# Migration als Waffe

Die „Invasion“ von über 50.000 Afrikanern in Ceuta könnte eher eine Inszenierung als ein spontaner Massenandrang gewesen sein.

von 
   * Winfried Wolk

„Apokalyptische“ Bilder fluteten Anfang August über die Fernsehschirme der Welt. Ströme von Männern aus Marokko und anderen afrikanischen Ländern in den Straßen von Ceuta — weitaus mehr, als die relativ kleine Stadt zu „integrieren“ vermochte, das Albtraumszenario rechter Migrationsskeptiker. War es Zufall, dass so viele Migranten gleichzeitig an einem Ort bereitstanden, um die spanische Exklave schwimmend zu erreichen? Dies erscheint unwahrscheinlich. Wenn man die Folgen des Ereignisses bedenkt, lässt sich vielleicht auch die Frage nach dem Warum beantworten. Pedro Sanchez steht im Inland unter Druck, seine Tage als Ministerpräsident könnten gezählt sein. Und schließlich war er es, der Donald Trump durch die Weigerung, am Hochrüstungsprojekt der NATO teilzunehmen, provozierte. Außerdem zu bedenken: Die Meerenge von Gibraltar ist wie jene von Hormus ein strategisch höchst wichtiger Ort, den zu kontrollieren für Marokko wie auch die USA  eine Versuchung darstellen könnte.

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Seit dem 1. August 2026 sorgt „ein Ansturm zehntausender Migranten“ auf die spanische Exklave Ceuta für mediale Aufregung. 50.000, manche Medien berichten von 60.000, 70.000 oder gar 80.000 vor allem junger Männer „im wehrfähigen Alter“, also einer regelrechten Armee, die im Handumdrehen die Grenze der an der Straße von Gibraltar liegenden Stadt „überrannten“. Ich frage mich: Wie können so viele nicht nur aus Marokko, sondern aus verschiedenen Regionen Afrikas kommende junge Männer auf einen Schlag von der plötzlichen Eingebung ergriffen sein, sich genau zu diesem Zeitpunkt vor Ceuta zu versammeln, um mit dem Eindringen in eine zu Europa gehörende Region ihr Leben maßgeblich zu verändern?

Aus den Berichten geht hervor, dass viele von ihnen über das Meer schwammen, um dorthin zu kommen. Manche Bilder zeigen einen Strand, der mit Schwimmreifen regelrecht übersät ist und ich staune, dass eine solche, in den medialen Berichterstattungen im Prinzip als spontane Migration dargestellte Aktion ohne planmäßige und präzise Vorbereitung stattgefunden haben soll.

Interessanterweise steht am 2. August bei *faz.net* dann tatsächlich die naheliegende Frage, ob denn nicht marokkanische Polizisten den „Migranten“ geholfen hätten: 

*„In den sozialen Medien verbreitete sich ein Video, das angeblich zeigt, wie ein marokkanischer Polizist jungen Marokkanern von der Ladefläche eines Lastwagens unweit der Grenze hilft. Obwohl Angaben zu Ort und Zeit der Aufnahme fehlen, fühlen sich dadurch in Spanien viele in ihren Vermutungen bestätigt, dass es sich um keine spontane, sondern eine geplante Aktion gehandelt haben könnte.“*

> Ob es sich bei einem solchen, augenscheinlich gut vorbereiteten, also offensichtlich organisierten Massenansturm tatsächlich um „Migration“ handelt oder ganz anderes zu vermuten ist, wäre die nächste sich daraus ergebende Frage. Migranten wurden nämlich oft schon als Waffe eingesetzt. 

Das könnte in diesem Fall — den Erkenntnissen des CDU-Geheimdienstexperten Marc Henrichmann — Russland getan haben, wie *spiegel.de* am 4. August spekuliert. Henrichmann befürchtet, wenn ich das richtig verstanden habe, dass Russland hinter diesem „hybriden Angriff auf die EU“ steht, da in der Ukraine gesagt würde, „dass Russland den Ansturm durch Social-Media-Bots initiiert hat, um die EU unter Druck zu setzen“. Damit ist nun schon mal der übliche Schurke benannt. 

