Langsam ausradiert

Manova verliert nach und nach Reichweite und die finanzielle Ausstattung, um eine wirksame Kraft für Frieden und Menschlichkeit zu bleiben — wir brauchen daher dringend die Hilfe unserer Leser.

Wir müssen uns die Feinde der Meinungsfreiheit als glückliche Menschen vorstellen. Alles läuft aus ihrer Sicht wie geschmiert. Wo sie unabhängige Medien weder widerlegen noch verbieten können, sorgen sie einfach mit allerlei Tricks dafür, dass diese kaum wahrgenommen werden. Wo Journalisten weder zu kaufen sind noch eingeschüchtert werden können, entzieht man ihnen einfach die Lebensgrundlage. Wo noch ein Quäntchen Mut übrig ist, um gegen die Verhältnisse zu protestieren, blendet man diesen Protest aus und lässt ihn langsam verstummen. Dabei kommen Zeiten auf uns zu, in denen ein Magazin wie Manova mehr denn je gebraucht wird, Zeiten von Krieg, Massenarmut und verschärftem Freiheitsabbau. Was aber, wenn es uns dann längst nicht mehr gibt?

Die Gegner einer freien Presse haben neue, wirkungsvollere Werkzeuge der Schikane in der Hand: Shadowbanning — ein Verfahren, das die Sichtbarkeit eines Mediums systematisch herabsetzt und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer die Inhalte zur Kenntnis nehmen, deutlich reduziert. Was gar nicht wahrgenommen wird, muss man nicht einmal mehr bekämpfen. Über Shadowbanning, den Digital Services Act und Vergleichbares hatten wir vielfach schon in allgemeiner Form berichtet. Nun kann man dieses Ausradieren aus dem Internet in Echtzeit beobachten — und leider betrifft es ganz konkret auch uns selbst. Auf YouTube vollzog sich dieser Prozess für Manova langsam und wird erst im Rückblick in seiner ganzen Tragweite sichtbar. Vergleicht man den Zeitraum von Januar bis Juni 2026 mit dem gleichen Zeitraum 2024, so ergibt sich folgendes Bild: 28,5 Prozent weniger Aufrufe, 38,6 Prozent weniger Wiedergabezeit, 65,2 Prozent weniger Abonnentenzuwachs.

Auf Spotify ging die Anzahl der Wiedergaben unserer Interview- und Talkvideos in den letzten 90 Tagen um 33 Prozent zurück. Auf TikTok wurden bereits vier Reels (kurze, hochformatige Videos) gelöscht. Eines davon hatte knapp 30.000 Klicks erreicht. Das Thema: Das Konto der Mutter von Hüseyin Doğru war eingefroren worden — ein schlimmer Fall nicht nur von Verfolgung eines kritischen Journalisten, sondern überdies von „Sippenhaft“. Vielleicht war speziell dieses Thema „zu viel“ für TikTok gewesen. Zum Vergleich muss man sagen: Im Durchschnitt wurden unsere Reels nur 100-mal angeklickt.

Unsere-Facebook-Seite wurde wie von Zauberhand nach rund zwei Monaten gelöscht. Die Scheinbegründung: „Deren Richtlinien“ verböten es angeblich, uns ein Forum zur Verfügung zu stellen, das sonst wirklich jeder Idiot zur Selbstdarstellung nutzen darf. „Verdächtig“ erscheint auch die Situation bei den Kommentaren. Während die vielen Kommentare früher zur hohen Klickzahl zu passen schienen, haben manche der heutigen Videos weitaus weniger Klicks, aber die gleiche Anzahl an Kommentaren. Dabei „pushen“ Kommentare eigentlich den Algorithmus, ergo sorgen sie für mehr Klicks.

Von Google & Co. in die Ecke gestellt

Tückisch ist Shadowbanning vor allem deshalb, weil es kaum transparent und nie nachweisbar ist. Politische Gegner könnten argumentieren, der Rückgang unserer Reichweite sei auf Qualitätsmängel und „falsches Denken“ zurückzuführen, sodass „anständige“ Leser zu Recht fernbleiben. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass sich weder die politische Richtung, die wir vertreten, noch das Team in den letzten Jahren verändert haben. Es müssen also andere Gründe ausschlaggebend gewesen sein. Anzunehmen ist: Wir werden von Algorithmen systematisch ausgeblendet, werden nicht befeuert wie Kanäle, die dafür viel Geld an Google & Co. zahlen. Viele potenzielle Leser ignorieren uns nicht etwa deshalb, weil sie uns schlecht finden — sie hatten schlicht noch keine Gelegenheit, uns kennenzulernen.

Elektronische Verbreitung im Netz ist für Medien eine großartige Sache, weil sie ihre Ideen auf diese Weise zeitnah, ohne Druckkosten und Vertriebsstrukturen an die Leser und Zuschauer bringen können. Das Internet als Publikationsort ist aber auch sehr verwundbar.

