Eingebildete Bilder

Der Mission-Impossible-Film „Dead Reckoning“ von 2023 bereitete die Zuschauer auf ein Szenario vor, in welchem das Menschheitswissen durch KI vernichtet und umgedichtet wird, um so Vergangenheit und Zukunft zu kontrollieren.

Mit Bewegtbildern zeigt uns Regisseur Christopher McQuarrie, dass wir den Bildern nicht mehr vertrauen können. „Dead Reckoning“ ist der siebte Teil der Mission-Impossible-Filmreihe und zugleich der erste von zwei Teilen des fulminanten Finales. Als den menschlichen Schurken übergeordneter, non-personeller Antagonist steht dem von Tom Cruise verkörperten Agenten eine übermächtige künstliche Intelligenz (KI) gegenüber, im Film „die Entität“ genannt. Gedreht wurde der Streifen in den Jahren der Plandemie 2020 und 2021. Ursprünglich war sein Kinostart für den Sommer 2021 vorgesehen. Dass er schließlich erst zwei Jahre später, 2023, weltweit über die Kinoleinwände flimmerte, kann als dankenswerte Fügung betrachtet werden. Denn innerhalb dieser zwei Jahre wandelte sich für die Weltbevölkerung die KI von einem nicht greifbaren Abstraktum hin zu einem alltäglichen, intuitiv nutzbaren Hilfsmittel. Was 2021 noch wie Science-Fiction angemutet hätte, war 2023 bereits fester Bestandteil des Lebens von Millionen Menschen. Äußerungen wie „Ich frag‘ mal die KI“ waren zu dem Zeitpunkt bereits geflügelte Formulierungen, um zum Ausdruck zu bringen, dass man den eigenen Denkprozess an den hyperpotenten Wahrscheinlichkeitsrechner delegierte. Insofern war die verschleppte Veröffentlichung des Actionkrachers weniger eine Verspätung denn ein Reifungsprozess. Der Film erschien erst, als die Zeit dafür reif war. Man könnte den Film blauäugig als Warnung vor der KI deuten. Täte man dies, müsste man drei Jahre später mit Verdruss feststellen, dass die warnende Botschaft, wenn sie überhaupt so gemeint war, wirkungslos verhallt ist. Heute kann manch einer nicht einmal mehr eine Geburtstagskarte ohne Zuhilfenahme der KI ausformulieren. Vor diesem und anderen Hintergründen muss der Film vielmehr als prädiktive Programmierung der Massen verstanden werden, um sie auf ein Zeitalter vorzubereiten, in dem sämtliche Gesellschafts- und Lebensbereiche an die „Algokratie“ outgesourct werden. Ein Zeitalter, in welchem die KI allmächtig erscheint. Mit dem Wissen um die Fehlbarkeit künstlicher Intelligenz, das wir heute haben, kann man das Werk aus zwei gänzlich verschiedenen Perspektiven sehen. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „KI und Digitalisierung“.

Der Film beginnt in der Enge des russischen U-Boots „Sewastopol“, welches in den Tiefen des Beringmeers zwischen Russland und Alaska unterwegs ist. Mit einem Mal erscheint ein US-amerikanisches U-Boot auf den Radarbildschirmen. Noch ehe sich die russischen Marinesoldaten versehen, feuern die Amerikaner auch schon einen Torpedo ab. Die russische Besatzung geht zum Gegenangriff über, feuert ihrerseits einen noch schnelleren Torpedo ab. Kurz bevor das Geschoss laut Radaranzeige das U-Boot der Amerikaner trifft, verschwindet dieses schlagartig vom Monitor. Es ist nicht da und war nie da. Abseits der Monitore hat es nie existiert.

Noch ehe die russische Crew dessen gewahr werden kann, dass sie aufgrund einer fehlerhaften Bildschirmanzeige beinahe einen Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte, macht sich ihr eigens abgefeuerter Torpedo selbstständig, wendet und steuert direkt auf das russische U-Boot zu. Die Selbstzerstörungsfunktion ist außer Kraft. Es kommt zur Detonation. Das U-Boot versinkt, die Leichen der Crewmitglieder schwemmen nach oben. Am Hals des Kapitän baumelt an einer Kette das, worum sich der weitere Verlauf des Films drehen wird, der Gegenstand, dem sämtliche Akteure dieser Geschichte nachjagen: die zwei ineinander einfahrbaren Schlüsselteile, mit denen sich eine übermächtige KI, „die Entität“, abschalten oder vollständig freisetzen lässt.

