Das Genderparadox

In einer immer unfreier werdenden Epoche besteht die letzte Freiheit absurderweise darin, das eigene Geschlecht frei zu wählen. Exklusivauszug aus „Wie aus Gott Google wurde“. Teil 1 von 2.

Es ist bemerkenswert, dass in einer Zeit, in der die Spaltung der Menschheit weltweit so tief wie nie zuvor spürbar wird, zeitgleich der Wahnsinn der aktuell geführten Geschlechterdiskussion hochkocht. Einerseits stehen wir vor einer gespaltenen Gesellschaft, die jedoch auf allen Ebenen versucht, alles zu vereinheitlichen und die keinerlei Diskriminierung mehr duldet. Die einzigen, die heute diskriminiert werden dürfen, sind die, die sich gegen die Genderpolitik wehren, oder Frauen und Männer, die das, vielleicht sogar mit typischen Verhaltensweisen, am Ende noch gerne sind. Und fast schon paradoxerweise gibt es in einer bedenklich unfrei gewordenen Welt offenbar nur noch in einem einzigen letzten Bereich grenzenlose Freiheit: bei der freien Wahl des eigenen Geschlechts. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „Frau, Mann, Macht“.

Das Genderthema genauer zu betrachten ist enorm wichtig, weil diese Diskussion (1) in der aktuell geführten Form zwar noch mit dem als überholt geltenden, gesellschaftlich geforderten oder auch erwarteten Rollenverhalten von Frauen begründet wird — und viele Fragestellungen davon ganz sicher nach wie vor berechtigt sind — aber es hat sich längst ins Gegenteil verkehrt. (2) In der Genderbewegung geht es nicht mehr in erster Linie darum, seine Rolle als Frau oder Mann gleichberechtigt zu finden, sondern es am besten gar nicht mehr zu sein — jedenfalls nicht von Geburt an.

Es gibt viel zu viele Menschen, die glauben, dass sich die Genderfrage heute in erster Linie um die Verwendung des Gendersternchens und die damit verbundene Gleichberechtigung dreht, und es wäre fast schön, wenn es so wäre. Denn man kann sich kaum vorstellen, was an Ungeheuerlichkeiten von Politik und allen möglichen Organisationen schon alles existiert oder in der Schublade auf sein „coming out“ wartet.

Eine freie Gesellschaft zeichnet sich vor allem durch eine freie Sprache aus, von der wir uns gerade ganz enorm entfernen. Es wird regelrecht Druck ausgeübt und man fühlt sich fast schon schuldig, wenn man die aktuelle Sprachreform infrage stellt.

Diejenigen, die Sprache, Bücher oder Reden verboten oder eingeschränkt haben, wussten jedoch immer, warum sie das taten. Es ging und geht stets darum, etwas auszulöschen — etwas, was man aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängen will. Und das ist in diesem Fall nicht weniger als unsere gesunden Wurzeln als Frau und Mann, weil nun alles geschlechtsneutral sein soll. Am Anfang war das Wort. (3)

Wir wollen die Einheit — keine Trennung in Mann und Frau mehr. Alles soll möglich sein. Die Ur-angelegten Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen zugunsten einer absoluten Minderheit aufgehoben werden. Wem nur nützt es, außer der Minderheit — die man ganz anders vernünftig stützen könnte und sollte. Ist das förderlich für eine wirkliche Versöhnung der Geschlechter, für die Entwicklung junger Menschen oder funktionierender Liebesbeziehungen? Die zunehmende Unfruchtbarkeit, genau wie die zunehmende Zeugungsunfähigkeit sprechen doch eine ganz andere Sprache und zeigen lange schon, dass hier etwas ganz elementar nicht mehr stimmt und wir uns offenbar trotz sich entwickelnder Gleichberechtigung in unseren Wurzeln immer weniger finden können.

Die Zahl der Spermien in westlichen Ländern ist zwischen 1973 und 2011 um bis zu 60 Prozent gesunken. (4) Wenn das in dem Tempo weiter voranschreitet, dann ist der Fortbestand der Menschheit auf dem Weg der natürlichen Zeugungen in der Tat gefährdet. Die Ursachen sind mit Sicherheit vielfältig, Umweltgifte, denaturierte Lebensmittel in östrogenwirksamen Plastikverpackungen, Östrogen im Trinkwasser, die moderne Unterdrückungsmedizin, Stress- und steigende Strahlenbelastung und ganz sicher auch die heutige Rolle des Mannes, genauso wie die der Frau.

