# Ulrich, Ben und Donald

Das Gespräch von Ulrich Siegmund bei „Ben ungeskriptet“ zeigte einmal mehr, dass sich ein alternativer Mainstream gebildet hat, der vorgibt, eine kritische Instanz zu sein — dabei tastet er den Kern des Herrschaftssystems ebenso wenig an.

von 
   * Nicolas  Riedl

Ulrich Siegmund landete innerhalb von zwei Tagen gleich zwei mediale Volltreffer. Am 14.&nbsp;August versah ihn der SPIEGEL mit dem Spitznamen „gefährlichster Mann Deutschlands“, und gleich am Tag darauf erschien ein Interview mit ihm auf dem Kanal „Ben ungeskriptet“. Beides dürfte Siegmund in die Karten gespielt haben. Während das SPIEGEL-Cover ihn in seiner Relevanz aufwertete — nach eigenen Angaben versah er einige der Hefte mit Autogrammen, die daraufhin für bis zu tausend Euro im Internet weiterverkauft wurden —, das andere gab ihm die Möglichkeit, vor einem Millionenpublikum genau das Bild von sich zu zeichnen, das ihm schlussendlich die Stimmen der Menschen in Sachsen-Anhalt einbringt. Dass sowohl der „Mainstream“ als auch der „Anti-Mainstream“ mit ihren Handlungen ein und dasselbe Ergebnis forcieren — nämlich ein Erstarken der AfD —, kann mit Inkompetenz und blinden Flecken zu tun haben oder aber mit einer gezielten Funktionsweise des politischen Systems. Wenn wir wissen wollen, wie die Geschichte ausgehen könnte, lohnt sich ein Blick über den Atlantik, denn wie so oft erleben die US-Amerikaner zuerst, was danach um die Welt geht. 

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*„Der schlaueste Weg, Menschen passiv und gehorsam zu halten, ist, das Spektrum an akzeptabler Meinung streng zu beschränken, aber eine sehr lebhafte Debatte innerhalb dieses Spektrums zu ermöglichen — sogar die kritischeren und die Ansichten der Dissidenten zu fördern. Das gibt den Menschen ein Gefühl, dass es ein freies Denken gibt, während die Voraussetzungen des Systems durch die Grenzen der Diskussion gestärkt werden“* (Noam Chomsky).

Das Gespräch zwischen Björn Höcke und Benjamin Berndt — alias „Ben ungeskriptet“ — hatte die Sprengkraft von 100 Fler-Interviews. Die deutsche politmediale Landschaft bebte wochenlang, Bens Reichweite explodierte, und der behördliche Gegenwind verlieh ihm zusätzlichen Aufwind.

In ihrem Beitrag „[Björn, Ben und Saskia](https://www.manova.news/artikel/bjorn-ben-und-saskia )“ analysierte Madita Hampe die gesamte Chose innerhalb wie rund um das Interview selbst: Welche dringend gebotenen (Nach-)Fragen unterließ Ben, welche Probleme ergaben und ergeben sich aus seinem ausflüchtigen Selbstbild als (Nicht-)Journalist, welche weniger schmeichelhaften Seiten von sich und seiner Weltanschauung verdeckte Björn Höcke während der vier Stunden? Gleichermaßen ging die Analyse auch mit Kritikern und Empörten, allen voran Saskia Esken, ins Gericht, wie auch mit den nach Einordnung rufenden Journalisten, die in dem Erfolg des Podcasts ihr eigenes Versagen widergespiegelt sahen.

Weite Teile des Artikels könnte man nun, mit leichter Abwandlung der Variablen, auf das Gespräch zwischen Ben und Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund anwenden. Bens zweiter Streich dieser Art vom 15. August 2026 schoss abermals klickzahlentechnisch durch die Decke, wenngleich der „alte Mainstream“ — wohl durch das Höcke-Gespräch sensibilisiert — diesmal nicht derart in Schnappatmung verfiel. Sowohl das, aber auch der Umstand, dass Anfang September die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt stattfinden, machen das Gespräch auf einer bestimmten Ebene äußerst relevant, wodurch es verdient, ebenfalls näher betrachtet zu werden.