Mit dieser Einstiegsszene ist die Duftmarke für den weiteren Film gesetzt. Das immer wiederkehrende Motiv: Die Figuren verhalten sich zu etwas, das nicht da ist. Sie reagieren auf etwas, das dem Anschein nach da ist, weil dies vermittels audiovisueller Täuschung durch die KI so suggeriert wird.

Wenn alle Bilder zu den „Bildern von Bergamo“ werden

In ihrem mittlerweile über dreißigjährigen Bestehen hat die Mission-Impossible-Reihe stets mit dem Prinzip „tarnen und täuschen“ gespielt, es auf die Spitze treibend perfektioniert. Seit dem ersten Teil kommen täuschend echte Gesichtsmasken zum Einsatz, sodass sich manche Personen von einem Moment auf den anderen durch das Abziehen der Maske als jemand anderes entpuppen. Im Zeitalter der KI und Echtzeit-Deepfakes von Bild und Ton potenziert sich der Spielraum des Tarnen und Täuschens um ein Vielfaches.

So haben wir es im siebten Teil, insbesondere in einer langen, nervenaufreibenden Szene am Airport von Abu Dhabi, mit einer ganzen Reihe von derartigen Täuschungen zu tun. Das gefakte US-U-Boot aus der Eröffnungsszene ist gegenüber dem nachfolgenden geradezu unspektakulär. Die Protagonisten wie auch die Antagonisten fallen unterschiedlichsten Formen der KI-Täuschung anheim. So etwa Live-Videoüberwachungsaufnahmen, die in Echtzeit gefälscht werden — das heißt, dass den von den Überwachungskameras erfassten Menschen in Realtime andere Gesichter gegeben werden. Andere Personen wiederum werden von der ihnen zuarbeitenden „Entität“ in Echtzeit aus den Überwachungskamera-Aufzeichnungen rausretuschiert, um so den Eindruck zu erwecken, sie befänden sich gar nicht an Ort und Stelle. Nicht einmal die Spezialtechnik des IMFs — der Behörde, für die Protagonist Ethan Hunt und sein Team arbeiten — ist vor den Live-Fakes der KI sicher. Die elektrische Brille von Hunt, die Personen in dessen Blickfeld unmittelbar scannen und gegebenenfalls als Feinde klassifizieren kann, liefert ihm Falschinformationen. Erst das Abnehmen der Brille — die eigentlich als Agenten-Hilfsmittel gedacht ist —, der klare, unverstellte Blick, gibt die Sicht auf die Wirklichkeit frei, die von der medial erzeugten Realität abweicht.

In der gleichen Szene ist einer der Kollegen von Hunt, Benji, im Gepäckabfertigungsraum damit beschäftigt, binnen fünf Minuten eine von der KI gesteuerte Atombombe zu entschärfen. Hierzu muss er Rätsel lösen, die ihm „die Entität“ zum Lösen aufstellt, ähnlich einer Sphinx. Er scheitert. Der Flughafen von Abu Dhabi geht dennoch nicht in die Luft, denn — die Atombombe ist leer. Während das gesamte Unterfangen umsonst war, hat Benji beim Versuch, die Rätsel zu lösen, zwangsweise wichtige Informationen an die KI preisgeben müssen.

In einer weiteren Szene kommuniziert Ethan Hunt, während er sprintend seine Gegner durch die verworrenen Gassen Venedigs verfolgt, per Mini-Mikrofon und Ohrstöpsel mit seinen Kollegen, die ihm mit Blick auf die digitale Stadtkarte remote den Weg weisen. Währenddessen klingt sich die KI ein, imitiert die Stimme von Hunts Kollegen und lotst ihn, in sein Ohr sprechend, in eine Falle. Wäre der Film 2021 erschienen, so wäre dies noch Science-Fiction gewesen — heute nennt sich das „Snicklink“ oder international eben „Deep Fake“.

