Unter Waffen

In Zeiten tiefer Verunsicherung steigen die Waffenkäufe in den USA massiv an. Teil 2/2.

„USA im Waffenrausch“, „Corona-Panik — Amerikaner stürmen Waffengeschäfte“ oder „Waffenwahn in USA“. So und ähnlich lauten viele Schlagzeilen in den letzten Wochen und Monaten. „Die“ Amerikaner erscheinen wieder einmal als waffenvernarrte, schießwütige Freaks, welche ohne Pistole unter dem Kopfkissen nicht schlafen können und nun angesichts von „Corona“ vollends Fassung und Hemmungen verlieren. Höchste Zeit also für einen sachlichen und differenzierten Blick auf die momentane Situation. Auf das Bemühen um Waffenkontrolle und die dabei auftretenden Probleme; auf die Motivation so vieler unterschiedlicher Menschen und Gemeinschaften, sich erstmals Schusswaffen zuzulegen; und auf den historischen Hintergrund der Bewaffnung. Es gilt, zumindest ansatzweise ein Land zu verstehen, das uns oft, Kultur und Lebensweise betreffend — durch Filme und Musik, durch Coca-Cola und McDonald‘s —, so nah erscheint und in vielen Bereichen doch so weit von uns entfernt ist.

Chicago — 4. Juli, Unabhängigkeitstag

„Chicagos gewalttätigstes Wochenende des Jahres 2021: 104 Schusswaffenopfer, davon 19 Tote. 13 Kinder unter den Verwundeten“, meldete die Chicago Sun-Times.

„Bis 17 Uhr am Montag wurden in Chicago in diesem Jahr 2.000 Schießereien registriert, wie eine Datenbank der Sun-Times zeigt. Im tödlichsten und gewalttätigsten Wochenende dieses Jahres in Chicago wurden über das lange Wochenende des 4. Juli über 100 Menschen Opfer von Schusswaffen, 19 von ihnen wurden getötet. Unter den Verwundeten befanden sich 13 Kinder und zwei Chicagoer Polizeiaufseher.

Fünf der Kinder wurden innerhalb von neun Stunden von Sonntagabend bis zum frühen Montag angeschossen. Sowohl die Anzahl der tödlichen Schießereien als auch die Anzahl der Schießereien insgesamt sind laut einer Datenbank der Chicago Sun-Times bezüglich Schießereien ein Höchststand für das Jahr 2021. Bis zum 4. Juli, den letzten verfügbaren Daten der Stadt, wurden in diesem Jahr 2.019 Menschen in Chicago erschossen, ein Anstieg von fast 13 Prozent gegenüber dem letzten Jahr und ein Anstieg der Schießereien um 58 Prozent im Vergleich zu 2019.

Bei einem der Angriffe am Wochenende wurden zwei Menschen getötet und vier verwundet, darunter ein 12-jähriges Mädchen und ein 13-jähriger Junge im Washington Park an der South Side. Das geschah etwa zur gleichen Zeit, als ein sechsjähriges Mädchen und eine Frau in West Pullman erschossen wurden und etwa vier Stunden nachdem ein elfjähriger Junge und ein Mann in Brainerd auf der South Side durch Schusswaffengebrauch starben. Und am späten Sonntagnachmittag wurde einem fünfjährigen Mädchen in ein Bein geschossen, ebenfalls in West Pullman.

Die Schießerei im Washington Park ereignete sich am Montag gegen 1:05 Uhr im Block 6100 der South Wabash Avenue, wo sich eine große Gruppe von Kindern und Erwachsenen auf einem Parkplatz vor einem Wohnhaus versammelt hatte, um sich zu unterhalten und Feuerwerkskörper zu zünden. Jemand in einem Auto, das dort an einer Gruppe von Menschen vorbeifuhr, begann zu schießen, wie die Polizei mitteilte. Ein 21-jähriger Mann, zweimal in den Kopf geschossen, und ein 26-jähriger Mann, im Oberkörper getroffen, wurden durch das University of Chicago Medical Center für tot erklärt, sagte die Polizei.“

Neue Waffenkäufer

„Etwa 40 Prozent der Waffenverkäufe in den ersten vier Monaten des Jahres wurden von Erstkäufern getätigt — weit höher als der Jahresdurchschnitt von 24 Prozent in den letzten zwei Jahrzehnten, so die National Shooting Sports Foundation (NSSF), ein Handelsverband, der Waffenverkäufe verfolgt und Branchentrends analysiert.“

„‚Frauen sind die am schnellsten wachsende Gruppe von neuen Waffenbesitzern. (…) Im Jahr 2020 kauften fast 5 Millionen Amerikaner zum ersten Mal eine Waffe, 40 Prozent waren Frauen, und unter schwarzen Amerikanern stiegen die Waffenverkäufe bis September um 58 Prozent‘, sagte Mark Oliva, der Direktor für öffentliche Angelegenheiten der NSSF, und fügte hinzu, dass der Anstieg des Waffenbesitzes bei Schwarzen beispiellos sei.

