Religionskrieg gegen Komplementärmedizin

Der Bundestag will Homöopathie und anthroposophische Medizin als Kassenleistung verbieten.

Ende Juni 2026 wollen die Regierungsparteien die Krankenkassenleistungen für homöopathische und anthroposophische Therapien verbieten. Es geht um etwa 50 Millionen Euro. Das ist ein weiterer starker Schlag gegen die Komplementärmedizin zugunsten der Pharmakonzerne. Homöopathische Medikamente sind nachweislich wirksam, kostengünstig und weitgehend nebenwirkungsfrei. Das ist auch durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Dasselbe gilt für anthroposophische Therapien. Das geplante Finanzierungsverbot bevormundet die Patienten, widerspricht jeglicher Vernunft und ist eine grobe Verletzung des Verfassungsgrundsatzes der staatlichen Neutralität. Es geht hier um einen Religionskrieg, mit dem der transhumanistische Materialismus als dominierende Weltreligion durchgesetzt werden soll.

Bislang konnte jede Krankenkasse selbst wählen, ob sie Homöopathie und anthroposophische Medizin erstattet oder nicht. Für viele Menschen, die auf Komplementärmedizin setzen, war das in den letzten Jahrzehnten ein Grund, die Krankenkasse zu wechseln. Doch die Regierungsparteien wollen nun die Homöopathie und Anthroposophische Medizin aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen streichen. Bis Anfang Juli 2026 soll der Bundestag diese Entscheidung fällen.

Ein Verbot dieser Kassenleistungen bedeutet, dass die Mehrheit der an diesen bewährten Medikamenten und therapeutischen Maßnahmen interessierten Menschen sich diese nicht mehr leisten kann. Homöopathische und anthroposophische Verfahren und Arzneimittel sind beliebt und ausdrücklich erwünscht. Sie werden nach einer aktuellen Allensbach Umfrage von 2023 von rund 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland geschätzt und genutzt (1). Eine Forsa-Umfrage aus 2021 kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Schon mehr als jeder zweite Befragte verfügt über eigene Erfahrungen. Gut zwei Drittel der Anwender sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Verträglichkeit und Wirksamkeit der Homöopathie (2). Warum will der Staat diese zufriedenen Patienten bevormunden?

Protest gestartet

Gegen das geplante Verbot regt sich Widerstand. Dieser wird organisiert von dem Aktionsbündnis „www.weils-hilft.de“. Mehr als 100.000 Unterschriften sind schon gesammelt. 2024 konnte das Aktionsbündnis einen ähnlichen Vorstoß von Karl Lauterbach zur Streichung der Krankenkassenleistungen noch verhindern. Die Unterschriftenaktion läuft bis zum Abschluss des parlamentarischen Verfahrens. Eine Beteiligung ist hier möglich.

Homöopathie und Komplementärmedizin wirkt

Jeder regelmäßige Nutzer von homöopathischen Medikamenten hat seine eigenen positiven Erfahrungen gemacht. Schon diese Zufriedenheit der Patienten beweist die Wirksamkeit. Praxisberichte von homöopathischen Ärzten stehen auf der Webseite des „Deutsche Zentralvereins homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ)“ (3).

Die Medikamente sind in der homöopathischen und anthroposophischen Medizin Teil eines Gesamtprozesses. Andere therapeutische Maßnahmen und vor allem die Gespräche mit den Ärzten, zum Beispiel über die biographische und seelische Bedeutung der Erkrankung, sind genauso wichtig.

Aufgrund der individuellen komplexen Umstände ist es nicht einfach, die Wirksamkeit von homöopathischen Medikamenten auch statistisch und mit Vergleichsgruppen nachzuweisen. Es ist aber trotzdem möglich.

