# Nicht für Trumps Sünden

Narendra Modi hat der Welt gezeigt, dass Indien kein unabhängiges Land mehr ist, sondern vielmehr eine Kolonie der USA.

von 
   * Indra Shekhar Singh

Die Huthis feuerten Ende März erneut Raketen auf Israel ab (1) und das amerikanische „Petrodollar“-Imperium scheint einem kritischen Punkt sehr nahe zu kommen. Der Iran hat die Straße von Hormus erfolgreich blockiert, und in der zweiten Phase der iranischen Verteidigungsstrategie drohten die Huthi-Kräfte, die Schifffahrtswege im Roten Meer für den Handel zu sperren (2). Die Preise für fossile Brennstoffe, Agrarchemikalien und Flüssigerdgas (LNG) schießen weltweit bereits in die Höhe, sodass sich die Frage stellt: Wo hat das alles angefangen? Epstein Files? Lobbyarbeit von Unternehmen? Armageddon (3)? Oder zahlt die Welt einfach dafür, die Sünden von Präsident Trump zu vertuschen, dem es gleichgültig ist, wie diese Invasion die weltweite Landwirtschaft und das auf Regeln basierende internationale System in einen verheerenden Zusammenbruch treiben könnte? Mit jedem Tag, an dem die iranische Kontrolle über die Golfstaaten sowie den Öl- und Gasfluss zunimmt, wächst in Indien das Leid der Menschen.

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Betrachten wir zunächst die wichtigsten Herausforderungen, die einen schweren Schlag für die weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen und Agrarchemikalien bedeuten. Vor dem Irankrieg lieferte die westasiatische beziehungsweise die Golfregion etwa 35&nbsp;Prozent des weltweiten Harnstoffdüngers: Katar allein deckte 20&nbsp;Prozent des weltweiten LNG-Bedarfs. Durch die Blockade der [Straße](https://unctad.org/news/hormuz-shipping-disruptions-raise-risks-energy-fertilizers-and-vulnerable-economies) von Hormus sind weltweit 38&nbsp;Prozent der Rohölvorräte, 29&nbsp;Prozent des Flüssiggases (LPG) und 19 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) ins Stocken geraten. Das iranische South-Pars-Gasfeld, das 80&nbsp;Prozent der iranischen Inlandsversorgung deckte, wurde ebenfalls angegriffen. In der Region wurden bereits über 60&nbsp;Öl- und Gasanlagen attackiert, was die weltweite Öl- und Gasförderung und damit auch die Produktion von Agrarchemikalien wie Harnstoff zum Erliegen gebracht hat. 

>Nun besteht die sekundäre Gefahr, dass die Huthis das Rote Meer blockieren und die schmale Bab-al-Mandab-Meerenge an der Mündung des Roten Meeres sperren. Dies könnte leicht zu einem der teuersten Engpässe der Welt werden. Etwa 15&nbsp;Prozent des weltweiten Seehandels werden über diese Meerenge abgewickelt, sodass sich jede Störung dort auf die Weltwirtschaft auswirkt.

Zwischen 2023 und 2025 zwangen die Unruhen entlang dieser Route die Reedereien zu kostspieligen Umwegen und schwierigen Entscheidungen. Viele Schiffe verzichteten ganz auf diese Route und umfuhren stattdessen das südliche Afrika – eine Option, die die Reisezeit um bis zu zwei Wochen verlängern konnte. Andere wagten die Überfahrt, zahlten jedoch deutlich höhere Versicherungsprämien, um die Risiken auszugleichen. Branchenschätzungen zufolge verursachten diese Störungen jährliche Kosten in Höhe von fast 20&nbsp;Milliarden Dollar.

Diesmal werden sich die Folgen der Blockade aufgrund der Lage im Persischen Golf noch verschärfen. 20 Prozent des gesamten Handels mit fossilen Brennstoffen und Derivaten sowie mit Lebensmitteln bis hin zu Heliumgas könnten in den wirtschaftlichen Abgrund stürzen, sollten die beiden Seewege vollständig blockiert oder von Iran und seinen Verbündeten kontrolliert werden. Dies allein könnte der Petrodollar-Wirtschaft schweren Schaden zufügen, da der Iran für die derzeitige Durchfahrt, fossile Brennstoffe und Sicherheitsgarantien die Verwendung des Petroyuans fordert.

Aufgrund der stagnierenden Produktion fossiler Brennstoffe und der blockierten Seewege befinden sich Entwicklungsländer wie Indien, Brasilien, Sri Lanka, Pakistan und viele andere afrikanische Staaten in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, in der die Zukunft — von Agrarchemikalien bis hin zu Kochgas – am seidenen Faden hängt. Ohne die unverzichtbaren Importe aus der Golfregion sind die weltweiten Preise für Düngemittel — insbesondere für Harnstoff – um über 50 Prozent gestiegen, und verschiedene Länder, darunter Indien, melden einen Anstieg der Preise für landwirtschaftliche Pestizide um 25 bis 30 Prozent. Dies wird zu einem Preisanstieg von 20 bis 30 Prozent bei landwirtschaftlichen Betriebsmitteln führen und sich in den kommenden Ernteperioden in einer Lebensmittelinflation von 30 bis 35 Prozent niederschlagen. 