‚Wir haben noch nie einen so großen Anstieg der afroamerikanischen Waffenkäufer im Vergleich zum Vorjahr gesehen‘, äußerte Oliva gegenüber CNN Business. ‚Es ist der größte demographische Anstieg, den wir je registriert haben. Der Waffenkäufer von heute zerstört müde und abgenutzte Stereotypen über Menschen, die eine Waffe besitzen. Der Waffenbesitzer von heute ist jünger, umfasst mehr Frauen, mehr Minderheiten und sieht nicht nur aus wie der Rest von Amerika. Sie sind Amerika.‘“

„Ich denke, die Rhetorik und wie die Dinge im Land aufgewühlt sind, hat mir das Gefühl gegeben, wenn nicht jetzt, wann dann?“ erzählte die 68-jährige Deborah Roberts CNN beim „Ladies Day“ auf dem Schießstand der National African American Gun Association (NAAGA), eine Organisation mit Sitz in Griffin, Georgia, nahe Atlanta, die den verantwortungsvollen Waffenbesitz und die Ausbildung für schwarze Amerikaner fördert. Und Carla Russell schilderte CNN, dass das Greifen nach einer Schusswaffe ihr ein Gefühl der „Selbstermächtigung“ gibt, da sie weiß, dass sie die Fähigkeit hat, sich selbst zu schützen.

„Ich bin eine schwarze Frau, die auf sich und ihre Familie aufpassen kann — wenn ich muss. Ich will es nicht, ich sollte es nicht müssen. Aber wenn ich es muss, kann ich es.“ Philip Smith, Gründer und Präsident der NAAGA, sagte, seine Organisation habe ein „dramatisches Wachstum“ erlebt und jeden Monat kommen etwa tausend neue Mitglieder hinzu, die aus allen Bereichen des Lebens stammen — Klempner, Mechaniker, Lehrer, Ärzte und Anwälte. „Sie wollen Training“, sagte er. „Sie wollen Ausbildung.“

Mark Major, der Besitzer von 2-Swords Tactical Defense, einem Geschäft in Lithonia, Georgia, äußerte, er sei nicht überrascht über den Anstieg der Käufe unter Afroamerikanern. „Wann immer es soziale Unruhen gibt oder die Leute um ihre eigene Sicherheit besorgt sind, geht die Glühbirne irgendwie an, wenn sie erkennen, dass sie vielleicht nicht auf die Polizei warten können.“ Etwa 90 Prozent seiner Kundschaft sind schwarz, sagte er. Im Moment ist für die meisten der Umgang mit Schusswaffen ganz neu und viele sind Frauen. Sie kommen in sein Geschäft östlich von Atlanta mit Fragen darüber, welche Waffe die richtige für sie sein könnte, wie man eine Waffe benutzt und wie man sie sicher aufbewahrt, sagte er CNN. „Es gibt eine Menge Neulinge, die wirklich interessiert sind und wirklich wissen wollen, wie sie sich und ihre Familien schützen können.“

„Das Narrativ ändert sich“, sagt Philip Smith. „Zuvor konnte ein schwarzer Waffenbesitzer — oder jemand, der neugierig auf den Kauf einer Schusswaffe ist — über ein bestimmtes Stigma besorgt sein. Vor fünf Jahren stieß man beim Googeln der Wörter Schwarz und Waffe auf Gangster mit verfaulten Zähnen und Tätowierungen.“

Douglas Jefferson, Vizepräsident der NAAGA, erzählt, dass seine Organisation einen großen Anstieg der Mitgliederzahl um den März 2020 herum verzeichnet hat, als die Covid-19-Lockdowns begannen. Vor der Pandemie, sagt Jefferson, hatte die Organisation landesweit etwa 30.000 Mitglieder. Seitdem sind etwa 5.000 neue Mitglieder hinzugekommen. „Die Leute sind besorgt über Leute, die andere Leute bestehlen und in Häuser einbrechen“, sagte Jefferson gegenüber CNN Business. „Das kam zu den Unruhen hinzu, die man diesen Sommer erlebt hat, zu den Demonstrationen und einigen der Krawalle, die man gesehen hat.“

Jefferson sagte, dass die Angst vor Gewalt durch weiße Supremacists (Anhänger der Theorie von der Überlegenheit der Weißen und der Überzeugung, dass Weiße mehr Macht und Einfluss haben sollten als andere — Anmerkung des Autors) und der Polizei auch eine große Sorge für seine Mitglieder gewesen sei, besonders nach der tödlichen Erschießung von Ahmaud Arbery im April, sowie den Polizeimorden an Breonna Taylor, George Floyd und Rayshard Brooks.

„Es scheint, als hätten wir viel mehr öffentlichkeitswirksame Vorfälle, bei denen weiße Rassisten Schwarzen Schaden zugefügt haben“, sagte Jefferson. „Es gibt ein größeres Bewusstsein dafür und eine größere Besorgnis darüber und die Leute wollen sich und ihre Familien davor schützen.“

Black Guns Matter

„Wir bewaffnen uns zur Selbstverteidigung“, sagte Philip Smith, der Präsident der NAAGA dem Magazin Forbes. „Wir bewaffnen uns nicht, um hinauszugehen und anzugreifen. Wir wollen einfach nur unser Leben friedlich mit unseren Familien und geliebten Menschen leben und wir wollen nicht angegriffen werden.“

„Es gab eine Menge rassistischer Spannungen“, sagte Al Tawil, Besitzer von Towers Armory, einem Waffengeschäft mit Schießstand in Oregon, Ohio, in der Nähe von Toledo, gegenüber Forbes, und bezog sich dabei auf den letztjährigen Anstieg der Waffenkäufe durch schwarze Amerikaner. Er sagte, der Trend beim Waffenkauf habe sich bis jetzt fortgesetzt und schätzt, dass etwa die Hälfte seiner Kunden Schwarze seien, im Vergleich zu sehr wenigen vor der Pandemie.