In einem Konsenspapier von zehn Professoren zur Homöopathie sagt Professor Dr. med. André-Michael Beer von der Ruhr-Universität Bochum: „Es liegen genügend Studien für akute und chronische Erkrankungen vor, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Therapie über Placebo belegen.“ (4)

Das „Institut für Komplementäre und Integrative Medizin“ an der Universität Bern pflegt eine im Internet zugängliche Datenbank mit mehr als 460 randomisierten kontrollierten Studien und mehr als 170 nicht-randomisierten Studien zu einer Vielzahl von Diagnosen. (5) Randomisiert heißt, dass es in der Studie eine zufällig ausgewählte Vergleichsgruppe gab. Der Verein „Gesundheit aktiv“ hat weitere Studien zu anthroposophischen Therapien und anderer Komplementärmedizin zusammengetragen. (6)

In einem im Oktober 2023 veröffentlichen „Systematischen Review“ wurden alle sechs Homöopathie-Metaanalysen, in denen Studien zusammengefasst wurden, methodisch sehr aufwendig nach aktuellen wissenschaftlichen Standards ausgewertet. Die wichtigsten Aussagen dieses systematischen Reviews sind:

  • Fünf der sechs Metaanalysen enthalten eine Effektschätzung für alle eingeschlossenen Studien.
  • Alle diese fünf Metaanalysen zeigen signifikant positive Resultate der Homöopathie im Vergleich zu Placebo.
  • Die methodische Qualität der Homöopathie-Studien ist ähnlich wie bei anderen klinischen Studien, mit gleichem Design und bewertet nach gleichen Kriterien. (7)

Die Wirksamkeit der Homöopathie ist auch in der Tiermedizin nachgewiesen. Zum Beispiel reduziert Homöopathie nachweislich Durchfall bei Ferkeln um das 6-fache. (8) Und die Grundlagenforschung an Pflanzen zeigt: Mit Arsen vergiftete Wasserlinsen, im Volksmund auch Entengrütze genannt, wachsen nach homöopathischer Behandlung wieder. (9) Studien dazu sind in angesehenen internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Oft wird behauptet, homöopathische Medikamente hätten nur einen „Placebo-Effekt“ aufgrund von Erwartungshaltungen. Da Tiere und Pflanzen keine solchen Erwartungshaltungen haben, zeigen diese Versuche, dass Homöopathie über den „Placebo-Effekt“ hinaus wirksam ist.

Wissenschaft wird mit Füßen getreten

Trotz dieser Ergebnisse hält sich in der Öffentlichkeit die Falschinformation, dass die Wissenschaft der Homöopathie ihre Wirksamkeit abspräche. Um diese öffentliche Diskreditierung der Homöopathie aufrecht zu erhalten, wird vor allem die Propaganda-Methode ständiger Wiederholung angewandt. Wenn Menschen eine Unwahrheit oft genug hören, dann halten sie sehr viele irgendwann für wahr und vertreten diese Unwahrheit selbst lautstark. Gegen eine solche langfristig angelegte und sich selbst steigernde Propaganda kommen redliche Wissenschaftler mit ihren Studien in Fachzeitschriften nicht an.

Eine weitere Methode ist, dass zur behaupteten Unwirksamkeit der Homöopathie als Quellen Studien angeben werden, die gar nicht zu diesem Ergebnis gekommen sind. Da in der Regel Quellenangaben nicht kontrolliert werden, fällt dieser Betrug nicht auf. Dazu hat eine Gruppe junger Menschen ein prägnantes Video erstellt mit dem Titel „Homöopathie: Quellenlage und Berichterstattung“. (10)

Um die Gesundheitskosten zu senken, müssten Homöopathie und anthroposophische Therapien gefördert werden

Homöopathische und anthroposophische Medikamente können vergleichsweise preiswert hergestellt werden und kosten fast immer deutlich weniger als allopathische Mittel. Deshalb sind die Ausgaben der Krankenkassen dafür sehr gering. 2022 wurden rund 6,6 Millionen Euro für homöopathische Medikamente erstattet, also 0,01 Prozent der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen, die insgesamt 50 Milliarden Euro betrugen. (11) Das Verbot von Homöopathie bringt den Krankenkassen also finanziell so gut wie keine Einsparungen. Es schadet aber den bevormundeten Patienten und den homöopathischen Ärzten und Herstellern. Wer profitiert davon? Wenn homöopathische Medikamente nicht mehr bezahlt werden, werden umso mehr teurere allopathische verschrieben. Die Profiteure sind also die Pharmakonzerne.

