Wahrheit unter Beschuss

Im Manova-Exklusivgespräch diskutiert Walter van Rossum mit dem ehemaligen Oberst der Schweizer Armee Jacques Baud, dem Journalisten Dirk Pohlmann und dem Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose über die Lügen des russisch-ukrainischen Krieges.

Einem weitverbreiteten Bonmot zufolge sei das erste Opfer des Krieges die Wahrheit. Das ist zwar keine Lüge, doch bestenfalls eine Halbwahrheit. Denn aller historischen Erfahrung nach schaffen erst massive Lügen die Gründe für einen Krieg. Das lässt sich am Beispiel der russisch-ukrainischen Konfrontation trefflich zeigen und auch, wie diese Lügen jede diplomatische Verständigung verhindern. Jacques Baud war nicht nur Offizier der Schweizer Armee, er war auch für den Schweizer Nachrichtendienst tätig und im Auftrag der NATO in der Ukraine. In diesen Tagen erscheint sein Buch „Putin ― Herr des Geschehens?“ im Westend Verlag auf Deutsch. Baud analysiert bis ins erschütternde Detail, wie der Westen 2014 den Putsch auf den Maidan inszeniert und die Spannungen der Ukraine mit Russland systematisch geschürt hat. Die beiden Minsker Abkommen, die den Konflikt mit den autonomen Provinzen im Osten regeln sollten, wurden von Kiew und den westlichen Garantiemächten konsequent ignoriert. Stattdessen nutzte der Westen die Gelegenheit, um die Ukraine militärisch aufzurüsten ― wie Angela Merkel und der damalige französische Präsident François Hollande heute frank und frei zugeben.

Die Lügen dieses Kriegs genießen mittlerweile juristischen Schutz. In Köln wurde kürzlich eine Frau zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie unerhörterweise gewagt hatte zu vermuten, dass Wladimir Putin wahrscheinlich keine Alternative zu seiner militärischen Operation hatte. Jürgen Rose sieht zwar formal die Kriterien eines Angriffskrieges erfüllt, aber er zeigt auch, dass man Russland vorsätzlich in eine Zwangslage gebracht hatte, durch die er sich nur durch die sogenannte Militäroperation befreien konnte.

Abend für Abend zeigt uns die Tagesschau Bilder von Ukrainern, die ihr Haus oder gar einen Verwandten verloren haben. So sieht der barbarische Angriffskrieg von Putin aus. Warum die Russen aber baufällige Wohnhäuser angeblich beschießen, das wird uns nicht erklärt. Ein „barbarischer Angriffskrieg“ sieht jedenfalls anders aus. In den Kommentaren erläutern uns „Experten“ dann Putins Kriegsgründe. Grob zusammengefasst bestehen diese darin, dass Putin ein gestörter Typ ist, der ein großrussisches Reich wieder errichten oder wahlweise die Sowjetunion reanimieren möchte. Die Mainstreammedien überschlagen sich bei den Versuchen, die Gründe für diesen Krieg zu vernebeln. Niemand soll auf die Idee kommen, es könnte eine Verhandlungslösung geben.

Man darf sagen, sämtliche westlichen Kriegsziele sind krachend verfehlt: die militärischen, die wirtschaftlichen, die geopolitischen Absichten. Und sie haben sich gegen ihre Urheber gedreht und bedrohen heute Europa, besonders Deutschland. Hat Europa eine Chance, aus dem Schlamassel noch heil herauszukommen?


Walter van Rossum im Gespräch mit Jacques Baud, Dirk Pohlmann und Jürgen Rose


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