Schwarze Amerikaner stellen einen relativ kleinen Teil der waffenbesitzenden Bevölkerung dar. Laut der NSSF sind 9,3 Prozent der Waffenbesitzer schwarze Männer und 5,4 Prozent schwarze Frauen, während weiße Männer 55,8 Prozent der Waffenbesitzer ausmachen und 16,6 Prozent weiße Frauen sind.

Maj Toure, der Black Guns Matter — eine Pro-Waffen-Organisation — 2016 nach dem Aufkommen von Black Lives Matter gegründet hatte, äußerte, er glaube, dass die Waffenkontrolle Teil der laufenden Bemühungen der Regierung sei, schwarze Menschen zu entwaffnen. „Waffenkontrolle ist rassistisch“, sagte er.

Auf Forbes‘ Frage nach Barack Obama und anderen Aktivisten der schwarzen Waffenkontrolle, sagte Toure, sie würden „von Menschen mit Waffen geschützt“. Während Waffenkontrolle die Sicherheit der Menschen wahren soll, entgegnen Toure und andere Waffenenthusiasten, dass sie die Menschen daran hindert, sich selbst zu schützen.

Asiaten

Und es existiert noch eine weitere Gruppe unter den neuen Waffenkäufern, eine Community, in der es, so Jimmy Gong, Besitzer von Jimmy’s Sport Shop in Mineola, New York, vorher nie eine Waffenkultur gegeben hat — Asiaten. Aber, so Gong, nach der Pandemie und all den Hassverbrechen kauften mehr Asiaten Waffen, um sich zu verteidigen. Die Zahl der Waffenverkäufe in seinem Shop habe sich während der Pandemie verdoppelt, und etwa die Hälfte seines Geschäfts mache er inzwischen mit Asian Americans, die im Übrigen auch reichlich Pfefferspray kauften.

Ähnliches schildern Gongs Kollegen. So beispielsweise auch Danielle Jaymes, Geschäftsführerin von Poway Weapons & Gear in Poway, Kalifornien. Sie berichtet von einem 20-prozentigen Anstieg der asiatisch-amerikanischen Erstkunden im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr.

Mittlerweile sind asiatisch-stämmige Kunden ein vertrauter Anblick in vielen Waffengeschäften geworden. Dies bestätigt auch Jerry Hwang, ein Verkäufer bei Wade's Eastside Guns in Bellevue, Washington. „Sie kommen wegen der Pandemie und der Unruhen, wegen der Leute, die sich an den Geschäften und am Eigentum der Leute zu schaffen machen.“ Er äußerte, dass die Asian Americans meistens halbautomatische Pistolen und Gewehre kaufen — „einfache Glocks und AR-15s“ —, die sich in Waffengeschäften im ganzen Land großer Beliebtheit erfreuten.

David Liu, Inhaber des Waffengeschäfts Arcadia Firearm & Safety in Arcadia, Kalifornien, einer mehrheitlich asiatisch-amerikanisch geprägten Stadt, berichtet von einer „Flut von Waffenkäufen“ seit Anfang 2020. Liu, ein in den 1980er Jahren aus Hongkong eingewanderter US-Bürger, sagt, dass viele seiner Kunden das Ausmaß der Pandemie bereits erkannt hätten, bevor die Unruhen begannen. In den letzten Wochen habe seine asiatisch-amerikanische Kundschaft anti-asiatische Hassverbrechen als Motiv für den Wunsch nach Selbstschutz angeführt.

Und Tim Hensley, Geschäftsführer des Waffengeschäfts Towers Armory, berichtet von ungefähr fünf bis sechs asiatisch-amerikanischen Kunden täglich im Vergleich zu zwei oder drei pro Monat vor dem Ausbruch der Pandemie. „Sie fühlen sich in ihrer Umgebung viel unsicherer und ich denke, dass es jetzt noch dramatischer für sie ist, besonders nach dem, was gerade passiert ist.“

Hensley bezieht sich mit seiner Aussage auf ein Mass Shooting mit mehreren Todesopfern am 16. März 2021 im Großraum Atlantas. Acht Menschen, darunter sechs Frauen asiatischer Abstammung, wurden in drei „SPA“ genannten Massagesalons erschossen. Der Täter, Robert Aaron Long, sagte laut Polizei, er sei durch Sexsucht motiviert gewesen, und es sei ihm nicht um rassistische Ziele gegangen.

Nach Angaben der Polizei beschrieb Long seine Handlungen als das Ergebnis einer Sexsucht, die mit seinen religiösen Überzeugungen in Konflikt stand. Der Mann soll Zeitungsberichten zufolge „eine große Leidenschaft für Waffen und Gott“ haben. Zudem habe er angegeben, er habe in Florida weitermorden wollen, wenn er nicht gestoppt worden wäre.

Laut Südkoreas führender Tageszeitung Chosun Ilbo äußerte ein Augenzeuge eines der drei Shootings gegenüber lokalen koreanischen Medien, dass der Schütze gesagt habe, er würde alle Asiaten töten. Das Cherokee County Sheriff's Department wiederum wies Berichte über eine rassistische Motivation des Täters zurück, wobei dessen Captain, Jay Baker, sich zu der Behauptung verstieg, Long habe einfach einen „wirklich schlechten Tag“ gehabt.

