Machen wir es selbst!

Wie durch Veränderung des Einzelnen etwas Gemeinsames entsteht.

Um die gegenwärtige Krise zu überwinden und eine gerechtere Weltordnung zu finden, ist jeder von uns gefragt. Doch wie kann die Beteiligung aussehen? Und sollten wir uns dabei auf bereits bekannte Muster verlassen oder etwas Neues ausprobieren?

In was für einer Welt leben wir? In einer Welt, in der

  • dem Terror der Krieg erklärt wurde und das, statt weniger, immer mehr Terroristen produziert;
  • die NATO-Staaten einen illegalen Angriffskrieg nach dem anderen führen (zum Beispiel gegen Serbien 1999, den Irak 2003 und Libyen 2011 (1));
  • die Drohnenmorde immer beängstigendere Ausmaße annehmen (2);
  • der Drang des kapitalistischen Wirtschaftssystems nach unendlichem Wachstum unseren Planeten zerstört;
  • sich die demokratische Mitbestimmung auf Wahlen beschränkt, die nichts bewirken außer einem kurzen Aufschrei in der Mainstream-Presse.

Um weg von Krieg, unendlicher Kapitalakkumulation und Scheindemokratie zu gelangen, müssen wir der Welt den Frieden erklären, jeden Tag.

Dieser Frieden fängt bei jedem einzelnen von uns an, indem wir Frieden in unserem Herzen tragen und über unsere Sprache transportieren. Dazu müssen wir allerdings trauma- und angstfrei sein. Unser kollektives Trauma, der Wunsch nach einer Autorität, kann nicht allein überwunden werden, indem wir rechte Abwege meiden, sondern auch, indem wir uns von der jetzigen Scheindemokratie verabschieden. Nicht eine Partei oder eine Organisation wird die Probleme dieser Welt für uns lösen. Wir müssen sie selbst anpacken und dürfen uns dabei nicht einem Label oder Dogma unterwerfen, welches zum Selbstzweck wird. Frieden und Mitmenschlichkeit sind nicht deshalb erstrebenswert, weil Parteien, Kirchen oder andere Autoritäten dies vorgeben, sondern weil es Werte an sich sind. Es gilt deshalb, Verantwortung für unser eigenes Handeln zu übernehmen und nicht darauf zu warten, bis irgendjemand vor uns herläuft, damit wir dann hinterherlaufen können.

Es wird keine von den bekannten Parteien etwas für uns ändern. Sie sind selbst viel zu sehr im parlamentarischen System gefangen. Keine Partei sagt: „Wir stellen gemeinsam mit euch etwas auf die Beine.“. Es heißt immer: „Wählt uns, wir machen das dann für euch.“ Das verdeutlicht zum einen, dass es nur um Wählerstimmen und damit um parlamentarische Macht, nicht aber um die Veränderung an sich geht. Vor allem aber zeugt es vom zugrundeliegenden Menschenbild des dummen Wählers, der nicht in der Lage ist, die Komplexität der Sachverhalte zu überblicken und daher auch keine vernünftigen Entscheidungen zu treffen vermag. Dass aber jeder Mensch Fähigkeiten besitzt, die er zum Wohle Aller in die Gemeinschaft einbringen kann, wird schon im Kindergarten, spätestens aber in der Schule abtrainiert und es wird dafür gesorgt, dass eine Ellenbogengesellschaft entsteht und sich Potentiale gar nicht erst voll entfalten können (3).

Stattdessen leiden Schüler unter „Wissensbulemie“, was bedeutet: stur auswendig lernen, zur Klausur wieder auskotzen und dann vergessen. Es geht nicht darum, Zusammenhänge herzustellen, Horizonte zu erweitern und eigenständig zu denken. Es wird immer von Individualität gesprochen, in Wahrheit aber wird der Korridor, in dem wir individuell sein dürfen immer enger, sodass wir letztendlich doch alle immer gleicher werden. Parteien und das deutsche Bildungssystem sind demnach Machtinstrumente derjenigen, die wirklich etwas zu sagen haben: die anonymen Eliten, die Klasse der „Besitzenden“. Denn Demokratie und Selbstbestimmung, also eine gleichberechtigte politische Teilhabe des gesamten Volkes unter Einschluss derjenigen, die nichts oder wenig besitzen, ist für die Klasse der Besitzenden nicht erstrebenswert. Zu allen Zeiten sahen sie die Gefahr, von der Mehrheit der „Besitzlosen“ enteignet zu werden. Angesichts des immer größer werdenden Unterschieds zwischen Arm und Reich und der Gewalt, mit der die Macht erhalten wird, ist diese Sorge nicht ganz unberechtigt.

