# Werdet Imagozellen!

Die Metamorphose der Schmetterlinge zeigt symbolhaft, wie sich das Neue in einer Gesellschaft Bahn brechen kann.

von 
   * Cambra Skadé

Jede große Transformation hat einmal klein angefangen. Lange Zeit scheint der alte Zustand festgefahren, starr, schier unbesiegbar. Aber das Neue wächst im Verborgenen. Bei Schmetterlingen nennt man die Vorboten der Verwandlung „Imagozellen“. Auch politische Veränderungen beginnen mit „Zellen“, die einen neuen Geist und neue Handlungsoptionen repräsentieren. Jeder von uns — oder auch Gruppierungen — kann zu einer solchen Zelle werden. Die zunächst marginalen Parallelstrukturen wachsen und „übernehmen“ am Ende, sodass eine neue Gesellschaft entstehen kann, etwas, das nicht mehr kriecht, sondern sich in die Luft erhebt.

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Immer wieder tauchen Fragen auf: Hat es Kraft, wenn wir als Einzelne für etwas gehen? Wie viel vermag ich zu bewirken? Wie kann eine neue Welt entstehen?

Unser weiser Rat könnte antworten: 

*„Du bist ja die Welt und Du spiegelst sie auch. Wirksam wird etwas, wenn es in Dir lebt und von dort aus in die Welt hinausgeht. Es wächst in Dir und deshalb ist in Dir die Geburtsstätte von Neuem, Heilsamem, Lebenskostbarem. Eine neue Welt wird aus Dir heraus geboren oder nicht. Wenn es geschehen wird, wofür es keine Gewähr gibt, dann bist Du eine der Imagozellen, aus denen heraus es Welt und Wirklichkeit wird. Erinnere Dich an den Weg der Schmetterlinge, sie wissen um die Wandelwege. Sie haben eine Antwort auf die Frage: Worum geht´s bei dem, was gerade hier auf der Erde passiert, also worum genau oder wirklich, was ist das für ein Gesamtgeschehen und was ist mein Platz darin?“*

In die Fragen hineinlauschen, sie immer wieder befühlen. Es gibt ein Transformationsgeschehen, das manchmal verheißungsvoll und tröstlich ist und dann wieder ist es offen. Es ist der Weg der Raupe zum Schmetterling. Die Zeit der Raupe ist irgendwann zu Ende. Dann entstehen in ihrem Körper neue Zellen, Imagozellen, die bereits die Vision des Schmetterlings in sich tragen. Erstmal werden sie angegriffen, weil sie fremd sind. 

>Die ersten Imagozellen können sich nicht durchsetzen. Sie werden aber zunehmend stärker, gewandelter und sie beginnen, sich zu verbinden. Die Raupe verliert an Kraft.

Norie Huddle, die amerikanische Biologin, die diesen Wandlungsprozess entdeckt und erforscht hat, beschreibt es so: 

*„Die Zellen bilden kleine, autarke Nester, sie infizieren auch Raupenzellen, und siedeln sich an den Stellen im Raupenkörper an, wo sie künftig im Schmetterling eine Funktion wahrnehmen werden. In der letzten Phase vernetzen sich diese einzelnen Nester mit langen Fäden, die den ganzen Raupenkörper durchziehen und schließlich erkennen sich die Zellen als Ganzes und in einem unglaublichen Prozess bildet sich innerhalb des sterbenden Raupenkörpers der bunte, flugfähige, völlig anders als die Raupe geartete Schmetterling.“* 

Dazu hat Geseko von Lübke ein interessantes Interview mit dem philippinischen Umweltaktivisten Nicanor Perlas gemacht. Der überträgt den Wandlungsprozess der Raupe auf unsere Zeit. 

*„Überall auf der Welt entstehen derzeit Imagozellen, zunächst einzelne Menschen, die sich dann in Gruppen zusammentun und von den verschiedensten persönlichen, politischen, ökonomischen, ökologischen Anliegen getrieben ein anderes Dasein anstreben. Ihnen ist der große Plan meist nicht bewusst, dass es darum geht, einen großartigen Wandlungsprozess zu initiieren, zu tragen und zu gestalten, der etwas völlig Neues, heute noch Undenkbares, hervorbringen wird.“*

Ob das Neue das ist, was wir erhoffen, sei dahingestellt. Und auch, wer und was wirklich Imagozellen sind. Es gibt sicher welche, von denen hätten wir es nie gedacht und andersrum. Lasst uns Imagozellen sein. Es wird nicht im Außen gelingen, wenn es nicht zuerst in uns selbst aufsteht und lebt. Wir spielen eine wichtige Rolle. Wo wäre unser Platz im Schmetterlingssystem? Welches Potenzial bringen wir mit? Was kräftigt uns, um widerstandsfähig zu bleiben in dem großen Wandlungsprozess? Vernetzung und das Miteinander werden uns helfen. Die kleinen autarken Nester geben Kraft. 

>Beim Wandelprozess der Raupe geschieht es von selbst, alles. Vertrauen wir dem großen weisen Geschehen, das wir von unserem Menschseinsplatz aus überhaupt nicht überblicken oder erahnen können.

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<img src="/media/images/8c43b2d18c659c0fdbcde234eaa3361b.jpg">
##### Gemälde von Cambra Skadé