So verwundert es nicht, wenn Geschäftsführer Tim Hensley berichtet, dass viele asiatisch-amerikanische Erstkäufer zu „ernsthaften Waffenbesitzern“ werden, die viel Zeit mit ihren neu erworbenen Glock-Pistolen und AR-15-Sturmgewehren am Schießstand verbrächten. „Sie versuchen, versiert zu werden, was mir zeigt, dass es eine Dringlichkeit gibt.“

Hassverbrechen gegen Asiaten stiegen im Jahr 2020 um 149 Prozent, während die Zahl der Hassverbrechen insgesamt um 7 Prozent zurückging, so eine Studie auf der Grundlage von Polizeistatistiken des Zentrums für das Studium von Hass und Extremismus (Center for the Study of Hate and Extremism) an der California State University, San Bernardino. Die Forscher fanden heraus, dass Hassverbrechen im März und April 2020 „inmitten eines Anstiegs der Covid-Fälle und der negativen Stereotypisierung von Asiaten im Zusammenhang mit der Pandemie in die Höhe schossen“ (1 bis 11).

Recht auf Waffen

„Jeder gesetzestreue Amerikaner hat von Geburt an das Recht, Waffen zu behalten und zu tragen“, sagte Mark Oliva, Direktor für öffentliche Angelegenheiten der NSSF.

„Sie haben ein Recht auf den zweiten Verfassungszusatz“, sagte Philip Smith, Präsident der NAAGA, über die Mitglieder der afroamerikanischen Gemeinden.

Der zweite Verfassungszusatz lautet im Original: „A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.” Auf Deutsch: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“

Der Rechtsanwalt Robert Peres — viele Jahre für große US-Sozietäten in Deutschland und den USA tätig — schreibt dazu:

„Über die Auslegung dieses Artikels wird seit langem gestritten. Waffengegner argumentieren, dass sich der Text nur auf die Bürger erstreckte, die sich seinerzeit in einer Bürgermiliz zusammenschlossen, um sich gegen englische Truppen zu verteidigen. Da es aber heute keine solchen Bürgermilizen mehr gebe, habe lediglich der Staat das Gewaltmonopol.

Die Befürworter des Rechts auf Waffenbesitz verweisen auf die ständige Auslegung durch das höchste Gericht. Bereits 1874 hat der Supreme Court festgestellt, dass es eine direkte Verbindung gibt zum englischen Bill of Rights, in dem der Besitz von Waffen als Naturrecht anerkannt ist. Der Zusatzartikel stelle lediglich fest, dass dieses Naturrecht nicht durch Gesetze eingeschränkt werden dürfe, es führe das Recht gar nicht neu ein.“

Und Peres liefert einen erhellenden historischen Abriss:

„Der individuelle Waffenbesitz hat in den USA historische Ursachen: Ursprünglich wurde der individuelle Waffenbesitz als Beschwichtigung der antiföderalistischen Kräfte in die Verfassung eingefügt. Damit wurde verankert, dass der Staat die Bürger nicht entwaffnen darf. Die Geschichte der USA war ein stetiger Eroberungskampf. Der Westen wurde durch Siedler und weniger durch Armeen gewonnen.

Daraus leiten viele Amerikaner noch heute ihr Recht ab, sich und ihre Familien mit Waffen zu verteidigen. Gleichzeitig war schon den frühen Amerikanern ein Misstrauen gegen die Obrigkeit eigen. Der Staat, ob in Form der englischen Kolonialisten oder der neu gegründeten Föderation der 13 Gründerstaaten, war vielen suspekt. Bereits damals spaltete sich die Bevölkerung in sogenannte Federalists und Antiföderalisten. Die Gruppe der Antiföderalisten bekämpfte das von den Verfassungsvätern intendierte Gewaltmonopol des Staates und erreichte, dass Gründervater James Madison, später der vierte Präsident der Vereinigten Staaten, den zweiten Zusatzartikel in den Bill of Rights einfügen ließ.

Noch heute beharren insbesondere viele Waffenbesitzer auf dem Land darauf, sich im Zweifel gegen einen Staat wehren zu können, der ihnen ihre Freiheitsrechte entziehen könnte. Dies ist ein eklatanter Gegensatz zum preußisch geprägten Deutschland, wo das staatliche Gewaltmonopol von der Allgemeinheit akzeptiert wird.“

Hier haben wir also — sehr schön herausgearbeitet von Robert Peres — den essenziellen Unterschied zwischen den USA und Deutschland. Um es polarisierend zu formulieren:

In den USA besteht ein grundlegendes Misstrauen gegen den Staat, den man das Potenzial unterstellt, bevormundend und übergriffig bis zum Entzug der Freiheitsrechte zu werden, sodass man für den Fall des Falles gewappnet sein muss; und dies bedeutet, auch mit tödlicher Gewalt für diese Rechte kämpfen zu können, wozu wiederum Waffen obligatorisch sind.

In Deutschland hingegen herrscht ein Grund-, ja Urvertrauen in den Staat, dem man mit dem Begriff „Vater Staat“ gar die Rolle eines Erziehungsberechtigten einräumt, gegenüber dem man jegliche Gewalt ausschließt und ihm — und nur ihm — das Recht auf Gewalt zubilligt, weil man ihm potenziell, ja vielmehr prinzipiell alles Gute zuschreibt.

