# Turm aus Eisen, Rückgrat aus Pudding

Weil eine Delegation religiöser Fanatiker den Eiffelturm besuchen wollte, entfernten die Betreiber des Wahrzeichens dienstbeflissen alle Frauen aus deren Blickfeld.

von 
   * Hans Casteels

Eine Delegation möchte den Eiffelturm besuchen, ohne Frauen begegnen zu müssen. Die Verantwortlichen reagieren prompt und räumen die Mitarbeiterinnen aus dem Weg. Schließlich ist es viel einfacher, Frauen zu verstecken, als erwachsenen Menschen zu erklären, dass ihre religiösen Empfindlichkeiten nicht automatisch zum Problem aller anderen werden. Der Turm steht noch — das Rückgrat der Geschäftsleitung eher nicht. Aus kanadischer Sicht, wo von Besuchern im Allgemeinen erwartet wird, dass sie sich dem Land, das sie besuchen, anpassen, anstatt die Hälfte seiner Bevölkerung in einen Schrank zu sperren.

---

Ich bin entsetzt, dass die Gleichberechtigung von Frauen im 21. Jahrhundert immer noch ein derart monumentales Problem ist. Und am Eiffelturm hat das Wort „monumental“ selten so viel Arbeit leisten müssen. Wir können Maschinen zum Mars schicken, Gene bearbeiten und Kühlschränke dazu bringen, Fotos ihres Inhalts an ein Telefon zu senden. Trotzdem kann einer Frau, die zur Arbeit erscheint, immer noch gesagt werden, sie solle verschwinden, weil ihre Anwesenheit den religiösen Seelenfrieden männlicher Besucher stören könnte. 

Sie kann dieselbe Arbeit leisten wie ein Mann, mit denselben Qualifikationen, Verantwortlichkeiten und Arbeitszeiten, und trotzdem weniger verdienen — als würden Lohnbuchhaltungen Gehälter teilweise nach Kompetenz und teilweise nach Penis berechnen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit wird seit Generationen diskutiert, von Kommissionen untersucht, von Regierungen versprochen und auf so viele Hochglanzbroschüren zur Gleichstellung gedruckt, dass man damit den Eiffelturm isolieren könnte. Trotzdem bleibt es ein „Problem“, denn Frauen angemessen zu bezahlen würde Institutionen dazu zwingen, Geld herauszurücken, während das Lob für die Leistungen von Frauen nichts kostet. 

> Offenbar hat die Zivilisation Eisenbau, Raumfahrt und kabellose Kühlung gemeistert, doch eine Mitarbeiterin, die neben einem Ticketautomaten steht und genauso viel verdient wie der Mann neben ihr, stellt nach wie vor einen ungelösten Notfall dar.

Am Samstag besuchte eine Delegation von BAPS, der traditionalistischen hinduistischen Organisation, die offiziell als Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha bekannt ist, den Eiffelturm und forderte Berichten zufolge, dass Interaktionen mit Frauen unmöglich gemacht werden sollten. Das Management, das die moralische Rückgratstärke eines verkochten Eclairs an den Tag legte, stimmte zu. Weibliche Angestellte wurden angewiesen, ihre Posten zu verlassen, außer Sichtweite zu bleiben oder bestimmte Bereiche zu meiden. Männer ersetzten sie. Dies wurde anscheinend als Gastfreundschaft betrachtet, obwohl Geiselverhandler das Vorgehen vielleicht eher wiedererkennen würden.

Die Fakten werden noch untersucht, aber die Organisation erklärt, sie habe nie die Absicht gehabt, jemanden auszuschließen. Sie hat sich für die entstandene Aufregung entschuldigt. Der Betreiber des Eiffelturms hat eingeräumt, dass Bedingungen akzeptiert wurden, die niemals hätten akzeptiert werden dürfen. Die Mitarbeiter waren so empört, dass sie am Montag streikten und den Eiffelturm für den Tag schlossen. Das scheint eine durchaus angemessene Reaktion zu sein, wenn das Management einem mitteilt, dass der Arbeitsplatz sicher ist, es sei denn, ein besuchender heiliger Mann findet das Geschlecht aus administrativer Sicht gerade unpraktisch. *[Reuters](https://www.reuters.com/business/media-telecom/paris-investigates-claim-women-were-hidden-hindu-delegation-eiffel-tower-2026-09-07/?utm_source=chatgpt.com)* und die *[Associated Press](https://apnews.com/article/eiffel-tower-paris-hindu-women-strike-baps-ba972660ee086097a8bf1684d6a5bed1)* berichteten über die Vorwürfe, die Entschuldigung und die Untersuchung.

Aus Kanada betrachtet wirkt diese Regelung entsetzlich, obwohl „entsetzlich“ in letzter Zeit derart überstrapaziert wurde, dass das Wort sich eigentlich einen bezahlten Urlaub verdient hätte. 

