Traditionell progressiv
Tradwives sind die neuen Feministinnen.
In den sozialen Netzwerken stellen sie ihren Lebensstil zur Schau, der sehr an die Nachkriegszeit erinnert: Tradwives, traditionelle Ehefrauen. Sie zeigen, wie sie zu Hause bleiben, sich um Haus und Kinder kümmern, während der Mann bei der Arbeit ist. Was wie ein rechtskonservativer Traum wirkt und in sogenannt linken und feministischen Kreisen auch genau so verspottet wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als viel progressiver und feministischer, als es die Kritiker selbst sind.
Seit einigen Jahren gibt es in sozialen Medien ein neues und in einigen Kreisen sehr umstrittenes Phänomen. Hier zeigen meist junge und attraktive Frauen ihr Leben als Hausfrau. Sie kochen, putzen und kümmern sich um ihre Kinder, während der Mann bei der Arbeit ist. Explizit inszenieren diese Frauen sich als Hausfrauen, die kein Interesse an der Lohnarbeit haben, sondern sich um die Hausarbeit kümmern. Dass diese Inszenierung als Verdienstmöglichkeit nicht ganz unerheblich ins Gewicht fallen kann, sei an dieser Stelle einmal offen gelassen. Es geht hier um das vermittelte Bild der Hausfrau, die sich für Mann und Familie den Haushaltsarbeiten hingibt, während der Mann selbst zur Lohnarbeit in die Welt hinausgeht und ihr diesen Lebensstil ermöglicht.
„Tradwives“ nennt sich dieser Trend, übersetzt etwa: traditionelle Ehefrauen. Angeknüpft wird an eine als Tradition empfundene Lebensweise aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Das Bild der Tradwives entspricht genau dieser Idealvorstellung, die manche wohl als eher spießig empfinden. Wenig überraschend trifft der Tradwife-Trend auf große Kritik vor allem von sogenannten Feministinnen aus sogenannt linken Kreisen: Die Tradwives vermittelten ein antiquiertes Frauenbild, das die Frau als vom Mann abhängig und ihm unterworfen idealisiert. Das Bild sei nicht nur reaktionär, sondern auch antifeministisch.
Allerdings soll hier die provokante These aufgestellt werden, dass Tradwives die neuen Feministinnen sind, da sie sich mehr für die Rechte von Frauen einsetzen als die linken Feministinnen. Dazu muss man sich zunächst eines verdeutlichen: Der klassische Feminismus ist auf ganzer Linie gescheitert — zumindest, wenn man unter Feminismus den Kampf für die Rechte der Frau und eine Verbesserung ihrer Lebensumstände versteht.
Denn dieser Feminismus hat sich im Wesentlichen in zwei Aspekten entfaltet. Zum einen ging es den Feministinnen schon frühzeitig darum, an politischen Wahlen teilzunehmen. Verwirklicht wurde das in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten. Während die Weimarer Republik das Wahlrecht für Frauen bereits kannte und in den USA und Großbritannien das Frauenwahlrecht in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts eingeführt wurde, brauchte die Schweiz, das Musterland der Demokratie, bis 1971, um auch Frauen zu Wahlen zuzulassen; in einigen Kantonen dauerte es sogar noch bis 1990, bis das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.
Nun ist die politische Partizipation von Frauen grundsätzlich ja etwas Sinnvolles und Wünschenswertes. Allerdings wird dabei die Tatsache ignoriert, dass Demokratien genau das nicht sind, was sie per definitionem sein sollten: Volksherrschaften.
Den turnusmäßig stattfindenden Wahlen folgt in der Regel als Ergebnis, dass der Wählerwille ignoriert, hingegen die Aufträge des internationalen Kapitals erfüllt werden. An solchen Wahlen teilzunehmen, ist somit ein nettes Theater, verhindert aber, dass Frauen, ebenso wenig wie Männer, wirklich Einfluss auf die Entwicklungen des Landes nehmen können.