Peres schreibt weiter: „Die Städte Washington, D.C. und Chicago haben versucht, eigene Regelungen zum Waffenbesitz einzuführen, scheiterten aber 2008 (District of Columbia versus Heller) und 2010 (Macdonald versus Chicago) jeweils am Supreme Court, das mit knappen Entscheidungen die Restriktionen der Städte aufhob.“

District of Columbia versus Heller war, obwohl sich die Entscheidung von Heller nur speziell mit dem Waffenbesitz der Bewohner von Bundes-Enklaven wie Washington, DC befasste, das erste Mal, dass das oberste Gericht des Landes eine endgültige Antwort darauf gab, ob die zweite Änderung — also der zweite Verfassungszusatz — einer Person das Recht einräumt, Waffen zu behalten und zu tragen. Die Schlüsselfrage lautete: Verstießen die Bestimmungen des District of Columbia-Kodex, die die Lizenzierung von Handfeuerwaffen einschränken und verlangen, dass lizenzierte Schusswaffen, die im Haushalt aufbewahrt werden, nicht funktionsfähig bleiben, gegen die zweite Änderung? Und der Oberste Gerichtshof entschied, dass die zweite Änderung das Recht eines Einzelnen schützt, Waffen zu tragen, und dass das Verbot von Pistolen und die Abzugssperre des Distrikts gegen die zweite Änderung verstößt.

Und bei MacDonald versus City of Chicago urteilte das Gericht wie folgt: Der Oberste Gerichtshof („Supreme Court“) entschied, dass das in „Heller“ anerkannte Recht des zweiten Verfassungszusatzes durch die Verfahrensklausel des vierzehnten Verfassungszusatzes vollständig auf die Staaten anwendbar ist. In dieser Entscheidung bekräftigte das Gericht, dass „der Zweite Verfassungszusatz das Recht schützt, Waffen zum Zweck der Selbstverteidigung zu behalten und zu tragen“; dass „individuelle Selbstverteidigung die zentrale Komponente des Rechts aus dem Zweiten Verfassungszusatz ist“; und dass Selbstverteidigung „ein Grundrecht ist, das von vielen Rechtssystemen von der Antike bis heute anerkannt wird“.

Ein weiterer Aspekt, den Peres in seinem Aufsatz erwähnt, wurde übrigens 2018 ausgerechnet vom viel geschmähten Präsidenten Donald Trump ausgeschaltet.

„Ein wichtiges Element der Debatte bleibt, ob halbautomatische Waffen wie das AR-15 Sturmgewehr verboten werden sollten. Dieser Typ wurde bei allen Blutbädern der jüngsten Zeit verwendet, oft mit einem Zusatzgerät namens Bump Stock, das ein ständiges Nachladen erlaubt. Damit wird eine AR-15 quasi zu einem vollautomatischen Maschinengewehr.“

Am 23. März 2018 stellte US-Präsident Trump einen Gesetzentwurf vor, der Vorrichtungen, die Halbautomaten zu einer quasi-vollautomatischen Schussfolge befähigen, Maschinenwaffen gleichstellt und damit illegal macht. Das Gesetz trat mit einer 90-Tage-Übergangsfrist Ende 2018 in Kraft. Waffenbesitzer mussten in dieser Frist bis zum 26. März 2019 diese Teile entweder unbrauchbar machen oder bei staatlichen Stellen abgeben. Eine Klage gegen das Gesetz wies der Oberste Gerichtshof der USA am 26. März 2019 ab. Zuwiderhandlungen sind mit bis zu zehn Jahren Haft beziehungsweise bis zu 250.000 US-Dollar Geldstrafe belegt.

Zyklen und Selbstmorde

„Der Verkauf von Schusswaffen neigt dazu, als Reaktion auf verschiedene Arten von Ereignissen eine Art Zyklus zu durchlaufen“, sagte Timothy Lytton, ein Juraprofessor an der Georgia State University, der sich intensiv mit der Waffenindustrie beschäftigt, und fügte hinzu, dass das Spiel Trump gegen Biden nur ein Teil der Geschichte ist. „Das Zusammentreffen des COVID-19-Ausbruchs und der Angst, die durch Black Lives Matter und der Besorgnis über polizeiliches Fehlverhalten erzeugt wird, und die jetzt zunehmende Nervosität über den Ausgang der Wahl ist eine Art perfekter Sturm, der diesen, Sie wissen schon, historischen Anstieg angeheizt hat.“

Lytton sagt, dass es in amerikanischen Haushalten bereits 400 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz gibt, zusätzlich zu den 16,7 Millionen, die in diesem Jahr hinzugekommen sind.

Laut Statista lag der prozentuale Anteil der Haushalte in den USA, die eine oder mehrere Schusswaffen besitzen, im Jahr 2020 bei 42 Prozent, ein Wert, der in etwa den Vorjahren entspricht — mit den Ausnahmen 2011 (45 Prozent) und 2019 (37 Prozent). Zum selben Ergebnis kommt das Pew Research Center, das in dieser Statistik die Waffenbesitzer nach diversen Eigenschaften aufschlüsselt:

Bild

Nun könnte man bei dieser großen Menge an Schusswaffen und über 330 Millionen Einwohnern sogar erwarten, dass die Zahl der Getöteten noch höher liegt. 2019 starben beispielsweise 38.730 Menschen durch Schusswaffen. Davon waren 14.970 Opfer von Tötungsdelikten, Mord oder versehentlichen Erschießungen, verglichen mit 14.789 im Jahr 2018. Bei den anderen 23.760 Todesfällen im Jahr 2019, also über 61 Prozent, handelte es sich um Selbstmorde.

