Die Auferstehung der Hoffnung
Wenn die Gefahr wächst, darf das Rettende nicht schrumpfen. Manova bittet seine Leser um einen ermutigenden Oster-Impuls.
„Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.“ Auch wenn die Bindung der Bevölkerung an traditionelle Feste wie Ostern schwächer geworden ist, bleibt die Seelenbewegung, welche durch die Tage zwischen Karfreitag und Ostersonntag repräsentiert wird, im Unterbewusstsein vieler verankert. Es geht um Tod und Auferstehung. Um die Möglichkeit, dass sich unerhört Neues in scheinbar aussichtsloser Lage ereignen kann. Hoffnung muss sich nicht unbedingt an ein bestimmtes, erwartetes Ereignis knüpfen. Sie kann als unspezifische, aber machtvolle Seelenregung dauerhaft präsent bleiben — als grundsätzliche Offenheit für das Einströmen neuer, positiver Impulse in den Geist und in die Gesellschaft. Richtig verstanden, lähmt Hoffnung nicht die eigene Anstrengung, die Dinge zu verbessern, sie ist vielmehr die Voraussetzung für jegliche zielführende Aktion. Denn Hoffnung verleiht den Mut, weiterzumachen, bis sich von irgendwoher eine Lösung zeigt. Wir wünschen uns in diesen Tagen, dass die beiden Seiten medialer Kommunikation — die „Macher“ und die Leser unseres Magazins — einander gegenseitig Hoffnung schenken können. Wir kommen nach einer kleinen Besinnungspause, die bis zum 14. April dauert, mit neuen Ideen, Themen und Analysen wieder. Gleichzeitig bitten wir um eine Geldspritze als „Osterei“ in unser Körbchen oder noch besser: um eine regelmäßige Spende.
Die Grundstimmung in Deutschland ist die einer kollektiven Depression. Generell scheint Mut- und Ideenlosigkeit vorzuherrschen. Im Rückblick erscheint selbst die Corona-Phase noch „schwungvoller“ gewesen zu sein, da sie die Szene infolge der gemeinsamen Frontstellung gegen einen unglaublichen Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger zusammenzuschweißen und zu motivieren vermochte. Nicht einmal die ernst zu nehmende Gefahr eines großen Krieges, die wir häufig zum Thema haben, oder die allgemeine, schmerzhafte Verarmungstendenz in der Bevölkerung scheinen momentan eine derartige Wirkung zu entfalten. Was also tun? Kann es kollektiv eine Art Osterereignis geben — eine Auferstehung der Hoffnung?
Das Magazin Manova feiert in diesen Tagen seinen 3. Geburtstag. Das ist ein Jubiläum, auf das wir stolz sein können. Denn noch im April 2023 schien es überhaupt nicht sicher zu sein, ob wir eine fruchtbare Wegstrecke von drei Jahren würden gemeinsam zurücklegen können, nachdem der Rubikon in der damaligen Personenkonstellation nicht mehr fortgeführt werden konnte. Das Team, der Stammautorenpool, der Leser- und Spenderkreis haben sich bewährt. Es wurde eine populäre „Marke“ entwickelt, was nicht selbstverständlich ist in einer schnelllebigen Medienlandschaft.
Warum es Gegenwind gibt
Und doch stehen wir in diesen Ostertagen schlechter da als noch im vergangenen Jahr. Mit den Leser- und Spenderzahlen geht es bergab. Wir sind natürlich immer bereit, uns selbst infrage zu stellen, auf Kritik zu reagieren und unser Angebot zu verbessern. Doch kämpfen wir auch gegen den Gegenwind einiger Tendenzen an, die wir nicht selbst kontrollieren können.
Zunächst ist da der Kaufkraftverlust in den Portemonnaies vieler unserer Leser — Folge einer Verarmungspolitik, die wir immer kritisiert haben, die wir aber nicht aufhalten konnten. Aber auch, weil uns das Geld ausgeht, um in höhere Autorenhonorare und neue Formate zu investieren. Womit sich die Katze in den Schwanz beißt. Durch Nichtspenden, das menschlich und unter sozialen Aspekten verständlich ist, erschweren uns viele Leser nämlich jene Arbeit, die im Ergebnis — mithilfe anderer kritischer Medien — dazu beitragen könnte, eine wirtschaftspolitische Wende anzustoßen. Die Dynamik ist fatal.
Der Bereich „alternativer Medien“ als Ganzes wächst indes; deren Einfluss und Reichweite haben sich in der Summe seit unseren Anfangstagen noch einmal erheblich ausgeweitet. Das fördert die Meinungsfreiheit und bietet einen gewissen Schutz gegen Zensur: Viele dezentrale Medien sind schwerer abzuschalten als eine große Organisation. Der Vorrat an verfügbarer Zeit unserer Leser hat sich indes nicht vergrößert.