Landwirte von den [USA](https://www.bbc.com/news/videos/cn9qj30wlr5o) über [Brasilien](https://www.reuters.com/business/brazil-sounds-alarm-fertilizers-price-spike-spurs-cheaper-alternatives-2026-03-18/)bis zum [Sudan](https://unctad.org/news/gas-grain-fertilizer-disruptions-raise-risks-food-security-and-trade) müssen bereits seit Anfang des Jahres höhere Kosten für Düngemittel tragen, und beispielsweise in [Kansas](https://ipmnewsroom.org/war-with-iran-disrupts-fertilizer-supply-for-kansas-farmers-right-as-planting-season-begins/) in den USA bemühen sich viele Landwirte zu Beginn der Aussaatzeit verzweifelt darum, so viel Dünger wie möglich zu beschaffen, da selbst in den USA Versorgungsengpässe drohen. 

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation ([FAO](https://www.fao.org/newsroom/detail/fao-chief-economist-warns-of-severe-global-food-security-risks-from-disruption-to-strait-of-hormuz-trade-corridor/en)) und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ([WFP](https://www.youtube.com/watch?si=3cGsikaca9dZotUX&v=AcJ2rEZJxdE&feature=youtu.be)) haben bereits eindringliche Warnungen ausgesprochen, wonach aufgrund des Irankriegs zusätzlich 45 Millionen Menschen hungern könnten, und [erklärt](https://www.fao.org/newsroom/detail/fao-chief-economist-warns-of-severe-global-food-security-risks-from-disruption-to-strait-of-hormuz-trade-corridor/en), dass dieser Konflikt auch „mittelfristige Auswirkungen auf die weltweite Landwirtschaft“ haben werde.   

Für ein bedeutendes Lebensmittelexportland wie Indien stellt sich nun ein doppeltes Problem. Die Ernten der vergangenen Jahre — von Basmati-Reis über Tee bis hin zu frischem Obst und Gemüse —, die die Nahrungsmittelversorgung der Golfregion sicherstellten, stecken in indischen Häfen fest. Da indische Lebensmittellieferungen aufgrund der Militarisierung nicht über das Arabische Meer transportiert werden können, hat dies in den Golfstaaten zu einer extremen Angst vor einer Nahrungsmittelknappheit geführt, während das Überangebot an Agrarrohstoffen dazu beiträgt, die lokalen Marktpreise zu untergraben. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Einkommen der Landwirte aus. 

>Aufgrund der Exportbeschränkungen schließen indische Lebensmittelexporteure ihre Betriebe und kaufen keine Produkte mehr von den Bauern. Dies führt zu einem Überangebot und einer Übersättigung der Lagerinfrastruktur in Indien. Auch die Einkommen der Landwirte sinken aufgrund des Überangebots und eines blockierten Ökosystems für den Lebensmittelexport. 

Die indische Lebensmittelwirtschaft ist eng mit der Golfregion verflochten. Alle indischen Nahrungsmittelüberschüsse werden von dieser Region aufgenommen, und die indischen Landwirte erzielen durch diesen Handel deutlich höhere Einnahmen. Aufgrund derselben Herausforderungen, die zuvor erläutert wurden, wird der Irankrieg zu einer drastischen Entkopplung führen — was in den Golfstaaten zu einer Zunahme der Hungersnot führen kann, während in Indien gleichzeitig die Agrarpreise und die Produktion sinken. In jedem erdenklichen Szenario wird der Hunger exponentiell zunehmen, was durch den Zusammenbruch der auf industriellen Agrarprodukten basierenden Systeme noch verstärkt wird. 


## Was sagen Sie dazu, Herr Modi? 

Indiens Zusammenarbeit mit der Golfregion – und sogar mit sanktionierten Ländern wie dem Iran – ist seit jeher die Grundlage für die Ernährungssicherheit der Golfstaaten sowie für die Versorgung Indiens mit Düngemitteln und fossilen Brennstoffen; eine Tatsache, die jedem indischen Premierminister, einschließlich des derzeitigen Premierministers Modi, wohlbekannt ist. 

Dieser Handel existiert schon seit jeher, daher besteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Dennoch begann Indien erst 2015, nach massivem Druck seitens der [USA](https://www.businessworld.in/article/india-halts-iran-oil-imports-under-us-pressure-80132), sich vom iranischen Öl unabhängig zu machen, und stellte den Import [2018](https://www.bbc.com/news/articles/c6243nkg1w3o) schließlich vollständig ein. Indien ist seit jeher ein wichtiger Importeur von iranischem Rohöl, da dieses für die indische Raffinerieinfrastruktur gut geeignet ist.

>Als die USA [Druck](https://www.aljazeera.com/economy/2026/2/4/can-india-switch-from-russian-to-venezuelan-oil-as-trump-wants) ausübten, stellte Indien auch den Kauf von vergünstigtem russischem Öl ein. 