Da der Bundestag nicht nur homöopathischen Medikamente, sondern ein breites Spektrum komplementärmedizinischer Therapien finanziell austrocknen will, wird ein bedeutender Konkurrent der Pharmakonzerne beseitigt. Das stärkt das Oligopol der Pharmakonzerne in ihrem Zugriff auf die öffentlichen Gelder. Zu dieser verordneten „Marktbereinigung“ gehört auch, dass die Honorare für Psychotherapeuten im April 2026 deutlich gekürzt wurden, obwohl eine krasse psychotherapeutische Unterversorgung besteht und Patienten oft viele Monate oder Jahre auf einen Termin warten müssen. (12)

Wenn es darum ginge, die Kosten der Krankenkassen zu senken, dann müsste eine große Offensive für homöopathische und anthroposophische Medizin gestartet werden. Da dies aber auf Kosten der Marktanteile der Pharmakonzerne gehen würde, findet das nicht statt.

Die Krankenkasse Securvita führte eine Langzeitstudie durch, die sehr interessante Ergebnisse brachte. Ich zitiere aus der Mitteilung von Securvita:

„Ausgewertet wurden dafür die Daten von 15.700 Versicherten, die mindestens drei Jahre lang regelmäßig bei homöopathischen Kassenärzten in Behandlung waren. Die Studie belegt, dass die Gruppe der Homöopathie-Nutzer bei wirtschaftlich bedeutenden Parametern wie Krankenhausaufenthalten, Arzneimittelverbrauch und Krankentagen gesundheitliche Vorteile gegenüber einer konventionell behandelten Vergleichsgruppe hatten.

Kinder erhielten beispielsweise seltener Antibiotika. Besonders auffällig erwies sich dies bei Kleinkindern ab der Geburt: Mit homöopathischer Behandlung sank die Zahl der mit Antibiotika behandelten Kleinkinder im dreijährigen Untersuchungszeitraum um 16,7 Prozent, während sie in der Vergleichsgruppe um 73,9 Prozent stieg. Kleinkinder mit Allergien, Neurodermitis und Asthma profitierten gegenüber der Vergleichsgruppe besonders von der homöopathischen Behandlung.

Auch bei erwachsenen Patienten zeigten sich deutlich positive Effekte im Sinne sinkender Morbidität und damit einhergehender Verbesserung der Lebensqualität. So verringerte sich beispielsweise bei krebskranken Patienten und Mehrfacherkrankten der Einsatz von Schmerzmitteln im Verlauf der homöopathischen Behandlung, während er in der Vergleichsgruppe wuchs.

Die Analyse von Krankenhausdaten zeigte ebenfalls Vorteile der homöopathischen Behandlung: So ging beispielsweise die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei Erwachsenen mit Depressionen im Lauf der homöopathischen Behandlung um 9,8 Prozent zurück. Im Vergleich dazu stiegen die Hospitalisierungen in der konventionell behandelten Vergleichsgruppe um fast 32,6 Prozent.

Bestätigt wurde dies auch durch die Arbeitsunfähigkeitszeiten, die durch Depressionen ausgelöst wurden und wirtschaftlich sehr relevant sind. Sie gingen im Verlauf der Homöopathie-Behandlung um 16,8 Prozent zurück, während die Fehlzeiten bei den rein schulmedizinisch behandelten Patienten um 17,3 Prozent stiegen.“ (13)

Soweit die klaren Ergebnisse der Untersuchung von Securvita. Wenn es den Regierungsparteien also wirklich um Gesundheitskosten ginge, müssten Homöopathie und anthroposophische Therapien gefördert werden. Doch darum geht es den Regierungsparteien nicht, denn sie dienen nicht dem Volk, sondern anderen Herren.

Die Deformation der Parteiendemokratie — Lügen ohne Ende

Die beschriebene Wirksamkeit und die großen Vorteile der Komplementärmedizin sind den Politikern der Regierungsparteien natürlich bekannt. All diese Informationen sind öffentlich zugänglich und wurden von den verschiedenen Fachverbänden den Politikern oftmals zugetragen. Doch Vertreter der CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke tun immer so, als ob sie davon nichts gehört haben. Stattdessen wiederholen sie laufend die Phrase der nicht nachgewiesenen Wirksamkeit der Komplementärmedizin.

Wie ist das zu erklären?