Dabei soll es im ersten Schritt darum gehen, herauszuarbeiten, welche dringend behandlungsdürftigen Themen in diesen vier Stunden nicht besprochen wurden. Im zweiten Schritt werden bei den Themen, die zur Sprache kamen, die ausgelassenen Kontexte und toten Winkel beleuchtet, die das Gesagte in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. Im dritten und vierten Schritt sollen auf einer Meta-Ebene die Selbstähnlichkeiten aufgezeigt werden, die zwischen dem derzeitigen Erfolgskurs der AfD und dem damaligen Kurs Donald Trumps und der MAGA-Bewegung bestehen. Beide Bewegungen weisen die ähnliche Rezeptur eines Hoffnungsmanagements auf, welches die nach Rettung dürstenden Menschen in dem Glauben hält, dass eine Veränderung nahen würde, während die hintergründigen Macht- und Besitzstrukturen unangetastet bleiben. Aber der Reihe nach.

## Ulrich

„Endlich sagt‘s mal einer!“ Ulrich Siegmund ist wie gemacht für die [Rolle](https://www.youtube.com/watch?v=Zqv5J4qXAcM ) des widerständigen Politikers, der sich gegen den links-woken Mainstream auflehnt. Als „Kind“ der 1990er Jahre und mit seiner sportlichen Statur versprüht er noch einen jungen Esprit, während sein silbrig-ergrautes Haar ihm den Nimbus eines lebenserfahrenen Mannes verleiht. Darüber hinaus kann er, gemessen an seiner Schlagfertigkeit, als rhetorischer Kickboxer bezeichnet werden. Exemplarisch zu sehen war das bei dem [Schlagabtausch](https://youtu.be/fquGHqY1jpg ) zwischen ihm und dem B-Liga-GEZ-Comedian Fabian Köster, mit dem er das Kopfsteinpflaster wischte. Siegmund verkörpert und strahlt mit seiner Aura das aus, was Blockparteien-Apparatschiks nur versuchen können zu imitieren. Damit ist er die ideale Projektionsfläche für Millionen, nach Hoffnung lechzenden Menschen.

Und so nimmt es nicht wunder, dass sein Auftritt bei „Ben ungeskriptet“ schon nach kürzester Zeit Millionen Klicks erreichte. Wie auch Björn Höcke, kommt Ulrich Siegmund in diesem Setting sympathisch und menschlich rüber — vorausgesetzt, man sieht und hört das Gespräch nicht durch ideologiekritische Filter, sondern lässt sich durch das wechselseitige „Menscheln“ einlullen.

Der Filmanalyst Wolfgang M. Schmitt, der selbst schon bei [Ben zu Gast](https://youtu.be/GAuK1pv7wlA?si=QuZ4xTgCzuiwqn-9 ) war, stellte in seiner [Analyse](https://youtu.be/ugZO4TaiLCY?si=fcwID7bBY4H6Fiv0) zu James Vanderbilts „Nuremberg“ mit Russell Crowe einen Zusammenhang her: zwischen den heutigen Politik-Podcasts mit kritikwürdigen Persönlichkeiten und dem oberflächlich-menschlich anmutenden Gebaren vieler Nazi-Funktionäre im Zuge der Nürnberger Prozesse. Das Thumbnail der Analyse zierte der Schriftzug „Sehr nette schlechte Menschen“. 

Schmitt arbeitet präzise heraus, dass sowohl dieserart gehaltene Podcasts wie auch Vanderbilts missratener Film über Hermann Görings Prozess die menschliche Dimension in den Vordergrund und gleichzeitig die politische Dimension in den Halbschatten stellen. Insinuiert werde dabei, dass Menschen mit solch menschlichen Eigenschaften, also „Menschen wie du und ich“, doch gar nicht imstande sein könnten, Schlechtes, gar Bösartiges bis Grausames zu vollbringen. Dabei liegt der Knackpunkt ja gerade — und das gehört nun nicht zu Schmitts Analyse — in der gruseligen Diskrepanz zwischen dem normalmenschlichen Erscheinungsbild einerseits und der unvorstellbaren Bösartigkeit andererseits:  das, was Hannah Arendt mit Bezug auf [Adolf Eichmann](https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eichmann#Hannah_Arendt_über_Adolf_Eichmann ) als die „Banalität des Bösen“ [spezifizierte](https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eichmann#Hannah_Arendt_über_Adolf_Eichmann ). Will heißen, und damit zurück zu Schmitts Analyse, dass ein menschliches Auftreten kein Garant dafür ist, dass jener Mensch nichts Unmenschliches tut. 