Die Lösung kann allerdings nicht darin bestehen, im staatssozialistischen Sinne den Staat einzunehmen und eine neue Machtstruktur aufzubauen. Es geht darum, den Staat mit seinen ganzen Institutionen und seiner Bürokratie sich selbst zu überlassen. Staaten sind keine objektiven Dinge. Hinter ihnen stehen Menschen, die Fehler machen, den ganzen Wahnsinn selbst nicht überblicken können, sich untereinander selten einig sind und oft an dem zweifeln, was sie machen. Staaten sind also äußerst instabile Strukturen und längst nichts Übermächtiges mehr, an das die Mehrheit der Menschen glaubt. Es wird immer schwieriger, die realen Probleme unter den Tisch zu kehren und Rebellion dagegen niederzuknüppeln, ohne dass es Aufsehen erregt. Das bedeutet, die Kontrolle und Macht zu behalten fällt immer schwerer. Wenn nun aber überall autonome Projekte entstehen, wir uns den gegebenen Machtstrukturen entziehen und etwas Neues aufbauen, was der unglaubliche Bürokratieapparat in keines seiner Raster einordnen kann, dann werden diese Strukturen überflüssig, da es niemanden mehr gibt, der sich von ihnen einschränken lässt. Schenkt man dieser überforderten und überflüssigen Maschinerie keine Beachtung mehr, zerstört sie sich von innen heraus.

Da der Kollaps des bestehenden Systems wahrscheinlich nicht mehr lange auf sich warten lässt, ist es umso wichtiger, dass wir jetzt schon anfangen, uns aus vermeintlichen Alltags- und Konsumzwängen zu befreien und unser eigenes Leben zu verändern. Es geht darum, neue Strukturen aufzubauen, auf die wir zurückgreifen können, wenn der große Umbruch kommt. Denn dann haben wir auch die Kraft, Menschen aufzufangen und vom Trauma der Autorität zu heilen, ohne dass sie sich aus Angst, auf sich selbst gestellt zu sein, an den Hals des nächstbesten (bzw. schlechtesten) faschistischen Diktators klammern.

Wenn nun noch die letzte Angst besteht, es könnte alles sinnlos sein, da Trump nur seine Atomwaffen zücken müsste und wir, bevor es ein selbstbestimmtes Leben geben kann, alle vernichtet sind, sage ich: Nein, es ist nicht sinnlos. Mit den „Trumpeltieren“ der Weltpolitik müssen wir umgehen wie mit einem eingeschnappten Kind. Wenn wir es alle ignorieren und niemand auf seine Spielchen anspringt macht es ihm keinen Spaß mehr, da es keine Bühne und kein Publikum mehr hat. Dann wird es von ganz alleine aufhören und versuchen Anschluss zu finden.

Wichtig auf dem Weg in die Selbstbestimmung ist auch die Form und die Art der Medien, denen wir Beachtung schenken. Die Mainstream-Medien, so auch die öffentlich-rechtlichen, tragen zur allgemeinen Akzeptanz des gegenwärtigen Systems bei, die privaten Printmedien befinden sich in den Händen einflussreicher Kapitalbesitzer (Springer, Bertelsmann), die ihrerseits natürlich kein Interesse an einem grundlegenden Wandel haben. Die bei ihnen tätigen Journalisten verfügen oft über beste Verbindungen zu Politik und Wirtschaft (4). Natürlich haben sie dabei keinen Anstecker an der Brust - „Goldman Sachs“- wie die Kassiererin bei Lidl, von der jeder weiß, dass sie für Lidl arbeitet. Das Ganze wird dann als objektiv verkauft und wer Medien einfach nur konsumiert, ohne sie zu hinterfragen, glaubt das dann auch. Doch auch der Glaube an die Medien schwindet und wir haben die Möglichkeit, uns im Internet nach Alternativen umzuschauen. Wir können Vergleiche anstellen und uns mit anderen vernetzen. Hierbei sind wir allerdings aufgefordert, nicht nur zu konsumieren und nur noch ein „alternatives“ Medium zu nutzen, sondern uns kritisch eine eigene Meinung zu bilden.

Auch wenn es uns manchmal aussichtslos erscheint und wir pessimistisch sind, ob es noch eine Chance für Veränderung in Richtung wahre Demokratie und Menschlichkeit gibt, dürfen wir nicht aufgeben und schon gar nicht die Lebensfreude verlieren. Es gibt erfolgreiche Projekte auf der ganzen Welt, die zeigen, dass es funktioniert, selbstverwaltet zu leben und es gibt immer mehr Menschen, die merken, dass etwas mit unserer repräsentativen Demokratie nicht stimmt und dass es so nicht weitergehen kann. Diese müssen sich gegenseitig Mut machen und andere mit friedlichem Herzen und einem Lächeln im Gesicht anstecken. Mit der Mischung aus scharfsinniger Analyse, Liebe und Mitmenschlichkeit kann es uns gelingen, als friedliche Menschheits- „Familie“ aus der gegenwärtigen Krise hervorzugehen.


Quellen:

(1) Ganser, Daniele : Illegale Kriege (2016)
(2) https://www.youtube.com/watch?v=RBw6IqffG2c
(3) http://www.rubikon.news/artikel/das-ende-der-geborgenheit
(4) Krüger, Uwe : Meinungsmacht (2013)