zu reduzieren. Die D66 sprach sich damals dafür aus, die Zahl der Hühner und Schweine in unserem Land um 50 Prozent zu senken und auch die Zahl der Rinder erheblich zu reduzieren.

Van den Oever hielt am Freitag, dem 14. August, im Provinzhaus in Den Bosch eine leidenschaftliche Rede vor dem Provinzparlament. Er sprach sich gegen den Entzug der Naturgenehmigungen von fünf Brabanter Hühnerzüchtern und gegen die Zerstörung der Landwirtschaft in den Niederlanden aus. Draußen standen rund um das Provinzhaus mehr als hundert Traktoren mit umgekehrten Flaggen und Transparenten aus den gesamten Niederlanden auf den Straßen und am Straßenrand. Der Vorsitzende der FDF freut sich über den massiven Andrang, stellt jedoch fest, dass die Aktionen bislang noch nicht zu politischen Kursänderungen geführt haben. „Nein. Überhaupt nicht. Das Einzige, was wir bemerken, ist, dass die LTO langsam nervös wird“, so der Obstbauer aus Sint Hubertin in Brabant.

LTO Nederland (3) ist der größte niederländische Bauernverband und gibt an, 35.000 landwirtschaftliche Unternehmer zu vertreten. 

>Unter Landwirten gilt er jedoch als sehr gemäßigter Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen, der sich nur selten gegen die Regierungspolitik zur Wehr setzt. Auffällig war daher, dass sich die ZLTO, der südliche Zweig der LTO Nederland, letzte Woche den demonstrierenden Landwirten in Den Bosch anschloss. Auch bei der FDF war man darüber erfreut.

Van den Oever kann bei den aktuellen Protesten auch auf die Unterstützung von Agractie und anderen Bauernverbänden sowie Dachverbänden wie dem Niederländischen Verband der Geflügelhalter, dem Niederländischen Ackerbauverband und Vee & Logistiek Nederland zählen. Breite Unterstützung ist seiner Meinung nach unerlässlich. „Wenn die Landwirte sich als einheitliche Kraft zu Wort melden, dann wird der Brief von Van Essen vom Tisch sein“, erklärt er. Die protestierenden Bauernverbände veröffentlichten diese Woche eine Liste mit den Terminen und Orten der Informationsabende, die sie organisieren, um die Landwirte darüber zu informieren, was die vorgeschlagene Stickstoffpolitik für sie bedeuten wird.

Unterdessen ruft van den Oever auch die Bürger dazu auf, sich dem Widerstand der Landwirte anzuschließen. „Kommt alle zu den Demonstrationen, klebt einen Aufkleber auf euer Auto, äußert euch im Internet oder zeigt wieder das Landwirte-Taschentuch. Und lasst vor allem bei den Wahlen eure Stimme hören – und vielleicht diesmal nicht für D66“, schließt er mit einer gehörigen Portion Zynismus in der Stimme.

Macht bei nichts mit. Massiver Ungehorsam, aber immer friedlich.

Zu der Nachfrage von *De Andere Krant* äußerte sich auch Willem Engel, Corona- und Regierungskritiker: „Chancenlos.“ So bezeichnet Engel die aktuellen Bauernproteste gegen die Stickstoffpläne der Jetten-Regierung. „Solange man glaubt, politisch etwas bewirken zu können, ist man in diesem Spiel chancenlos.“

Eine bemerkenswerte Schlussfolgerung, da der 49-jährige Gründer der Aktionsgruppe „Viruswaarheid“ insbesondere in den Jahren 2021 und 2022 selbst gegen staatliche Maßnahmen, nämlich die Corona-Politik, demonstriert hat. „Sehen Sie, mit unseren Corona-Demonstrationen haben wir gezeigt, dass wir nicht in einer Demokratie leben, weil wir kein Mitspracherecht erhielten. Mehr noch: Es gab knallharte Framing-Taktiken und sehr viel Polizeigewalt, zum Beispiel durch die ‚Romeos‘ (4). Das war systematisch gezielte Polizeigewalt. Hier werden die Medien ganz klar instrumentalisiert. Bei Mark van den Oever (FDF) sieht man, dass er inhaltlich die richtige Linie wählt. Dann kommt es zu einem solchen Framing-Ereignis mit einem Unfall, der nichts mit den Landwirten zu tun hat, ihnen aber dennoch zugeschrieben wird.“

Engel bezieht sich auf den tödlichen Unfall auf der Autobahn A59 bei Heesch am Freitagmorgen, dem 14. August 2026. Ein Auto fuhr in einen Stau hinein, mehrere Menschen wurden verletzt, ein Ehepaar in den Siebzigern kam ums Leben. Der Stau entstand zwar durch langsam fahrende Traktoren, die auf dem Weg zum Provinzparlament in Den Bosch waren, doch in den meisten Mainstream-Medien wurde schnell suggeriert, dass die Landwirte daran schuld seien. So lautete die Schlagzeile bei *EenVandaag*: „Tödlicher Unfall auf der Autobahn bei Traktordemonstration – hätte die Polizei nicht früher eingreifen können?“ Und bei *RTL Nieuws*: „Zwei Tote bei Unfall auf der A59 im Stauende wegen Bauernprotest.“