>Welcher gemeinhin als böse angesehene Mensch würde sich dieses Attribut selbst zuschreiben? Man müsse, so Schmitt in seiner Analyse, über konkrete, politische Programmatiken sprechen, anstatt auf der Ebene des Menschelns politische Akteure zu verharmlosen.

Damit zurück zu Ulrich Siegmund. Wie zu erwarten, vermittelt er im Gespräch bei Ben den Eindruck, der gute, bürgerliche, bodenständige Nachbar von nebenan zu sein: der, mit dem man sich gerne mal auf ein Bier trifft. Und all das, was er sagt, *klingt* durchaus vernünftig. Wer wünscht sich nicht, dass Weihnachtsmärkte frei von Schutzpollern und die Straßen sauber und sicher sind? Und wenn er dann noch fordert, dass den dekadenten Auswüchsen der von der Lebensrealität der meisten Bürger entkoppelten polit-medialen Kaste der Mitte Einhalt geboten wird, sind die Herzen all jener erobert, denen Gender-Gaga und die Bevormundung sowie Zurechtweisung des alten Mainstreams „bis hier oben“ steht.

Wer sich als Rezipient lediglich in der zweidimensionalen Medienwelt, bestehend aus dem alten und dem neuen Mainstream bewegt, kommt im Grunde genommen nicht umhin, der Illusion zu erliegen, dass nach Jahren der Zensur-Exzesse während Corona nun eine Kultur der lebendigen Debatten wiederauferstanden wäre. Eine Gegenmacht zum — alten — Mainstream hätte sich gebildet, der jetzt verzweifelt und zähneknirschend seine Felle davonschwimmen sieht.

So schön, so illusionär! Dass dem nicht so ist — das soll im letzten Abschnitt dieses Beitrags herausgearbeitet werden; anhand der Parallelen zwischen AfD und MAGA, die ich in meinem — wie ich mal unbescheiden sagen muss — gut gealterten Beitrag „[Die Honigtopf-Propaganda](https://www.manova.news/artikel/die-honigtopf-propaganda )“ als „MAGAfD“ bezeichnet habe.

Zuvor ist es jedoch nötig, mit der Vorstellung aufzuräumen, dass Ben — der mitunter durchaus gute Arbeit leistet (!) — in Gesprächen mit Ulrich Siegmund und Björn Höcke Perspektiven eröffnet, die über den systemisch zugelassenen Overton-Fensterrahmen hinausgehen.

## Ben

Den sparsamen Gebrauch von kritischen Fragen rechtfertigt Ben immer wieder damit, dass er ja kein Journalist sei und ob der mangelhaften Anwendung dieses Handwerks durch „echte“ Journalisten selbst nicht als solcher betitelt werden wollte. Hierzu schrieb Madita Hampe im genannten Beitrag völlig richtig:

*„(D)ie Sache (ist) nicht so einfach, wie Berndt sie sich macht. Es ist relativ egal, als was er sich selbst empfindet. Er verrichtet journalistische Arbeit, indem er Interviews führt, professionell aufbereitet und veröffentlicht. Damit ist er am Ende des Tages genau das, was er nicht sein möchte, weil er den Anforderungen, die das bedeuten würde, gerne aus dem Weg gehen will. Die Berufsbezeichnung ‚Journalist‘ ist in Deutschland kein geschützter Begriff. Journalist ist nicht nur, wer Journalismus studiert oder ein Volontariat absolviert hat. Es reicht, journalistisch zu arbeiten, und das tut Berndt.“*

Insofern läge es durchaus im Bereich des Erwartbaren, an entscheidenden Stellen nachzuhaken, tiefer zu gehen, statt auf der für Ben typischen Kumpel-Ebene den Redefluss vollkommen ungefiltert fließen zu lassen. Es ist nichts gewonnen, wenn im Gegensatz zu einem Markus Lanz, von dem Siegmund — laut seinen Aussagen bei Ben — 70-mal unterbrochen worden sei, so gut wie gar keine Unterbrechungen kommen. Und wenn dann mal welche kommen, dienen sie meist nur der Präzisierung von Nebensächlichkeiten. Um kritisch nachzufragen, muss man eben frei von Beißhemmungen sein – die Ben offenkundig hat, gesteht er in Gesprächen doch immer wieder sein tiefsitzendes Harmonie-Bedürfnis.