Auch *stern.de* informiert am 2. August, dass sich Hinweise verdichten, „dass der große Ansturm auf Ceuta kein unkontrolliertes Eindringen, sondern eine gesteuerte Aktion zur Destabilisierung und politischen Spaltung Spaniens und Europas war“. Das sagte die Grünen-Politikerin Sara Nanni der *Rheinischen Post*. Auch die SPD-Fraktionsvize Sonja Eichwede spricht dort von einer „gesteuerten Migrationsbewegung“.

Ich erinnere mich, dass im von den USA und den „Freunden Syriens“ vor über einem Jahrzehnt angeheizten Syrienkonflikt schon einmal Migration als Waffe benutzt wurde, um das Land zu destabilisieren und einen Regime Change zu arrangieren. In Deutschland erhielten die Flüchtlinge einen Sonderstatus, was den Migrantenstrom dann weiter anheizte. Somit ist das Ganze längst kein unbekanntes Phänomen.

Im *Handelsblatt* stand am 2. August aber auch nachfolgende interessante Information: Die spanische Exklave liegt an einem der Nadelöhre der Weltwirtschaft an der Nordspitze Afrikas und ermöglicht es Spanien, beide Seiten der Straße von Gibraltar zu kontrollieren. „Öltanker, Containerschiffe, Flugzeugträger, U-Boote: Mehr als 100.000 Schiffe passieren die Straße von Gibraltar jährlich, verglichen mit etwa 47.000 Schiffen in der Straße von Hormus. Mit 13 Kilometern ist sie auch deutlich schmaler als Hormus mit 34 Kilometern.“ Länger schon erhebt Marokko Anspruch auf dieses Gebiet. Nun hat vor wenigen Wochen der US-Kongressausschuss mit einer Gesetzesvorlage den marokkanischen Anspruch auf die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla unterstützt, wie die *NachDenkSeiten* am 3. August informieren. Im Gegensatz zu Henrichmann machen einige spanische Politiker deshalb „die marokkanische Führung, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für die Eskalation verantwortlich, mit der sie Spanien wegen seiner propalästinensischen Politik und seiner Ablehnung des Irakkrieges ‚bestrafen’ wollen“, so *faz.net* am 2. August. 

> Gewiss sind diese beiden Exklaven Überbleibsel aus der Kolonialzeit, doch verstehe ich nicht, warum jetzt plötzlich gerade diese auf der Aktionsliste der Befreiung stehen, während die vielen anderen, weltweiten Inbesitznahmen ehemaliger und gegenwärtiger imperialer Länder offensichtlich tabu zu sein scheinen. 

So annektierten die USA Mitte des 19. Jahrhunderts Hawaii und machten es 1959 zum 50. US-Bundesstaat. Neben den nahezu 1.000 Militärstützpunkten über den gesamten Globus verteilt besitzen die USA laut *Google* auch Guantanamo auf Kuba, Puerto Rico, Guam und Amerikanisch-Samoa. Aktuell möchte Trump nun auch Grönland den USA hinzufügen, das allerdings noch zu Dänemark gehört.

Vom Weltreich Großbritannien sind laut *Wikipedia*, Stand von 2024, noch 14 „British Overseas Territories“ übrig geblieben, unter anderem die Falklandinseln, die Argentinien für sich beansprucht und die dort Malvinas heißen, aber auch Gibraltar auf der spanischen Halbinsel, die souveränen Militärbasen Akrotiri und Dekelia auf Zypern, die Cayman Islands und die Bermudas. Frankreichs Übersee-Départements umfassen Guadeloupe und Martinique in der Karibik, Französisch-Guayana in Südamerika, La Réunion und Mayotte im Indischen Ozean. Die Niederlande verfügen über die Antillen. Keines dieser einst annektierten Besitztümer wird in Frage gestellt, nur jetzt die spanischen Exklaven. Das ist doch zumindest ziemlich merkwürdig.