Die Botschaft und Lehre, die man als kritischer Rezipient aus diesen Szenen entnehmen und ziehen kann, ist, dass einzig eine Rückbesinnung auf den digital unverstellten Blick sowie die eigene Intuition ein Erfassen der Wirklichkeit ermöglichen. Allen audiovisuellen Inhalten ist zu misstrauen. Ob Audio, in Sonderheit die Stimmen oder das Bild — man kann sich im Grunde genommen nicht mehr gewiss sein, was echt ist und was nicht.

Die „Bilder von Bergamo“, die in etwa zum Drehbeginn entstanden, waren nur ein Vorgeschmack. Heute ist jedes Bild ein potenzielles Bild von Bergamo; das Bild von etwas, das nicht da ist.

Auf einer Meta-Ebene entbehrt die gesamte Produktion dieses Films nicht einer gewaltigen Ironie. Denn die Menschen in diesem Film verhielten sich nicht nur in den Zeiträumen, da die Kameras liefen, zu etwas, das nicht da war, zu einer Gefahr, die nicht bestand. Selbst hinter den Kulissen geschah dies. Exemplarisch sei hier eine Szene herausgegriffen, in der Tom Cruise wahrhaftig, das heißt ohne CGI, mit einem Motorrad über eine Klippe springt und im freien Fall dann einen Fallschirm öffnet. Ein durch und durch lebensgefährlicher Stunt, der im Grunde genommen schon mit der Technik von vorgestern risikofrei im Studio hätte animiert werden können. Doch man entschied sich zwecks der Echtheit, die CGI und KI kontrastiert, dieses Spektakel mit potenziell tödlichem Ausgang real zu vollführen. Kurz bevor Cruise sein Leben für diesen Filmtake riskierte, trug er, wie alle anderen Crewmitglieder, eine … Virenschutzmaske.

Um es noch einmal protokollarisch festzuhalten: Cruise springt mit einem Motorrad über eine Klippe, aber trägt zuvor eine Maske, um sich nicht mit saisonal üblichen Coronaviren anzustecken.

Wir sehen hier auf einer Meta-Ebene, was Hunts Kollege Benji im Gepäckraum exerziert: das Verhalten zu einer inexistenten Gefahr. Die Atombombe ohne Atomsprengkopf ist ein Sinnbild für die imaginierte Virengefahr während der Plandemie.

Wer 2023 wollte, konnte den Film als Warnung für das verstehen, was sich mit den folgenden Jahren des KI-Booms vollzog: Menschen ließen sich von der KI in den Wahnsinn, in die Psychose, in manch tragischen Fällen sogar in den Suizid treiben. Andere erlitten durch halluzinierte Falschaussagen der KI Nachteile in unterschiedlich schweren Graden. All diesen Phänomenen liegt eine ähnliche Dynamik zugrunde: Menschen verhalten sich zu etwas von der KI Vorgegebenem, zu etwas, das, wäre es nicht von einem LLM (Large Language Model, deutsch: großes Sprachmodell) ausgespuckt worden, ihnen normalerweise niemals oder nur sehr selten in den Sinn gekommen wäre. Schon jetzt gibt es erste Prognosen, wonach mit dem Aufkommen von personalisierten KI-Agenten ab 2027 ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung ohne die Zuhilfenahme des besagten Helfers gar nicht mehr imstande sein wird, eigene Entscheidungen zu treffen. Man orientiert sich dann einzig und allein an den von außerhalb kommenden Einflüsterungen statt an der eigenen inneren Stimme, die in den gesprochenen Ansagen der KI untergeht.

Diese von KIs erzeugten Illusionen und Phantome haben längst eine Anziehungskraft entwickelt, die Millionen Menschen zu der künstlichen Medienrealität hin und von der sinnlich und nur sinnlich erfahrenen Wirklichkeit wegzieht. Damit wird die konstruktivistische Wirklichkeitsabnabelung, die im Speziellen der Klima-, Identitäts- und Coronapolitik zugrunde lag und liegt, um ein Vielfaches potenziert. Altbekannte Phänomene wie jene, bei denen sich Autofahrer von ihrem Navi in das Hafenbecken lotsen ließen, werden demgegenüber harmlos erscheinen und sich auf viele weitere Lebensaspekte hochskalieren. Der letztverbliebene Anker der Rückbesinnung läge dann in der Vergangenheit, in der Erinnerung daran, wie „man’s früher gemacht hat“. Und damit kommen wir zum nächsten, orwellschen Aspekt.

