Menschlichkeit und Kapital
Im Gespräch mit Transition TV und Manova stellt sich der Ökonom, Fondsmanager und Bestseller-Autor Max Otte den kritischen Fragen von Elisa Gratias und führt seine politischen Ansichten für ein menschengerechteres Gesellschaftssystem aus.
Was passiert, wenn ein Fondsmanager und Millionär und eine idealistische Kapitalismuskritikerin aus der mittleren Einkommensschicht über Kapitalismus sprechen? Sie stellen fest, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie trennt, und ein Austausch meinungs- und vermögensübergreifend nicht nur lohnt, sondern für Frieden und mehr Gerechtigkeit die Grundvoraussetzung ist. In einem Video-Interview für Manova und Transition TV stellt sich Professor Dr. Max Otte den Fragen von Elisa Gratias zu Themen wie AfD, Eigentum, Verantwortung der „Reichen“, Umgang mit armen Menschen, Gott und die Bedeutung von Philosophie und Intuition für die Mitgestaltung der Gesellschaft.
Was unterscheidet Menschen, die durch Aktien Geld verdienen möchten, ohne dafür zu arbeiten, von Menschen, die vom Staat Sozialhilfe beziehen, also Geld erhalten, ohne dafür zu arbeiten? Die einen werden als erfolgreich und clever gefeiert und bewundert, die anderen als Schmarotzer verunglimpft. Welchen Einfluss hat das Vermögen oder Nichtvermögen eines Menschen auf sein Selbstbild und die Wahrnehmung durch andere? Und was genau bedeutet Kapitalismus überhaupt? Während ursprünglich nur gemeint ist, dass sich Produktionsanlagen in Privatbesitz befinden statt in staatlicher Hand, wirkt Kapitalismus heutzutage auf viel komplexere und unkontrollierte Weise zerstörerisch für die meisten Menschen.
Es wäre für alle Mitglieder der Gesellschaft aus allen Einkommensschichten dringend an der Zeit, innezuhalten, um das eigene Weltbild und das eigene Selbstbild einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die wirtschaftlichen Zwänge werden unbewusst bei den meisten Menschen als natürliche oder unvermeidbare Gegebenheiten akzeptiert, statt sie als historisch gewachsene und veränderbare soziale Konstrukte zu hinterfragen. Moderne Individuen haben die Logik des Systems — Wettbewerb, Konsum, Leistungsdruck — längst internalisiert und vergessen, sich viel wichtigere Fragen zu stellen: zum Beispiel, wie sie gern leben würden, bevor sie sterben, und was sie selbst dazu beitragen können, welche Bedürfnisse für sie wesentlich sind.
Über diese Zusammenhänge tauschen sich Max Otte und Elisa Gratias im Gespräch für Manova und Transition TV aus, und wünschen sich, so mehr Menschen zu Offenheit und kontroverser Debatte zu inspirieren.