Vielfach wird in den Kommentaren gelobt, dass hier, bei Ben, die Gäste auch mal aussprechen könnten. Und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Es ist wichtig, dass Interviewpartner ihre Gedanken über mehrere Sätze hinweg entfalten können. Doch ein guter Interviewer muss seinen Interviewpartner auch in jene dunklen Ecken treiben, über die er nicht so gerne spricht. 

>Wird ihm freie Fahrt gelassen, so kann der Gast zwar lange und frei aussprechen — aber auch ebenso frei entscheiden, worüber er *nicht* sprechen möchte.

Vergliche man die journalistische Informationsvermittlung in Interview-Situationen mit Wasserleitungen, so wäre Markus Lanz ein verstopfter Wasserhahn, aus dem aufgrund der vielen Unterbrechungen nur unzusammenhängende Tröpfchen herauskommen. „Ben ungeskriptet“ wäre hingegen ein Rohrbruch: Hier fließt alles ungefiltert heraus, ohne dass wirklich kritische Nachfragen den Informationsfluss einbetten in ein größeres Bild, welches über das hinausgeht, was der Interviewte gerne von sich preisgibt.

Welche kritischen bis sehr kritischen Fragen hätte Benjamin Berndt Ulrich Siegmund stellen können? Nachfolgend einige Beispiele:

* „Die AfD [beantragte](https://dserver.bundestag.de/btd/20/095/2009509.pdf ) im November 2023 die Einführung der Palantir-Überwachungssoftware ‚VeRA‘ für den Kampf gegen Clankriminalität. Manche Kritiker würden dir und deiner Partei nun vorwerfen, die gleiche Überwachungsinfrastruktur noch weiter auszubauen, nur eben unter einem neuen Deckmantel — nicht mehr zwecks Bekämpfung von Klima und Viren, sondern im Kampf gegen illegale Migranten. Was würdest du diesen Kritikern sagen?“
* „Die AfD gerierte sich als parlamentarischer Widerstand gegen die Coronamaßnahmen und tut das noch heute. Dabei war die AfD die erste Partei, die im März 2020 eine Grenzschließung wegen Corona [gefordert](https://www.welt.de/regionales/sachsen/article206524519/Corona-AfD-Fraktion-will-Schliessung-der-Grenzen-und-Schulen.html ) hat. Und letztes Jahr habt ihr mehr als 1,5 Millionen Euro [Parteispenden](https://de.statista.com/statistik/daten/studie/75525/umfrage/die-groessten-parteispenden/ ) von [Winfried Alexander Stöcker](https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Stöcker#Nicht-zertifizierter_COVID-19-Impfstoff ) erhalten. Der hat 2020 und 2021 einen Corona-Impfstoff [entwickelt](https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Stöcker#Nicht-zertifizierter_COVID-19-Impfstoff ), den er im Rahmen einer illegalen Impfaktion auch verabreichte, ehe die Behörden das kurzerhand unterbunden und anschließend Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz erstatteten. Ist das nicht äußerst schizophren?“
* „Ihr als AfD präsentiert euch gerne als bürgernahe Partei, die sich den Belangen des einfachen Mannes annimmt. Dabei haben einige eurer Spitzenpolitiker keinerlei Berührungsängste mit fürstlichen Familien wie [Thurn und Taxis](https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/thurn-und-taxis-100.html ) oder dem Hochstapler [Sascha Stammer](https://www.instagram.com/p/DcL-CJ-s2Wn/ ), der sich gerne als Rothschild-Abkömmling ausgibt. Wie passt das zusammen?“
* „Immer wieder präsentiert sich die AfD als Friedenspartei. Ab Seite 88 eures [Wahlprogramms](https://www.afd.de/wp-content/uploads/2025/02/AfD_Bundestagswahlprogramm2025_web.pdf) fordert ihr indes die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht, dass die Bundeswehr wieder einen starken Korpsgeist pflegt, inklusive militärischen Liedguts. Wie geht das zusammen?“
* „Die AfD gilt bis heute als gesichert rechtsextrem. Dabei habt ihr als Partei am 1. Februar 2018 einen [expliziten Zuspruch](https://youtu.be/C5ntkUXjGmY?si=PGznnzXiBnx4BIF0 ) erhalten von [Rafi Eitan](https://de.wikipedia.org/wiki/Rafi_Eitan ) — einem ehemaligen hochrangigen Mossad-Mitarbeiter, der 1960 bei der Festnahme Adolf Eichmanns in Argentinien beteiligt war. In seiner Videoansprache [sagte er](https://www.facebook.com/watch/?v=1768800569816941 ) unter anderem: *‚Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie stark genug sein werden, um die Politik der offenen Grenzen zu beenden, die weitere Islamisierung Ihres Landes zu stoppen und Ihre Bürger vor Terrorismus und Verbrechen zu schützen. Sicherheit und Souveränität brauchen und wollen wir für unsere Länder. In Israel, in Deutschland, in Europa. Lassen Sie uns das zusammen tun.‘* Außerdem wünschte er der AfD, dass sie ‚nicht nur eine Alternative für Deutschland sein wird, sondern eine Alternative für Europa‘. Da habe ich jetzt mehrere Fragen. Zum einen: Warum werdet ihr immer noch als Nazi-Partei erachtet, während israelische Geheimdienstlegenden euch beglückwünschen? Zum anderen: Wie steht ihr als Partei eigentlich zur Politik Israels? Befürwortet ihr den [Genozid in Gaza](https://www.un.org/unispal/document/special-rapporteur-report-gaza-genocide-a-collective-crime-20oct25/ )? Und falls ja, ist das der Grund, weswegen in Sachsen-Anhalt die AfD in Sangerhausen den Bau einer Waffenfabrik des israelischen Rüstungskonzerns *[Elbit Systems](https://de.wikipedia.org/wiki/Elbit_Systems )* [unterstützt](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201963.gegen-elbit-in-sangerhausen-mordwerkzeug-wollen-wir-hier-nicht-produzieren.html )? [85 Prozent der israelischen Drohnen](https://aoav.org.uk/2026/elbit-systems-weapons-supply-to-israel-and-alleged-violations-of-international-humanitarian-law-in-gaza/ ), die auch in Gaza zum Einsatz kommen, werden von *Elbit* hergestellt, womit *Elbit* — [analog zu *Palantir*](https://www.whoprofits.org/companies/company/7402?palantir-technologies= ) — den Völkermord technisch erst möglich macht.“