Generalangriff auf die Meinungsfreiheit
Als Spielraumeinengung erleben wir zugleich auch die politische Gesamtsituation, speziell im Hinblick auf freie Medien. Die Gehirne „unserer“ politischen Entscheidungsträger scheinen Tag und Nacht damit beschäftigt, neue Strategien für die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu ersinnen. Oftmals hanebüchene Konstrukte vermögen es, die Leitmedien und sogar größere Demonstrationsbewegungen voll erbittert geifernder Akteure gegen die Meinungsfreiheit zu aktivieren. So dumm und so perfide kann ein Trick der Mächtigen gar nicht sein, dass er nicht auf einen breiten Resonanzboden träfe. Beispiele:
- Der Fall „Ulmen-Fernandes“ popularisierte ein geplantes Gesetz gegen Deep-Fake-Pornos, obwohl es in besagtem Ehedrama um Deep Fakes gar nicht ging. Das Gesetz könnte auch gegen visuelle Formen regierungskritischer Meinungsäußerungen eingesetzt werden, zum Beispiel gegen satirische Fotomontagen oder Filme, in denen die Gestalt eines Politikers in einem anderen Kontext zum Zweck der Kritik verwendet wird.
- Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther antwortet bei Markus Lanz auf die Frage, ob man bestimmte Alternativmedien notfalls zensieren oder gar verbieten solle, mit einem klaren „Ja“.
- Kritische Journalisten, wie Hüseyin Doğru, werden — meist, weil sie als russlandfreundlich gelten — nach EU-Recht mit drastischen, existenzvernichtenden Mitteln sanktioniert.
Für all diese Fälle gilt, dass eine abschreckende und einschüchternde Wirkung auf bisher noch nicht von Zwangsmaßnahmen betroffene Akteure beabsichtigt ist. Das Ideal der Freiheitsfeinde wäre eine Medienlandschaft voll ausdrucksgehemmter, übervorsichtiger Duckmäuser, die sich keinen Zentimeter aus der unsichtbaren Umhegung machtpolitisch motivierter Denkverbote herauswagen.
Notwendiges Magazin in Not
In diesem prekären Umfeld wäre ein starkes Manova-Magazin dringend notwendig. Tatsächlich droht sich aber gleich in mehrfacher Hinsicht eine Schlinge um unseren Hals zuzuziehen: Die Gefahr politischer Verfolgung, das Risiko finanzieller Austrocknung und die Befürchtung, in einem Umfeld potenter Mitakteure unterzugehen, entfalten gleichzeitig ihre lähmende Wirkung.
Was die Gefahr einer Verfolgung betrifft, so reagieren wir zunächst damit, dass wir weitermachen und uns nicht den Mund verbieten lassen, während wir Fälle menschenrechtswidriger Einschränkung der Meinungsfreiheit offensiv thematisieren.
Der finanziellen Krise können wird derzeit nur durch eine Mischung aus Appellen an die Leserschaft, aus dem Setzen qualitativer Glanzpunkte und teilweise schmerzhaften Sparmaßnahmen begegnen. Leider ist der Wunschtraum unserer Gegner, bald vor uns Ruhe zu haben, von einer Realisierung gar nicht mehr so weit entfernt.
Was Manova besonders macht
Jedes freie Medium positioniert sich trotz weltanschaulicher Überschneidungen in seinen politischen Prioritäten und in seinen Darstellungsmitteln etwas anders. Wir nehmen eher eine wägende Haltung zwischen den Extrempositionen ein und integrieren auf diese Weise unterschiedliche humanistische, lebens- und friedensfreundliche Milieus, die von den Mächtigen sonst gern nach dem Motto „Teile und herrsche“ gegeneinander ausgespielt werden.
Speziell sind bei uns Frauen und Männer, Ost- und Westdeutsche, spirituell geprägte wie eher rational und säkular veranlagte Menschen gleichermaßen vertreten, sodass sich ein fruchtbarer Austausch entspinnen kann.
Wir haben eine Affinität zu Kultur, Philosophie und Psyche, allgemein: zum inneren Menschen, dessen Realität ebenso wie die des politisch-sozialen Menschen in den Blick genommen werden muss. Positive Zukunftsentwürfe, Lebensfreude und optimistische Weltdeutungen haben neben der Kritik am Bestehenden ihren Platz, wodurch wir der Entstehung von Aktivisten-Burn-out und von Negativität als Berufskrankheit entgegenwirken wollen.
Wir publizieren sowohl auf der Textebene in unserem Magazin als auch in Form von Videobeiträgen mit Gesprächen, Dokumentationen und Reportagen über unsere Videokanäle. Unsere Vielfalt an Formaten von Text- und Videobeiträgen wächst dabei stetig.
Aufrichtig sein und einander aufrichten
Wer möchte, dass ein Magazin mit genau diesen Merkmalen weiterbesteht, weil er seine eigene Wesensart darin widergespiegelt sieht, wer also das Gefühl hat, das Verschwinden des Manova-Magazins aus der Medienlandschaft könne nicht einfach durch den Konsum anderer kritischer Magazine kompensiert werden, den bitten wir, in Zukunft verstärkt an uns zu spenden. Denn unser Weiterbestehen kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider nicht mehr als pure Selbstverständlichkeit betrachtet werden.
Wir wünschen uns eine Wiedergeburt der Hoffnung, nicht nur für die Betreiber und die Leser dieses Magazins, sondern für unsere ganze, reichlich niedergedrückt wirkende Gesellschaft. Richten wir uns wieder aneinander auf! Wir werden gern das Unsere dazu beitragen, dass ein Mut machender Impuls durchs Land geht. Wir brauchen aber auch Ihr Echo — Ermutigung für die Ermutiger. Dies umfasst Solidarität, Feedback, Weiterempfehlung, aber eben auch Geldspenden, ohne die es nicht gehen wird.