Im Jahr 2017 starben 39.773 Menschen in den USA an Verletzungen durch Schusswaffen, wovon 23.854 Selbsttötungen, also 59,98 Prozent, waren. 486 waren unbeabsichtigt, 553 mit der Strafverfolgung verbunden und 338 hatten unbekannte Umstände. „Obwohl sie tendenziell weniger Aufmerksamkeit erhalten als Morde mit Schusswaffen, machen Selbstmorde seit langem die Mehrheit der Todesfälle durch Schusswaffen in den USA aus“, schreibt das Pew Research Center. Nach Angaben der American Foundation for Suicide Prevention (Amerikanische Stiftung für Suizidprävention) ist Selbstmord die zehnthäufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten.

Allein im Jahr 2017 gab es in den USA rund 1.300.000 Selbstmordversuche. 47.173 Amerikaner starben durch Selbsttötung, fast die Hälfte davon, 23.854, durch Schusswaffen.

Bild

Bild

Bild

Unterschiede bei den Zahlen zwischen Pew Research Center und Gun Violence Archive fußen auf unterschiedlichen Zählweisen, Ungenauigkeiten bei der Datenübermittlung, Verifizierung von Vorfällen und ähnlichem.

Wäre der Zugang zu einer Waffe nicht so einfach gewesen, wie viele dieser Suizide hätten nicht stattgefunden? Wie viele dieser Menschen hätten sich möglicherweise doch um Hilfe und Unterstützung bemüht? Und wie viele hätten alternativ zu anderen Mitteln der Selbsttötung gegriffen?

Ein zu berücksichtigender Faktor sind auch die Waffeneinsätze zur Selbstverteidigung („Defensive Gun Use“), wie zum Beispiel bei diesem Vorfall am Nachmittag des 3. Juni 2021 im Brooklyner Stadtteil Williamsburg, als ein bewaffneter Mann versuchte, in die Wohnung eines Ehepaares einzudringen und dabei auf die beiden Personen schoss. Während der Ehemann versuchte, den Täter vom Eindringen in die Wohnung abzuhalten, holte seine Frau eine Waffe und schoss dem Eindringling in den Kopf, der seinerseits dem Ehemann in den Rücken geschossen hatte. Das Ehepaar wurde in Krankenhäuser eingeliefert, der Mann in kritischem, die Frau nach einem Schuss in den rechten Arm in stabilem Zustand. Der Täter starb (12 bis 24).

Gründe und Ursachen

Was hat die Amerikaner dazu bewogen, sich während „Corona“ mit Waffen einzudecken, und was sind die Gründe für die Zunahme der Shootings? Einige Aspekte wurden bereits thematisiert: Die Angst vor einer Störung oder gar Zerstörung der sozialen Ordnung ist ein Hauptfaktor, mit Sorgen über die drohende Erosion von Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdiensten. Solche Befürchtungen führen zu verstärkten Ängsten vor Plünderungen, Gewalt und Einbrüchen, sowohl bei Wohlhabenden — wie bei diesem Rechtsanwaltsehepaar aus St. Louis, an dessen opulentem Anwesen auf einem Privatweg eine Gruppe BLM-Demonstranten vorbeizog — als auch bei „Normalverdienern“ und Ärmeren. So äußerten die Nachbarn des überfallenen Ehepaars in Williamsburg, Brooklyn: „Dergleichen ist hier noch nie geschehen, das ist seltsam und schockierend. Es ist ein Weckruf! Sie sehen, dass wir die Fenster auf der Feuerleiter offenlassen und ähnliches. Jetzt muss man aufpassen, wer das Gebäude betritt.“

Neue Daten des New York City Police Departments (NYPD) zeigen, dass die Kriminalität im Vergleich zum Mai 2020 stadtweit im letzten Monat um 22 Prozent zugenommen hat, mit einem Anstieg von 46,7 Prozent bei Raubüberfällen und einem Anstieg von 73 Prozent bei Schießereien.

Bild

Wobei oft Kinder zwischen die Fronten geraten und verletzt oder gar getötet werden. In diesem Fall, aufgenommen von einer Überwachungskamera, blieb es bei seelischen Verletzungen: Ein Mann, gejagt von einem Bewaffneten, missbrauchte ein zehnjähriges Mädchen und ihren fünfjährigen Bruder als menschliches Schutzschild. Die Kinder waren mit ihren Eltern unterwegs, um Süßigkeiten zu kaufen, als plötzlich ein vor einem Bewaffneten fliehender Mann sie zu Boden brachte, während der Schütze mehr als zwölf Mal auf ihn schoss. Die New York Post berichtet:

„Mindestens ein Dutzend Schüsse zischten an den verängstigten Kindern vorbei, als der schwarz maskierte Schütze wiederholt auf den Mann zielte — der die Kinder zu Boden stieß, während er versuchte zu entkommen. Die schockierenden Aufnahmen zeigen, wie die Beine des fünfjährigen Jungen inmitten des Blutvergießens vor Angst zittern. Wie durch ein Wunder wurde keines der Kinder getroffen. Der Schütze floh laut Polizei auf einem Roller.