Solcherlei Fragen und erst recht die Antworten darauf wären mehr als spannend gewesen. Gewiss: Der gute „Vibe“ wäre dann dahin. Und diesen Vibe anzukratzen, widerstrebt Ben offenkundig, denn in den letzten zwei Minuten kann er seine Sympathie für Siegmund und die AfD nicht mehr verbergen. Da fällt der entlarvende [Abschiedsgruß](https://youtu.be/9J-oOOLwba4?t=14225 ): „Lass uns Deutschland retten! (…) Ganz herzlichen Dank, dass du da warst. Daumen sind gedrückt!“

Diesen Satz hätte Ben bei Ricarda Lang sicherlich nie gebracht.

## Donald

Was haben die „Ben ungeskriptet“-Gespräche mit Björn Höcke und Ulrich Siegmund nun mit Donald Trump und seinem Wahlsieg vor knapp zwei Jahren zu tun? Mehr, als man gemeinhin denken könnte! Gehen wir das der Reihe nach durch.

Man erinnere sich an den Herbst 2024. Weite Teile der freien und alternativen Medien hierzulande, ebenso wie in Übersee, waren im MAGA-Fieber. Man wähnte sich siegessicher auf der Zielgerade zum großen Richtungswechsel, der Abkehr von Wokeismus, Klima, Gender und den großen Kriegen. Deutsche Influencer wie „Beat“ aus Berlin sowie „der Ketzer der Neuzeit“ [reisten](https://youtu.be/O-hugGu8J0g) in die Staaten, wobei sie keinen Hehl daraus machten, dass ihre ungebrochene Sympathie Donald Trump galt. Beiden gelang es dann auch, König Donald in Mar-a-Lago [die Hand zu schütteln](https://youtu.be/rc03Lwv6NDg ).

Des Weiteren war der Trump-Hype ebenso — wie derzeit in Deutschland — von dem Dominanzrollenwechsel der Medien gekennzeichnet: weg von den alten Mainstream-Medien-Dinos, hin zu Podcast-Formaten. Donald Trumps damaliger [Auftritt](https://www.youtube.com/watch?v=hBMoPUAeLnY&pp=ygUWSm9lIFJvZ2FuIERvbmFsZCBUcnVtcA%3D%3D ) bei Joe Rogan hat inzwischen 62 Millionen Klicks und demonstrierte schon seinerzeit den Relevanzverlust der Altmedien-Outlets. Welche Rolle Podcasts mittlerweile in Deutschland spielen, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden.