> Eine Gruppe kommt nach Frankreich, verlangt, dass französische Frauen aus dem Blickfeld verschwinden, und ein französischer Manager sagt im Grunde: „Mais certainement, monsieur“ (Aber sicher, mein Herr). Sollen wir auch noch die Brüste im Louvre verhüllen, Marianne hinter einen Vorhang stellen und den Ticketverkäuferinnen vorübergehend Penisse aushändigen? 

Irgendwo in dem Gebäude haben offenbar mehrere Erwachsene darüber diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das störende Objekt im Raum die Frau war, die dort ihren Lohn verdiente.

Frankreich hat Jahrhunderte damit verbracht, sich den Ruf zu erarbeiten, sich niemandem anzupassen — nicht einmal anderen Franzosen. Ein Kellner in Paris kann einem zahlenden Gast allein deshalb das Gefühl geben, ein bedauerlicher Buchungsfehler zu sein, weil dieser nach elf Uhr noch einen Kaffee bestellt. Doch als die Forderung aufkam, Mitarbeiterinnen zu verstecken, entdeckte die Geschäftsleitung plötzlich ihre Flexibilität: Sie wurden zu Schlangenmenschen. Sie falteten Säkularismus, Gleichberechtigung, Arbeitsrechte und elementare Würde zu einem kleinen Verwaltungspäckchen zusammen und schoben es unter einen Schreibtisch, bis die Herren gegangen waren.

Das Wort „Kultur“ wird unweigerlich ins Spiel gebracht werden, wie immer, wenn jemand diskriminierendes Verhalten nach Stickerei klingen lassen möchte. Kultur erklärt Verhalten. Sie entschuldigt es nicht automatisch. Kanadier verstehen das einigermaßen gut, weil wir seit Jahrzehnten versuchen, mit Menschen aus nahezu allen Teilen der Welt zusammenzuleben, ohne jedem importierten Vorurteil einen diplomatischen Empfang zu bereiten. Sie dürfen Ihre Religion praktizieren. 

> Sie dürfen den Kontakt mit Frauen vermeiden. Sie können die Augen schließen, die Nieten untersuchen oder in Ihrem Hotel bleiben und eine sittsame Decke stricken. Sie haben jedoch kein Recht, am Arbeitsplatz anderer Menschen aufzutauchen und die Frauen entfernen zu lassen, als wären sie störende Möbelstücke.

Religionsfreiheit bedeutet, dass der Staat Sie nicht zwingen darf, Ihren Glauben aufzugeben. Sie bedeutet nicht, dass jede Frau in Reichweite eines Fernglases daran teilnehmen muss. Wenn Ihre Heiligkeit davon abhängt, dass eine Aufzugführerin verschwindet, ist das Problem vielleicht weniger theologischer als hormoneller Natur. Eine Überzeugung, die zusammenbricht, sobald eine Frau ein Ticket scannt, ist nicht gerade der Fels der Ewigkeit. Sie ist ein Soufflé mit Bart.

Die Geschäftsleitung hat inzwischen erklärt, die Entscheidung habe ihren Werten widersprochen. Institutionen entdecken ihre Werte immer erst dann, wenn sie dabei ertappt werden, gegen sie zu verstoßen — bevor die Zeitungen eintreffen, sind Werte flexible Geschäftsvereinbarungen. Danach sind sie in Stein gemeißelte Prinzipien, an die alle zutiefst glauben — außer an die Person, die den verdammten Unsinn genehmigt hat. Nun soll eine Untersuchung klären, wie es dazu kommen konnte. Das ist die Sprache der Geschäftsleitung für die Suche nach jemandem, der weit genug unten in der Hierarchie steht, um eine Entscheidung getroffen zu haben, für die eigentlich mehrere Führungskräfte ihre Zustimmung geben mussten.

Der Fairness halber sollte es eine entsprechende Gegenregelung geben. Wenn das nächste Mal der Ultrakonservative Strickklub den Eiffelturm besucht, sollte er seine eigenen Personalvorgaben einreichen dürfen. Jeder Mann mit einer Krawatte, die wie ein Scherzartikel aussieht, wird nach Hause geschickt. Männer, die Strickenden das Stricken erklären, werden als Erste entfernt — vorzugsweise mit einem Kran. Jeder männliche Mitarbeiter, der schon einmal einen Schal als „einfaches Projekt“ bezeichnet hat, ohne selbst einen fertiggestellt zu haben, muss in einem Geräteraum warten. Wer rechte und linke Maschen nicht auseinanderhalten kann, wird mit einer Plane abgedeckt, damit seine Unwissenheit die Delegation nicht beleidigt.

Der Klub könnte außerdem jeden Kontakt mit Männern ablehnen, die eine Frau unterbrochen haben, nur um zu wiederholen, was sie gerade selbst gesagt hatte. Dafür müsste ein beträchtlicher Teil der Geschäftsleitung ausgetauscht werden. Männer, die behaupten, sie würden bei ihren eigenen Kindern „mithelfen“, dürften nicht in den zweiten Stock. Männer, die das Einräumen einer Spülmaschine für eine Form abstrakten Expressionismus halten, würden im Souvenirladen eingeschlossen. Jeder Herr, der seine Frau schon einmal gefragt hat, wo die Schere liegt, während er direkt neben der Schere stand, müsste das Gelände unverzüglich verlassen und seine Schnürsenkel abgeben, falls er versuchen sollte, Makramee zu machen.

