NATO-Faschismus

Das ukrainische Asow-Bataillon wirbt in Deutschland um Neofaschisten.

Im Juni 2017 rekrutierte das ukrainische Asow-Bataillon in Deutschland Kämpfer auf dem „Rock gegen Überfremdung“-Neonazifestival im thüringischen Themar oder versuchte dies zumindest, wie unter anderem dort herumgereichte Werbebroschüren der Asow-Rechtsextremisten zeigen. Im November 2017 trafen sich eine Abordnung von Militärs der USA und anderer NATO-Länder mit Befehlshabern des Asow-Bataillons zur Lageplanung an der Front gegen die russischsprachige Minderheit im Osten der Ukraine.

Mitte 2015 hatte das Repräsentantenhaus der USA die Ausbildung der „Ukrainian neo-Nazi paramilitary militia ‚Azov Battalion'“, die offiziell-formell dem ukrainischen Innenministerium untersteht, noch zwischenzeitlich geblockt. Dieser Bann währte nur ein Jahr.

Das Asow-Bataillon ist einer der berüchtigten rechtsextremen Kampfverbände in der Ukraine, der aus dem „Rechten Sektor“ hervorgegangen ist und als Fußvolk den Maidan-Umsturz 2014 mit betriebenen hat. Mehr als 1.000 Kämpfer aus ganz Europa sollen nach ukrainischen Angaben in diesen Freiwilligenbataillonen dienen, die meisten davon beim Asow-Bataillon, welches unter anderem in der Gegend von Mariupol eingesetzt wird.

Unter den Kämpfern befinden sich sogar russische Neonazis. Von den Naziumtrieben hat sich mittlerweile sogar die „Maidan-Poetin“ Jewgenia Biltschenko öffentlich distanziert.

Der Hintergrund des Asow-Bataillons ist schon seit 2014, dem Jahr des gewaltsamen Maidan-Umsturzes, bekannt. Die Nachrichtenseite 20min.ch schrieb im August 2014 in einem Dossier mit dem Titel „Ukraine setzt Neo-Nazis gegen Separatisten ein“ unter anderem folgendes zu den Asow-Truppen:

„Beim Kampf in der Ostukraine will die Regierung in Kiew offenbar den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Bekennende Neo-Nazi-Gruppen sind an vorderster Front dabei. Die Bataillone heißen Asow, Dnjepr oder Donbass. Es sind Gruppierungen Rechtsextremer, die im Frühjahr 2014 gegründet wurden und die sich zurzeit im Kampf gegen die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine hervortun.“

Die Sonntagszeitung aus der Schweiz schrieb im Februar 2015 zum Asow-Bataillon:

„Im Osten der Ukraine wüten Neonazis. Rechtsextreme Kämpfer der ukrainischen Freiwilligen-Miliz plündern Wohnungen, foltern gefangene Separatisten und verschleppen Medienschaffende. Terror im Namen der Maidan-Revolution. Amnesty International wirft den regierungstreuen Banden gravierende Menschenrechts-Verletzungen vor – unterstützt werden sie auch aus der Schweiz. (…) Ihre Anhänger verehren Hitlers Waffen-SS, viele von ihnen sind verurteilte Straftäter. Als die Revolution auf dem Maidan-Platz losbrach, waren sie die Ersten, die sich bewaffneten – mit Kalaschnikows und Schrotflinten.“

Heute ist leider nur noch ein Tagesanzeiger-Artikel über den Artikel verfügbar.

Es handelt sich bei Bataillon Asow und Co. um Milizen, deren Mitglieder organisatorisch nicht direkt dem ukrainischen Militär angehören, sondern aus „Freiwilligen“ bestehen, und dem ukrainischen Innenministerium als „Nationalgarde“ untergeordnet sind, aber auch an NATO-Übungen teilnehmen.

Bereits 2015 nahmen die überwiegend rechtsextremen Kämpfer dieser Nationalgarde-Bataillone beispielsweise an dem NATO-Ukraine-Großmanöver „Saber Guardian/Rapid Trident“ teil. Ein Drittel der ukrainischen Teilnehmer wurde – nach ukrainischen Angaben – von diesen Bataillonen gestellt. Die Bundeswehr war auch – mit wenigen Soldaten – an der Übung beteiligt.

Nach dem Neonazi-Festival in Themar in Thüringen im Juni 2017 unter dem Motto „Rock gegen Überfremdung“ meldeten zahlreiche Blogs, Magazine, Aktivisten und Anti-Nazi-Initiativen unter Bezugnahme auf entsprechende Veröffentlichungen – inklusive Flyer – des Asow-Bataillons, dass dieses dem Innenministerium unterstehende Bataillon auf dem Festival Frontkämpfer „gegen den Russen“ rekrutieren wollte.

Eine solche Rekrutierung von Söldnern ist in Deutschland nebenbei bemerkt unabhängig von der Geisteshaltung grundsätzlich verboten. Belltower News zeigte ein Bild der deutschsprachigen Werbebroschüre für die Asow-Rechtsextremisten und berichtete über die Rekrutierungsversuche in Themar:

„Auf ihrem Vkontakte-Profil und der eigenen Homepage hat ‚Reconquista Europe‘ die ‚Einladung‘ der ‚Asow – Bewegung‘ online gestellt. Bei ‚Rock gegen Überfremdung‘ wurde sie verteilt und ‚lädt dazu ein bei der Erschaffung einer neuen europäischen Bruderschaft (…) beizutreten‘. Neonazi-Miliz ‚Asow‘ rekrutiert unter ‚Reconquista‘. Andriv Biletskij erscheint dort als ‚erster Kommandant des ‚Asow‘-Regiment und Anführer der ukrainischen Nationalisten‘. Die eigens ins Deutsche übersetzte Texte, werben mit militanten Sprachduktus, ‚in die Reihen der Besten‘ einzutreten, um ‚Europa vor dem Aussterben‘ zu bewahren. Biletskijs ‚Reihe der Besten‘ bietet eine paramilitärische Ausbildung für die ‚Reconquista‘ – ‚Rückeroberung‘ Europas an. Vor allem auf verschiedenen Sozialen Netzwerken stellen ‚Asow‘-Mitglieder unverhüllt zur Schau, welches politische Bild zurückerobert werden soll: unzählige Fotos zeigen martialische ‚Asow‘-Soldaten mit Hitler-Gruß, SS-Symbolen und Hakenkreuz-Tattoos.“

Vertreter des Asow-Bataillons, welches eine Variation des Logos der SS-Division „Das Reich“ als Emblem führt, trafen sich am 16. November 2017 mit einer von den USA angeführten Delegation zur Lageplanung, wie „Asow“ stolz auf seiner Website azov.press verkündete und mit den entsprechenden Bildern belegte. Auf den Bildern des Meetings sind beispielsweise die US-Flaggen auf den Ärmeln der US-Soldaten deutlich zu erkennen.

Das Logo des Asow-Magazins ist übrigens das Symbol „Schwarze Sonne“, welches in Nazikreisen gerne auch mal als Hakenkreuzersatz genommen wird. Das Heftchen der Asow-Nazis hat nicht nur dieses Logo, es heißt bezeichnenderweise auch „Schwarze Sonne“.


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