Inszenatorisch gibt es noch weitere Parallelen zwischen dem Wahlkampf Trumps und dem von Siegmund. Beide ließen sich – mit jeweils entsprechenden Arbeitsoutfits – in verschiedenen, bürgernahen Berufssparten ablichten: Trump bei der [Müllabfuhr](https://www.youtube.com/watch?v=S71JUf4CwLA ) sowie der Müllzufuhr – also [McDonalds](https://www.youtube.com/watch?v=CbEqxLa9vqg ) —, und Siegmund im [Handwerk](https://www.instagram.com/p/DaibQm8N6e1/ ), bei der [Bahn](https://www.instagram.com/p/DbRI3oRNGkC/ ) oder auch bei der [Feuerwehr](https://www.instagram.com/p/Dbv_Goykb31/?img_index=1 ). Beide vermitteln die Rolle eines Mannes, der scheinbar „einer von uns“ ist. JD Vances Werk „[Hillbilly Elegy](https://en.wikipedia.org/wiki/Hillbilly_Elegy )“ lässt grüßen!

Und schließlich kam es, wie es kommen musste: Trump gewann erwartungsgemäß gegen die sprechende Pappfigur Kamala Harris. 

>Die Euphorie war gigantisch. Doch was wurde aus den Versprechungen? Nun, hätte Trump seit seinem Einzug ins Weiße Haus im Januar 2025 irgendwo einen unaufgegessenen [Mc-Donalds-Hamburger](https://a57.foxnews.com/static.foxnews.com/foxnews.com/content/uploads/2024/08/720/405/Trump-fast-food-for-Clemson-2019.jpg?ve=1&tl=1 ) liegen gelassen, so wäre dieser inzwischen wohl [besser gealtert](https://www.stern.de/genuss/essen/dieser-mcdonald-s-burger-ist-zehn-jahre-alt---und-er-schimmelt-immer-noch-nicht-8996802.html) als all seine Wahlversprechen. 

Als Erinnerungsservice seien hier die gebrochenen Versprechen und Widersprüche Trumps noch einmal stichpunktartig aufgelistet:

* Unterstützung der Corona-„Impfung“ in 2020 und 2021 — „[Operation Warp Speed](https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Warp_Speed)“
* „[Stargate Initiative](https://pharma-industry-review.com/stargate-trumps-bold-500b-move-to-transform-pharma-with-ai )“ — Entwicklung von KI-basierten „Impfungen“ gegen Krebs
* zusätzliche Unterstützung für den Corona-Verbrecher-Konzern *Pfizer*
* losgetretene Kriege entgegen seinem expliziten Versprechen — siehe Iran
* Entführung von Nicolas Manduro
* Drohgebärden gegen Grönland
* [Selbstinszenierung](https://www.bbc.com/news/articles/c17v8y0z9z2o) als neuer Jesus vermittels KI-Bilder
* [Pläne](https://www.independent.co.uk/bulletin/news/trump-gaza-riviera-redevelopment-palestine-b2817751.html ) für smarte Privatstädte auf den Trümmer- und (Kinder-)Leichenbergen von Gaza

Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Trump-Supporter von damals, die heute wiederum die AfD lauthals unterstützen, hüllen sich inzwischen in verlegenes Schweigen oder haben die Hoffnungen von damals schon wieder vergessen. Und von denen, die sich — vielleicht — noch erinnern, hatte, bis auf [Max Otte](https://x.com/maxotte_says/status/2031253133850984699 ), kaum jemand die Größe, sich einzugestehen, dass man sich geirrt hatte.  

Dabei wird nicht nur der Bruch der Versprechungen vergessen; auch die propagandistischen Selbstähnlichkeiten zwischen dem MAGA- und dem AfD-Hype werden übersehen. Ganz zu schweigen davon, dass es manch unverbesserlichem Enthusiasten nicht gelingt, die diametral zu den Wahlversprechen verlaufenden Entwicklungen ab Trumps Wahlsieg auf die Zeit nach einem etwaigen AfD-Triumph ableiten zu können.

> Kurz gesagt: Wenn nach Trumps Wahlsieg alles spiegelverkehrt verlief, warum sollte dann bei einem AfD-Sieg alles oder das meiste kongruent zu deren Versprechungen verlaufen? Wann setzt sich die Erkenntnis durch, dass das Hoffen auf sich einlösende Wahlversprechen ein elektrischer Zaun ist, der immer wieder Schläge gibt — egal, wie oft man, das Gegenteil hoffend, in ihn hineinbeißt?