Die heutige Genderdiskussion ist aus meiner Sicht vielmehr Ausdruck dessen, dass beide Geschlechter sich vollkommen verloren haben.

Die Frau musste sich emanzipieren, das ist gar keine Frage. Im öffentlichen Leben ist sie sicher immer noch oft genug in einer schwächeren Position — auch das ist keine Frage. Aber in den Liebesbeziehungen und in der Familie scheint mir diese Entwicklung häufig über das Ziel hinausgeschossen. Dort hat die Emanzipation die Rolle des Mannes geschwächt, denn auch er muss sich „emanzipieren“ aus seiner früheren Rolle als funktionierender, möglichst keinen Schmerz zeigender Versorger der Familie. Auf diesem Weg hat sich der Mann auf der einen Seite definitiv entwickelt, ist aber auf der anderen Seite in einer Art Unterlegenheit gelandet, die es ihm erschwert, seinen Weg der Veränderung gut und offen weiter zu gehen. Das zeigen mir 25 Jahre Beratung von Paaren und Familien deutlich. Denn es sind bis heute vor allem Frauen, die ihre Vorstellungen von Männern formulieren.

Genauso hat sich die Frau in gewisser Hinsicht verloren und scheint nur noch vollwertig, wenn sie neben ihren Kindern noch Karriere macht, und vom Mann wird erwartet, dass er ebenfalls bereit ist, zuhause zu bleiben und meist trotzdem die Familie finanziell versorgt. Jeder muss heute im Prinzip Mann und Frau gleichzeitig sein.

Denkt man in der Genderbewegung überhaupt darüber nach, dass es ursprünglich mal um ein ausgeglichenes und friedvolles Miteinander der Geschlechter ging? Wir bekommen reife und gesunde Beziehungen so schon kaum hin und diese Bewegung wird daran nichts verbessern, sondern nur noch mehr Schwierigkeiten schaffen.

Da die Frauenbewegung sich über die Genderbewegung nahezu abgeschafft hat und es nur noch um das Geschlecht und Minderheiten geht, wird diese Politik keine Lösungswege aufzeigen.

Vielmehr wird die Genderdiskussion mit der Ignoranz und Überschreitung der körperlichen Grenzen eine Zerstörung unvorstellbaren Ausmaßes mit sich bringen und die Spaltung der Welt in gewisser Hinsicht unumkehrbar machen, anstatt sich mit der gesunden Einheit und Versöhnung von Mann und Frau zu beschäftigen. Man darf sich das Ungeheuerliche klar machen, dass es hier um eine funktionale Einheit geht, die inhaltlich im Grunde nur über eine geistige Entwicklung und über wirkliche Liebe zu erreichen ist. Und damit ist keineswegs in erster Linie die geschlechtliche Liebe gemeint.

Gender ist mit dem, wie die Unabhängigkeit vom eigenen Geschlecht gelebt werden soll, in der Konsequenz letztlich nichts anderes, als die nun im Kern sichtbar werdende Aufhebung der menschlichen Bestimmung sowie des Ursprungs und damit die Vollendung der Abspaltung vom Himmel. Übrig bleibt auch an dieser Stelle eine duale Welt. Denn allen Polaritäten liegt das männliche und weibliche Prinzip zugrunde, was nun mehr oder weniger zur Disposition steht und damit funktionalisiert wird.

Das Leben ist weiblich und männlich zugleich. Das ist die Basis von allem, was existiert. Ganz gleich, was wir uns heraussuchen, ob es die Gegensätze von Denken und Fühlen sind, von Geben und Empfangen, von Vater Himmel und Mutter Erde oder Sonne und Mond, Bindung und Lösung. Es liegt in der Essenz immer einer Seite das weibliche und der anderen das männliche Prinzip zugrunde — und nur zusammen wird es vollständig.