Es ist schwer, sich vorzustellen, dass diese Politiker zu dumm sind, einfache Informationen zu verstehen. Vermutlich geht es um seelische Deformation. Diese Politiker wissen, dass ihre Einschätzung falsch ist, aber sie lügen und schämen sich nicht einmal dafür.

Eine solche seelische Deformation wird durch das System der bestehenden Parteiendemokratie bewirkt. In diesem System geht es um Machtkalkül, Privilegien und Fraktionszwänge, nicht um Wahrheit oder das Wohl der Bürger. Wie das in der Praxis funktioniert kann jeder zum Beispiel im Buch „Inside Bundestag“ von Joana Cotar, die acht Jahre Bundestagsabgeordnete war, nachlesen. (14) Sie sagte in einem Interview: „Der Berliner Elfenbeinturm ist viel höher als gedacht. Und obwohl mir schon vor meinem Einzug durchaus bewusst war, dass die Mehrheit der Politiker den Bezug zu den Bürgern verloren hat und dass es ihnen vor allem um den eigenen Machterhalt geht, traf mich die Realität brutal.“ (15) In ihrem Buch schreibt sie: „Um dabei zu bleiben, muss man sich anpassen, gehorchen und folgen — da gehen die Ideale schnell verloren und das Gewissen gleich mit.“ Es geht dann nur noch darum, wiedergewählt zu werden durch Intrigen, innerparteiliche Schlammschlachten und durch Konformismus. Richtschnur ist nicht die Wahrheit, sondern ob etwas der eigenen Karriere dient.

Wenn die Fraktionsleitung sagt, dass Komplementärmedizin ausgetrocknet werden soll, schadet es einem Abgeordneten, sich dagegen zu stellen. Wenn die Pharmaindustrie Regierung, Bundestag, Medien und Universitäten weitgehend durchdrungen hat und hier den Ton angibt, schadet es einem Abgeordneten, eine konträre Meinung zu vertreten. Dann wiederholt er lieber die vorgegebenen Phrasen.

Politiker sind umringt von unzähligen Lobbyisten. Die Pharmaindustrie gibt nach Schätzungen allein in der EU jährlich 91 Millionen Euro für Lobbyarbeit aus. (16) Dieses Geld ist für die Pharmaindustrie gut investiert, denn ihnen fließen durch staatliche Beschlüsse sichere und reichliche Einnahmen zu.

Geld ist genug da

Es geht um die Streichung von Krankenkassenleistungen von etwa 50 Millionen Euro. Damit gehen nicht nur Leistungen für die Patienten verloren, sondern Therapeuten, Ärzte, Kliniken und Pharmazeuten sind in ihrer Existenz bedroht. Es sei nicht genug Geld da, heißt es.

Das ist Hohn und Spott. Um es in Relation zu bringen: Die deutschen Parteien erhalten jedes Jahr etwa 250 Millionen Euro Parteienfinanzierung. Die Erweiterung des Bundeskanzleramtes in Berlin kostete bislang circa 800 Millionen Euro. Der Betrieb des Bundestages kostet jährlich etwa eine Milliarde Euro. Damit die ukrainische Regierung den Krieg um die in Volksabstimmungen zu Russland übergetretenen ehemaligen ukrainischen Regionen führen kann, bekam sie 2026 von den EU-Ländern 90 Milliarden Euro zugesprochen. Das Bundesministerium für Gesundheit bestellte ab 2020 vier Milliarden Schutzmasken, die nicht verwendet wurden. Diese kosteten etwa vier Milliarden Euro, für die Entsorgung in Müllverbrennungsanlagen wurden nochmal acht Millionen Euro ausgegeben, so der Bundesrechnungshof. (17) Vier Milliarden sind 80 mal 50 Millionen. Damit hätte also die Komplementärmedizin 80 Jahre lang im bestehenden Umfange finanziert werden können. Seitenlang könnte man weitere Beispiele dieser Art aufschreiben.

Es fehlt nicht an Geld, sondern es geht um Bösartigkeit gegenüber Menschen, die selbstverantwortlich mit ihrer Gesundheit umgehen wollen.