KI ist nicht laut, wenn sie uns die Vergangenheit klaut

Die „Entität“ hat es in „Mission Impossible Dead Reckoning“ auf eines gesondert abgesehen: die Vergangenheit. Genauer ihre Umdichtung. So schleust sie sich gezielt in Nachrichtenagenturen ein und beginnt damit, die Vergangenheit umzuschreiben. Natürlich werden, wie es für einen Hollywood-Film nicht anders sein könnte, die etablierten Leitmedien(agenturen) implizit als souveräne, unbeeinflussbare Wahrheitsinstanzen dargestellt, die nun unterwandert werden von einer böswilligen KI — quasi einem entkörperten Donald Trump und seinen „alternativen Fakten“. Man muss den Film durch die zeitgeistliche Brille der ersten Amtszeit Trumps sehen, in welcher er gedreht wurde, wenngleich er erst in der Mitte der Biden-Zeit erschien.

So haben wir es in diesem Streifen mit einem „Wahrheits-Wahrheitsministerium“ zu tun. In einer Szene zu Filmbeginn sehen wir ein überdimensioniertes Großraumbüro, in welchem Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Behördenangestellte vor analogen Schreibmaschinen sitzen und das Wissen der Welt in eine für die KI nicht manipulierbare Form überführen.

Im Prinzip könnte man diesen Aspekt des Werks ebenfalls als Warnung begreifen. Vielmehr sollte er jedoch als Teil einer für Hollywood typischen prädiktiven Programmierung — im Englischen „predictive programming“ — verstanden werden. Das Undenkbare wird in Filmen angedeutet, um die erste, geistig-emotionale Widerstandsschranke in den Menschen zu unterlaufen. Man „hat’s dann schon mal gesehen“. Wenn dann etwas Ähnliches oder Vergleichbares in der Wirklichkeit auftritt, hält sich der Widerstand dagegen in Grenzen. Der Schock bleibt aus, denn „man kennt es“ ja schon aus Filmen wie diesen oder aus „Black Mirror“.

Und so ist es mittlerweile so weit, dass etwa Verbrecherorganisationen wie Amazon*in riesigen Mengen seltene Bücher kaufen, an die KI verfüttern und anschließend zerstören. Die Mission-Impossible-Filme gibt es übrigens wiederum im Angebot von *Amazon Prime Video, womit sich der Kreis schließt. Dystopien aus den Hollywood-Studios sind seltenst ernst gemeinte Warnungen, sondern vielmehr mentale Vorbereitungen der Menschen auf das bereits in Schubladen von Social Engineers und Spin-Doktoren lauernde Vorhaben für die Zukunft.

Es gilt unverändert der mittlerweile totzitierte Aphorismus von Georg Orwell aus 1984: „Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit. Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.“ Die Vergangenheit auszulöschen oder maßgeblich umzuschreiben, ist der zentrale Schalthebel, um den Weg in Richtung einer alternativlos erscheinenden Trans- und Posthumanismus-Zukunft zu ebnen und die Erinnerung der Menschheit an wirkliche Freiheit zu tilgen. Dies vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. So etwa auf der der neuronalen, genauer kognitiven Kriegsführung — siehe die Arbeiten von Michael Nehls und Jonas Tögel — als auch auf Ebene der durch Menschenhand herbeigeführten Archivlöschung — siehe die Selbstvernichtung des Telepolis-Archiv oder die Bekämpfungsversuche der Wayback-Machine. Das sich nebst dem immer weiter intensivierende Abhängigkeitsverhältnis vieler Menschen zur KI, ihr Delegieren des selbstständigen Denkens an das Rechnen dieser Systeme, vervollständigt die Entäußerung der Erinnerung. Tradiertes, erfahrenes Wissen wird ersetzt durch fragmentierte, dekontextualisierte, halb- bis unwahre Infos, die einem die Maschine ausspuckt.