## *SPIEGEL*-verkehrte PsyOp: „Wählen Sie keinen blauen Elefanten!“

Bekanntermaßen wächst das, was man bekämpft, umso wuchernder. Lässt es sich demzufolge einzig und allein mit Blödheit erklären, wenn die nur farblich differierenden Blockparteien und ihr angeschlossener Medienapparat die AfD mit aller Macht zu bekämpfen versuchen?  

Diese Frage warf Mitte August implizit das neue [*SPIEGEL*-Cover](https://shop.spiegel.de/der-spiegel-34-2026/sp-2026034 ) auf, welches Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ kürte. Die Reaktionen darauf in vielen, der AfD zugeneigten Alternativmedien lauteten in etwa so:

*„Ha! Der Mainstream ist so blöd! Die kapieren einfach nicht, dass sie mit genau solchen Titelseiten die AfD nur noch stärker machen. Die werden sich noch umschauen!“*

Oder auch:

*„Haha! Vielen Dank für die kostenlose Wahlkampfhilfe, lieber SPIEGEL!“*

Verharrt man analytisch in der als zweidimensional wahrgenommenen Medienwelt, die sich auf die Gegenpole „Mainstream“ und „Alternativmedien“ beschränkt, so kann man den Eindruck gewinnen, man wohne hier dem Zweikampf einer alten und einer neuen Macht bei: die verkrustete politmediale Klasse der sich selbst wahlweise als „Links“ oder „Mitte“ Bezeichnenden einerseits, und die einzig wahre, heimatliebende und veränderungspotente Alternative andererseits. Von dieser Warte aus hat man eine – je nach Weltanschauung – sträflich vereinfachende Gut-Böse-Dichotomie.

Vor dem Hintergrund, wie hartnäckig sich diese unterkomplexe Sichtweise hält, ist es durchaus frustrierend, dass die Aufklärungsarbeit von Forschern größtenteils nicht verfangen hat – wie etwa die von Rainer Mausfeld über die Demokratie-Simulation und jahrzehntelange Sozial- und Bewusstseinsforschung zwecks Bevölkerungskontrolle, oder jene von Jonas Tögel über die kognitive Kriegsführung. Wer die Werke dieser und anderer Autoren wirklich studiert und verstanden hat, kommt nicht umhin, bei der AfD und ihrer Bekämpfung ein altes Muster zu erkennen — nämlich jenes des sich in zyklischen Schaukelbewegungen vollziehenden Hoffnungsmanagements. Bei diesem wird die Veränderungsenergie des jeweiligen politischen Lagers zum Ende der Wahlperiode auf die sich jeweils abwechselnden, gegensätzlichen Hoffnungsträger kanalisiert; mit der Suggestion, jene Lichtgestalt sei „unser Mann“ oder eben „unsere Frau“, die/der es richten werde. Bezüglich der seit eh und je ausbleibenden Erfüllung auch nur eines dieser Versprechen, hält sich die Lernresistenz und Vergesslichkeit wacker.

Die austauschbaren, temporären Themen und Angstnarrative variieren je nach politischer Ausrichtung; die langfristig kerzengerade Marschrichtung gen Kontrolle, Überwachung und Vermögensumverteilung bleibt konstant. Es ist vergleichbar mit einem gegen den Wind fahrenden Segelschiff, das abwechselnd nach links und wieder nach rechts ausschwenkt, aber in seinem Slalom stetig die Kursrichtung hält.

Geht man unter Berücksichtigung der eben genannten Punkte auf eine höhere Ebene, auf das, was widersinnigerweise Donald Trump nachgesagt wird, nämlich das 3D-Schach, dann spricht die Kampfrhetorik gegen die AfD in der Übersetzung eine ganz andere Sprache: „Die AfD soll gewinnen!“ Jede Böe im Gegenwind gegen die AfD verleiht ihr zusätzlichen Auftrieb.

> Nur ist es eben ein Fehlschluss, anzunehmen, „das System“, welches mit dem Mainstream – und *nur* mit dem Mainstream – gleichgesetzt wird, hätte die Dynamik der kontinuierlichen Verschlimmbesserung aus einem spätrömisch-dekadenten Zustand der Verblendung hervorgerufen. Wer das Wirken einer auf Meta-Ebene operierenden Bewusstseinsindustrie nicht leugnet, *muss* erkennen, dass durch die Bekämpfungsversuche die AfD *absichtsvoll* gestärkt wird — weil das System die AfD braucht!