Der angegriffene Mann wurde dreimal getroffen — einmal in den Rücken und einmal in jedes Bein (…). Es wird erwartet, dass er überlebt, sagten Quellen. (…) Bis Sonntag verzeichnete die Polizei 211 Schießereien im Jahr 2021, im Vergleich zu 97 im letzten Jahr. Fast 250 Menschen sind bisher in diesem Jahr den zunehmenden Schießereien zum Opfer gefallen.“

Die Verwandten der Familie hoffen, genügend Geld zu sammeln, damit die traumatisierten Geschwister und ihre Eltern umziehen können. Die Angst von Communities vor Feindseligkeiten anderer Communities führte und führt ebenfalls zu vermehrten Waffenkäufen — dies betrifft übrigens auch Latinos und Hispanics.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sieht ebenso „Corona“ als ursächlich für die momentane Situation an: „Das Gerichtssystem liegt brach, die Wirtschaft funktioniert nicht, und die Tatsache, dass alle seit Monaten eingesperrt sind. Es gibt so viele Probleme, die dort reinspielen.“

Viele Polizisten beklagen sich über einen Mangel an Vertrauen, über Budgetkürzungen und maßlose Kritik, was bei vielen Beamten zur Demoralisierung und dem Gefühl führt, nichts richtig und niemandem etwas recht machen zu können. Der ehemalige Chef der New Yorker Polizei, Joseph Esposito, sagte: „Die Polizisten schauen momentan über ihre Schultern, ob bewusst oder unbewusst, und sagen, warum sollten wir uns die Mühe machen, wir bekommen ohnehin keine Unterstützung.“ Und dieser Vertrauensmangel führt wiederum dazu, dass in einigen Stadtteilen die Bewohner die Angelegenheiten einfach selber in die Hand nehmen.

Zudem sterben auch zahlreiche Polizisten im Dienst. So von Januar bis Mitte Juni 2021 bereits 37 — im Vergleich zu 46 im gesamten Jahr 2020.

Bild

Es ist offensichtlich, dass die Auswirkungen der Lockdowns und „Maßnahmen“ in vielen Fällen den Schusswaffengebrauch verursacht haben.

Das Gefühl, eingesperrt zu sein und die Mitmenschen nur noch als Virenschleudern und Superspreader zu erleben, soziale Isolation, Jobverluste, Armut, klaustrophobische Gefühle durch das Empfinden und Erleben, in kleinen Stadtwohnungen zusammengepfercht zu sein; Angst vor Krankheit, Angst vor Aggressoren, Angst vor der Zukunft und außerdem eine Schusswaffe zu haben — eine unerfreuliche Kombination.

Alltagssituationen

So können Alltagssituationen noch rascher als zuvor in tödlichen Konfrontationen mit Schusswaffengebrauch münden — nicht nur in Bezirken, wo Schießereien so alltäglich sind, dass die Bewohner den Klang eines 38er-Revolvers von dem eines Sturmgewehrs unterscheiden können.

Alltagssituationen wie zum Beispiel Verkehrsstreitigkeiten:

So berichtete die New York Post am 2. Juli 2021 von einem Vorfall auf einem Highway in Ford Worth, Texas, als ein Auto- und ein Motorradfahrer in Streit gerieten. Nachdem der Motoradfahrer sein Gefährt geparkt hatte, ging er mit einer auf den Fahrer gerichteten Handfeuerwaffe auf das Auto zu. Der Fahrer sagte, er solle die Waffe wegnehmen, weil sich in seinem Auto Kinder befänden. Doch der Motoradfahrer näherte sich weiter dem Auto, woraufhin der Fahrer seine eigene Pistole zog, schoss und den Motorradfahrer dabei tötete.

Am 8. Juli 2021 meldete dieselbe Zeitung: „Teenager aus Texas nach Spiel der Houston Astros bei Verkehrszwischenfall getötet.“ Vater und Sohn fuhren nach einer Sportveranstaltung nach Hause, als es zu Streitigkeiten mit einem anderen Autofahrer kam, wobei laut Polizeibericht „Handgesten ausgetauscht“ wurden. Der Fahrer folgte dem Wagen, eröffnete dann das Feuer und traf dabei den Teenager in den Kopf.

Und am 11. Juli 2021 berichtete die New York Post über eine „bizarre Schießerei“ in Houston nach einem Streit darüber, wer ein Wettrennen gewonnen hat, woraufhin ein Mann auf einen anderen das Feuer eröffnete. Er traf diesen zweimal in die Schulter und zudem zwei Unbeteiligte, die gerade einen Friseursalon verließen; den einen schoss er ins Gesäß, den zweiten traf er am Arm.

Natürlich kann man nur spekulieren, ob diese Vorfälle nicht auch ohne „Corona“ stattgefunden hätten, aber auf jeden Fall sind sie mehr als nur ein Fingerzeig auf mögliches Verhalten in der Zukunft — zumal, wie die folgenden Grafiken zeigen, die Verkehrszwischenfälle mit Schusswaffengebrauch („Road Rage Shootings“) stark zugenommen haben. Der dazugehörige Artikel von abc news berichtet von furchtbaren Vorfällen — ein in seinem Kindersitz erschossener sechsjähriger Junge und eine getötete Mutter von sechs Kindern — und zitiert zwei Studien, die belegen, wie das Vorhandensein einer Schusswaffe das aggressive Verhalten im Verkehr massiv erhöht:

„Zwei Studien des Harvard Injury Control Research Center aus den frühen 1980er Jahren ergaben, dass Fahrer, die eine Waffe im Auto hatten, eher zu aggressivem Verhalten neigten. Eine Studie aus dem Jahr 2017 kam zu einem ähnlichen Ergebnis, nachdem zufällig ein Tennisschläger oder eine Pistole in einer Fahrsimulation platziert wurde, um den sogenannten ‚Waffeneffekt‘ auf aggressives Fahren zu testen.