Diese sollen zwar für die Krankenkassen bezahlen, aber nicht das erhalten, was sie benötigen. Es geht um eine Diskriminierung ganzheitlich denkender Menschen.

Parteienoligarchie in den Diensten der Pharmakonzerne

Demokratie heißt „Herrschaft des Volkes“. Das einzige Land in Europa, das sich zu Recht als Demokratie bezeichnen kann, ist die Schweiz. Nur in der Schweiz kann das Volk in Volksentscheiden direkt entscheiden. Dort findet tatsächlich „Herrschaft des Volkes“ statt. In den Gemeinden, Kantonen und im Bund können die Bürger durch Unterschriftensammlungen Volksentscheide einleiten. Alle drei Monate werden dem Volk mehrere Themen zur Entscheidung vorgelegt.

Dagegen werden Gesetze in Deutschland und in der EU ausschließlich von den regierenden Parteien beschlossen. Das Volk hat überhaupt nichts zu sagen. Von „Herrschaft des Volkes“ keine Spur. Man kann als Bürger lediglich protestieren, hat dabei als Bittsteller jedoch sehr ungleiche Möglichkeiten. Die regierenden Politiker brauchen nur zu einer Sitzung zu gehen und die Hand zu heben, während die Bürger sehr viel Zeit, Kraft und Geld aufwenden müssen, um einen sichtbaren öffentlichen Protest zu erzeugen. Wenn ein Protest so groß wird, sodass die regierenden Parteien sich sorgen, das Ergebnis könnte sich bei der nächsten Wahl auswirken, reagieren sie vielleicht.

Meistens warten sie dann aber mit dem Vorhaben nur einige Zeit, um zu sehen, ob es beim nächsten Versuch nochmal eine so große öffentliche Aufregung gibt. Wenn nicht, dann wird das umstrittene Gesetz beschlossen.

Die Arroganz der Macht ist integraler Bestandteil der Parteienoligarchie. Genau das erleben wir bei dem geplanten Verbot der Krankenkassenleistungen.

Dies schwächt die Komplementärmedizin und räumt einen Konkurrenten der Pharmaindustrie aus dem Weg. 2024 hatte der damalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach bereits einen solchen Versuch unternommen, aber der Protest war damals zu groß. Also zwei Jahre warten, ein neuer Anlauf und durch die Fußball-WM ist die öffentliche Aufmerksamkeit absorbiert. So funktioniert Parteienoligarchie.

Anders lief es in der Schweiz. In der Schweiz sammelte 2005 die Volksinitiative „Ja zur Komplementärmedizin“ rund 140.000 Unterschriften. Die gesetzlichen Krankenkassen sollten die anthroposophische Medizin, traditionelle chinesische Medizin (TCM), Homöopathie, Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Neuraltherapie weiterhin finanzieren. Zur Volksabstimmung kam dann ein Vorschlag des Berner Parlamentes, mit dem die Volksinitiative zufrieden war und die deshalb zurückgezogen wurde. Am 17. Mai 2009 stimmten 67 Prozent der Abstimmenden dafür, dass Art. 118a in die Schweizer Bundesverfassung aufgenommen wird: „Komplementärmedizin: Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.“

Dadurch wurde die Finanzierung der Komplementärmedizin durch die gesetzlichen Krankenkassen in der Schweiz gesetzlich gesichert. Die Berner Regierung stellt fest: „Pro Jahr bezieht rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung Leistungen der ärztlichen Komplementärmedizin. Die Kosten dafür betragen jährlich rund 18 Millionen Franken. Gemessen an den Gesamtkosten der obligatorischen Krankenversicherung — 2024 waren es rund 42,2 Milliarden — ist der Anteil der Komplementärmedizin marginal (rund 0,04 Prozent).“ (18) Man sieht: Komplemetärmedizin ist sehr beliebt und sehr preiswert.

