Schlage Löcher in den Himmel

Poetik-Ecke LII ist ein Dialog mit dem Göttlichen in dir.

In den Poetik-Ecken von Manova kehrt die Sprache — in dieser Zeit der Etiketten und Haltungen geschunden wie nichts — zuweilen ganz zu sich selbst zurück. Fern von Corona, Klima, Krieg und allen weiteren Schlachtfeldern sucht die Dichterin mit und in der Sprache nach den göttlichen Geheimnissen in uns selbst. Erzeugt werden keine einordbaren Bilder, keine Urteile von Gut und Böse, keine politischen Verlautbarungen, vielmehr aber traumhafte Splitter aus einer menschlichen Urexistenz. Bei Marina Silalahi sind das durchaus biblische Bilder, die gänzlich neu gesetzt sind. Vorbei an allen Kirchen und Lehren, stets nur auf eine radikale Befreiung gerichtet. Auf die Befreiung des Menschen von sich selbst.

In der Schutzkammer unter der Erde

lagert Wein und Kaviar.
Zu welcher Musik wird getanzt?
Und wer sind die geladenen Gäste,
Die, die ihre schweren Steine von sich geworfen haben?
Lautlos, denn die geschmeidigen Hände haben keine Risse.
Ihre fließenden Körper formen den Rhythmus.
Getragene Chöre schmieden eine sanfte Melodie.

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Die Rose verliert ihren Duft,

es wachsen ihr Dornen wie Gitterstäbe.
Die Sonne verliert ihre Strahlen,
was jetzt noch Wärme hält, gefriert.
Flirrende Sterne verlieren ihre Lichter
und das Funkeln der Nacht erlischt.
Der Mensch verliert sein Menschsein,
Panzer rollen und Feuerstürme rasen.
Tiere verlieren ihre Würde,
in den Schlachthöfen gefriert das Entsetzen.
Die Liebe verliert ihre Nähe,
Unerreichbarkeit schlägt ihre Wurzeln.

Der Mann verliert seine trügerische Stärke,
es öffnet sich das Tor für Ehrlichkeit und Freiheit.
Die Frau verliert ihre Dienerrolle
und erlangt Würde und Achtung.
Der Mond verliert seine Nacht
und gewinnt den Mut, schutzlos zu leuchten.
Das Meer verliert sein Brausen
und wird zum Gefährten der Seefahrer.
Das Feld verliert seine Ernte
und sammelt Kraft für neue Frucht.
Das Schiff verliert seinen sicheren Anker
und segelt hinaus in die Freiheit.

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Bunte Scherben liegen zerstreut

Getrennt von der Ganzheit.
Verlasst die Entfremdung
und erinnert euch an das „Ich Bin“!
Fügt euch zusammen und werdet, wer ihr wirklich seid –
bis sich alle Teile zu einem klaren Farbenspiel verbinden.
Denke nicht in Grenzen –
denn die äußere Welt, das bist Du –
wie der Atem, den du aussendest,
und der zurückkehrt zu dir.

Nachtsand im Auge, ungeweinte Tränen

Kein Wasser vermag sie zu klären
Allein das Lob des Gegenübers
heilt das neidvolle Herz.

Rost zerrt an der Schraube wie ein Fluch aus alten Zeiten

Ein Jungfohlen steht gebunden, gehalten mit starren Seilen.
Zu eng ist die warme Höhle.
In Trennung und Einsamkeit hinein verirrt sich das Leben.
Starre Krusten verweben sich mit geschmeidigen Fäden –
Zum eisernen Helm und einem Harnisch aus Stahl.
Wer erdreistet sich, dein Richter zu sein im Angesicht deiner Rüstung?
Kein Sterblicher!

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Aufrechter Begleiter der Sinne

Leben geben ist deine Bestimmung.
Doch aufgespießt wurde die Saat
im Garten des Begehrens.
Dort hält sie das Leben zurück
und zeugt den Tod,
der nie geboren werden sollte.

Gestern Abend fragte ich Gott

nach dem Aktivierungscode
für Freude, Frieden und Glückseligkeit. 
Die Antwort kam sofort:
Sieh die Dinge, wie ich sie sehe.

Pendel! Schwinge hin und schwinge her

Gedanken und Ahnungen geben dir die Kraft dafür.
Schlage Löcher in den Himmel.
In den Rissen der Weite
ahnen wir die Geheimnisse der Endlosigkeit.
Die Leitern sind zu kurz, der Aufwind zu schwach -
Allein die Kraft des Geistes trägt dich.
Spüre die Überweltlichkeit.
Sie ist der Vergessenheit so nah.
Du, ja Du bist die Unendlichkeit.

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