Wir sind die Friedfertigen

Eine historische Ausstellung in Mexiko rückt die ursprüngliche Wortbedeutung von „Pazifik“ ins Bewusstsein: „Frieden machend“.

„Somos Pacificos“ So heißt die neueste Ausstellung, im geschichtsträchtigen „Colegio de San Ildefonso“, nur einen Steinwurf entfernt vom berühmten „Templo Mayor“ im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt. Sie zeigt „das tiefgreifende kulturelle Erbe, das Mexiko und die Philippinen über mehr als 250 Jahre hinweg, dank der Seeroute, die beide Gebiete von 1565 bis 1815 verband, aufgebaut haben“. Im aktuellen geopolitischen Klima, insbesondere angesichts der Aussagen der „Nationalen Sicherheitsstrategie“ der USA, ist „Wir sind die Friedfertigen“ — „Somos Pacificos“, was auch „Wir sind das Volk des Pazifiks“ bedeutet — zu einer Aussage geworden, die nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann, insbesondere im „Westen“.

Die doppelte Bedeutung von „Somos Pacificos“ ist erwähnenswert, da sie auf die Tragweite der Ausstellung hinweist. Sie rekonstruiert die Anfänge friedlicher internationaler Handelsbeziehungen zwischen Acapulco (Mexiko) und Manila (Philippinen).

Ihre Besonderheit liegt nicht allein in der künstlerischen Vielfalt und dem kulturellen Austausch, sondern vor allem darin, wie sie ihre Betrachter an eine Zeit erinnert, in der Mexikos Handelsabkommen nicht von den Vereinigten Staaten dominiert wurden. In den historischen Anfängen seines Außenhandels war Mexico auf seine transpazifische Allianz mit den Philippinen und Singapur konzentriert. Dabei ging es nicht allein um den Austausch von Waren, sondern um eine Beziehung von enormer kultureller, sozialer, politischer, spiritueller und künstlerischer Bedeutung.

Betrachtet man das politische Klima in Mexiko und der Welt im größeren Zusammenhang, muss „Somos Pacificos“ als Hinweis auf einen völlig neuen Ansatz in der mexikanischen Außenpolitik und seinen Handelsbeziehungen der Zukunft verstanden werden. Nicht zuletzt, weil die Außenministerin Mexikos neben namhaften Universitäten des Landes und seiner Botschafterin in Singapur, an der Entstehung dieser Ausstellung direkt beteiligt war.

Seit „Somos Pacificos“ am 4. Dezember 2025 seine Pforten für die Welt geöffnet hat, sah sich Mexiko bereits mit schweren Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten konfrontiert.

Es musste tatenlos dabei zusehen, wie Donald Trump Venezuela mit zunehmend tödlicher Gewalt Sanktionen auferlegte und schließlich beschloss, Nicolás Maduro, am 3. Januar 2026, zu entführen. Diese Tat nahm die Welt zum unweigerlichen Anlass von offen imperialistischer Ideologie zu sprechen, die das Überleben des Gewalttätigsten fördert.

Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum verurteilte Trumps Vorgehen in Venezuela zunehmend und offen. Sie erklärte: „Wir lehnen jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder kategorisch ab.“ Dies führte zu einem historischen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Mexiko und den USA.

Nicht einmal einen Tag nach Maduros Entführung richtete Trump eine weitere Warnung an Mexiko und erklärte, Sheinbaum habe keine Kontrolle über ihr Land.

Im Laufe des Jahres 2025 schlug Trump wiederholt militärische US-Interventionen in Mexiko vor, um seinen „War on Drugs“ zu führen. Sheinbaum lehnte dies jedoch klar ab, während sie ihre anhaltende Bereitschaft, in dieser Angelegenheit zusammenzuarbeiten betonte. Dabei verwies sie darauf, dass sie der CIA bereits erweiterte Freiheiten beim Einsatz von Drohnen entlang der gemeinsamen Grenze eingeräumt hatte. Sie stellte dabei klar, dass die Souveränität Mexikos niemals zur Diskussion stehen werde.

„Somos Pacificos“ zeigt durch die enorme Qualität seiner Exponate den Mehrwert einer alten, erneuerbaren pazifischen Handelsallianz.

Sie bietet eine Gegenperspektive zu den veralteten, aber hartnäckigen Vorstellungen von minderwertigen Produkten aus China, welche in den letzten 20 Jahren stark mit dem pazifischen Handel in Verbindung gebracht wurden. Die Sammlung umfasst mehr als 300 Exponate und eine Vielzahl von Medien. Von Karten über Keramiken und Textilien, bis hin zu Gemälden und Skulpturen.

Historische Raumteiler, die Gemälde mexikanischer Städte mit Gemälden philippinischer Städte abwechselnd zu geheimnisvollen Darstellungen einer Ganzheit verweben, lassen erst bei näherer Betrachtung erkennen, dass es sich tatsächlich um zwei verschiedene Städte handelt. Delikate Apotheker-Möbel mit Elfenbeinschubladen, verziert mit goldenen Konturen, neben einem wandfüllenden Gemälde, das eine farbenfrohe Szene zeigt, in der barbusige Mexika-Völker Wäsche waschen, baden und den Schatten tropischer Pflanzen genießen. Daneben: Überreste antiker Keramiken aus dem pazifischen Raum.

Zahlreiche Karten des „Pazifistischen Raums“ — jede zeigt einen anderen Aspekt des kulturellen Austauschs — vermitteln einen Eindruck davon, wie die pazifische Welt aufgebaut war. Die dargestellten Länder rahmen den Pazifischen Ozean visuell ein und überlassen den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit dem Pazifik selbst. Kein Land scheint hervorgehoben, keines wichtiger genommen zu werden als das andere. Man könnte fast glauben, die Karten selbst würden sagen:

„Wir sind die Friedfertigen“, „Wir sind der Pazifik“.

Die Kunst ist das Medium, in dem Zukunft entsteht. Sie ist die kreative Kraft, die nicht danach fragt, was war, sondern ein Bild davon zeichnet, was kommen wird und sowohl utopische als auch dystopische Visionen liefert, die in stillen Beobachtungen der Gegenwart verwurzelt sind. Wenn man an dystopische Visionen denkt, kommt einem schnell „Brave New World“ in den Sinn. Wie zutreffend Aldous Huxleys „Fiktion“ tatsächlich war, konnte seinerzeit nur anfänglich begriffen werden, wobei die präzise Weiterentwicklung bestehender Tendenzen seiner Zeit seine Leser schon jahrzehntelang fasziniert.

Wo eine immanente Bedrohung besteht, entsteht auch immer die Möglichkeit, die Situation zum Besseren zu wenden.

Mit seiner Vision einer lebenswerteren Zukunft, welche er in seinem Werk „Island“ beschreibt, verkörpert Huxley jene zwei Seiten derselben Medaille. Ein eher stilles Werk von ihm, das gern übersehen wird.

„Somos Pacificos“ scheint der letzteren Beschreibung zu entsprechen. Ein stiller, unapologetischer Blick in eine lebenswerte Zukunft, der leicht übersehen wird, angesichts der allgegenwärtigen Narrative von bloßem Unheil und Terror.