Regime Change im Himmelreich
Geht es nach Donald Trump, so hat Jesus in der Gegenwart einen würdigen Nachfolger gefunden: ihn selbst.
„Stellvertreter Christi auf Erden“ — mit diesem Anspruch sind Päpste in der Geschichte oft aufgetreten. US-Präsidenten gaben sich meist damit zufrieden, „God’s own country“ in ständiger Funkverbindung mit dem Herrn zu regieren. Nicht so Donald Trump: Der inszenierte sich in einer bekannt gewordenen KI-Grafik als Heiland — eine Mischung aus Heilpraktiker und Heilsbringer, aufgemotzt durch visuellen Schwulst. Ich, Donald, bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Die Angst, lächerlich wirken zu können, scheint den MAGA-Berserker nicht anzufechten. Sind diese peinlichen Vorgänge für uns überhaupt relevant? Nun, es kann mal passieren, dass ein älterer Herr austickt. Dafür aber gibt es Psychiatrien und Medikamente. Hat der Patient dagegen Macht und sind alle Kontrollinstanzen in seinem Land zahnlos geworden, so ist höchste Gefahr im Verzug. Der Atomkoffer in den Händen eines Kindes mit akut schizophrenem Schub. Fast niemand mehr in den USA und außerhalb tritt dem offensichtlich verwirrten US-Präsidenten entgegen. Da ist die beherzte Kritik, die ausgerechnet von Papst Leo kam, lobenswert.
Der Papst in Rom, also nicht in Washington, hatte sich anlässlich des Osterfestes doch tatsächlich gegen Kriege ausgesprochen, überall, und hält unbelehrbar an der Friedensbotschaft der katholischen Kirche fest.
Das brachte den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump auf die Palme. Er verbat sich, sich in seine Kriege einzumischen und bescheinigte dem Papst ad hoc eine „schreckliche Außenpolitik“. Papst Leo XIV. antwortete auf dieses vernichtende Urteil betont gelassen:
„Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“
Nun geht der immer noch auf freiem Fuß lebende US-Präsident einen gehörigen Schritt weiter.
Nachdem er bei jeder Gelegenheit allen „die Hölle“ verspricht, die sich ihm und seinem Business-Clan in den Weg stellen, hat er den letzten ultimativen Schritt auf seiner Medienplattform „Truth Social“ vollzogen. Seine Jünger machten sich sofort an die Arbeit und posteten ein KI-generiertes Zukunftsbild des US-Gottesstaates:
„Der US-Präsident veröffentlichte auch ein mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstelltes Bild, das ihn als Jesus Christus zeigt, der einen Kranken durch Handauflegen heilt. Trump ist dabei in rot-weiße Gewänder gekleidet, im Hintergrund fliegen Kampfflugzeuge durchs Bild, auf dem auch eine große US-Flagge zu sehen ist. Das Weiße Haus hatte schon in der Vergangenheit KI-generierte Bilder Trumps verbreitet, unter anderem eines, das ihn als Papst zeigt.“ (BR24 vom 13. April 2026)

Nur ein paar Tage später kam dem Jesus 2.0. abermals eine Erleuchtung: Das Ganze sei ein Missverständnis. Er hätte sich in diesem Heiligenbild als Arzt gesehen:
„Er sei davon ausgegangen, dass er als ‚Mitarbeiter des Roten Kreuzes‘ dargestellt worden sei“ (spiegel.de vom 14. April 2026).
Dass Trump schneller lügt, als ein Arzt ein Rezept ausstellen kann, ist aktenkundig. Dennoch lohnt es sich, in die Welt von Trump kurz einzutauchen, um die naheliegende Frage zu stellen:
Besucht der US-Präsident Ärzte, die ihm die Hand auflegen und in der anderen Hand eine leuchtende Glaskugel halten? Sind ihm schon einmal Rote-Kreuz-Mitarbeiter in diesem Outfit begegnet? Erklärt das seinen Gesundheitszustand?
Und die allerwichtigste Frage: Wie viele um Donald Trump herum halten zu einem Präsidenten, der solche Wahnvorstellungen hat?
Dass US-Präsident Donald Trump jetzt auch noch als Jesus reinkarniert, verwundert nicht. Erst kündigte er sich als ersten US-Präsidenten an, der alle Kriege beendet. Dafür wollte er den Friedensnobelpreis. Als er den nicht bekam, machte er weiter Krieg und ist nun dabei, die Welt und sich selbst hinter sich zu lassen.
Aber alles der Reihe nach. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
US-Präsident Donald Trump verlässt die Umlaufbahn — nicht alleine
Zu Beginn des Jahres 2026 ist auch der deutschen Wochenzeitung „DIE ZEIT“ gerade noch rechtzeitig aufgefallen: Der US-Präsident Donald Trump hat die Umlaufbahn verlassen.
Das ist weniger als die halbe Wahrheit.
Denn in Davos, beim jährlichen Weltwirtschaftsgipfel, war der Saal voll, als Donald Trump seine Dystopie von der privatisierten US-Weltordnung vortrug. Die eingeladenen Politiker, Militärs und Kriegsindustriellen lauschten andächtig. Alle wollten dabei sein.