Das andere Feld, auf dem sich der Feminismus entfaltet, ist das der Lohnarbeit. Feministinnen traten für das Recht der Frauen ein, arbeiten zu dürfen. Dieses Recht ist vollumfänglich verwirklicht, mit der Folge, dass Frauen heute eben auch arbeiten müssen, um überhaupt über die Runden kommen zu können. Die Forderung der Frauen, Lohnarbeit verrichten zu dürfen, erfüllt in erster Linie die Bedürfnisse des Kapitals und des Staates. Denn auf diese Weise verdoppelt sich schlagartig die Schar der willigen oder gezwungenen Arbeiter. Dadurch vergrößert sich die Konkurrenz unter den Arbeitern, was die Möglichkeit eröffnet, sie gegeneinander auszuspielen und damit die Löhne niedrig zu halten. Hier gilt die Ideologie von Angebot und Nachfrage.
Für den Staat vergrößert sich so die Herde des per Steuern zu melkenden Viehs: Denn nun müssen Frauen nicht nur arbeiten, sondern selbstverständlich auch Steuern zahlen. Der Staat hat die Anzahl der Steuerpflichtigen durch die lohnarbeitenden Frauen mal eben verdoppelt.
Das wiederum kommt den Zentralbanken zugute, die den Staat über Kredite, also aus dem Nichts geschöpftes Geld, als Werkzeug nutzen, echte Güter und reales Geld in die eigenen Taschen umzuverteilen. Damit haben die Zentralbanken den Geldstrom erheblich vergrößert, der zurück in ihre Taschen fließt. Das vom Staat im Auftrag des Kapitals zu bewirtschaftende Vieh hat sich mengenmäßig erheblich vergrößert. Feminismus hat damit den Finanzkapitalismus stabilisiert und gestärkt — den Feministinnen oftmals zu bekämpfen vorgeben.
Auch zwingt die Lohnarbeit der Frauen diese dazu, ihre Kinder in die staatlichen Einrichtungen zu geben — Kindergarten, Schule — und sie damit dem indoktrinierenden Staat zu überlassen. Dieser sichert sich dadurch den frühen Zugriff auf die Kinder und ihre Psychen, die dann entsprechend geformt werden. So werden Kinder psychisch gebrochen und auf Gehorsam und Unterwerfung getrimmt, damit sie sich der Herrschaft unterordnen. Gleichzeitig zerbrechen Familienstrukturen durch abwesende Eltern und Ideologisierung der Kinder, die auf diese Weise nicht selten auch in einem zumindest zum Teil geschürten Generationenkonflikt gegen die Eltern aufgehetzt werden. Damit werden zugleich die Grundlagen für den Transhumanismus gelegt, welcher der Entwurzelung aller Menschen bedarf, um sie in die technologisierte und digitalisierte Dystopie einzugliedern. Sogenannte Feministen unterstützen also die Unterwerfung der Menschen und eine transhumanistische Ideologie. Nicht zufällig gibt es große Überschneidungen unter den Verfechtern von Feminismus und Gender-Ideologie.
Feministen sind damit zugleich auf eine Verirrung der sogenannten Linken hereingefallen, nämlich auf die Forderung nach Arbeit für alle. Diese Forderung war schon immer eine das System stützende, da sie dem Kapital Arbeitskräfte zuführte und die abhängige Lohnarbeit stabilisierte.
Schon der Schwiegersohn von Karl Marx, Paul Lafargue, machte in seinem ironischen Büchlein „Das Recht auf Faulheit“ darauf aufmerksam, dass der Kapitalismus genug Güter produziere, die allen Menschen zugute kommen könnten. Statt ein Recht auf Arbeit forderte er ein Recht darauf, eben nicht arbeiten zu müssen. Ihm zufolge war es schon Ende des 19. Jahrhunderts möglich, die Arbeitszeit der Menschen drastisch zu reduzieren und die Lebenszeit mit Muße und Vergnügungen zu füllen, anstatt sich täglich für viele Stunden an Maschinen aufzureiben.