Auch auf allen anderen Ebenen wissen wir, dass wir immer beide Anteile in uns tragen. Wir haben die gleichen Hormone, nur in unterschiedlicher Verteilung. Medikamente wirken bei Mann und Frau unterschiedlich. Allein die rechte und linke Gehirnhälfte drücken die männliche und weibliche Struktur aus, die jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung innewohnt.

Die meisten Frauen sind gerne Frau, genauso sind viele Männer gerne Mann. Viele Frauen lieben trotz aller Emanzipation auch einen gewissen männlichen Schutz, den viele Männer auch gerne geben wollen, genau wie das Versorgende der Frau ein Urbedürfnis ist. Das heißt nun keineswegs, dass ich dafür plädiere, die Frau zurück an den Herd und den Mann in die Vorstandsetage zu schicken, sondern vielmehr, dass wir wieder das schätzen, was eine Frau und einen Mann ausmacht, und als Gesellschaft einen besseren Rahmen dafür finden sollten, Möglichkeiten und Raum für die Menschen zu bieten, die das so nicht leben wollen oder können.

Wenn wir, ohne unsere rudimentären Anlagen zu verleugnen, in unseren Beziehungen einen reifen, liebevollen Umgang pflegen würden, dann wäre es gar kein Problem, wenn eine Mutter gleichzeitig Karriere macht oder der Mann zuhause bei den Kindern bleibt, wenn das beide wollen. Natürlich setzt das gleichberechtigte Bedingungen für alle voraus, die wir dringend weiter schaffen müssen.

Und dennoch gibt es Berufe, die für Männer besser geeignet sind als für Frauen und natürlich auch umgekehrt. Auch das darf man einfach mal sagen und wahrnehmen.

Wir sind nicht alle gleich, wir sind Mann und Frau und nicht nur getrennt durch den „kleinen“ Unterschied. Die Geschlechter haben verschiedene Anlagen und empfinden einfach unterschiedlich und das hat tiefe — und auch durchaus gesunde — Wurzeln, die sich heute auf neue Weise weiterentwickeln dürfen.

Wir haben uns so weit verloren, dass es einer Politik möglich ist, selbst diese elementaren Wurzeln zerstören zu wollen. Angefangen bei den Kleinsten, denen schon in den Kindergärten das geschlechtsspezifische Verhalten abtrainiert werden soll. Schulbücher werden längst entsprechend geändert. Kinderbücher (5) und der Fernsehkanal KIKA (6) leisten ihre Beiträge ebenfalls. Es gibt eine Vielzahl von Broschüren — auch als Lehrmaterial an Schulen gedacht — zum Beispiel von Pro Familia: „Anders ist normal“. (7) Schließlich wird von der WHO bereits empfohlen, bei Vierjährigen mit der Bildung zur sexuellen Vielfalt zu beginnen. (8) In immer mehr Bundesländern gibt es erste Schulen mit Gendertoiletten, (9) und nahezu überall gehen Genderbeauftrage regelmäßig in Kitas und Schulen, um dort die neue Welt zu „unterrichten“. (10) Das sind nur wenige Beispiele unzähliger anderer, eines gruseliger als das nächste.

Es ist keine Frage, dass ein Mensch, egal, wie alt er ist, aufgrund seines Geschlechts, und auch aus keinem anderen Grund, bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Aber wir leben momentan in einer Zeit, da ist es schlecht, als Junge womöglich ausschließlich Rennautos super zu finden oder im Spiel den Bösewicht zu erschießen.

Niemand ist geschlechtsneutral und da geht es nicht nur um die körperlichen Merkmale — die tragen einen Inhalt in sich! Und ein Junge kann genauso gerne Junge sein, wenn er es mag, einen Puppenwagen vor sich herzuschieben. Wir sollten vor allem unseren Kindern alle Freiheiten lassen und nichts bewerten und uns in gleicher Weise darüber freuen dürfen, wenn jemand offenbar gerne in seinem Geschlecht lebt und über die eine oder andere typische Eigenschaft auch schmunzeln dürfen. Aber all das ist heute unerwünscht. Da haben wir die Bewertung, die sonst an keiner anderen Stelle mehr geduldet wird.

Wie sollen Kinder sich noch finden, wenn normale Emotionen und Reaktionen, die in gewissem Maße immer zu einem Geschlecht dazu gehören, nicht mehr normal sein dürfen?