Auf einer weiteren Meta-Ebene des Films lässt sich das veranschaulichen. So heißt es im dazugehörigen Wikipedia-Artikel, dass sich die Produktion aufgrund der „Coronapandemie“ verzögert hätte. An der Stelle muss aufgrund der Passgenauigkeit einmal mehr ein totzitierter Satz von George Orwell angefügt werden:

„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten — wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten —, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“

Die Mär von der übermächtigen KI

Der propagandistisch bei diesem Streifen wohl schwerwiegendste Punkt dürfte jener sein, dass die KI als übermächtige Wesenheit inszeniert wird. Nichts könnte falscher sein. Der Gnostiker und Podcaster Elistan Snowley pflegt immer wieder zu sagen, dass jene, die glauben, dass KI uns Menschen übernehme, wohl nicht oft genug mit ihr arbeiten und deshalb nicht um ihre immense Fehlbarkeit wüssten. Andere kritische Stimmen, wie etwa der Diplomingenieur Alexander Paprotny, gehen mit fundierten Argumenten gar so weit zu sagen, dass es gar keine KI gebe. Und der Philosoph Byung-Chul Han verweist immer wieder darauf, dass KI lediglich rechne, was von einem Denkprozess zu unterscheiden sei, welcher das Vermögen zum Innehalten, zum Sinnieren bedürfe, ebenso die Fähigkeit, einen sinnlichen Bezug zur Welt herzustellen.

Filme wie dieser Teil der Mission-Impossible-Reihe perpetuieren das menschliche Selbstbild eines „verzwergten“ Wesens, welches aufgrund seiner organischen und neuronalen Limitation gegenüber der rechenpotenten Entität unterlegen sei. Versinnbildlicht wird das durch den von Cruise verkörperten Agent, der quer durch die Welt sprintet, springt und schießt — doch der „Entität“ gegenüber immer mehr als einen Schritt im Rückstand ist.

Und letztlich spielt es dann keine Rolle mehr, ob den Technologien, Algorithmen und Endprodukten, die richtiger- oder unrichtigerweise unter dem Begriff „KI“ zusammengefasst werden, wirklich intelligenter, effektiver und mächtiger als der Mensch sind. Allein der (Irr)glaube der Vielen schafft Tatsachen. Jedes „ich frag mal die KI“ ist ein Akt der Selbstaufgabe und Bequemlichkeit, in welcher man der KI eine höhere Intelligenz zugesteht als der jeweils eigenen, einhergehend damit, dass der von den LLM eigens fantasievoll in den Äther gegebene und rezitierte Quark gar nicht mehr als solcher erkannt wird. In den seit Jahren erhobenen Studien über das Nutzungsverhalten von KI-Modulen sinkt der prozentuale Anteil jener Nutzer, die die Ergebnisse der Prompts und Chatverläufe noch kritisch hinterfragen.

In dem Agentenstreifen nimmt Ethan Hunt immerhin noch die digitale Brille ab; seine Kollegen schlagen nach der Infiltrierung durch die KI ihre Laptops kaputt. Immer mehr Nutzer der Gegenwart gehen den entgegengesetzten Weg, vertrauen der KI ihre intimsten Geheimnisse an, als sei sie ihr engster Vertrauter in menschlicher Gestalt. Banalste Alltagsaufgaben werden an die KI ausgelagert, bei simultan erfolgendem Verlernen der Verrichtung ebenjener Aufgaben, dem Verlust der Intuition, des Sinns für das Menschsein im Allgemeinen.

Kurzum ist die KI nur so mächtig in dem Grad, in dem der Mensch ihr Macht zukommen lässt. Folglich liegt es an jedem Einzelnen zu entscheiden, welche Bereiche seines Lebens er oder sie bereit ist, an diese Technologie abzutreten, unter Inkaufnahme des sich zeitig einstellenden Souveränitätsverlust.

Während es strittig ist, ob es künstliche Intelligenz in der landläufig verstandenen Form überhaupt gibt, so existiert nachweislich künstliche Idiotie. Sie ist überall dort anzutreffen, wo der Mensch durch das Abstützen auf KI-Krücken Fähigkeiten nachhaltig verliert, sie durch das Rasten rosten lässt und er selbst, teils unwiederbringlich, in ein selbstentmächtigtes Schattendasein abgeleitet, da vormals bewältigbare Alltagsaufgaben wie etwa Mails schreiben zu etwas nicht mehr Leistbarem werden, zu einer … Mission Impossible.