Genau diese Forderung und diese Umstände ignorieren die Feministinnen und fordern stattdessen, auch Frauen in die Lohnarbeit zu lassen. Nun ist es ja durchaus kein Problem, ihnen dieses Recht zu geben, wenn sie gleichzeitig die Wahl haben, genau das auch nicht zu tun. Diese Wahl haben sie aber heutzutage oftmals gar nicht mehr, da ein Einkommen in der Regel nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Anders war es in der Zeit, auf die sich die heutigen Tradwives beziehen. Da gab es eine singuläre Anomalie, die es erlaubte, dass Frauen am Lohnarbeitsprozess nicht teilnehmen mussten, sondern sich um die Kinder und den Haushalt kümmern konnten.
Nie zuvor und danach in der Geschichte hat es im Westen diese Möglichkeit gegeben. Denn Frauen waren schon immer auch in die Arbeit eingebunden, insbesondere während der Industrialisierung, als auch viele Frauen in Fabriken arbeiten mussten, um überleben zu können, wie übrigens auch viele Kinder. Insofern ist die Forderung danach, Frauen arbeiten zu lassen, auch keine wirkliche Neuheit, sondern eine reaktionäre Rückbesinnung auf Zeiten, die noch vor jenen stattfanden, auf die sich Tradwives beziehen.
Letztere haben erkannt, dass Lohnarbeit kein wünschenswerter Zustand ist und für viele Frauen Erfüllung eher darin liegt, Kinder zu bekommen und aufzuziehen. Nun ist jedem vernünftig denkenden Menschen klar, dass auch die Erziehung von Kindern sowie die Hausarbeit wirkliche Arbeit darstellen. Aber es ist etwas anderes, in einem Großraumbüro zu sitzen oder an einer Maschine zu stehen, als Kinder zu gebären und in ihrem Leben zu begleiten. Letzteres erfüllt ein tief in die Biologie eingeschriebenes Bedürfnis, das auch einen gewissen Sinn im Leben vermittelt.
Insofern waren die Hausfrauen in der Nachkriegszeit denjenigen Frauen weit voraus, die sich noch an Maschinen aufreiben mussten. Der Feminismus hat diesen Fortschritt nun rückabgewickelt und die Frauen wieder zur Lohnarbeit verdammt.
Dabei wurde den Frauen sogar das genommen, was sie ausmacht: das originär Weibliche. Denn um in der Arbeitswelt voranzukommen, müssen Frauen genau diese Weiblichkeit ablegen und sich ihren männlichen Kollegen anpassen. Sie werden zu Männern in weiblichen Körpern — gut beobachtbar vor allem bei Karrierefrauen in der Politik oder in großen Unternehmen. Der Feminismus hat also in seiner letztlichen Konsequenz aus Frauen Männer gemacht.
Wobei dieser sogenannte Feminismus sogar noch einen Schritt weitergegangen ist: Heute werden die Geschlechtergrenzen und -definitionen so verwischt, dass die meisten sich so nennenden Linken nicht einmal mehr in der Lage dazu sind, das Wort „Frau“ zu definieren. Durch die Inkorporation aller möglichen gefühlten Geschlechtsabweichungen wurden die Geschlechtergrenzen so verwischt, dass die Frau als solche gar nicht mehr vorkommt und es auch nicht mehr darf. Das führt zu Absurditäten wie dem Verhalten von Männern, die, sich als Frau fühlend, in Frauenumkleiden, Frauengefägnissen oder anderen Frauenveranstaltungen eindringen. Immer wieder kommt es dabei zu sexuellen Übergriffen, gegen die man aber deswegen machtlos ist, weil der jeweilige Täter von sich behauptet, gerade kein Mann zu sein, der ja der entsprechenden Ideologie zufolge als Ausgeburt allen Übels als alleiniger Täter überhaupt nur noch in Frage kommt.