„Der NCTV (Nationaler Koordinator für Terrorismusbekämpfung und Sicherheit – Anm. d. Red.) nutzt diesen Unfall, um den Angriff auf die Landwirte einzuleiten“, behauptet Engel. Der Unfall sei nicht vom Sicherheitsdienst verursacht worden, erklärt er, werde aber von dieser Behörde genutzt, um den Widerstand der Landwirte zu diskreditieren und im Keim zu ersticken. „Das ist zu 100 Prozent eine *False-Flag*-Aktion des NCTV, denn der Zusammenstoß hatte nichts mit dem Protest zu tun. Sie nehmen einfach einen zufälligen Unfall, der zeitlich und geografisch in der Nähe passiert ist, und sagen: ‚Ja, das liegt an den Bauern!‘“

„Gegen diesen Rahmen muss man hart vorgehen“, rät Engel den Landwirten. „Anzeigen wegen Verleumdung und übler Nachrede erstatten, denn genau darum geht es. Zivilverfahren gegen alle Zeitungen einleiten, die so darüber berichten, den Ombudsman (5) einschalten. Alles einsetzen und: *Nicht nachgeben*.“

>Auch wenn er glaubt, dass die Demonstrationen keine politischen Kursänderungen bewirken werden, ist Engel dennoch der Meinung, dass alle Aktionen der Landwirte fortgesetzt werden müssen. „Man demonstriert nicht für politische Kursänderungen. Man will die Regierung zum Rücktritt zwingen. 

Das ist es, was passieren muss: eine sanfte Revolution. Die Regierung muss stürzen. Vor allem diese Regierung unter der Führung von D66, deren oberstes Ziel die Ausrottung der Landwirte ist. Das sagen sie schon seit Jahren“, so Engel, der sich auf den Wunsch nach einer Reduzierung des Viehbestands bezieht, den die Partei bereits 2019 geäußert hatte. „Wenn sie das sagen, sollte man sie besser beim Wort nehmen.“

Sein Rat an die Landwirte: „Haltet stand. Macht bei nichts mit. Leistet massenhaft Ungehorsam, aber immer friedlich. Sobald ihr Gewalt anwendet, seid ihr erledigt. Erstens habt ihr absolut keine Chance, und zweitens verliert ihr auch den Goodwill und den Schwung, denn dann kommt es zu Spaltungen innerhalb der Landwirte und die Bürger wenden sich ab.“

## „Die Zweite Kammer befasst sich überhaupt nicht mit Naturschutz.“

Marcel Roerdink, ehemaliges BBB-Mitglied des Provinzparlaments in Gelderland, rät den Landwirten, sich nicht nur an die Bundesregierung zu wenden, sondern vor allem auch an die Provinzialregierungen der zwölf einzelnen Provinzen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche administrative Beratungsgremien wie das IPO bei 12 (für die Provinzregierungen (GS)), den VNG (Verband niederländischer Gemeinden), öffentliche oder halböffentliche Organisationen und NGOs wie Staatsbosbeheer (6) und Natuurmonumenten, die im Naturschutzbereich weitreichende Befugnisse haben, dafür aber gegenüber den Volksvertretern keine Rechenschaft ablegen müssen.

Roerdink, Autor von *De Modellencrisis*, erläutert in seinem Buch, was in den Niederlanden alles an der Stickstoff- und Naturpolitik falsch läuft. „Unser Naturschutz wird eigentlich völlig außerhalb der Volksvertretungen organisiert“, erklärt er gegenüber *De Andere Krant*. „Die Volksvertreter haben eigentlich nichts mehr zum Naturschutz zu sagen. Und wenn man das ändern will, muss man die einzelnen Verwaltungsebenen, die wir in diesem Land haben, so wiederherstellen, wie Thorbecke (7) es sich 1848 vorgestellt hatte: Die Provinzialstände, der Gemeinderat und die Zweite Kammer müssen wieder gestärkt werden. Sonst wird daraus nie etwas“, sagt er.

>„Die Zweite Kammer hat überhaupt nichts mit dem Naturschutz zu tun“, fährt Roerdink fort, der Anfang dieses Jahres die Fraktion der BBB in den Provinzialstaaten verlassen hat. Er tat dies unter anderem, weil er der Meinung ist, dass die Partei von Caroline van der Plas zu wenig für die Landwirte tut. 