„Spanien hat sich mit seiner Außenpolitik… viele Feinde gemacht,“ so steht am 3. August in dem Artikel von Jens Berger auf den *NachDenkSeiten*: „Pedro Sanchez war es, der als einziger europäischer Staatschef den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza früh und massiv kritisierte. Er war es auch, der den amerikanisch-israelischen Angriffskrieg gegen Iran als Völkerrechtsbruch bezeichnete und den USA untersagte, ihre Militärbasen auf spanischem Gebiet und den spanischen Luftraum für ihren Krieg zu benutzen. Spanien ist unter Sanchez bekanntlich auch das einzige NATO-Land, das sich der Forderung widersetzt hat, fünf Prozent der Wirtschaftskraft in die Rüstung zu stecken. Damit ist er zu Trumps neuem Lieblingsfeind geworden.“ Betrachtet man die regionale geostrategische Situation, vertieft sich das Bild, so ist weiter zu lesen. Marokko ist einer der engsten Verbündeten der USA und Israels, Algerien ein Unterstützer der Palästinenser und Spanien hat unter Sanchez seine Beziehungen zu Algerien verbessert. 

*„Seitdem unterstützen die USA Marokkos Anspruch auf die Westsahara — einen weiteren Konflikt um ehemalige koloniale Gebiete Spaniens, bei dem Marokko der ‚Frente Polisario’ gegenübersteht, einer Bewegung, die von Algerien militärisch unterstützt wird und mit der sich Spanien unter Sanchez angenähert hat.“* 

Auch das *Handelsblatt* erwähnt in der Ausgabe am 2. August, dass sich Sanchez zum Trump-Gegner machte, weil er sich als Einziger europäischer Regierungschef dem NATO-Ausgabenziel von fünf Prozent verweigerte. Sagte nicht die Grünen-Politikerin Sara Nanni der *Rheinischen Post*, „dass der große Ansturm auf Ceuta kein unkontrolliertes Eindringen, sondern eine gesteuerte Aktion zur Destabilisierung und politischen Spaltung Spaniens und Europas war“? 

> Möglicherweise ist das alles eine besondere Variante des beliebten „Regime-Change“-Szenarios, das gern und immer wieder ins Spiel gebracht wird, wenn ein politisch Verantwortlicher nicht nach den angesagten Regeln des großen Hegemons spielt.

Immerhin kochen jetzt in Spanien Anti-Sanchez-Proteste hoch. *welt.de* berichtete schon am 1. August von einer „blanken Wut auf Spaniens Premier“. Vielleicht wird sie auch hochgekocht, die Wut, denn ein der US-amerikanischen Weltpolitik kritisch gegenüberstehender, führender Politiker eines EU-Landes ist für deren Durchsetzung äußerst hinderlich. Mit der entsprechenden Auswechselung könnte man zugleich auch noch die Bedingungen schaffen, die geostrategisch außerordentlich bedeutsame Meerenge von Gibraltar in sicherere Hände zu bekommen. Organisierte Flüchtlingsströme diesen Ausmaßes bieten dafür nicht nur ein großartiges Instrumentarium, sie sind relativ leicht zu organisieren und belassen die wirklichen Akteure einer solchen Kampagne im Hintergrund, zumal auch der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha vergangene Woche verkündete, russische Akteure steckten hinter den Falschnachrichten auf Social Media, die die Grenzstürmungen in Ceuta ausgelöst haben, so das *Handelsblatt* am 4. August. Damit ist der geeignete Veruracher des angerichteten Chaos noch einmal klar benannt.

Für den 15. August wurden in den sozialen Medien bereits neue Aktionen angekündigt. Wird dann Spanien die Exklaven noch halten können? Schlepper warten schon, um die jungen Männer nach getaner Arbeit aufs Festland zu bringen. Dort steht dann der nächste Akt der Inszenierung an, nämlich die Weiterreise in die Länder der EU, vor allem nach Deutschland, was natürlich nicht verhindert werden darf. Es ist ja unsere Pflicht, den Hilfesuchenden Schutz und Sicherheit zu gewähren. 