Die schweizer Krankenkassen übernehmen nur die Leistungen von Ärzten. Für die Leistungen von nicht-ärztlichen Therapeuten und Naturheilpraktikern gibt es in der Schweiz eine Zusatzversicherung. Diese kostet je nach Ausgestaltung pro Monat zwischen 20 und 60 Schweizer Franken. In einer Studie des Erfahrungs Medizinischen Register (EMR) gaben 61 Prozent der Befragten an, eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben. „Die Mehrheit der Befragten nutzt Komplementärmedizin insbesondere bei Rücken- und Nackenschmerzen, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Allergien. 88 Prozent sehen Komplementärmedizin als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin oder bevorzugen sie sogar. 87 Prozent beurteilen den Behandlungserfolg als mindestens genügend, ein Drittel sogar als sehr erfolgreich. Dabei berichten viele auch von weitergehenden Effekten wie einer gesteigerten Gesundheitswahrnehmung, besserem Umgang mit Beschwerden oder einer allgemein bewussteren Lebensweise.“ (19)

Es geht nicht um Vernunft, sondern um einen fanatischen Religionskrieg

Wir haben gesehen: Komplementärmedizin wird von einer Mehrheit der Bevölkerung positiv gesehen, sie leistet einen wichtigen Betrag bei der Gesundung, ist preiswert, umweltschonend und ist bei richtiger Anwendung nebenwirkungsfrei. Warum nur wollen die Parteien — alle außer AfD und BSW - Komplementärmedizin einschränken? Das hört sich nach reinem Irrsinn an.

Verständlich wird das erst, wenn man das Ganze in einem größeren Rahmen sieht.

Neben den Interessen der Pharmakonzerne, die andere Gesundheitskonzepte und Konkurrenten bekämpfen, gibt es aus meiner Sicht aber noch eine größere Dimension dahinter: der fanatische Religionskrieg der Materialisten und Transhumanisten.

Die Homöopathie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vom deutschen Arzt Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickelt. Das war eine wichtige Errungenschaft des Landes der Dichter und Denker. Doch die Homöopathie wurde zum Feindbild der Materialisten, da diese es nicht ertragen können, dass eine nicht mehr materiell vorhandene Substanz eine Wirkung haben kann. In der Homöopathie werden Substanzen in potenzierter Form eingesetzt. Bei diesem pharmazeutischen Verfahren wird eine Substanz wiederholt stufenweise verdünnt und verschüttelt. Der Verdünnungsgrad kann so stark sein, dass die Ausgangssubstanz chemisch-analytisch nicht mehr nachweisbar ist. Die Potenzierung verstärkt aber die Qualität, Struktur und die geistige Information der Substanz und somit deren Wirkung. Also nimmt diese Wirksamkeit mit der Anzahl der Potenzierungen zu.

Das regt die Materialisten auf und trifft sie in ihrem Kern. Denn sie haben die Materie zu ihrem Gott gemacht und glauben daran — abergläubisch und oftmals fanatisch. Ich wähle hier bewusst den Begriff „Religion“, denn der Materialismus ist nichts anderes als eine Weltreligion, auch wenn er sich selbst nicht als solche bezeichnet.

Das Glaubensbekenntnis besteht unter anderem darin, dass es nur Materie gäbe, der Mensch nur aus Materie bestünde und auch das vielfältige Leben sowie das seelisch-geistige Erleben und das Bewusstsein nur biochemische Vorgänge seien. Die Materie sei das Einzige und alles Bestimmende. Was aber die Materie in Wirklichkeit ist und wie daraus Leben und Bewusstsein entstehen soll, bleibt unklar.

Materialisten reden oft von Wissenschaft. Wenn es aber wissenschaftliche Ergebnisse gibt, die nicht in ihren Glaubenskanon hineinpassen, werden diese ignoriert — wie die Ergebnisse zur Wirksamkeit der Homöopathie. Christian Morgenstern brachte diese Seelenart auf den Punkt: „Also schließt er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Der Materialismus dominiert heute über die Parteien die westlichen Staaten. Die Staaten sind nicht mehr religiös-weltanschaulich neutral. Zwar gehört diese Neutralität des Staates eigentlich zu den Grundprinzipien moderner Demokratien, doch tatsächlich sind die westlichen Staaten von den Wirtschafts-Interessen lobbystarker Pharmakonzerne durchsetzt und haben die Religion eines fanatischen transhumanistischen Materialismus zur Staatsreligion erkoren. In diese sollen sich alle einfügen. Das wird auch mit Gewalt durchgesetzt.

Dieser Religionskrieg kann nur stattfinden, weil wir zentralistische Einheitsstaaten haben und keine gegliederten Gesellschaften.