Auch erwachsene Menschen fühlen sich in vielen Bereichen nicht mehr gesund verwurzelt, sei es in Kultur oder Sprache, aber vor allem fehlt die wichtigste Basis des verlorengegangenen Zugangs zum eigenen Empfinden und nun sollen wir auch noch von unserem Geschlecht abgeschnitten werden.

Wenn Kinder sich jetzt als Junge oder Mädchen erst finden müssen und die Eltern das ebenfalls nicht mehr ohne schlechtes Gewissen leben dürfen, kann das nur in einer kompletten Orientierungslosigkeit enden. Die Werbung auf den Straßen mit Bildern von Männern (?) mit Frauenkörpern und langen Haaren, aber mit Bart, tragen zur Gewöhnung und Verwirrung — gerade für die Kinder — enorm bei. Wir sollen uns offenbar daran gewöhnen, dass wir EINS sind. Ein Geschlecht, statt der fehlenden inneren Einheit.

Die Zahl der Kinder, die sich mit ihrem Geschlecht nicht mehr identifizieren können, genau wie die Zahl der damit in Zusammenhang stehenden chirurgischen Eingriffe, ist seit der zunehmenden Genderpolitik rasant angestiegen. (11) Passend dazu haben die Grünen einen Gesetzesentwurf (12) vorbereitet, der ab dem 1. November 2024 Realität wird und eine Geschlechtsumwandlung deutlich erleichtert. Jugendliche ab 14 Jahre dürfen im ersten Schritt nun allein entscheiden, ob sie Mann oder Frau sein wollen und können das notfalls mit Unterstützung des Gerichts selbst gegen den Willen der Eltern durchsetzen.

Auch in anderen Ländern, wie England, der Schweiz (13) oder Belgien (14), reicht die reine Willenserklärung zum gewünschten Geschlecht aus, um es in den Ausweispapieren ändern zu lassen. In Australien ist gleiches in fünf Bundesstaaten bereits in den Geburtsurkunden von Kindern möglich und in den Niederlanden (15) soll ab 2024/25 in den Ausweisen ganz auf einen Geschlechtseintrag verzichtet werden. Birgit Kelle formuliert dazu sehr trocken, aber treffend:

„Heteroheilung ist heute Staatsauftrag, Bildungsauftrag und krankenkassenfinanziert. Alle anderen Geschlechter zu ‚heilen‘ ist zur Straftat geworden.“ (16)

Wir können operieren und umerziehen, so viel wir wollen. Aus einem Jungen wird kein Mädchen werden, wie die tragische Geschichte der Geschwister Reimer (17) in den sechziger Jahren, als man ideologisch ebenfalls schon mal in die gleiche Richtung ruderte, gezeigt hat. Die Verneinung einer inneren, in Verbindung mit der äußeren Geschlechtlichkeit ist die Spitze des Ausmaßes, über die sich ausdrückt, dass der Mensch sich auf der einen Seite komplett zur Funktion und auf der anderen Seite zu Gott gemacht hat. Alle anderen Eingriffe in die Natur sind schon katastrophal, aber hier wird eine Größenordnung erreicht, die einen nur noch fassungslos macht. Und sie nennen das Fortschritt.

Die Zweigeschlechtlichkeit ist ein durch und durch natürliches Element des Lebens, welches wir mit allen Säugetieren teilen. Und nun plötzlich ist das Geschlecht nur noch etwas sozial Konstruiertes? Was sich im Falle seiner Veränderung, dem gerade schon im Jugendalter Tür und Tor geöffnet wird, nur mit zweistelliger Anzahl an Operationen und lebenslanger Medikamentengabe aufrechterhalten lässt.

Das hat doch alles nichts mehr damit zu tun, dass es eine sehr geringe Anzahl von Menschen gibt, die mit ihrem Körper nicht leben können oder tatsächlich ohne eindeutiges Geschlecht geboren wurden und denen ohne Frage Möglichkeiten zur Verfügung stehen sollten und in gleicher Weise Akzeptanz entgegengebracht werden muss. Aber das, was hier großflächig propagiert wird, ist ein zerstörerischer Angriff auf die Natur. Wir führen Krieg gegen uns selbst, denn wir sind Teil der Natur.


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