‚Die bloße Anwesenheit einer Waffe in einem Kraftfahrzeug erhöht die Aggressivität‘, sagte einer der Autoren der Studie, Brad Bushman, ein Professor für Kommunikation an der Ohio State University, der seit über 30 Jahren Aggression und Gewalt untersucht, gegenüber ABC News. ‚Die Chance, dass eine Konfliktsituation, wie zum Beispiel im Verkehr geschnitten zu werden, tödlich endet, wird erhöht, wenn eine Waffe vorhanden ist", sagte Bushman.“

Bild

Die Amerikaner, die rasch zur Waffe gegriffen haben, werden es weiter tun und womöglich noch zügiger. Die entscheidende Frage aber ist, ob die, die bis dato verantwortungsvoll mit ihren Waffen umgegangen sind, auch in Zukunft derart handeln werden oder ob gesteigerte Aggressionen und weitere „Corona-Maßnahmen“ ihre Hemmschwelle ebenfalls massiv sinken lassen werden? Und dann sind ja da noch die neuen Schusswaffenbesitzer. So äußerte David Chipman, ein leitender politischer Berater der Organisation Giffords, der sich intensiv mit der Prävention von Waffengewalt befasst: „Wir müssen uns auf das erhöhte Risiko von mehr Schusswaffen in ungeübten Händen vorbereiten“ (25 bis 32).


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://chicago.suntimes.com/crime/2021/7/3/22561910/chicago-weekend-shootings-july-2-5-homicide-gun-violence
(2) https://www.bbc.com/news/world-us-canada-56424616
(3) https://www.boston25news.com/news/25-investigates/women-first-time-buyers-fuel-record-breaking-year-gun-sales-us-amid-pandemic-social-unrest/3DAPIC6TC5HNPN42Y2O5U7FZJM/
(4) https://www.foxla.com/news/more-women-are-buying-guns-amid-the-covid-19-pandemic
(5)https://edition.cnn.com/2020/10/24/business/gun-sales-surge-black-americans-women/index.html
(6)https://edition.cnn.com/2021/06/23/us/black-gun-owners-sales-rising/index.html
(7) https://www.forbes.com/sites/aaronsmith/2021/04/09/black-americans-have-been-buying-more-guns-during-the-pandemic/
(8) https://www.forbes.com/sites/aaronsmith/2021/03/18/asian-americans-buy-guns-for-protection-from-hate-crimes/?sh=6e32c3543edd
(9) https://www.fr.de/panorama/atlanta-georgia-schuesse-tote-frauen-asiatinnen-massage-salon-waffen-gott-90246060.html
(10) https://en.wikipedia.org/wiki/2021_Atlanta_spa_shootings
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_in_Atlanta_2021
(12) https://www.chicagotribune.com/news/ct-xpm-2014-04-06-ct-otis-mcdonald-obituary-met-20140406-story.html
(13) https://www.theguardian.com/us-news/2017/oct/03/ban-bump-stocks-las-vegas-shooter-automatic-fire
(14) https://www.n-tv.de/politik/Trump-Regierung-verbietet-Bump-Stocks-article20352740.html
(15) https://www.statista.com/statistics/249740/percentage-of-households-in-the-united-states-owning-a-firearm/
(16) https://www.pewresearch.org/social-trends/2017/06/22/the-demographics-of-gun-ownership/
(17) https://datavisualizations.heritage.org/firearms/defensive-gun-uses-in-the-us/
(18) https://newyork.cbslocal.com/2021/06/03/nypd-1-dead-in-williamsburg-brooklyn-triple-shooting/
(19) https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/waffenrecht-gesetze-usa-amoklauf-nra-waffenbesitz/
(20) https://en.wikipedia.org/wiki/McDonald_v._City_of_Chicago#Decision
(21) https://www.boston25news.com/news/25-investigates/women-first-time-buyers-fuel-record-breaking-year-gun-sales-us-amid-pandemic-social-unrest/3DAPIC6TC5HNPN42Y2O5U7FZJM/
(22) https://www.ndtv.com/world-news/over-38-000-people-killed-by-guns-in-2019-us-non-profit-oganisaton-gun-violence-archive-2155185
(23) https://www.pewresearch.org/fact-tank/2019/08/16/what-the-data-says-about-gun-deaths-in-the-u-s/
(24) https://newyork.cbslocal.com/2021/06/03/nypd-1-dead-in-williamsburg-brooklyn-triple-shooting/
(25) https://www.youtube.com/watch?v=2EWJ7L6O91c
(26) https://nypost.com/2021/06/18/shocking-video-shows-masked-gunman-opening-fire-on-nyc-sidewalk/
(27) https://edition.cnn.com/2020/08/01/us/guns-ownership-latinos-el-paso-shooting/index.html
(28) https://www.nbcnews.com/news/crime-courts/thirty-seven-u-s-police-officers-were-murdered-first-five-n1271020
(29) https://nypost.com/2021/07/02/motorcyclist-pulls-gun-in-road-rage-gets-killed-by-other-driver/
(30) https://nypost.com/2021/07/08/texas-teen-killed-in-road-rage-incident-after-houston-astros-game/
(31) https://nypost.com/2021/07/11/debate-over-the-winner-of-foot-race-leads-to-triple-shooting/
(32) https://abcnews.go.com/US/disconcerting-rise-road-rage-shootings-resulting-death-injury/story?id=78181165