Wie die NachDenkSeiten vor Kurzem erfahren mussten, besteht nicht nur eine Abhängigkeit von großen Plattformen, sondern auch von Finanzdienstleistern. Diese könnten von politischen Gegnern „umgedreht“ werden und sich — wenn Einsichtsfähigkeit und Mut nicht unbedingt „ihr Ding“ sind — an Schikanen gegen die freie Presse beteiligen.

Die Verwundbarkeit unabhängiger Medienportale

Die NachDenkSeiten traf es hammerhart. Eine Firma, die das freie politische Portal mit der Verwaltung seiner Spenden und Fördermitgliedschaften betraut hatte, kündigte völlig überraschend die Zusammenarbeit auf. Der Grund: Der „Wertekanon“ des Unternehmens verlange dies.

Wir dürfen uns da nichts vormachen: Es bedeutet, dass sich der Dienstleister zu fein ist für die NachdenkSeiten und zu feige, um Klartext zu reden. Er lässt sich ohne erkennbare Skrupel für eine Kampagne einspannen, die die Absicht verfolgt, die Opposition zu schikanieren, sie handlungsunfähig zu machen und letztlich zum Aufgeben zu zwingen. Hätten die NachDenkSeiten Kriegsbereitschaft, Hetze gegen Russland und Staatsbegeisterung signalisiert, hätte es vermutlich keine Probleme mit dem „Wertekanon“ gegeben.

So leicht dieses Manöver durchschaubar ist, so große Schwierigkeiten kann die plötzliche Kündigung einem Medium aber auf der praktischen Ebene machen. „Wir standen vor dem Problem, dass nach Ablauf der Kündigungsfrist ein erheblicher Teil unserer laufenden Finanzierung gefährdet gewesen wäre“, schreiben die NachDenkSeiten in einem Artikel.

„Förder-Abos per Kreditkarte, PayPal-Daueraufträge und SEPA-Lastschrifteinzüge wären nicht mehr durchführbar gewesen, und das betraf — was besonders dramatisch ist — nicht nur neue Spenden, sondern unseren gesamten Bestand an dauerhaften Förderern.“

Drei Monate harter Arbeit der IT-Teams der Seite waren nötig, bis der Übergang zu einem neuen, funktionierenden System der Spendenverwaltung geschafft war. Viel Geld, Zeit und Nervenkraft gingen dabei drauf. Es wäre wohl naiv anzunehmen, dass dahinter keine Absicht gesteckt hätte.

Das Resümee der NachDenkSeiten:

„Der Vorgang macht vor allem deutlich, wie verwundbar auch unabhängige Medienprojekte sind, wenn zentrale technische Prozesse von Dritten abhängen. Ein Großteil der Spenden und Unterstützungsleistungen unserer Leser und Unterstützer erhalten wir über regelmäßige Förderbeiträge. Für uns war dies eine unbequeme Erkenntnis: Redaktionelle Unabhängigkeit allein genügt nicht. Auch die technische und finanzielle Infrastruktur eines Mediums muss möglichst unabhängig organisiert sein.“

Auch Manova hatte bereits Schwierigkeiten ähnlicher Art: mit „De-Banking“. Unvermittelt kündigte uns unsere langjährige Hausbank die Zusammenarbeit auf. Der Vorgang war schwer zu durchschauen und zu handhaben, weil sich die Verantwortlichen hinter Phrasen versteckten.

Wir lassen uns nicht geräuschlos ausradieren

  • Ähnlich wie die NachDenkSeiten sind wir dabei, unsere internen Strukturen so umzubauen, dass sie sicherer sind gegen externe Angriffe.
  • Parallel dazu beschäftigen wir uns damit, uns selbstständiger zu machen, damit wir nicht wegen der Einzelentscheidung eines Plattformbetreibers ins Wanken geraten.
  • Mit unserem Print-Magazin „Gegendruck“ sind wir einen Schritt in die nicht-digitale Welt gegangen, um dem Ausgeblendet werden im Internet entgegenzuwirken. Auch wenn die Verkaufszahlen leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind: Es war und ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Der Wermutstropfen ist aber hier leider: All diese Maßnahmen verbrauchen nicht nur Zeit und geistige Kapazitäten — sie kosten auch Geld. Interne Strukturen widerstandsfähiger zu machen, frisst eben auch einiges vom Spendenaufkommen. Dazu muss dieses hoch genug sein, denn laufende Kosten für Personal, Technik und anderes fallen ja zusätzlich an.

Wir kommen nach alldem nicht umhin, festzustellen:

Allein werden wir „Macher“ von Manova das Magazin nicht vom Abgrund zurückreißen können. Wir werden Hilfe brauchen.

Gemeint ist nicht nur Geld, aber eben auch Geld.

Wir verwenden die Spendengelder nur für unseren Betrieb und unsere Arbeit, nicht für Werbung und Reichweitensteigerung. Während Wirtschaftsministerin Katharina Reiche Millionensummen aus Steuergeldern für eine Imagekampagne verpulvert, wollen wir, dass unsere Art des Journalismus für sich selbst spricht.