Pete Hegseth könnte das Verfahren überwachen. Er hat bereits körperliche Leistungsstandards für Männer auf amerikanische Kampfeinsätze übertragen und im Juli 2026 jährliche Untersuchungen auf Testosteronmangel für US-Militärangehörige ab 30 Jahren angeordnet. Offenbar erfordert die Landesverteidigung inzwischen die Kenntnis darüber, ob jeder Oberst die richtige Menge an Stieressenz in sich trägt. 

Der Eiffelturm könnte eine Testosteron-Vorrangspur einrichten. Männer mit akzeptablen Werten dürften die Aufzüge bedienen, die Aussichtsplattform bewachen und lautstark über Statik dozieren. Männer mit niedrigen Werten würden zusammen mit den Frauen nach Hause geschickt, bis pharmazeutische Männlichkeit ihre Fähigkeit wiederhergestellt hätte, auf Dinge zu zeigen. Die US-Politik ist dargelegt in [Hegseths Memorandum vom Juli 2026]( https://media.defense.gov/2026/Jul/15/2003961654/-1/-1/1/HEALTH%20AND%20HUMAN%20PERFORMANCE%20OPTIMIZATION%20TO%20ENHANCE%20MILITARY%20READINESS%20OSD004430-26%20RES%20FINAL.PDF?), denn selbst Testosteron braucht Papierkram, bevor es die Demokratie verteidigen kann.

> Es liegt eine zusätzliche Ebene der Idiotie darin, den Eiffelturm in ein vorübergehend männliches Reservat zu verwandeln. Er ist ohnehin das größte aufrecht stehende Eisengebilde in Paris: ein 330 Meter hohes Denkmal für die Weigerung der Menschheit, irgendetwas Horizontalem den Vorzug zu geben, wenn eine gigantische vertikale Machtdemonstration denselben Zweck erfüllt.

Er ragt mit vier gespreizten Beinen über die Stadt, muss ständig gewartet werden und zieht Millionen Menschen an, die ihn aus vorteilhaften Blickwinkeln fotografieren. Wenn die Architektur jemals ein noch offensichtlicher männliches Genitaldenkmal hervorgebracht hat, dann hat es vermutlich Luxuswohnungen angebaut.

Der Turm trägt außerdem die Namen von 72 männlichen Wissenschaftlern und Ingenieuren. Keine Frauen. Sophie Germain, deren mathematische Arbeit zur Elastizität zum Verständnis beitrug, das für solche Konstruktionen nötig ist, wurde übergangen. Paris hat inzwischen erwogen, die Namen von 72 Wissenschaftlerinnen hinzuzufügen — mehr als ein Jahrhundert später, nachdem jemand bemerkt hatte, dass die französische Wissenschaft offenbar ausschließlich von Männern betrieben worden war, die ganz ohne Mütter, Lehrerinnen, Kolleginnen oder störende weibliche Gehirne auskamen. Der Turm brauchte die Geschäftsleitung eigentlich nicht, um seinen historischen Testosterongehalt noch weiter zu konzentrieren.

BAPS mag aufrichtig bedauern, was geschehen ist. Gut. Bedauern ist angebracht. Die größere Schande tragen jedoch diejenigen, die ein öffentliches Monument betreiben, die Forderung hörten und ihr nachkamen. Besucher können beinahe alles verlangen: Sie können fordern, dass Frauen verschwinden, Tauben Hosen tragen oder die Seine vorübergehend umgeleitet wird, damit sie den spirituellen Berater eines Besuchers nicht beleidigt. Zur Aufgabe der Geschäftsleitung gehört es, über den erwachsenen Wortschatz zu verfügen, den man braucht, um Nein zu sagen.

Frankreich wird ermitteln. Stellungnahmen werden veröffentlicht. Die Gleichberechtigung wird mit der ganzen feierlichen Wucht einer Banddurchschneidung bekräftigt werden. Doch mehrere Frauen haben die Botschaft bereits in ihrer reinsten Form erhalten: Ihre Arbeit, ihre Kompetenz und ihr Recht, öffentlichen Raum einzunehmen, können ausgesetzt werden, wenn ein hinreichend wichtiger Mann sie lieber nicht sehen möchte. 

> Von den Frauen wurde erwartet, dass sie still und leise verschwinden, während die Männer weiterhin die berühmteste Erektion der Welt betrieben. Es dürfte schwer sein, ein treffenderes Denkmal für diese gesellschaftliche Ordnung zu entwerfen.

---
Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst am 10. Oktober 2026, auf dem Substack von Hans Casteels unter dem Titel „[The People That “Are In Charge” Of The Eiffel Tower Discover That Women Are Portable]( https://hanscasteels.substack.com/p/the-people-that-are-in-charge-of)”. Er wurde ehrenamtlich von Silvia Lorenz für *Manova* übersetzt und vom ehrenamtlichen *Manova*-Korrektorat-Team lektoriert. 