Was DIE ZEIT selbstverständlich ganz verschweigt, ist die Tatsache, dass der US-Präsident beim Verlassen der Umlaufbahn nicht alleine ist.
Während Donald Trump Grönland vom Packeis befreien will, steht ihm der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in nichts nach: Jetzt will auch er Grönland beschützen. Ganz unbedarft könnte man fragen: Vor wem?
Wer will Grönland aufkaufen? Wer will Grönland annektieren?
Bundeskanzler Merz übte sich im BlackRock-Blackout. Er will Grönland nicht vor den USA schützen.
Wer sind also die Bösen in diesem und in allen anderen Fällen? Erraten: die Russen und die Chinesen. Die neue „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“. Mit der kennen sich Bundeskanzler Merz und Co. aus.
Donald Trump. Ein US-Präsident und/oder Psychopath?
Das Folgende hat der US-Präsident Donald Trump am 17. Dezember 2025 tatsächlich auf „Truth social“ verbreitet:
„Venezuela ist vollständig von der größten Armada umzingelt, die jemals in der Geschichte Südamerikas zusammengestellt wurde. Sie wird nur noch größer werden, und der Schock für sie wird sein wie nichts, was sie je zuvor gesehen haben — bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie den Vereinigten Staaten von Amerika all das Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgeben, die sie uns zuvor gestohlen haben.
Das illegitime Maduro-Regime nutzt Öl aus diesen gestohlenen Ölfeldern, um sich selbst, Drogen-Terrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen zu finanzieren. Wegen des Diebstahls unserer Vermögenswerte und aus vielen anderen Gründen, einschließlich Terrorismus, Drogenschmuggel und Menschenhandel, ist das venezolanische Regime als AUSLÄNDISCHE TERRORORGANISATION eingestuft worden.
Daher ordne ich heute eine VOLLSTÄNDIGE UND KOMPLETTE BLOCKADE ALLER SANKTIONIERTEN ÖLTANKER an, die nach Venezuela hinein- und aus Venezuela herausfahren. Die illegalen Einwanderer und Kriminellen, die das Maduro-Regime während der schwachen und unfähigen Biden-Administration in die Vereinigten Staaten geschickt hat, werden in hohem Tempo nach Venezuela zurückgeschickt. Amerika wird es nicht zulassen, dass Kriminelle, Terroristen oder andere Länder unsere Nation ausrauben, bedrohen oder schädigen, und wird ebenso wenig zulassen, dass ein feindliches Regime unser Öl, unser Land oder andere Vermögenswerte an sich nimmt — all dies muss den Vereinigten Staaten SOFORT zurückgegeben werden. Danke für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!“
Das sagt ein US-Präsident, kein Psychopath?
Ich hatte große Zweifel an diesem Post gehabt. Ich hielt ihn für dermaßen irre, dass ich auf einen Widerruf wartete. Ich wäre selbst mit der Erklärung zufrieden gewesen, dass es sich dabei um eine der berühmten „russischen Hackerattacken“ handelte, um den USA zu schaden, um die USA, also ihre Regierung in den Dreck der Wahrheit zu ziehen.
Es kam bis heute nichts.
Wenn man dies im Kontext des Epstein-Trump-Netanjahu-Thiel-Komplexes betrachtet, ist das erklärbar und liegt sozusagen auf Staatsraison-Linie.
Aber was ist mit den europäischen Regierungen, die — wenn es passt — den US-Präsidenten für unberechenbar bis schwer einzuschätzen halten?
Bis heute gibt es keinen einzigen Kommentar dazu. Es gibt keinen Widerspruch. Es gibt keinerlei politische und diplomatische Konsequenzen. Weder wird die sofortige Freilassung des gekidnappten Präsidentenpaares gefordert noch der Angriffskrieg gegen Venezuela verurteilt und mit entsprechenden Sanktionen belegt.
US-Präsident Donald Trump — Jesus 2.0?
Bernie Sanders, prominentes Mitglied in der „Fraktion der Demokraten“, forderte angesichts dieses evangelianischen Overkills von der republikanischen Partei Konsequenzen. Kann man immer machen. Aber warum fordert Sanders nicht Konsequenzen von seiner eigenen Partei ein? Sie könnte ein Amtsenthebungsverfahren einleiten. Sie könnte Massendemonstrationen gegen die US-Beteiligung am Genozid in Gaza/Palästina und gegen die Kriegsverbrechen im Iran organisieren. Sie könnte den politischen Zusammenhang zwischen ICE-Bürgerkrieg im Inneren und Krieg gegen den Rest der Welt herstellen. Warum tut sie nichts davon?
Die Antwort ist einfach: Die Trump-Administration bräuchte nur die zahllosen Kriegsverbrechen, die unter demokratischer Führung begangen wurden, aufführen, um das Thema in Sekundenschnelle vom Tisch zu wischen.
Es wird keine parlamentarische Opposition in den USA geben, weder gegen Kriege noch gegen völkerrechtswidrige Praktiken.
Dieser Widerstand muss sich außerhalb des Parlaments artikulieren und organisieren. Das gilt für die US-Politik, aber auch für das, was in Deutschland passieren muss.