Wir geben Geld aus, um tatsächlich besser zu werden, nicht, um mehr Menschen die Botschaft „Wir sind gut“ aufzudrängen. Diese Vorgehensweise hat aber natürlich den Nachteil, dass unser Licht quasi dauerhaft unter dem Scheffel steht. Umso mehr müssen wir diesbezüglich auf unsere Leser vertrauen und hoffen, dass sie es weitersagen, wenn sie uns gut finden.

Was können unsere Leserinnen und Leser also tun? In solchen Zeiten gewinnt ein Lebensbereich wieder an Attraktivität, dessen Vorhandensein angesichts der magischen Anziehungskraft von Bildschirmen leicht in Vergessenheit gerät: die Offline-Welt, also das „richtige Leben“.

Widerstandsgruppen der Vergangenheit haben sich einfacher Mittel bedient, damit sie nicht zum Schweigen gebracht werden konnten. Obwohl wir uns nicht mit den mutigen Menschen vergleichen wollen, die unter Lebensgefahr in mörderischen Regimen für ihre Überzeugung eintraten, möchten wir hier doch ein paar „Guerillataktiken“ vorschlagen, mit denen die Mechanismen wie Shadowbanning oder algorithmische Reichweitenbegrenzung ausgetrickst werden könnten:

Offline

  • Artikel können einzeln ausgedruckt und verteilt werden. Man kann sie „liegen lassen“: an öffentlichen Orten, in Zügen, Bussen oder den Warteräumen von Arztpraxen.
  • Weitersagen und Empfehlen hilft der Verbreitung von Manova — „Mundpropaganda“, auch wenn wir das Wort nicht so mögen.
  • Verabreden Sie sich in unseren Treffpunkten zu Gesprächskreisen und anderen gemeinsamen Aktivitäten.

Online

  • Weiterleiten unseres Newsletters, Teilen der Artikel und unserer Videobeiträge über E-Mail oder Netzwerke wie Telegram oder X.
  • Suchen Sie aktiv nach Manova-Inhalten auf Plattformen wie YouTube, Google oder Spotify, statt sich ausschließlich auf algorithmische Empfehlungen zu verlassen.
  • Bleiben Sie bei Inhalten bis zum Schluss, denn die Plattformen messen ihnen nur dann Relevanz bei, wenn sie wirklich zu Ende angeschaut oder gelesen werden.

Wir brauchen Hilfe, um bekannter zu werden. Wir brauchen mehr Einzelspenden. Und vor allem brauchen wir mehr Dauerspenden.

Geld für gute Arbeit, nicht für Selbstdarstellung

Wir könnten in naher Zukunft noch mehr gebraucht werden als derzeit. Wenn es so weit ist, besteht jedoch die Gefahr, dass wir finanziell zusammengebrochen sind und uns in alle Winde zerstreut haben, damit jeder Mitarbeiter „irgendwo“ seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Die Kraft, die wir als eingespieltes Team entfalten können, wäre verpufft. Und wo sollten sich Menschen nach einem möglichen Untergang der freien Presse noch unabhängig informieren — zumal auch andere gute Alternativmedien natürlich ähnlichen Angriffen ausgesetzt sind?

Unsere Bitte ist also: Ermöglichen Sie durch Ihre Spende, dass unser Angebot anderen weiterhin zur Verfügung steht und unsere Stimme zu gegebener Zeit laut sein kann.

„Journalismus“ nach dem Gusto der Mächtigen

Wie er sich ideale Journalisten vorstellt, hat Außenminister Johann Wadephul unlängst in einem von einer „jugendlichen“ Werbeagentur gestalteten Clip deutlich gemacht, der eine fiktive Pressekonferenz zeigt. Nichts daran ist echt. Zuerst deutet der Minister mit autoritärer Gebärde auf einen der Journalisten: „Sie!“ Die einzige Frage, die dem einfällt: „Ist Desinformation immer noch so ein Problem?“ „Ja“, antwortet Wadephul. Eine Journalistin: „Was kann man dagegen tun?“ Der Minister: „Da sein, wo die Menschen sind“. Und er fügt hinzu: „Ich bin jetzt auch auf YouTube“. Ohrenbetäubender Jubel der Umstehenden, die vor Begeisterung herumhüpfen. Zahnpastalächeln und eine selbstgefällige Geste vom Minister.

Nicht nur sind die Journalisten in diesem peinlichen Filmchen zum Fremdschämen dumm und brav — die Inszenierung ist auch entlarvend für den Protagonisten. In einer Realität, in der immer mehr Menschen den Mächtigen davonlaufen, ist Scripted Reality die einzige Chance für Politiker, noch einmal beklatscht zu werden.

Im Gegensatz zu den fiktiven Pressevertretern in Wadephuls Spot repräsentieren wir von Manova die gegenteilige Art von Journalismus: einen, von dem die Mächtigen am liebsten hätten, dass es ihn gar nicht gibt und den sie deshalb zum Schweigen bringen wollen.

Diese Kräfte könnten gewinnen. Wenn wir es zulassen.