Gegenwärtig kann der Staat in alle Gebiete des Lebens eingreifen, wenn die Regierungsparteien und die dahinterstehenden Interessengruppen das wollen. Dieser Einheitsstaat ist eine schlimme gesellschaftliche Krankheit und hat immer die Tendenz in den Totalitarismus. Nur deshalb haben die Parteien im Bundestag überhaupt die Möglichkeit, über medizinische Behandlungen zu entscheiden.

Die Alternative zum zentralistischen Einheitsstaat ist eine gegliederte Gesellschaft, in der die Macht weitgehendst verteilt ist. Das war das Ziel der Bewegung für die Soziale Dreigliederung, die Rudolf Steiner (1861-1925) nach dem Ersten Weltkrieg startete. Das Kulturleben — zu dem auch Wissenschaft und Medizin gehört — sollte unabhängig von der Bevormundung durch Politik und Wirtschaft sein. Das wäre richtiger und menschengemäßer. Die Kompetenzen des Staates sollten auf das eigentliche Rechtsleben beschränkt werden. Die Gesundheitspflege gehört nicht zum Rechtsleben. Gesundheitspflege ist die Aufgabe der Patienten, Ärzte, Therapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen.

Per Gesetz sollten die Krankenkassen nur zu einer Grundversorgung verpflichtet werden und ansonsten weitgehende Freiheiten erhalten, damit sie unterschiedliche Profile anbieten, entsprechend der Bedürfnisse ihrer Mitglieder. Per Gesetz sollte nur geregelt werden, wie Krankenhäusern von Städten, Landkreisen und anderen Anbietern betrieben werden können. Per Gesetz sollte aber niemals die konkrete medizinische Behandlung bestimmt werden. Kein Mensch braucht Politiker, die ihn bevormunden und gängeln. Das ist eine Entwürdigung.

Salamitaktik

Wir müssen aber damit rechnen, dass hier noch einiges auf uns zu kommt. Denn das Verbot der Erstattung von Komplementärmedizin ist nur ein Baustein unter vielen Maßnahmen, die nach dem Prinzip der Salamitaktik umgesetzt werden.

In Frankreich durften die Krankenkassen ab 2021 nicht mehr für Homöopathie bezahlen. Im Februar 2024 beschloss das Pariser Parlament ein Gesetz, das eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren für denjenigen vorsieht, der von einer „wissenschaftlich befürworteten Behandlung einer Krankheit abrät und damit Menschen in Gefahr bringt“. Dieses Gesetz könnte dafür genutzt werden, gegen Ärzte vorzugehen, die eine alternative Behandlung zum Beispiel mit Homöopathie empfehlen. Mit diesem Gesetz könnten auch Menschen eingesperrt werden, die von den umstrittenen mRNA-Impfstoffen abraten. (20)

In Deutschland boten früher die Landes-Ärztekammern 3-jährige berufsbegleitende intensive Ausbildungen in Homöopathie an. Wer diese Ausbildung absolvierte, konnte sich dann offiziell als Homöopath bezeichnen. Aber seit 2022 haben fast alle Landes-Ärztekammern diese Zusatzausbildungen gestrichen. Wenn junge Ärzte diesen Titel nicht mehr erwerben können, werden sie weniger Interesse daran entwickeln. Das kann auf Dauer ein Ende der ärztlichen Homöopathie bedeuten.

2026 soll nun die Finanzierung der Homöopathie verboten werden. Was kommt als nächstes? Zum Beispiel die Abschaffung des Berufsstandes der Heilpraktiker? Karl Lauterbach hat das auch schon als Ziel ausgesprochen.

Ein fanatischer Religionskrieg hatte in der Geschichte immer schreckliche Folgen. Es ist gut, sich darauf innerlich vorzubereiten.

Ein Lichtblick: Anders ist es in Indien. Dort ist die Homöopathie sehr weit verbreitet, regulärer Bestandteil der staatlichen Gesundheitspolitik und integrierter Bestandteil der universitären Ärzteausbildung. Jährlich schließen in Indien etwa 12.000 Studierende ihre Ausbildung in der homöopathischen Medizin ab. (21)