Es liegt mächtig Druck auf dem Kessel, der entladen werden muss. Was eignete sich hierfür besser als eine Partei, die vorgibt, eine wirkliche Alternative darzustellen? Entsprechend wird der Druck durch die Kampfrhetorik gegen die AfD einmal mehr verstärkt, um sicherzugehen, dass entsprechend viel Druck aus diesem Ventil herauskommt.

In diesem Licht müssen die vielen Entgleisungen und Entmenschlichungen gegen die AfD gelesen werden, wie etwa die von [Dieter Hallervorden](https://nius.de/nachrichten/hallervorden-nichtwahl-der-afd-schaedlingsbekaempfung ). Und das *SPIEGEL*-Cover kann oder muss gelesen werden in der Logik von „Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!“. Nun, woran werden Sie denken, wenn man Sie auffordert, *nicht* an dieses Tier zu denken? Der blaue Elefant wird vor Ihrem geistigen Auge erscheinen, noch ehe Sie auch nur den Versuch unternehmen können, den Gedanken abzuwehren. Und so lautet der Subtext des *SPIEGEL*-Covers: „Wählen Sie keinen blauen Elefanten!“ Die Trotzreaktionen auf das Cover sind kein Unfall, sie sind einkalkuliert.

Analog dazu wird bereits die kontrollierte Sprengung der Brandmauer vorbereitet, wenn es seitens der Union heißt, dass es keine Koalition mit der AfD geben werde. Man kennt’s: Ob Mauerbau in Berlin, große Koalition 2017, Lockdowns, Impfpflicht, Waffenlieferung an die Ukraine oder Neuverschuldung — wenn es heißt, dass etwas nicht komme, dann bedeutet es, dass es — *SPIEGEL*-verkehrt gelesen — definitiv kommen wird oder man es zumindest — wie bei der „Impf“-Pflicht — versuchen wird. Es ist eine klassische Form des „Predictive Programming“: Das Undenkbare wird in negierter Form in den öffentlichen Diskurs gespeist, um die erste geistig-emotionale Widerstandsschranke im Kollektivbewusstsein zu unterlaufen: „Man hat‘s dann schon mal gehört.“ Wenn das Undenkbare dann wiederholt wird, jedoch nicht als Negation, sondern als etwas, was man dann doch — zunächst in abgespeckter Form — durchsetzen könne, löst das keinen Schock mehr aus. Denn schließlich hat man diesen Talking Point schon einmal vernommen. Er ist nicht mehr neu. Wenn die Union nun beteuert, sie werde keine Koalition mit der AfD eingehen, dann ist das eine Vorbereitung der Bevölkerung auf den baldigen Einriss der Brandmauer.

Gewiss dürfte es den allermeisten politischen Aktivisten, Künstlern und Redakteuren mit ihrem Anliegen ernst gemeint sein, wenn sie sich für die Bekämpfung sowie das Verbot der AfD einsetzen. Ebenso redlich und ernst dürften die Anliegen der nach Hoffnung dürstenden AfD-Wähler und Lokalpolitiker sein. Beide Fraktionen übersehen dabei, dass sie von einer höhergelegenen Instanz aus Spin-Doktoren, Propagandisten und PsyOp-Designern gegeneinander aufgehetzt und ihrer Veränderungsenergie beraubt werden, die eigentlich dafür nötig wäre, um wahrhaftige Freiheit zu erringen.

Doch genau diese wahrhaftige Freiheit, die Unabhängigkeit von Herrschern und Herrschaft im Allgemeinen scheint es zu sein, vor der sich die allermeisten Menschen immer noch fürchten; die Furcht, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Da will man lieber immer noch jemanden „da oben“ haben, der das für einen richtet. Jemand wie Ulrich Siegmund ist demgemäß eine ideale Projektionsfigur für die eigene Hoffnung und Verantwortungsabgabe. Mustergültig hierfür steht ein Kommentar unter dem Gespräch mit Ben. Mit diesem Kommentar sei der Beitrag geschlossen, denn die Worte sprechen für sich. „@Andy-fo3td“ schrieb:

*„Ich bin zwar aus Bayern, aber am Tag an dem Herr Siegmund Ministerpräsident wird, mach ich mir ein Fläschchen auf!“*   