Bei den Tradwives hingegen sind die Verhältnisse klar. Was eine Frau ist, weiß man ebenso, wie man weiß, was ein Mann ist. Daher kann hier differenziert und unterschieden werden, und es herrscht eine klare Abgrenzung der Aufgabenbereiche, der Zuständigkeiten und eine eindeutige Rollenverteilung.
Tradwives beseitigen damit auf einfache Art und Weise die vollkommene Verwirrung, in der sich Feministinnen und sogenannte Linke längst verstrickt haben. Sie plädieren für eine Welt, in der Frauen die Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern — so, wie es biologisch und psychologisch auch erforderlich ist — und sich nicht als Lohnsklaven dem Kapital unterwerfen müssen.
Was sogenannte Feministinnen daran stört, ist wohl die Tatsache, dass die Tradwives genau das auch tun können. Während Feministinnen die Früchte ernten, die sie selbst gesät haben — die Versklavung durch Lohnarbeit aufgrund ökonomischer Notwendigkeit, der Verzicht auf Kinder und ein Familienleben zugunsten einer Karriere, in der sie sich nicht nur vollkommen aufreiben, sondern auch verlieren —, müssen Tradwives — zumindest in ihrer Außendarstellung — genau das nicht tun: Sie bekommen Kinder und kümmern sich um diese ebenso wie um ihren Mann; sie verbringen ihr Leben mit einer Vielzahl an häuslichen Tätigkeiten — und sind dabei ihr eigener Chef.
Vorgeworfen wird ihnen, dass sie dem Mann unterworfen und von ihm abhängig seien, dass sie sogar Gewalt gegen sich durch den Mann rechtfertigen. All diese Vorwürfe sind konstruiert: Denn solange eine solche „Unterwerfung“ auf freiwilliger Basis geschieht, ist es streng genommen keine, sondern eine Vereinbarung, die beide gleichberechtigt treffen.
Abhängigkeit vom Mann wird dabei in der Regel an die Verfügungsgewalt über das Bankkonto geknüpft. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass moderne Tradwives an die Sitte früherer Zeiten anknüpfen, dass lediglich der Mann über ein Bankkonto verfügt. In der heutigen Zeit wäre das sehr unpraktisch. Moderne Gesetze gelten zudem auch für Tradwives und ihre Männer — Gewalt ist gesetzlich verboten, und die Möglichkeit zur Scheidung steht auch den Frauen offen. Ob das dann mit dem Weltbild der Tradwives vereinbar ist, ist eine Entscheidung, die niemandem abgenommen werden kann. Denn das eigene Weltbild ist letztlich Privatsache.
Bleibt der Vorwurf, dass Tradwives mit ihren Social-Media-Aktivitäten eine Menge Geld verdienen und so eben doch an der Arbeitswelt partizipieren. Das kann man durchaus kritisieren.
Allerdings sind die gezeigten Lebensentwürfe in der heutigen Zeit nur noch für sehr wohlhabende Familien wirklich umsetzbar, während man früher mit einem einzigen Einkommen eine ganze Familie ernähren, ein Haus kaufen und mindestens einmal im Jahr in Urlaub fahren konnte.
Ein angestrebtes Ideal ist nicht mit einem Fakt zu verwechseln. Aber mit ihrer Arbeit präsentieren diese Frauen eine Lebensweise, die viel feministischer und progressiver ist als das, was sogenannte Feministinnen predigen. Zumindest entzieht sie schon einmal die Frauen der Lohnarbeitssklaverei, sodass sie sich selbst um ihre Kinder kümmern können, anstatt sie Instituten der staatlichen Manipulation überlassen zu müssen.
Der von Tradwives vorgelebte Lebensstil hat daher langfristig das Potenzial, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Und genau deswegen ist er viel progressiver als das, was die reaktionären pseudolinken Feministinnen vorleben, die selbst die Frau längst abgeschafft haben und lieber an frühindustrielle Zeiten anknüpfen.