Als der Druck verstärkt wurde, [öffnete](https://thewire.in/agriculture/is-the-corporate-conquest-of-indian-agriculture-complete) Indien seinen Agrarsektor erstmals für amerikanische Agrarprodukte und hob die Schutzzölle auf wichtige Agrarprodukte wie Baumwolle auf. 

Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war jedoch, dass Premierminister Modi, als er die Kriegstrommeln hörte, das nationale Interesse an der Ernährungs- und Energiesicherheit außer Acht ließ und sich sofort auf den Weg nach Israel machte. Dort bezeichnete er Israel als „[Vaterland](https://www.youtube.com/shorts/rSc6giod50w)“ und Indien als „Mutterland“. Er besuchte wenige Stunden vor Beginn des Irankrieges die Gedenkstätte für die [Juden](https://www.youtube.com/live/wNZrJDiZzRM) und zeigte der Welt, dass Indien an der Seite der Koalition aus Israel und den USA gegen den Iran steht. 

Anschließend weigerte sich Indien, die Angriffe auf die obersten Führer des Iran oder auf iranischem Boden zu verurteilen, und war das erste Land, das die Rechte der Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) verteidigte und Angriffe auf diese [verurteilte](https://www.thehindu.com/news/national/india-co-sponsors-resolution-passed-by-unsc-condemning-iran-attacks-on-gulf/article70735268.ece). Nachdem der Iran indische Tanker bedroht und indischen Schiffen die Durchfahrt verweigert hatte, ließ die indische Regierung im Rahmen einer Vereinbarung [drei](https://www.reuters.com/world/india/india-seizes-iran-linked-us-sanctioned-tankers-steps-up-surveillance-2026-02-16/) iranische Öltanker frei, die Indien zuvor beschlagnahmt hatte. 

Indien verurteilte auch erst sehr [spät](https://www.hindustantimes.com/india-news/india-expresses-grief-over-us-missile-attack-on-iranian-girls-school-101773337673293.html) den Angriff der USA und Israels auf eine Mädchenschule, bei dem über 165 Schülerinnen ums Leben kamen. 

Da Indien derzeit den Vorsitz der BRICS-Staaten innehat, hat die mangelnde Unterstützung für einen BRICS-Partner wie den Iran der Welt deutlich signalisiert, dass die BRICS-Staaten – nicht zuletzt aufgrund des indischen Premierministers Narendra Modi – zerstritten sind. 

>Man darf nicht vergessen, dass Indien in seinen frühen Jahren maßgeblich zur Gründung der Bewegung der Blockfreien Staaten (NAM) beigetragen hat, um während des Kalten Krieges neutral zu bleiben. Diesmal hat sich die Regierung Modi auf ein Minenfeld begeben und sich, weit davon entfernt, neutral zu bleiben, auf die Verliererseite geschlagen. 

Mit jedem Tag, an dem die iranische Kontrolle über die GCC-Staaten und den Öl- und Gasfluss zunimmt, wächst das Leid der Menschen in Indien – von Gasengpässen über steigende Preise für fossile Brennstoffe bis hin zu einer nun drohenden Gefahr für die Ernährungssicherheit. Lebensmittelcontainer aus Indien sitzen in den Häfen fest, während die Preise für Düngemittel weiter steigen. Die Landwirte blicken mit Unsicherheit auf die nächste Aussaatsaison, da die Preise für Agrarchemikalien und Pestizide stark ansteigen.

Indien ist erneut gezwungen, sich für die Versorgung mit wichtigen fossilen Brennstoffen und agrochemischen Düngemitteln an BRICS-Partner wie Russland, China und nun – nach einer Ausnahmegenehmigung von den US-Sanktionen – auch an den Iran zu wenden. 

>Modi hat der Welt gezeigt, dass Indien kein unabhängiges Land mehr ist, sondern vielmehr eine Kolonie von Trump und den USA. Daher vermuten viele Experten, dass Indien angesichts der Allianz der derzeitigen indischen Regierung mit der israelisch-amerikanischen Agenda aus den BRICS ausgeschlossen oder zu einem peripheren Partner gemacht werden könnte. 

Was könnten also die Gründe dafür sein? Die Epstein-Akten, Erpressung oder schlichtweg Gier? Denn ganz gleich, ob wir diesen Krieg aus agrarischer oder geopolitischer Perspektive betrachten – beide Sichtweisen deuten darauf hin, dass Indien im Interesse der regionalen Sicherheit und Stabilität sowie der Ernährungssicherheit den Iran und Russland sowie die BRICS-Staaten insgesamt hätte unterstützen sollen. Stattdessen hat Modi unter dem Druck der USA Indiens nationale und regionale Interessen sowie den BRICS-Vorsitz aufgegeben. Und hinterlässt ein leidendes Land und eine Welt, die entsetzt darüber ist, wie die Heimat Gandhis nun im Takt der Kriegsmusik tanzt. 

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**Redaktionelle Anmerkung:** Dieser Text wurde von Indra Shekhar Singh exklusiv für Manova verfasst, von Elisa Gratias aus dem Englischen übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova Korrektoratsteam lektoriert.


