Was wir sind

Die Poetik-Ecke LV führt das Wort zur heilsamen Stille.

Peter Fahrs neuer Lyrikband „Was wir sind“ reduziert die Sprache auf weniges und bringt Form und Inhalt überein. Dabei entstehen kleine Welten mit großer Strahlkraft. Wenig könnte angesichts verbaler Dauerschlachten heilsamer sein. Die Kürze dieses Einleitungstextes ist angesichts der Stille, in die er einleitet, ebenso bewusst gewählt wie die Referenz der Dreizeiler auf die japanische Kunst der Haikus. Die Räume öffnende Stille über Grenzen hinweg beginnt.

atme das licht
rieche den klang
schmecke das wort








wie still und reglos
harrt die heuschrecke im gras
bis sie plötzlich springt








was das wesen war
ist es nicht und was es ist
wird es nicht mehr sein








grasgrüne knospen
blinken im kahlen geäst
jenseits des flusses








den blühenden zweig
belebt verborgen
die alte wurzel








der tulpenstängel
trägt die welkende blüte
aufrecht zum ende








so viele fische
doch nur der große
taucht in die tiefe








rot karmin purpur
sich welkend zu vollenden
blüht die rose nur








hierhin und dorthin
tanzen die schmetterlinge
wie fallendes laub








begegne dem wind
überwinde den wind
sei der wind








je länger sie lebt
desto weniger weiß sie
so wird sie weise








in der dämmerung
streift mich ein hauch von schwindel
wie samt und seide








die sekunde
vollendet
die stunde








bin ich du
bist du wir
sind wir ich








gestern ein klang
heute ein wort
morgen ein traum




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