„Im Jahr 2011 wurde das Naturschutzmanagement an die Provinzen delegiert“, erklärt er. „Was haben die Provinzialparlamente dann für einen Fehler begangen? Sie haben es sofort an die Provinzregierungen weitergereicht, und so ist es dem Blick der Volksvertreter entgangen.“

Roerdink führt einen aktuellen Stickstoffplan als Beispiel an, um die mangelnde Kontrolle durch die Volksvertreter aufzuzeigen: den „Plan Aanpak Veluwe“, der als Blaupause für die Stickstoffpolitik von Minister Van Essen diente. Dieser Plan zielt auf eine erhebliche Reduzierung der Stickstoffemissionen in der Veluwe ab, wodurch die Existenz vieler Landwirte im Gelderse Vallei bedroht ist. „Dieser Plan wurde von Peter Drenth (CDA (8), Provinzregierung Gelderland), Minister van Essen, 21 Bürgermeistern und Beigeordneten sowie zwei Vorständen von Wasserverbänden unterzeichnet. Nun, da sieht man genau, wo der Fehler liegt. Denn man sollte diese 21 Bürgermeister und Beigeordneten einmal fragen, ob sie überhaupt ein Mandat ihres Gemeinderats haben. Die beiden Wasserverbände sollte man mal fragen, ob sie überhaupt ein Mandat von ihren Beitragszahlern haben – so nennen sie das, glaube ich.“

## „Stickstoff ist einfach ein künstlich geschaffenes Problem“

Elze van Hamelen (1) unterstützt den Widerstand der Landwirte, plädiert jedoch für einen umfassenderen Ansatz in dieser Frage. „Demonstrieren ist eine Sache“, sagt van Hamelen. „Aber das allein bringt nichts. Ich finde, dass man sich auf die falschen Diskussionen konzentriert. Stickstoff ist einfach ein künstlich geschaffenes Problem anhand eines Modells, und mit einem Modell kann man immer in Richtung der gewünschten Politik lenken. So einfach ist das. Außerdem: Die Europäische Union (EU) verlangt das gar nicht von uns. Der erste Schritt ist also einfach, das Thema Stickstoff zu beenden. Schluss mit diesen Stickstoffmodellen und der Stickstoffdiskussion. Dann sollte man sich einfach an die EU-Politik halten, denn unsere Nachbarländer haben dieses Problem überhaupt nicht.“

Van Hamelen spricht anschließend den folgenden Punkt an: „Ich finde, dass unsere Naturpolitik grundlegend falsch ist. Wir haben eine sehr technokratische Naturpolitik. Der Mensch existiert schon seit Tausenden von Jahren und ist ebenso lange Teil der Natur. Jetzt haben wir uns einen willkürlichen Moment in der Geschichte herausgegriffen und gesagt: ‚Ach ja, vor 100 Jahren war das ein feuchtes Moorgebiet oder ein Sumpf, also ist das die ursprüngliche Wildnis, und die müssen wir dann wiederherstellen, und deshalb graben wir das gesamte fruchtbare Land mit Baggern ab und führen den Wolf wieder ein.‘ Das ist idiotisch. Die Grundannahmen der Naturpolitik sind völlig absurd. Meine Vorstellung von Natur ist, dass sie einfach wächst und gedeiht, und damit muss man gut umgehen. Das haben die Landwirte auch immer hervorragend gemacht“, erklärt van Hamelen.

Die ehemalige Nachhaltigkeitsberaterin sieht für die Bürger eine wichtige Rolle darin, den Landwirten zu helfen. „Ich denke, wir als Bürger müssen die Landwirte viel stärker unterstützen. Also boykottiert den Supermarkt. Kauft viel mehr direkt bei den Landwirten ein. Und wo das nicht möglich ist, gibt es oft Abholstellen. Dort könnt ihr angeben, was ihr wollt, diese Abholstellen kaufen es dann bei den lokalen Landwirten ein, und ihr bekommt einfach ein Paket nach Hause geliefert. Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten. Ich habe während der Corona-Zeit angefangen, direkt beim Bauern einzukaufen, und habe dadurch eine ganz andere Sicht auf mein Essen gewonnen, weil ich die Menschen kenne, die für mein Essen sorgen. Wenn man dann abends isst, ist das wirklich ein ganz anderes Gefühl. Man weiß, auf welchem Boden es angebaut oder gezüchtet wurde, und weil man mit diesen Menschen spricht, weiß man auch, wie unglaublich hart sie arbeiten.“

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**George Woodham** ist Niederländer und schreibt als Journalist unter anderem für *De Andere Krant*.

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**Redaktionelle Anmerkung:** Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Hoe kunnen we de boeren helpen?” in der niederländischen Wochenzeitung *De Andere Krant*, Ausgabe 34 vom 22. August 2026. Er wurde von Annette van Gessel ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratteam lektortiert. 


